Natürlich kann ein Flugzeug auch mit einseitigem Schub geradeaus fliegen. Ohne diese Fähigkeit würde es niemals zugelassen. Zweistrahler schaffen das aerodynamisch betrachtet sogar besser als Vierstrahler weil die erstgenannten - um entsprechende Sicherheitsauflagen zu erfüllen - einen größeren Kraftüberschuss pro Triebwerk haben müssen, denn da muss das verbleibende Triebwerk mehr Schub bringen als die beiden Verbleibenden eines Vierstrahlers um die erforderlichen 50% Reserve zu haben. Aber selbst da muss es funktionieren. Ich habe das selber mal in einem Full-Motion-Simulator einer Boeing 747 ausprobiert: die beiden rechten Triebwerke während des Starts einfach auf Leerlauf gezogen und schauen, wie sich das anfühlt. Man hängt wie ein Schluck Wasser in der Kurve, muss das Seitenruder massiv trimmen und steigt nur schwerfällig, aber es geht. Erschwert wird das Ganze in diesem Fall dadurch, dass der Kraftvektor weiter außen auf dem Flügel sitzt, das äußere Triebwerk ist schließlich relativ weit vom Rumpf der Maschine entfernt. Bei Zweistrahlern befinden sich die Triebwerke relativ nah am Rumpf.
Das Problem ist aber: beim Ausfall eines Triebwerks wird sich, wie bei jeder massiven Störung, das Flight Management System (landläufig: der Autopilot) verabschieden und der Pilot muss übernehmen.
Nun wird es aber in dem Fall, den wir gerade durchspielen, kaum so sein, dass das 2. Triebwerk lange weiterläuft. Wenn der Treibstoff zu Ende geht ist auch das bald am Ende, nur halt nicht auf die Sekunde zugleich wie Nr. 1 weil der Treibstoff in den Tanks und der Verbrauch nicht so haargenau gleich sind.
Wenn beide Triebwerke ausgehen kann das Flugzeug aerodynamisch gesehen zwar weiterhin segeln, aber es werden dann auch Hydraulik und Elektrik ausfallen. Auch das ist beherrschbar, die im Wind drehenden Triebwerkseinlässe und eine bei manchen Flugzeugen ausfahrende RAT, ein kleiner Propeller, sorgen für ausreichenden Notstrom und notfallmäßigen Hydraulikdruck. All dieses wird aber nicht mehr automatisch erledigt, da bedarf es der beiden Piloten, die unter einer Menge Stress dafür sorgen müssen, alles im Griff zu halten.
Was die permanente Datenübertragung angeht: technisch machbar wäre das. Nur betrachtet man es bisher so, dass die Kosten dafür in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen. AF447 und MH370 sind insofern atypische Unglücke als die Flüge im Nirgendwo der Meere verschwanden. Das ist aber selten. Flugzeuge stürzen eh selten ab und wenn, dann meist kurz vor oder nach der Landung (also an Land oder in Küstennähe) und so ist es regelmäßig keine große Suche nach den Black Boxes. Dass man lange nach den Boxes sucht ist eine ziemliche Ausnahme.
Die Triebwerke versenden bei Malaysian keine Daten weil die Airline diesen Dienst nicht nutzt. Das System, sozusagen serienmäßig verbaut, meldet sich dann zwar kurz mit einem "Hallo, hier bin ich" (= den vieldiskutierten Pings) beim Satelliten, es kommt aber zu keinen Datenübertragungen. Die würden auch nur Betriebsdaten den Triebwerke übermitteln, keine Standortinformationen weil die für Triebwerksmechaniker unwichtig sind.
Ein Airbus überträgt, wenn man den Dienst freischaltet, auch wichtige Systemmeldungen. Daher wusste man im Falle von AF447 um die massiven technischen Ausfälle in den Augenblicken vor dem Absturz.