Respekt, MTT, genau meine Meinung.
Diese Vergleiche zu anderen Krisenherden oder ein Aufrechnen von Toten ist, mal abgesehen davon daß es der Sache nie gerecht wird, auch insofern nicht möglich als es die Bedeutung der Sache nicht spiegelt.
Sicher sterben und starben durch andere Konflike mehr Menschen als am 11.09.2001, das ist ja unbestritten.
Aber die Symbolik, die Auswirkungen sind ganz anders.
Bei den Anschlägen in New York waren wir sozusagen alle live dabei, sehr viele haben den Einschlag des 2. Flugzeugs tatsächlich live im Fernsehen gesehen, alle anderen sahen es zumindest in den Nachrichtensendungen und seitdem unzählige Male. Das ist anders als wenn man in der Zeitung liest daß sich in Rwanda Hutus und Tutzis die Köppe einschlagen mit 100.000 Toten.
Hier empfinden wir einfach einen viel näheren Bezug, ob man das nun zynisch findet oder nicht, aber die Wahrscheinlichkeit in irgendeinem Hochhaus zu sein, in irgendeinem Zug in London, Madrid oder zwischen Köln und Koblenz zu sitzen ist einfach um ein Vielfaches höher und unserer Lebensrealität viel näher als ein Rassenkonflikt in Afrika, Dafur oder sonstwo.
Es ist ja keine Wertung damit verbunden daß das eine Leben mehr zählt als das andere, aber die Auswirkungen von 11/9 auf mich sind in vielen Bereichen viel deutlicher als diverse andere Konflikte irgendwo auf der Welt.
Das mag jetzt etwas sehr blauäugig und naiv klingen, aber ich bin 34 und habe in meiner Kindheit noch dunkle Erinnerungen an den "kalten Krieg": hier die bösen Russen, die schlimme DDR, da der gute Ami und der Westen. Umweltverschmutzung, Ölkrise, RAF, Waldsterben...
Dann zerbröckelte die UDSSR, die DDR verschwand, selbst in Israel/Palästina bewegte sich leicht etwas, die RAF verschwand, Umweltschutz wurde ernst genommen. Das ging damit einher daß ich erwachsener wurde, viele Probleme der Kindheit verflogen weil der Bewegungs- und Entscheidungsspielraum eines Jugendlichen größer wird, und irgendwie war die Welt in Ordnung, wenn man so will. So habe ich das jedenfalls wahrgenommen.
Seit 9/11 hat sich das irgendwie schleichend verändert. Plötzlich sind die Islamisten und der arabische Terror ein allgegenwärtiges Thema, es beeinflußt unsere Politik, unser Sicherheitsgefühl - ich bin erst letzte Woche mit dem Zug von Köln nach Bremen gefahren und fühlte mich nicht unsicher, aber man steigt weniger unbefangen in den Zug als vor dem zum Glück misslungenen Anschlag. Es gibt die Vogelseuche, Rinderwahnsinn, Arbeitslosigkeit, wenig Geld, Gedanken über die Rente, die Gesundheitsreform, allgemein die Zukunft.
Die "Unbefangenheit", die zumindest ich zwischendrin mal empfunden habe, ist einfach weg inzwischen. Und ich glaube daß es vielen so geht, insofern hat der 9.11 sehr viel verändert.