Eigentlich seid ihr doch alle ganz intelligent, deswegen wundert es mich ein wenig daß hier so aneinander vorbei geredet wird.
Lebensmittel sind nicht in dem Sinne zu billig als die Leute immer noch zuviel Geld in der Tasche haben - das haben viele nicht, die müssen sich jeden Tag neu sehr anstrengen um klarzukommen.
Lebensmittel sind - und so war es gemeint - insofern zu preiswert als das, was man im Supermarkt zahlen muß, nicht den Wert spiegelt, den hochwertige Ware hat.
Gehen wir mal weg vom Beispiel Wasser und nehmen das Beispiel Fleisch. Eine Wiese sorgsam zu pflegen ohne Gift zu sprühen, das Heu zu ernten, es der Kuh füttern, diese artgerecht aufzuziehen, dann korrekt zu schlachten und die hochwertigen Teile als gutes Fleisch durch einen Metzger zu verkaufen hat seinen Preis.
Billiger ist es natürlich wenn man preiswerten chinesischen Gen-Mais verfüttert, Wachstumshormone beifügt, viele Kühe im Stall zusammendrängt, sie per Viehtransport billig in Polen schlachtet und das Fleisch industriell verarbeitet in die Kühlregale der Discounter verbringt.
Das Beispiel will sagen: gute Qualität und faire, dabei nachhaltige und ökologische Landwirtschaft hat ihren Preis. Das ist uns oft nicht mehr bewußt weil wir alle nur die Billigpreise der Supermarktketten kennen, dafür aber auch entsprechende Qualitätseinbußen hinnehmen. "Qualität" heißt nicht allein Hygiene, sondern auch Geschmack, Ökologie, Nachhaltigkeit, Umweltschutz.
Man kann sowas auch auf andere Bereiche des Lebens übertragen: ein Handy hat einen Wert von locker 500 EUR und ist damit wertvoller als mancher Gebrauchtwagen, den die Studenten unter uns fahren. Das ist aber niemandem bewußt, denn wir sind es gewohnt das Gerät für 1 EUR zu bekommen und in 12 Monaten, wenn die Vertragsverlängerung beim Schubladenvertrag fällig ist, gibt's schon wieder ein neues Gerät, und das alte ist "Schrott" von gestern.
Welche Ingenieursleistung, wieviel Erfindergeist und Entwicklung in jedem einzelnen Bauteil, und erst recht dem Gesamtkunstwerk, steckt, macht sich niemand mehr klar. Ist ja nur ein 1-EUR-Gerät...
Und da muß man sich eben mal klar machen: in einem guten Fleisch, das von einem fair bezahlten Bauern kommt, der seine Kühe artgerecht pflegt und hält, selber einen angemessenen Preis dafür bekommt, steckt sehr viel Arbeit und Mühe. Wenn das Schnitzel im Discounter dann 30 Cent kostet spiegelt das nicht den wirklichen Wert eines guten Fleisches, für 30 Cent konnte niemand ein rundum gutes Fleisch produzieren.
Für 1 EUR kann auch niemand ein gutes Handy konstruieren, wo der Kunde eben kein Betatester ist, sondern wo man ein GErät kauft und es funktioniert - ohne daß das Display Pixelfehler hat, nach 2 Tagen der Joystick abbricht, die Software voller Bugs ist, der Lautsprecher wie Blech klingt, ...
An dem Punkt muß man sagen daß unsere Lebensmittel "zu billig" geworden sind weil die Maxime nur noch ist die Ware möglichst preiswert anbieten zu können, nebenbei die Hygienevorschrift einzuhalten, aber es ist dann nicht mehr möglich in Qualität zu investieren wo es Geld kostet.
Natürlich sind dem einzelnen Verbraucher durch seine finanziellen Engpässe oft die Handlungsalternativen genommen, aber wenn man tatsächlich die Wahl hat und es sich leisten kann sollte man überlegen ob "Hauptsache billig" immer das Motto sein kann. An erster Stelle muß "Hauptsache gut und fair" stehen, und erst dann geht's um den Preis.