Mir persönlich und auch jedem anderen wäre sicher lieber wenn da fair und ohne Doping gearbeitet, sprich gefahren, würde.
Nur: Auch wenn es nicht bewiesen ist, aber das Gefühl, daß die ganze Sportart von mehr oder weniger geschicktem Doping durchzogen ist, habe zumindest ich seit langem. Und ich bin kein Radsport-Freak, sondern nur zu Tour-de-France-Zeiten ein immer interessierter Fan dieser Veranstaltung. Der Eindruck, daß fast alle dopen, aber viele nicht erwischt werden oder sich mit Ausreden rausreden (Asthma...) oder sich geschickt an einen Grenzwert herantasten, bei dem sie als nicht gedopt gelten, obwohl (Blut)werte nicht den Normalwerten entsprechen, den habe ich als Normalzuschauer seit langem - und bin nicht der Einzige. Die meisten Zuschauer vermuten wahrscheinlich daß im Hintergrund gefummelt wird, nur solange es nicht bewiesen wird gelten alle als unschuldig.
Andererseits: Ich kann's aber auch nicht ändern und muß deswegen tatsächlich sagen: mir egal. Ich habe keinen Einfluß darauf wenn diese Deppen sich dopen, ihre Gesundheit gefährden, und irgendwo nutzt es ja auch keinem mehr wenn alle gedopt sind. Dann ist es am Ende doch wieder nur die Frage wer der Stärkste ist, denn die Leistungsgrenzen liegen zwar insgesamt höher als ohne Dope, aber die Unterschiede zwischen den Fahrern sind ja doch wieder hergestellt. Doping würde ja nur dann etwas bringen wenn sich ein einzelner einen Vorteil vor anderen verschaffen könnte...
Diese Skandale tauchen regelmäßig während der Tour auf, ich kann aber nix dagegen tun. Insofern komme ich echt dahin zu sagen: na und? Dann sollen sie sich eben dopen. Ich habe das von niemandem verlangt, auch nicht indirekt indem ich immer neue Höchstleistungen sehen will - denn die will ich gar nicht sehen!
Es ist mir doch völlig wurscht ob eine Etappe ein Durchschnittstempo von X oder Y hat oder ob ein Bergaanstieg langsamer ist weil alle ungedopt sind... ich geniesse das Ereignis, die Landschaft, auch das Interesse an der sportlichen Auseinandersetzung genauso, und keinen Deut weniger, wenn das alles etwas gemächlicher geht oder 2 Erholungstage mehr eingebaut werden.
Insofern lasse ich mir auch nicht unterstellen daß "wir Zuschauer" indirekt herausfordern daß Doping stattfindet. Das trifft, denke ich, auf die Zuschauer ganz einfach nicht zu. Ich glaube auch nicht daß Sponsoren Doping erwarten/fördern, denn das Negativimage ist immens wenn ein Radstall in Verdacht gerät. Den Sponsor interessiert vielleicht daß seine Fahrer mal einen Fluchtversuch machen, in einer Spitzengruppe Präsenz zeigen, um den Sponsor bekannt zu machen und den Werbeeffekt zu erreichen - aber das funktioniert auch ganz ohne Doping.
"Schuld" sind für mich letztlich die Sportler und Betreuer selber, ich glaube am ehesten daß die aus falsch verstandenem Ehrgeiz meinen sich mit allen Mitteln an die Spitze setzen zu müssen. Und selbst wenn Druck von aussen da wäre: ganz blöd gesagt, was mit meinem Körper gemacht wird, bestimme ich allein. Würden die Sportler nach einem gemeinsamen "Ehrenkodex" einfach verweigern sich mit Doping unsportlich und gefährlich zu malträtieren wäre der Sumpf trockengelegt.
Aber wahrscheinlich gibt es immer wieder diejenigen, die den falschen Ehrgeiz haben. Nur müßten die von den Mannschaftskollegen angeprangert und auf den rechten Weg gebracht werden.
Es sind am Ende immer die Sportler, die es mit sich machen lassen oder selber machen, die den letztendlichen Fehler begehen.