Ich war 2 oder 3 Mal in ****-Hotels und weiß zumindest 2x daß die Portiers Anzug trugen.
Es gibt ja die alte Faustregel daß man sich zum Vorstellungsgespräch eine Stufe besser anzieht als später im Job alltäglich ist. Insofern würde ich hier - auch in Anbetracht meines ersten Satzes - auf jeden Fall im Anzug auflaufen.
Hier geht's ja nicht um eine Stelle als Handwerker, nicht mal um einen Bürojob, sondern eine Position, in der man Publikumsverkehr hat und als Repräsentant, verschärfend: Ersteindruck, eines Hotels wahrgenommen wird. Und immerhin reden wir bei einem ****-Haus schon über ein Hotel mit gehobenem Anspruch, keine billige Absteige.
Wenn jemand sich in einen Anzug "hineingezwängt" empfindet stellt sich schnell die Frage ob es für einen selber gut ist sich als Portier zu bewerben... denn da kann es schnell passieren daß der Anzug die erwartete Berufskleidung ist, da kommt es dann nicht gut wenn man schon im Vorstellungsgespräch vermittelt daß man sich in der Kleidung unwohl fühlt.
Selbst wenn man dort am Empfang später keinen Anzug trägt finde ich es bei einem Vorstellungsgespräch für die Stelle des wichtigsten Repräsentanten des Hotels in jedem Fall angemessen einen Anzug anzuziehen!
Hitze etc. sind schlechte "Ausreden", es gibt auch Sommeranzüge. Wenn Du keinen hast, na gut, aber wenn doch halte ich es für "Pflicht" ihn anzuziehen... würde ich jedenfalls so sehen.
Zur Gehaltsfrage: Ich habe da keine Referenzen und kann deswegen nicht sagen was man da konkret antworten sollte. Ich denke nur daß Du die Sache folgendermaßen betrachten mußt: solche Fragen SIND blöd, aber sie werden nahezu standardmäßig gestellt - insofern muß man immer eine Antwort parat haben. Gab es in der Stellenausschreibung keine Angabe über den Verdienst?
Finden sich im Netz Angaben über der Verdienst?
Generell darfst Du nicht übertreiben - aber auch nicht untertreiben. Erstens weil man sich nicht unter Wert verkaufen sollte, insbesondere aber auch weil hier 2 wichtige Dinge mitspielen, die ich als "Plusfaktoren" betrachte: zum einen, ich erwähnte es schon, bist Du der wichtigste Repräsentant des Hotels. Von Deinem Verhalten hängt entscheidend ab wie willkommen sich ein neuer Gast fühlt, und wie gut er sich bei irgendwelchen Anliegen versorgt fühlt.Du bist also nicht irgendein unsichtbarer Hanswurst, sondern "das Gesicht" des Hotels, der wichtigste und oft einzige Kontakt und Eindruck, den Gäste haben.
Daraus ergibt sich ein besonderer Anspruch an Dein Auftreten, an Dein Verhalten, gerade in einem ****-Haus, welches immerhin überdurchschnittliche Komfortansprüche befriedigt. (Das ist übrigens auch ein guter Text wenn's darum geht Deine Motivation / dein Selbstverständnis zu erklären - solche Aussagen kommen bestimmt gut an!) Und insofern Du also "überdurchschnittliche" Leistungen des Hotels repräsentierst darfst/mußt Du auch beim Gehalt nicht zu niedrig pokern. Denn das Hotel will einen wirklich guten Mann an der Front haben, Du bist ein solcher guter Mann - und da kannst Du auch ein ausreichendes Gehalt erwarten. Wenn Du ein schlechtes Gehalt wolltest könntest Du auch mißmutiger Türsteher eines Stundenhotels werden, aber immerhin geht's hier um eine anspruchsvolle Tätigkeit, da darf man dann auch eine gute Bezahlung erwarten.
Klar, Du mußt natürlich im Rahmen der üblichen Tarife für einen solchen Job bleiben. Aber innerhalb des Spektrums würde ich mich im oberen Bereich ansiedeln. Den Anspruch darfst, "mußt" Du haben, auch ohne unverschämt zu sein. Kompromißbereit kannste dann immer noch sein... Es geht hier ja oft auch nur darum Deine Selbsteinschätzung zu testen, man wird Dir eh das bezahlen was man allen bezahlt. Deine Selbsteinschätzung "muß" hier aber gehobene Ansprüche erfüllen, denn die stellt sich das ****-Haus ja auch selber. Außerdem zeugt es von Selbstbewußtsein wenn man sich nicht schon von vorneherein unter Wert verkauft... Das darf nicht in Arroganz umschlagen, aber man kann/wird es Dir nicht negativ auslegen daß Du für gute Arbeit auch gutes Geld haben möchtest.
Der andere Grund für ein nicht zu niedrig angesetztes Gehalt: Es ist Nachtarbeit. Auch wenn auf Stundenbasis abgerechnet werden sollte, das ist egal, Du leistest Nachtarbeit, also einen Dienst unter erschwerten Bedingungen. Auch das muß sich ja irgendwie niederschlagen.
Lange Rede wenig Sinn: sei nicht unverschämt, aber untertreibe auch nicht. Du sollst einen anspruchsvollen Job machen - dann muß die Kohle stimmen. Die wollen schließlich einen guten Mann, und nicht irgendeinen unfreundlichen, demotivierten, unrepräsentativen, finsteren Schlüssel-Herausgeber, sondern einen freundlichen, um die Gäste bemühten, gepflegten und aufmerksamen Portier haben.
Ach ja, eine ganz einfache Hilfe bei der Kleiderfrage wäre natürlich: mal abends/nachts an dem Hotel vorbeifahren und schauen was am Empfang getragen wird...:D (wobei, siehe oben, ich trotzdem in jedem Fall im Anzug zum Vorstellungsgespräch gehen würde).
Als generellen Tip würde ich Dir für das Vorstellungsgespräch mitgeben: äußere Dich ganz deutlich in die Richtung, die ich Dir oben geschrieben habe, so von wegen wichtigster Repräsentant des Hotels, hoher Anspruch von ****-Buchern an die Leistungen des Hotels, Wichtigkeit des positiven Ersteindrucks ("Man hat nur eine Chance einen guten ersten Eindruck zu machen."), blablabla.
Ich denke daß Du da Punkte sammeln kannst, denn auf sowas wird es der Unternehmensführung in so einem Haus sicher ankommen.
Ansonsten denke ich wird Freundlichkeit, zuvorkommendes, aber unaufdringliches Verhalten und Aufmerksamkeit besonders wichtig sein, vielleicht in diesem Fall noch einen Tick mehr als bei anderen Vorstellungsgesprächen, wenn um andere Jobs geht. Halte also die Augen auf, sei hilfsbereit und immer und zu JEDEM freundlich, auch zur Putzfrau. Übertreibe es nicht, aber Höflichkeitsformeln, gewisse Umgangsformen usw. solltest Du drauf haben. Wenn Du da unsicher bist - mach Dich nochmal ein bißchen schlau wie man sich benimmt...
Auch wenn ich sowas total affig finde: sei darauf gefaßt daß man Dich womöglich auch testet indem man irgendwelche Situationen schafft, um zu sehen wie Du reagierst. Vorstellbar wäre - so als spontane Idee - daß in Deiner Gegenwart irgendwelche Indiskretionen stattfinden und Du nachher in eine Situation kommst sie ausplaudern zu können. Das tust Du dann natürlich nicht!!!
Oder, was weiß ich... Dir irgendwelche unfreundlichen, komischen Leute begegnen - bleibe freundlich, laß Dich nicht provozieren! Oder jemand schleppt einen schweren Koffer durch die Gegend - Du bietest natürlich sofort Hilfe an, hälst Türen auf, wünschst dem offensichtlich abreisenden Gast eine gute Reise... Vielleicht ist das nur ein Test - man weiß es nicht. In jedem Fall sind Aufmerksamkeit, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft die Schlüsselqualifikationen, die mit Sicherheit wahrgenommen und positiv gewertet werden.
Ich drücke Dir jedenfalls die Daumen - und schreibe bitte später wie es gelaufen ist!!!