Hi,
das Positive zuerst: es scheint eine Kommunikation zwischen euch zu geben und der gute Wille ist von beiden Seiten aus da. Rechne es Deiner Frau hoch an daß sie mit Dir spricht und wir jetzt hier das diskutieren, was wir diskutieren - schlimmer wäre wenn Du in 2 Jahren einen Thread hättest eröffnen müssen "Meine Frau ist seit gestern total überraschend weg, Kinder weg, Haus weg, Geld weg".
Es scheint ja immerhin so zu sein daß sie genau wie Du willig ist das Problem zu meistern und daß auch keiner abgeschlossen hat und die Lösung nur noch in einer Trennung sieht. Insofern sehe ich durchaus eine Chance bei euch.
Ich versuche mich mal in eure Situation zu versetzen und vergleiche das mit mir. Ich bin 34, krebse jobmäßig herum und komme nicht so recht auf einen grünen Zweig (wer einen gut bezahlten, aber einfachen Job für mich hat darf sich gerne melden :D:D:D), die Freundin bin ich nach 5 Jahren seit Herbst los, ... Ich bin mit 34 immer noch nicht wirklich erwachsen, wenn man das mal so sagen will. Allerdings habe ich Zeit gehabt und habe sie immer noch um dies und das zu probieren, Verschiedenes auszutesten, zu sehen was das Leben so bietet. Sollte ich in 10 Jahren heiraten, ein Haus bauen und Kinder haben wüßte ich relativ genau wie ich dahin gekommen bin und welche Alternativen das Leben anbot. Ich wäre dann also relativ sicher nichts verpaßt zu haben.
Bei euch: 10 Jahre jünger, verheiratet, Kinder, Haus. Ich habe wirklich Respekt vor dem, was ihr da schon geschafft habt, welche Verantwortung ihr tragt und ich weiß nicht ob ich jemals so weit komme.
Allerdings unterstelle ich einfach mal daß bei euch der Spielraum für "Entwicklung" extrem klein gewesen ist, denn ihr seid ja beide mehr oder weniger von der Schule aus sofort in ein "endgültiges Erwachsenenleben" gerutscht. Gäbe es jetzt diese Probleme nicht würde es für euch bis zum Greisenalter einfach nur immer weiter laufen, ohne jede Veränderung.
Und da kommt Deine Frau jetzt an den Punkt, an dem ihr das klar wird, wo sie sich Gedanken macht ob sie mit dieser relativen "Endgültigkeit" leben mag, ob sie vielleicht etwas verpaßt hat. Vor 100 Jahren wäre das kein Problem gewesen - weil da funktionierte es so und es gab nichts zu verpassen. Als Frau wurde mit 20 geheiratet, und die Aufgabe war dann Frau und 10fache Mutter und dann Oma zu sein.
Heute sind die Spielräume viel größer, es ist üblich Vieles zu testen und zu probieren, bevor man irgendwann irgendwo hängen bleibt.
Deine Frau fragt sich jetzt ob sie etwas verpaßt hat oder was die Alternativen gewesen wären und wie sich diese Alternativen anfühlen. Ich denke daß Du ihr diese Gedanken
a) sowieso nicht verbieten kannst und
b) das auch nicht sinnvoll wäre.
Was sie an Dir hat erfährt sie vielleicht erst wenn sie jetzt an anderen Lebensphilosophien schnuppert und dann vergleichen kann, wenn sie merkt was sie jetzt an Gutem hat.
Erzwingen kannst Du sowieso nichts und wenn Du in dieser Schleuderphase gegenzulenken versuchst kann es auch sein daß Du das Steuer ganz verreißt. Deswegen ist meine bescheidene Meinung: Laß' Deiner Frau alle Freiräume, die sie braucht und austestet. Das ist natürlich saumäßig schwer, aber trotzdem. Laß sie ihren eigenen Weg in der Eheberatung suchen, laß sie mit einem anderen Typen reden, selbst wenn sie von anderen angebaggert wird: wird laß es laufen, denn das ist normal und gehört zum Leben. Sie kann ihre Position im Leben, ihre Rolle als Frau mit Sex-Appeal, als Ehefrau, als Mutter, als Hausfrau, als vielleicht zukünftiger Azubi, als Arbeitnehmerin nur finden wenn Du sie alleine Erfahrungen machen läßt und sie Dinge lernt und erlebt, die alle anderen Menschen in dem Alter auch austesten.
Vertraue darauf daß sie Dir nicht einfach fremd gehen wird, denn sie scheint ehrlich mit Dir umzugehen, es läuft nichts hinter Deinem Rücken, und sie scheint wirklich auch willig zu sein daß ihr beide eine Zukunft habt. Wenn sie einfach nur "raus" wollte könnte sie ja gehen, dann würde sie schlichtweg in einer Nacht-und-Nebel-Aktion abhauen, aber nicht mit Dir reden.
Ich glaube - aus Sicht eines ungebundenen Mannes - auch nicht daß sie auf dem Partnermarkt besonders gute Chancen hat.
Rein sexuell betrachtet sind halbwegs gutaussehende Frauen (ich unterstelle ihr jetzt mal eine gewisse Attraktivität) natürlich generell immer reizvoll für Männer - wenn es um ein schnelles Abenteuer geht. Das müßte dann aber wirklich zeitnah passieren, denn wenn ein Typ die schnelle Nummer sucht wird der sich nicht tage- und wochenlang ihre Beziehungsprobleme anhören wollen um dann vielleicht doch nicht "zum Schuß zu kommen".
Es kann schon sein daß ihr "Beichtvater" insgeheim hofft daß da mehr läuft als daß er immer nur den Zuhörer spielen darf. Allerdings kann der ja wollen was er will - solange Du Vertrauen zu Deiner Frau hast und die nix anstellt wird nichts passieren. Und mein Eindruck von ihr ist, soweit ich Deine Schilderungen beurteile, daß sie sich außerhalb bestenfalls Appettit holt - aber zum Essen nach Hause kommt.
Im Hinblick auf eine ernstzunehmende Partnerschaft dürften junge Frauen mit Kindern erst Recht ziemliche Ladenhüter sein. Welcher Mann bindet sich "einfach so" an eine junge, "unreife" Frau mit Kindern, Ehemann, Haus, und den riesigen Problemen, die das mit sich bringt? Wenn's nur um den Spaß geht - den kann man anderswo wesentlich unproblematischer haben.
Ich würde mir deswegen an Deiner Stelle erstmal nicht so wirklich Sorgen machen daß da viel passieren kann... Garantien gibt es natürlich nie, aber es gibt immerhin Wahrscheinlichkeiten, und die sprechen hier erstmal dagegen daß da hinter Deinem Rücken irgendwelche unschönen Dinge ablaufen.
Vor allem mußt Du sie auch deswegen mit der Eheberatung und dem anderen Kerl allein lassen weil wenn Du da wieder kontrollierend eingreifst erdrückst Du sie gleich wieder, denn wieder kann sie nicht eigenständig und ohne Dich agieren. Sie will - und muß - sich momentan selber sortieren, ihre Rolle und ihre Zukunft finden. Da kannst und darfst Du nicht ständig eingreifen. Sie ist durch die Lebensumstände schon genügend fremdbestimmt. Laß ihr viele Freiräume damit sie sich entwickeln kann!
Allerdings kannst Du bestimmt punkten indem Du deinerseits eine klare Linie fährst, weißt was Du willst und Prinzipien hast. Sei eine positive Bereicherung für sie, sei im besten Sinne "ihr Mann", ein Fels in der Brandung. Jemand, der sie unterstützt und ihr "laufen lernen hilft", nicht jemand der alles kontrolliert und ihr vorgekaut hinlegt. Jemand, auf den sie immer zählen kann und der da ist wenn man seinen Partner braucht, der einem Freunde und Spaß bereitet, der einem zeigt was man wert ist und daß man geliebt wird. Jemand, der Sicherheit bietet - finanziell wie moralisch, der der beste Vater für eure Kinder ist, und der auch ganz schlicht und einfach der beste Charmeur und Liebhaber ist, den sie haben kann. Gib ihr das Gefühl eine Prinzessin zu sein, ihr im Leben und im Bett Dinge zu bieten, die sie anderswo nicht so einfach bekommen könnte. Aber sei natürlich auch jemand der weiß was er will, sich nicht alles gefallen läßt, Prinzipien hat und Erwartungen an sie hat.
Klare Linie fahren heißt: Laß sie machen, aber erwarte daß Regeln eingehalten werden: Wenn Deine Grenze ist daß Du den Typ nicht in eurem Haus haben möchtest - nur so als Beispiel - dann kommuniziere eben auch daß da für Dich eine Grenze ist. Ihre Grenze ist z. B. daß sie alleine zur Paarberatung gehen will - mache ihr klar daß Du diese Spielregel anerkennen wirst, ohne wenn und aber. Sag ihr deutlich daß Du nichts gegen Freunde hast und auch nicht dagegen daß ihr Gesprächspartner ein Mann ist, daß sie mit dem reden kann so oft sie will und Du auch nicht die Geheimnisse wissen willst, die sie mit anderen teilt. Mach aber auch klar daß daraus eine Verantwortung für sie entsteht hinter Deinem Rücken nichts anzustellen.
Aus Deinen Texten hier lese ich aber, wie gesagt, daß sie offenbar wirklich an einem fairen Umgang und lösungsorientiert ist, und dabei nicht unbedingt das Ziel anstrebt wie sie Dich am Besten los wird.
Eine Garantie daß ihr bis ans Ende aller Tage glücklich zusammen leben werdet wirst Du natürlich nie haben - die hat aber auch sonst niemand auf dieser Welt. Es ist auch klar daß eine Trennung bei euch ein ganz anderes Erdbeben auslösen würde als meine Trennung im Herbst - wo wir uns, wenn man die Gefühlsebene mal außen vor läßt - einfach verlassen konnten ohne finanzielle oder sonstige Dinge, die zu klären gewesen wären.
Ich glaube es ist wichtig daß Du dich jetzt auch selber positionierst, eine Haltung und Meinung zu eurer momentanen Lage einnimmst. Aber ich denke daß auch Du auf einem guten Weg bist. Du fragst hier nach und bekommst viele Sichtweisen, vielleicht gehst Du auch mal zu einer Paarberatung - das kann man übrigens wirklich alleine machen, man MUSS nicht mit Partner hingehen.
Ich wünsche euch alles Gute!