Nee, die Bahnpreise kosten eben nicht immer gleich.
Spielt man ein wenig mit Daten und Zeiten, verschiedenen Strecken-Möglichkeiten (auf langen Fahrten) oder macht Unterschiede zwischen verschiedenen Zug-Kathegorien (ICE hat andere Preise als IC/EC und die wieder anders als Nahverkehrszüge) kommen immer wieder andere Preise heraus.
Wenn man dann noch irgendwelche Sondertickets (Bayernkarte, NRW-Karte, Wochenend-Ticket oder was es da so gibt) oder Verkehrsverbund-Karten einbezieht und auch noch irgendwelche Mitfahrerbörsen bemüht hat man weitere unterschiedliche Preise.
Das alles ist für einen Otto Normalverbraucher zu komplex zu durchschauen, oft weiß man gar nicht welche Möglichkeiten noch alles durchdacht werden könnten, und entsprechende Tests (Stiftung Warentest - seit Jahren mit immer selben Ergebnis) belegen daß nicht mal die Schalterbeamten der Bahn immer die günstigste Möglichkeit fanden.
Viele Reisende haben weder Zeit noch Lust stundenlang alle möglichen Optionen durchzuspielen - und haben am Ende mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht das optimale, preisgünstige Ticket erwischt. Und dann gibt es 2 Möglichkeiten: entweder finde ich das Ticket sauteuer, oder ich bin sauer weil ich später merke daß ich zu viel bezahlt habe. Kommen dann noch ein paar andere Negativ-Faktoren hinzu - Verspätungen, versiffte Wagen, nervende Mitreisende etc. - hat die Bahn bei der nächsten Reise einen Kunden weniger.
Noch dazu erhöht die Bahn regelmäßig kräftig die Preise und ich erinnere mich auch noch sehr gut daran wie die große Preisreform vor 2 Jahren haargenau in die Zeit fiel als sich die Billigflieger mit viel Werbeaufwand und Ticketpreisen ab 19 EUR inkl. Steuern und Gebühren in Deutschland etablierten.
Dem setzte die Bahn damals die Abschaffung der Bahncard, die die Preise halbierte, sowie Zugbindung der Tickets und weitere "Schmankerln" entgegen. Also eine für jeden mittelmäßig begabten Menschen erkennbar absolut unsinnige und komplett falsche Taktik. Zwar war die Preisreform keine direkte Antwort auf die Billigflieger und war nur zufällig gleichzeitig, aber es kam eben zu einem Zeitpunkt, der schlechter nicht hätte sein können - mal ganz davon abgesehen daß es eh eine völlige Scheiß-"Reform" war.
Ich weiß auch noch gut wie die Züge folgerichtig plötzlich menschenleer waren, die Bahnpreise und Beschränkungen heiß diskutiert wurden, für diejenigen, die an der Bahn nicht vorbei kamen Mitfahrerbörsen geschaffen wurden und die Bahn trotz heftigster Verluste nicht willens war den Fehler schnell zu korrigieren, sondern es hieß: "Wir müssen erstmal bis zum Sommer (6 Monate lang) weitermachen und testen, die Kunden haben das Preissystem einfach nur nicht verstanden." Man setzte also auch noch Arroganz oben drauf.
Das Lidl-Ticket setzt dem nun maximale Preistransparenz und Flexibilität sowie einen extrem guten Preis gegenüber - und das lockt die Leute auch sofort in Scharen an.
Ich fürchte eben nur daß die Bahn nicht erkennt daß dieses der genau richtige Weg ist, die Leute werden heute über gute Preise und Flexibilität angesprochen.
Ich denke daß die Bahn mit der grundsätzlichen Taktik "viele Tickets einfach und preiswert" zu verkaufen wesentlich mehr Kunden gewinnen kann als mit dem System "wenige Tickets zu teuren oder zumindest unübersichtlichen Preisen". Gerade in Zeiten hoher Benzinpreise hätte die Bahn ganz gute Chancen - wenn sie sie erkennt. Ich hoffe sie lernt etwas aus der Erfahrung des Runs auf die Lidl-Tickets.