Beiträge von Printus

    Da bist du aber auf einem ganz schmalen Brett unterwegs. Noch gilt in diesem Rechtsstaat die Unschuldsvermutung und dass zerstörte Festplatten vorliegen beweist nichts. Jeder, der ein wenig Grips im Kopf hat, zerstört Festplatten wenn er sie aussortiert, z. B. bei einem Computerneukauf, einfach weil man anders kaum sicherstellen kann, dass die Daten später doch noch von jemandem ausgelesen werden können.


    Man kann einen solchen Fund zwar im Gesamtzusammenhang bewerten, aber das ist in einem Rechtsstaat keine Grundlage um jemanden allein deswegen "festzunageln". So hat man es vor ein paar Jahrzehnten in der dunkelsten Zeit in Deutschland gemacht, aber das ist heute gottlob nicht mehr gangbar.

    In Deutschland stockt die öffentliche Diskussion darüber vergangenheitsbedingt, aber in den Köpfen wird hier nicht anders gedacht als in der Schweiz. Ab einer gewissen Größenordnung werden Zuwanderer aus anderen Kulturenkreisen als Bedrohung empfunden und bei den Eidgenossen ist für Manche die Grenze erreicht.
    Es mag zwar noch ein Unterschied sein ob kulturell ähnliche "Leistungsträger" oder als besonders fremd empfundene "osteuropäische und anatolische Zuwanderer in die Sozialsysteme" wahrgenommen werden, aber letztlich funktioniert Multikulti nicht. Die Leute wollen am Ende gemäß ihrer Sozialisation unter Gleichgesinnten leben. Ein paar Fremde sind okay, aber die dürfen nicht zu bestimmend werden. So dürfte es weltweit sein. Nirgendwo können sich Zuwanderer so ohne Weiteres in einer anderen Kultur ausbreiten - Ghettos (nichts anderes ist es ja) wie Chinatown sind da kein Gegenbeispiel. Mal abgesehen von New York hat auch der ländliche Amerikaner ein sehr patriotisches Denken, wie es so ziemlich überall zu finden ist. In Deutschland sagt es nur keiner so deutlich weil das hier verpönt ist und geächtet wird.


    Spannend und teilweise erheiternd ist, wie deutsche und europäische Politiker im Augenblick herumeiern. Einerseits müssen sie das Votum der schweizerischen Bevölkerung als demokratische Abstimmung akzeptieren, andererseits soll unter keinen Umständen der Eindruck entstehen, dass in jedem Land das gleiche Abstimmungsergebnis zustande käme, wenn die Leute ihre Meinung kundtun könnten.

    Zitat

    Original geschrieben von bernbayer
    Ganz egal, mit was man diese Diätenerhöhung vergleicht,sie ist völlig überzogen und unangebracht.


    Sehe ich auch so. Diese Regierung führt sich mit einer Diätenerhöhung in die neue Legislaturperiode ein, etwas Nennenswertes habt sie ansonsten bisher weder auf den Weg gebracht noch wenigstens angestoßen. Aus dem Pauxpas mit der Steuersenkung für Hoteliers in der letzten Regierung hat man scheinbar nichts gelernt.


    Zitat

    Original geschrieben von bernbayer
    Schon der Vergleichsmaßstab "Bundesrichter" für die Höhe der Diäten ist völlig daneben, zumal bei den Abgeordneten noch eine üppige steuerfreie Aufwandsentschädigung hinzukommt. Den tatsächlichen Aufwand müssen sie ja nicht einmal nachweisen.


    Schwierigkeit hier ist aber tatsächlich: woran soll man die Abgeordnetendiäten orientieren? Egal welche Referenz man nimmt, es ist immer zu viel oder zu wenig. Abgeordnete machen einen Job, den es so anderswo nicht gibt, also gibt es auch keinen Branchenvergleich. Generell gönne ich den Leuten durchaus einen guten Verdienst, immerhin ist es die Führungsetage Deutschlands.


    Zitat

    Original geschrieben von bernbayer
    Man kann davon Ausgehen das die meisten Volksvertreter in ihren bisherigen Beruf bedeutend weniger als ein Bundesrichter verdient haben.Auch die Ausbildung wird da vielfach nicht vergleichbar mit der eines Bundesrichters sein.


    So kann man aber nicht argumentieren. Leute werden für die Arbeit, die sie leisten, bezahlt - nicht für die Ausbildung, die sie haben. Das ist auch okay so. Ein Abgeordneter muss auch eine Abgeordnetendiät bekommen und nicht das Lehrer- oder Juristengehalt gemäß erlerntem Beruf.


    Zitat

    Original geschrieben von bernbayer
    Aus Tarifverhandlungen sollten sich Politiker grundsätzlich herraushalten, wenn man schon die Tarifautonomie in Sonntagsreden gern herausstellt.


    Das Fatale ist halt wieder mal, dass Wasser gepredigt und Wein getrunken wird, und das nicht so, dass es die Masse nicht merkt. Obwohl es jeder mitbekommt protestiert außer den Linken keiner aus dem System dagegen, dass es so nicht geht und niemandem in der Bevölkerung vermittelbar ist. Auch die Medien machen wieder mal keinen angemessenen Skandal daraus. Aber dass die ihren Status als 4. Gewalt längst aufgegeben haben, ist ja auch nicht neu.


    Wie Frank schrieb, allein diese Erhöhung ist mehr als ein ALG II-Empfänger zum Leben hat. Wie will man dafür bei ALG II-Beziehern und Geringverdienern Verständnis bekommen? Wie will man den Eindruck vermeiden, dass Parlamentarier der Lebensrealität vieler Menschen im Land längst entrückt seien? Unmöglich.

    Aber wird die Wichtigkeit der Beliebtheitsliste nicht überschätzt? Kein Mensch kauft sich deswegen ein anderes Auto weil es in der Beliebtheitswertung des ADAC weiter oben steht. Kann ich mir jedenfalls nicht vorstellen. Zu unterschiedlich die Modelle, die Preise, die persönlichen Anforderungen...


    Bei Reifen z. B. verstehe ich gut, dass sich halb Deutschland tatsächlich am ADAC-Test orientiert: man hat für die Kaufentscheidung keine andere Grundlage als einen Reifentest, also schlägt man bei einem der Spitzenreiter zu.

    Man muss diese Dinge im Einzelfall nicht auf die Goldwaage legen. Wenn da 1, 2 formale oder inhaltliche Aspekte nicht perfekt erfüllt sind wertet es ein im Gesamtkontext gutes Zeugnis natürlich nicht ab. Aber wenn ein paar Ungeschicklichkeiten zusammen kommen, vielleicht sogar unabsichtlich, braut es sich irgendwann doch zu einem verwirrenden Gemisch zusammen. Deswegen habe ich diese Randaspekte mal mit erwähnt.


    Dass das Zeugnis nicht immer am letzten offiziellen Arbeitstag persönlich übergeben wird, ist klar. Viele Leute sind dann gar nicht mehr da weil sie noch Resturlaub oder Überstunden abfeiern. Postversand ist nichts Schlimmes, nur sollte nicht, zusammen mit anderen Aspekten (komisches Datum, Anschrift mit drauf etc.) der Eindruck entstehen, es sei nur noch schriftlich kommuniziert worden weil man persönlich nicht mehr miteinander konnte.


    THWS: die gröbsten Schnitzer sind
    - die Kolleginnen
    - die unzureichende Beurteilung der Führung
    - der nicht ausreichende Schluss. Achte hier auf Dank, Ausdruck des Bedauerns, dass der Grund des Ausscheidens genannt wird (wenn es nicht "fristlose Kündigung" war :D ) und dass man dir WEITERHIN alles Gute und viel Erfolg wünscht. Ohne "weiterhin" heißt, dass es bisher nicht vorhanden war.

    Hier handelt es sich ja nicht um ein lupenreines Arbeitszeugnis, sondern eine Mischung aus Zwischen- und Ausbildungszeugnis. Insofern ist die ganze Sache eh schon mal eine "Eigenkonstruktion".


    Bei einem qualifizierten Arbeitszeugnis gelten folgende Regeln:
    - es muss auf Firmenpapier gedruckt sein
    - unterschrieben von einem hochrangigen Firmenvertreter (Geschäftsführer, Personalchef etc.), es reicht nicht wenn die Sekretärin mit "i. A." unterschreibt
    - die Funktion des Unterzeichnenden muss nochmal in Klarschrift darunter stehen
    - das Datum sollte auf den Tag des offiziellen Ausscheidens aus dem Unternehmen datiert sein (ist aber nicht einklagbar); andere ("ungrade") Daten mitten im Monat könnten theoretisch den Verdacht nähren, man sei an dem Tag fristlos entlassen worden oder man habe sich nach Ende des Arbeitsverhältnisses über das Zeugnis gestritten, sei also im Streit voneinander gegangen und deswegen wurde es später erst so geschrieben
    - das Schreiben darf nicht geknickt sein oder wenn doch nur so, dass es kopiert werden kann ohne diese Knicke zu sehen (Hintergrund: wer das Zeugnis geschickt bekommt, hat es womöglich auch nicht bei einem freundlichen persönlichen Abschied überreicht bekommen, sondern per Post erhalten, was für eine Trennung im Streit sprechen könnte)
    - es darf aus demselben Grund keine Anschrift des Adressaten auf dem Blatt stehen


    Nach Zugang des Zeugnisses hat man "ausreichend" Zeit es zu prüfen. Welcher Zeitrahmen ausreichend ist, ist nicht genau definiert. Je schneller, desto besser. In der Praxis liegt die Schallgrenze für Arbeitsgerichte bei etwa 8-9 Monaten. Spätere Reklamationen werden dort nicht mehr unterstützt. Freiwillig kann man sich mit dem AG natürlich auch zu jedem beliebigen späteren Zeitpunkt noch verständigen.


    Inhaltlich gilt es als verpönt ein Zeugnis zu bewerten, dass man nicht vollständig kennt. Es bedarf zwar keiner Namen, aber wenn Abteilungen, Branchen oder Ähnliches nicht bekannt sind, ist es immer etwas vorsichtig zu betrachten.


    Was man auch wissen sollte: ein "normal guter" Mitarbeiter wird im Bereich einer 3 angesiedelt. Ein überdurchschnittlich guter Mitarbeiter erhält eine 2, eine 1 wird faktisch nie vergeben. Wenn doch kann das 2 Gründe haben: entweder hat jemand ohne Erfahrung ein Zeugnis geschrieben und gedacht, ein toller Mitarbeiter soll auch eine Bestnote bekommen. Oder man will jemandem mit einem übertrieben guten und dadurch unglaubwürdigen Zeugnis schaden, ohne sich zugleich aber angreifbar zu machen, denn ein Zeugnis muss wohlwollend sein.


    Da, wo ich mir selber Zeugnisse geschrieben habe, habe ich mich im Bereich 2-3 angesiedelt. Über dem Durchschnitt, aber nicht so übertrieben gut, dass es ein erfahrener Personaler nicht mehr glaubt und als Gefälligkeitszeugnis abtut.


    Die Gliederung des Zeugnisses ist: erstmal Namen und Geburtsdatum nennen und von wann bis wann der Mitarbeiter als was beschäftigt war ( Bezeichnung siehe Arbeitsvertag!). Dann folgt die Aufgabenbeschreibung, die Beurteilung der fachlichen Qualitäten, Beurteilung des Sozialverfaltens (die "Führung"), dann der Schlusssatz.


    Generell gehört dein Zeugnis zu denen, bei denen jemand ohne echte Erfahrung bemüht war, alles richtig zu machen und den Mitarbeiter gut bewerten möchte.


    Bei der Aufgabenbeschreibung sollte man "von wichtig zu nachrangig" sortieren und dabei nur wirklich relevante Dinge aufzählen - dass jemand morgens als erster kommt und deswegen immer das Licht anschaltet gehört hier nicht hin. Selbstverständliche Kleinigkeiten lässt man weg weil es den Eindruck macht, jemand hätte keine verantwortlicheren Tätigkeiten gehabt. Man kann sowas unter einem Punkt "Allgemeine administrative Tätigkeiten" subsumieren, den ich grundsätzlich in jedem Zeugnis als letzten Aufgabenpunkt dazuschreibe.


    Stimmt die Aufzählung deiner Tätigkeiten? Wenn Wichtiges fehlt, sollte das natürlich noch Erwähnung finden.


    Hinter der Aufgabenbeschreibung folgen Aussagen zur fachlichen Qualifikation.


    Deine Qualifikation wird ausreichend und sehr positiv beleuchtet. Verstärkende Aussagen wie "voll und ganz" oder "stets" tauchen immer wieder auf. Okay, aber es ist schon an der Obergrenze (aber akzeptabel weil man halt auch merkt, dass der Zeugnisschreiber kein Profi ist, dich aber positiv hinstellen möchte). Unglücklich: "übertragene Aufgaben"; Aufgaben überträgt man nur Leuten, die nicht ausreichend eigeninitiativ sind. Besser: "Seine Aufgaben waren/sind/bestanden in...".
    "Zusatzaufgaben werden von ihm immer gerne erledigt": auch erkennbar gut gemeint, aber man stolpert darüber, dass sowas ausdrücklich erwähnt wird. Es ist eigentlich selbstverständlich bei einem sehr guten, engagierten Mitarbeiter und wird, wie weiter oben auch schon jemand erwähnte, eher im Nebensatz fallen gelassen.
    Wichtig: wenn jemand ob seiner Fähigkeiten überdurchschnittlich gelobt wird, sollten auch Projekte/Aspekte genannt werden, die derjenige insbesondere angestoßen oder vorwärts gebracht hat. Sowas macht die Aussagen glaubwürdig - oder entlarvt sie als "sympathiegetriebene Lobhudelei" ohne Hintergrund.


    Der anschließende Block "Führung" kommt in deinem Zeugnis viel zu kurz. Es gibt dazu nur den einen Satz zum Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kolleginnen und Kollegen und der Kundschaft. Normalerweise sollte das ausführlicher ausgeführt werden: welche positive Bedeutung hatte der Mitarbeiter für das Team, inwiefern hat er die Firma menschlich bereichert? Hier könnte auftauchen, dass du für Fragen der Kollegen immer ansprechbar warst, immer sehr hilfsbereit warst, ein Teamplayer im besten Sinne, etc. Wenn dazu nichts weiter geschrieben steht könnte man das als "beredtes Schweigen" auslegen, also man lässt etwas weg um zu dokumentieren, dass es hier nichts weiter Positives zu sagen gibt. Etwas ausführlicher sollte das also ausfallen wenn man attestiert, dass jemand ein menschlich angenehmer Mitarbeiter war.
    Die Reihenfolge Vorgesetzte - Kollegen - Kunden ist korrekt und das kann man so lassen. Wird davon abgewichen könnte es ein Wink mit dem Zaunpfahl sein: stehen vorne die Kollegen oder die Kunden könnte es so ausgelegt werden als sei man insbesondere auf sie fixiert gewesen, anstatt auf das Wohlergehen der Firma. Unproblematisch ist die vorliegende Reihenfolge.


    Die explizite Erwähnung der Kolleginnen gefällt mir nicht. Warum wird das herausgestellt? Wahrscheinlich nur eine Ungeschicklichkeit, aber eine ganz große. Das sollte so nicht hervorgehoben werden, denn es ist auffällig und lässt Spielraum für sehr negative Interpretationen. Dass das Verhalten "stets einwandfrei" war reißt es zwar zum Glück wieder heraus, aber diese Formulierung ist dennoch verunglückt.


    Im Schlusssatz bzw. dem letzten Abschnitt sollte man das Glück streichen, dafür dringend "weiterhin" dazuschreiben. Sonst wird unterschwellig transportiert, dass der Mitarbeiter bisher keinen Erfolg hatte - man wünscht es ihm für die Zukunft bei einem anderen Unternehmen. Ganz wichtig: In den Schlusssatz gehört eine Dank-Formel, Bedauern über den Weggang des Mitarbeiters und der Grund des Ausscheidens! Wenn das fehlt, ruiniert es genauso wie ein fehlendes "weiterhin" das ganze Zeugnis und setzt alle Aussagen final noch in ein negatives Licht.


    Der Schluss(ab)satz hat eine ganz wichtige Funktion, ist er doch sowas wie eine Zusammenfassung und eine Richtungsweisung, wie alles zuvor Geschriebene zu verstehenen ist - freundlicher Blabla ohne Substanz, nett klingende Kritik (kein Bedauern über den Weggang, Auslassungen...), Rauswurf, der zwar nicht erwähnt wird aber ein anderer Grund wird eben auch nicht genannt - oder ehrlich gemeinte Anerkennung für einen sehr guten Mitarbeiter. Wenn der Schlussatz also nicht positiv ist, kennzeichnet das auch die davor getroffenen Aussagen.


    Ein gutes Ende wäre z. B.: "Herr THWS scheidet auf eigenen Wunsch aus unserem Unternehmen aus. Wir bedauern seine Entscheidung, denn wir verlieren mit ihm einen wichtigen Mitarbeiter. Wir danken ihm für die stets guten Leistungen und wünschen ihm für die Zukunft sowohl beruflich als auch privat weiterhin viel Erfolg und alles Gute."


    Insofern: man meint es gut mit dir, man sieht dich als guten Mitarbeiter. Man hat aber keine wirklichen Expertenkenntnisse bei Arbeitszeugnissen. Da das aber bei den meisten kleineren Betrieben nicht vorhanden ist, weiß man solche Aussagen normalerweise so zu verstehen, wie sie gemeint sind, auch wenn das Zeugnis Schwächen hat.

    In jedem Fall sollte X die potentielle Möglichkeit einer sofortigen Freistellung bedenken, wenn er die Kündigung abgibt. Sei es, dass der Chef angepisst ist oder sei es, dass manche Arbeitgeber aus Prinzip so verfahren...


    Ich weiß von Unternehmen, in denen der Arbeitnehmer dann unter Aufsicht eines anderen Mitarbeiters (um zu verhindern, dass irgendwas extreeeeeeeeeeeeem Geheimes mitgenommen wird) seinen Schreibtisch räumen und sofort gehen muss. Spricht nicht für den AG, aber sowas gibt es.


    Sollte X also noch finale Erledigungen über die Bühne bringen wollen, sollte er das rechtzeitig erledigen und sich innerlich darauf einstellen, dass man ihn bitten könnte, sofort zu gehen. Muss nicht, KANN aber sein.


    Es hängt natürlich auch von X's Funktion im Betrieb ab, ob er überhaupt sofort entbehrlich wäre. Anhand der Überstunden scheint das eher nicht der Fall zu sein.

    Im Rheinland würde man das als "Kölschen Klüngel" bezeichnen: "Man kennt sich, man hilft sich."


    Der regionale ADAC-Boss hatte Verbindungen zum Fussball-Verantwortlichen, ein kurzes Telefonat, dazu die jeweiligen Eitelkeiten, und schon flog der ADAC-Heli. Etwa so wird es abgelaufen sein:


    Fußball-Manager Ferdinand:
    "Ach Wilhelm, ich hab' da gerade ein blödes Problem. Ein Spiel ist terminiert und der Rasen im Stadion steht unter Wasser..."


    ADAC-Heini Wilhelm:
    "Mein lieber Ferdinand, ich habe eine Idee. Unser Hubschrauber rostet zwischen den Einsätzen nur herum, den schicke ich dir in die Arena und ratzfatz ist dein Rasen trocken wie die Wüste Gobi. Du musst wissen, ich bin hier eine ganz große Nummer und wenn ich mit dem Finger schnipse fliegt der Heli herbei. Du kannst mir ja bei Gelegenheit mal ein paar Kärtchen für die VIP-Lounge im Stadion zustecken und dann sind wir quitt. Die Flugkosten zahlen eh die Krankenkassen, das biege ich dir für lau hin."


    Fußball-Manager Ferdinand:
    "Aber Wilhelm, das ist ja ein tolles Ding! Du kannst tatsächlich die Puppen tanzen und die Helis fliegen lassen? Na du bist mir ja einer! Aber das ist eine tolle Idee, ich habe die Tickets schon beiseite gelegt! Und dann holen wir noch ein paar schicke Frauen sowie supertoftegeile und hochintelligente Promis dazu. Bei diesem Gesamtpaket bekommt ihr kleinen ADAC-Furzer doch sicherlich feuchte Augen vor lauter Glück!?"


    ADAC-Heini Wilhelm:
    "Also Ferdinand, wenn ich´s mir genau überlege, wird mir deine Idee immer sympathischer. Genau so machen wir's!"


    Ferdinand:
    "Na selbstredend.Schlag' ein."


    Und ruckzuck ist die Sache in die Wege geleitet. Als es dann doch Nachfragen gab, hat man den Einsatz bezahlt. Erst sollte es aber kostenfrei sein - und das wäre es bei einem anderen gewerblichen Anbieter nicht gewesen.


    Gefährlich war die Sache eher nicht. Da ist nahezu jede Außenlandung in unbekanntem Terrain heikler. Stromkabel und Listmasten zeichnen sich gegenüber einem fleckigen Boden in unterschiedlichen Farben und Strukturen nur sehr schwer ab, Entfernungen zu Objekten in der Nähe können unterschätzt werden, das macht Landungen abseits dafür vorgesehener Plätze schwierig und gefährlich. In einem Stadion weiß man, dass da keine Kabel und sonstige Gegenstände im Weg sind.


    Was stört ist, dass der Flug erst regulär bezahlt wurde nachdem öffentliche Berichte auftauchten und dass solche eigenwilligen Aktionen der Eindruck verstärken, der ADAC sei ein Selbstbedienungsladen gewesen, in dem sich Führungskräfte ohne effektive Kontrolle zweifelhafte Verhaltensweisen leisten konnten.