Ich bin selber Rettungsassistent und kann Dir folgendes sagen:
Es gibt in jedem Bundesland ein Rettungsdienst-Gesetz, in dem auch geregelt ist wer was fahren und besetzen darf.
Für NRW gilt: auf einem Rettungswagen (RTW) MUSS der Beifahrer Rettungsassistent sein, also die Berufsausbildung für den Rettungsdienst haben. Als Fahrer KANN ein Rettungssanitäter eingesetzt werden, was auch oft gemacht wird, aber allein aus Kostengründen. Oft hat man aber 2 RA's auf dem Auto.
Auf den wenig spannenden Krankenwagen (KTW) MUSS der Beifahrer mindestens Rettungssanitäter sein, als Fahrer KANN ein Rettungshelfer / Rettungshelfer NRW zum Einsatz kommen. Oft haben die Wachen aber nur noch hauptamtliches Personal...
Insgesamt geht der Trend sehr in Richtung Professionalisierung, und das ist auch gut so. Genau wie das hier schon beschrieben wurde... De facto kenne ich kaum Wachen auf denen lupenreine Ehrenamtliche zusammen alleine einen RTW besetzen, denn selbst wenn man die erforderliche Qualifikation hat ist man einfach nicht geübt genug um Hauptamtlichen, die das tagaus, tagein machen, das Wasser zu reichen.
Und wenn man dann unsicher ist schadet das nicht nur dem Patienten, sondern man kommt sich auch selber sehr doof und unter Druck vor wenn man weiß daß der Standard höher angesiedelt ist, man aber de facto in einer Situation nicht mehr machen kann weil man es sich nicht zutraut oder unsicher ist.
Die paar Ehrenamtlichen, die es noch gibt, fahren also de facto immer nur mit besonders erfahrenen Hauptamtlichen und müssen das auch ziemlich oft machen um "auf der Höhe" zu bleiben. Damit handeln sie sich zugleich aber den Ruf der "Jobkiller" ein, weil an dieser Stelle natürlich auch bezahlter Mitarbeiter tätig sein könnte.
Schließlich haben darauf auch die Wachleiter nicht wirklich Bock, also stellen die lieber gleich einen geringfügig bezahlten Mitarbeiter ein, den sie dann auch besser kontrollieren und reglementieren können als einen Ehrenamtlichen. In den müssen sie nämlich erstmal sehr viel Geld investieren, vom Gesundheitszeugnis über Impfungen, arbeitsmedizinische Untersuchungen, Schweigepflicht-Erklärungen, Funkzeugnisse, Fahrertraining, dokumentierte und regelmäßig wiederholte Einweisung nach MPG in medizinisch-technische Geräte, alljährliche Fahrerbelehrung, etc. etc.
Noch dazu muß man bedenken daß es in der Ausbildung nicht mit ein paar Unterrichtsstunden getan ist. Man muß irgendwann auch mal lernen, es kommt saumäßig viel Stoff auf einen zu, man muß später regelmäßig theoretische und praktische Fortbildungen nachweisen - neben den Diensten. Und eben der ganze Kram, den ich oben aufgezählt habe: Untersuchungen, Fahrertraining, Einweisungen usw. Das geht alles nebenher...
In der Theorie gibt es also schon noch die Möglichkeit ehrenamtlich im Rettungsdienst tätig zu sein, praktisch kommt man da aber fast nicht mehr rein, meiner Erfahrung nach. Durch die freien RD-Schulen schwirren so viele berufsmäßig ausgebildete RA's durch die Gegend daß inzwischen viele RA's zum Gehalt von RS aus dementsprechenden RS-Stellen eingesetzt werden.
Und die Bezahlung ist eine Katastrophe: ich habe 12 Jahre als RA gearbeitet, bis ich vor einem halben Jahr aufgehört habe. Ich weiß deswegen was die Leute so bekommen...
Die geringfügig beschäftigten Aushilfen, wenn sie also nicht als Hauptamtliche einen Vollzeit-Vertrag haben, bekommen 6 EUR brutto wie netto. Das ist ein Witz für eine Berufstätigkeit, dafür arbeitet kein illegaler polnischer Obstpflücker und keine Putzfrau mit Sonderschulabschluß - aber Du mit der Verantwortung eines RA's, also mit Deiner Berufsausbildung, dafür darfst Du dir manchmal unter widrigsten Umständen bei Wind und Wetter den Arsch aufreissen und Verantwortung für die Gesundheit von Menschen übernehmen.
Dazu kommt daß diese 6 EUR nur während der Woche bezahlt werden. Offiziell gibt es am Wochenende Ehrenamtliche - das sind aber dieselben Leute wie während der Woche, nur daß die am WE nix dafür bekommen daß sie die Autos besetzen, weil sie dann Ehrenamtliche sind! De facto heißt das: das Niveau ist sehr hoch, die Meßlatte bezüglich der Ausbildung und der Fähigkeiten erfreulich hoch - gut für jeden Patienten. Da kannst Du als wirklicher Wochenend-Ehrenamtlicher einfach nicht mithalten.
Für die Bezahlung bedeutet es aber: Wenn man die am WE geleisteten Stunden einrechnet schmälert das den Monatslohn für die geleistete Arbeit noch mal, bekommen die Leute letztlich nicht mal mehr die 6 EUR pro Stunde. Um aber dennoch einen halbwegs ertragbaren Lohn zu erwirtschaften müssen die Mitarbeiter also viele Stunden leisten - was wiederum (erfreulich) ihrer Erfahrung zugute kommt, die Qualität steigert - und den wahren Ehrenamtlichen wiederum um so schlechter dastehen läßt.
Was man sich ja jetzt fast denken kann: Die Dienstpläne sind am Wochenende und an Feiertagen voll mit diesen preiswerten und dennoch sehr guten Mitarbeitern, während die sauteuren Hauptamtlichen eben genau an diesen, für den Arbeitgeber teuren, Tagen zu Hause bleiben. Schön für's Familienleben, aber finanziell schlecht für den Hauptamtlichen.
Ich kenne auf Anhieb keine Branche, in der die Leute auf legale Weise finanziell so verarscht werden wie im Rettungsdienst und Krankentransport. Da kann man eigentlich nur mitmachen wenn man entweder hauptamtlich ist und zumindest ein vernünftiges Grundgehalt bekommt, oder soviel Enthusiasmus hat daß einem Geld egal ist.
Auf meiner Wache sind fast alle Aushilfen ehemalige Zivis, die die Ausbildung seinerzeit noch durch den Bund bezahlt bekamen - zumindest bis zum Rettungshelfer - und dann aus Interesse hängen geblieben sind, sich in der Freizeit zum RS oder gar RA fortgebildet haben und jetzt mit vielen Diensten für eher wenig Kohle - siehe oben - das Studium finanzieren. Das ist der typische Werdegang.
Inzwischen sind die Anforderungen durch die Rettungsdienstgesetze einerseits und die Kürze des Zivildienstes andererseits aber so zugespitzt daß auch keine neuen Zivis mehr nachkommen und angestellt werden. Wenn die Leute alle Ausbildungen und Prüfungen haben um eingesetzt werden zu können ist der Zivildienst 2x vorbei...
Der Pool der Aushilfen besteht deswegen auf meiner Wache fast ausnahmslos aus inzwischen selber langjährig erfahrenen Leuten, die dazu bald mit dem Medizinstudium durch sind und zu einem sehr großen Anteil auch wegen des Interesses an der Gemeinschaft etc. dabei geblieben sind.
Als ehrenamtlicher Quereinsteiger mal so nebenbei eine Ausbildung hinlegen und dann am Wochenende aus Spaß ein paar Stündchen RTW fahren - das kannste de facto abhaken. Du würdest es sehr schwer haben in ein solches, langjährig gefestigtes Team einzusteigen und kannst einer Mannschaft aus hauptberuflichen RA's und vielen Medizinstudenten mit Rettungsdienst-Ausbildungen auch fachlich einfach nicht standhalten. Und dabei ist "meine" Wache noch eine relativ offene Veranstaltung... in vielen Wachen gibt es selbst auf dem Papier gar keine Ehrenamtlichen mehr...
Du hast zudem keinen Draht zu Krankenhäusern, Ärzten oder Rettungshubschrauber-Crews, der Polizei, dem Ordnungsamt oder anderen, die Dir seeeehr hilfreich sind wenn's irgendwelche Probleme gibt oder Du einen Patienten trotz Bettenknappheit unterbringen mußt.
Wenn Du im medizinischen Sektor etwas ehrenamtlich machen willst dann ist das realistisch nur bei irgendwelchen Ortsverbänden von Hilfsorganisationen, die Sanitätsbetreuungen machen - auf Musik-Festivals, beim Karnevalszug, auf der Kirmes, etc. Oder eben als Hintergrundbereitschaft für Katastrophen - wobei ich gerade da erst recht nicht als unerfahrener Ehrenwilli an der Front sein möchte... Aber das ist heute die einzige, halbwegs realistische Chance reinzukommen.
Vergiß die Idee ehrenamtlich in den Rettungsdienst zu gehen, die Zeiten sind vorbei - das ist inzwischen ein sehr spezialisierter Profi-Job, auch wenn viele in der Bevölkerung das nicht wissen und denken daß da ein paar Zivis oder ehrenamtliche "Krankenwagenfahrer" am Werk wären...