Tach zusammen,
Du triffst den wunden Punkt....
Mich hat es zum Jahresende "erwischt", man hatte gekündigt und seitdem stehe ich auf der Straße. Das Arbeitslosenamt ist ein Witz, 5x (!!!) bin ich alleine da gewesen um eine korrekte Arbeitslos-Meldung hinzubekommen, hab dafür 3 Urlaubstage verballert weil mich mein damaliger Noch-Arbeitgeber zwar 2x für Arbeitslosenamt-Besuche freigestellt hat, aber dann wurde es ihm (verständlicherweise) zu blöd.
Seitdem kommen regelmäßig irgendwelche sinnfreien Briefe, in denen nach Rentenversicherungsnummer oder sonst irgendwelchen Sachen gefragt wird - Dinge, von denen ich eigentlich erwarte daß die Agentur solche Daten entweder längst hat oder bei der Arbeitslos-Meldung aufnimmt.
Das Entscheidende an den Briefen ist wohl eher der unten immer schön aufgedruckte Text: "Rückmeldung bitte bis zum [man setze ein Datum in ein paar Tagen ein] da wir ansonsten davon ausgehen daß Sie eine neue Beschäftigung gefunden haben und nicht an weiterer Vermittlung interessiert sind."
Da wird ganz offensichtlich damit gespielt daß mal ein Brief verloren geht oder übersehen wird - weil dann kann man wieder jemanden wegen Formfehlern aus der Statistik nehmen, der eigentlich nach wie vor hinein gehört. Es gibt bestimmt hin und wieder jemanden, der blöd oder schlampig genug ist - oder einfach Pech hat weil der Brief verschütt gegangen ist - dem man auf diese Weise die Ansprüche kürzen kann weil er sich nicht korrekt gemeldet hat.
Der ganze Kontakt mit dem Arbeitslosenamt, die Organisation dort, die Motivation der Mitarbeiter, allein schon die Art wie die Leute über die Flure schluffen - das bestätigte mir voll und ganz das Vorurteil daß dieses Amt eine riesige Geldvernichtungs-Maschine ist. Ich glaube inzwischen jeder Skandal-Meldung über dieses Amt auf's Wort. Ich habe selten so sehr wie dort den Eindruck gehabt daß mit einem riesigen bürokratischen Aufwand nur ein riesengroßer Mangel verwaltet und ansonsten nix geregelt wird.
Aufgrund von Umständen, die zu erklären jetzt zu weit führen würde, krieg ich keine Leistungen vom Arbeitsamt. Vom Sozialamt aber auch nicht. Ich hab' momentan einen Riesenstreß mit der Krankenversicherung, kann die gerade noch hinhalten - aber wie lange noch? - und keinen neuen Job in Aussicht.
Wenn ich nicht glücklicherweise in einer Bude meiner Eltern leben könnte würd' ich jetzt womöglich wirklich nur noch unter einer Brücke leben.
Finanziell hab' ich noch für 2-3 Monate Rücklagen, aber dann kommt das große Fragezeichen. Was dann passiert weiß ich schlichtweg selber noch nicht...
Wenn man sich in einschlägigen Foren herumtreibt erlebt man selbst Diskussionen darüber wie die Auswahl der Briefmarken für den Versand von Bewerbungsunterlagen den Erfolg beeinflußt, oder warum man diese und nicht jene Mappe für die Unterlagen nehmen soll.
Hallo??? Was ist das für eine Gesellschaft, in der über so einen Unsinn nachgedacht wird, weil selbst sowas inzwischen als zumindest potentieller Plus- oder Minusfaktor bedacht wird, jedenfalls seitens mancher Bewerber.
Ich weiß zwar - oder hoffe zumindest - daß ich dieses Mal, wie bisher immer im Leben, auch wieder die Kurve kriege. Aber angenehm zu leben sieht anders aus.
Und meine Hoffnungen für die Zukunft sind alles andere als gut. Ich weiß zwar einerseits daß ich es so schnell nicht machen werde, aber zunehmend oft denke ich: wie soll das hier weitergehen in D? Wär' es nicht vielleicht besser seine Siebensachen zu packen und wegzugehen?
Es gibt viele Länder in denen die Lebensqualität sehr viel höher ist als hier, wobei Lebensqualität in diesem Fall nicht das Handyangebot oder die sauberen Straßen sind, ich meine damit: freundliche, entspannte Leute, die Chance auf ein langfristig unbesorgteres Leben, etc.
Ich habe immer mehr das Gefühl daß sich hier in D eine 2-Klassen-Gesellschaft bildet: Reiche und Arme. Wobei die Grenze nicht zwischen Penner und Vorstandsvorsitzendem läuft, sondern sich inzwischen durch den - im Grunde nicht mehr vorhandenen - Mittelstand zieht: da gibt's den gut verdienenden Menschen mit Arbeitsplatzsicherheit, der sich regelmäßig Autos, Handys, etc. leisten kann, sich irgendwo ein Häuschen hinsetzt... und neben ihm, gar nicht weit entfernt, den Hartz-Geldempfänger, der gesellschaftlich eigentlich auf gleicher Ebene angesiedelt ist, aber wegen Kredit, Arbeitslosigkeit und vielleicht Scheidung/Unterhaltszahlung finanziell ruiniert ist und auf keinen grünen Zweig kommt.
Wenn ich mich im Bekanntenkreis umsehe habe ich wirklich das Gefühl daß sich selbst viele "Otto Normalverbraucher" inzwischen zunehmend in diese beiden Lager trennen, da gibt's immer weniger Leute, die einen "Mittelstand" bilden...
Ich kann letztlich nicht beurteilen wie schlecht oder schlimm die Lage hierzulande wirklich ist und wo die Lage nur schlecht geredet wird. Es macht aber insofern keinen Unterschied als daß Wechselwirkungen bestehen und die haben eben immer konkrete Auswirkungen.
Ich frage mich deswegen wirklich wie das hier weitergehen wird... Wenn man in diesem beschissenen Land nicht endlich mal kapiert daß dieser ganze bürokratische Schwachsinn abgeschafft werden muß, Politiker mit Visionen anstatt Skandalen auffallen und die Unternehmen Aufbruchsstimmung vermitteln und Arbeitsplätze schaffen anstatt abzubauen und abzuwandern, dann sehe ich schwarz.
Irgendwann rennen hier so viele soziale Verlierer oder "noch-nicht-Verlierer, aber Verängstigte" herum daß es sehr unangenehm wird... Es kommt ja nicht von ungefähr wenn dann rechte Idioten in den sächsischen Landtag geraten weil die "Verlierer der Gesellschaft" meinen daß derartige Parteien ihre Interessen vertreten würden...
Naja, jetzt hab' ich viel gelabert. Aber ich sehe momentan eher schwarz, für mich selber als auch insgesamt.