Grundsätzlich denke ich auch: laß Dir nix gefallen und wehre Dich. Prinzipiell hat der Chef Dir natürlich nicht vorzuschreiben was Du in Deiner Freizeit machst.
Ich gebe allerdings auch zu bedenken daß Du hier privat mit jemandem verkehrst, den Du ansonsten dienstlich betreust. Inwiefern könnte Dein privates Engagement andererseits der Dienststelle zugerechnet werden, könnte es da Interessenskonflikte geben?
Ich weiß aus eigener langer Erfahrung im Krankentransport/Rettungsdienst daß es manchmal schwer ist da wirklich zu trennen. Was ist wenn Du während Deiner privaten Freizeit unversichert etwas anrichtest, oder es wird der Vorwurf erhoben Du hättest etwas mitgehen lassen?
Es ist bekannt daß alte und demente Menschen leicht zu derartigen Vorwürfen neigen, es liegt zum einen ganz banal an Vergeßlichkeit, zum anderen aber auch nachweisbar an der "Verkalkung des Gehirns".
In so einer Geschichte hängt Dein Chef automatisch immer mit drin, weil Du im Zivi-Status nicht nur in Deiner Arbeitszeit für seinen Laden tätig bist, sondern als Zivi auch über ihn versichert etc. bist. Wenn es Probleme gibt war es nämlich nicht mehr der private tkjever, der ins Gerede kommt, sondern "der Zivi von der Betreuungsstelle XY". Da interessiert es dann kaum daß Du mittags um 3 dienstlich und ab 4 privat da gewesen bist...
Gerade auf diesem Sektor, in dem Du da tätig bist, ist es auch für einen persönlich sehr wichtig eine klare Grenze zwischen "Dienst" und "Freizeit" zu definieren.
Es ist weiterhin auch ein seit langem bekannter Effekt daß dumme Sprüche oder Witze ein sehr wichtiger Bestandteil der Verarbeitung sind, insbesondere in emotional belasteten Umgebungen, wie die, in der Du eingesetzt bist . Du kannst jeden Arzt, Sanitäter, Krankenpfleger etc. fragen, jeder wird Dir das bestätigen. Insofern wäre es auch denkbar daß Dein Chef aus seiner Erfahrung heraus einfach eine andere, für Außenstehende oder "Anfänger" befremdliche, Art des Umgangs mit den Belastungen dieses Metiers hat und eine ungeschickte, aber nicht per se falsche Art an den Tag legt um 1. selber damit umzugehen und 2. auch Dich in entsprechende Bahnen zu lenken.
Könnte es sein daß Dein Chef es ungeschickt anpackt, im Grunde aber gar nicht böse drauf ist, sondern Dich vielleicht wirklich nur "schützen" will?
Ich weiß aus vielen Großstädten und langer eigener Erfahrung daß man inzwischen in vielen Krankentransport/Rettungsdienst-Bereichen z. B. kein Trinkgeld mehr annehmen darf. Es hat Fälle gegeben wo Leute dachten - oder besser: behauptet haben - daß sie die Fahrt ja schon bezahlt hätten. Angeblich hätten das auch die Rettungsassistenten bestätigt. Regelmäßig verschwindet Gepäck, was den Sanitätern angeblich mitgegeben wurde, regelmäßig behaupten Leute, denen man schon aus 10 Metern Entfernung anmerkt daß sie einen an der Waffel haben, sie wäre geschlagen oder sexuell belästigt worden. Patienten, die zuhause abgeholt wurden, fehlt regelmäßig Geld - angeblich. Ich unterstelle den Patienten gar nicht immer bösen Willen, oft ist das auch nur Demenz, nur - das Problem ist dann erstmal da. Diese Problematik ist allgemein bekannt und beschrieben, davon kann Dir jeder Rettungsdienstler, jeder Altenpfleger, jedes Krankenhaus massenweise berichten.
Derartige Gefahren sehe ich theoretisch auch in Deinem Fall. Klar, da muß nicht unbedingt was passieren und Dein privates Engagement ehrt dich auch, aber ich wäre an Deiner Stelle seeeeehr zurückhaltend was rein private Aktionen angeht.
Im übrigen kommen Dir die Gedanken und diese Frage auch erst jetzt in den Sinn, wo Du mit dem Chef aneinandergeraten bist, vorher hast Du keinen Handlungsbedarf gesehen. Spielt da womöglich auch nur die gekränkte Eitelkeit eine Rolle?
Gerade wenn es auch laut Aussage Deines Regionalbetreuers eher eine Lappalie ist würde ich an Deiner Stelle erstmal halblang machen und mir genau überlegen ob Du hier wirklich mit der Brechstange irgendetwas erreichen willst.