Hi,
leider war heute mein letzter Arbeitstag weil betriebsbedingt gekündigt wurde 

aber ich habe mein Geld bis heute mit Luftfracht-Zollanmeldungen verdient. Insofern behaupte ich jetzt ganz unbescheiden daß ich für solche Fragen ein Fachmann bin... und nebenbei, wenn jemand ne entsprechende Stelle als Zolldeklarant für mich weiß, im Raum Köln-Bonn-Koblenz... 
Es sieht so aus: wenn man am Airport durch den grünen Kanal geht stellt das eine "konkludente Zollerklärung" dar. Wenn die Zöllner einen kontrollieren und da sind Sachen im Gepäck, die hätten verzollt werden müssen, helfen keine Ausreden mehr wie "Hab ich nicht gewußt..." - dann gibt es ganz schnell ganz großen Ärger. Man steht dann auf einer Ebene mit Steuerhinterziehern und der Zoll argumentiert daß man auch "dran ist" wenn man die Geschwindigkeitbegrenzung nicht kannte und geblitzt wurde...
Vergeßt auch den ganzen Unsinn mit dem "Hinter der Rolltreppe kann man die Sachen noch an andere abgeben...". Der Zoll ist auch nicht blöd und das System ist so daß man bei der Einreise aus nicht zur EU gehörenden Drittländern natürlich nichts vorbeischmuggeln kann wenn man es nicht im Koffer mitnimmt ohne es zu deklarieren. Außerdem mischt der Zoll zivile Beamte unter die Reisenden, die sehen sich vom Verlassen des Flugzeugs bis zur Gepäckausgabe die Leute an und wenn möglich auch was man noch schnell in den Taschen verstaut... Auch sonst ziehen die natürlich immer wieder stichprobenartig Leute heraus und lassen sich den Inhalt des Reisegepäcks darlegen, insbesondere bei Einreisenden aus Ländern, aus denen traditionell viele Sachen hereingeschmuggelt werden.
Der Zoll weiß auch daß aus den USA und manchen asiatischen Ländern gerne Elektronik mitgebracht wird, jeder 2. aus der Türkei Einreisende falsche Markenklamotten oder Uhren dabei hat und aus den USA regelmäßig Wagenladungen voller Jeans mitgeschleppt werden...
Was richtig ist: man kann Mitbringsel bis zu einem Wert von 175 EUR zollfrei einführen. Das bezieht sich aber auf alle Waren, die man neben dem Reisegepäck einführt, also sämtliche Souvenirs, Klamotten, Elektronik, Parfum etc. Ich hab' jetzt keine genaue Ahnung vom iPod, aber der liegt doch wahrscheinlich über 175 EUR Wert? Nebenbei hat Deine Bekannte sicher auch noch andere Waren dabei, Souvenirs usw. ...
Dann versucht sie besser erst gar nicht dem Zöllner zu erzählen sie hätte das Ding auf dem Flohmarkt für die Hälfte gekauft. Maßgeblich ist der tatsächliche Warenwert, nicht das, was gezahlt wurde. Im übrigen richtet sich der Zoll nach der Handelsrechnung, die man allein schon wegen der Garantie vermutlich dabei hat - ansonsten wird geschätzt, und das bekanntlich nie zugunsten des Bürgers.
Was die Einfuhrabgaben angeht: die setzen sich zusammen aus dem Zoll und der Einfuhrumsatzsteuer. Achtung: hier wurde geschrieben man müsse nur 16% Einfuhrumsatzsteuer zahlen - das stimmt nur für Waren, die zollfrei sind!
Der Drittlandszollsatz für den iPod könnt ihr hier nachschlagen, wobei ich in Ermangelung einer genauen Kenntnis des iPod nicht so haargenau weiß welches die richtige Einreihung ist, nach der der Zoll sich richten wird:
MP3-Player mit eingebauter Festplatte, erweiterbar, USB-Anschluß, Sprachaufnahmefunktion: http://europa.eu.int/comm/taxa…0&Lang=DE&Description=yes
MP3-Player mit dig. Radio und Speicherkarte: http://europa.eu.int/comm/taxa…0&Lang=DE&Description=yes
MP3-Player, nur Widergabe von CD-Typen: http://europa.eu.int/comm/taxa…0&Lang=DE&Description=yes
Mit Glück fallen also nur 2% Zoll an, im schlimmsten Fall 10%. Außerdem zahlt man zusätzlich 16% Einfuhrumsatzsteuer. Diese werden übrigens auch auf den Zoll erhoben, die Zollabgabe wird mitversteuert - zumindest ist das bei Luftfracht so, und ich denke daß diese Regelung bei Reisemitbringeln genauso gilt. Gezahlt wird cash bei der Einreise.
Die Ware als Paket zu schicken ist noch ungünstiger weil die Abgaben dann auch anteilig auf die Frachtkosten gerechnet werden, nach dem Zollgesetz sind die Frachtkosten ein "Mehrwert" der Ware.
Was also tun?
Der korrekte Weg ist die Ware beim Zoll anzumelden indem sie durch den roten Kanal geht und die Einfuhrabgaben für ihre Mitbringsel zahlt.
Ansonsten kann sie versuchen folgendermaßen vorzugehen: die Freundin soll das Gerät nicht als Reisemitbringsel, also im Ausland gekauftes Neugerät, deklarieren, sondern muß es als persönlichen Gebrauchsgegenstand "tarnen", den sie angeblich schon bei der Ausreise dabei hatte. Gebrauchsspuren am Gerät gelten da in der Regel als glaubhafter Nachweis. Da Du natürlich ein Gerät ohne Gebrauchsspuren haben möchtest soll sie es in eine entsprechende Schutztasche stecken, vor allem aber die Festplatte mit Songs füllen, und im Falle des Falles sagen daß sie eben mit dem Gerät sehr sorgfältig umgegangen ist und deswegen keine Gebrauchsspuren vorhanden sind. Es muß für den Zöllner aber ersichtlich sein daß das ein seit längerem genutztes und kein neues, im Ausland gekauftes Gerät ist. Dann kann sie durch den grünen Kanal latschen.
Das ist dann so wie mit Kameras, Rasierapparaten etc., die man nicht verzollen muß wenn man sie schon bei der Ausreise dabei hatte um sie im Urlaub zu benutzen. Sollte man sie aber erst im Ausland erworben haben müssen sie natürlich angemeldet und Einfuhrabgaben bezahlt werden. Der Zoll achtet bei Kontrollen, wie gesagt, hauptsächlich auf Gebrauchsspuren und man sollte wissen daß einem nicht der Zoll etwas beweisen muß, sondern der Einführer ist Zollbeteiligter und zur Mitwirkung verpflichtet...
Deine Bekannte darf also keine Umverpackung, Handelsrechnung oder sonstwas dabei haben, was beweisen könnte daß sie das Gerät erst im Ausland erworben hat. Das muß sie entweder in den USA lassen oder Dir per Post senden.
Ansonsten, wenn Du das so nicht willst, kann ich nur raten das Ding ordnungsgemäß anzumelden indem sie den roten Kanal benutzt. Alles andere wäre mit persönlich zu heikel, ich würde ungern als Schmuggler auftreten...
Oder Du kaufst das Gerät gleich hier - iPod ist iPOd, oder ist der in den USA anders? Bei Ebay bekommst Du das Ding sicher preiswert, oder Du kaufst es hier im Laden und sparst Dir und der Bekannten viel Aufwand und Unwägbarkeiten, vor allem hast Du keine Scherereien wegen der GArantie wenn das Gerät einen Fehler hätte.
Schönen Gruß 