Zitat
Original geschrieben von Stefan
Wenn Du aber Bewerbungen auf die Stelle eines IT-Systemkaufmann-Azubis bekommst und Dich vor Rechtschreibfehlern nicht mehr retten kannst, hat der Bewerber von vorn herein keinerlei Chance auf eine genauere Prüfung der Bewerbung. Wer sich nichtmal so viel Mühe geben kann, die Bewerbung zumindest frei von groben Fehlern zu halten, hat es nichteinmal verdient, einen Gedanken an eine Einstellung zu verschwenden.
Ist die Bewerbung akzeptabel und der Bewerber so doof, in einem ausgewaschenen roten T-Shirt und einer ebenso ausgewaschenen Jeans inkl. schmutzigen Turnschuhen zum Vorstellungsgespräch zu erscheinen, braucht man doch garnicht mehr länger diskutieren.
Stefan
Hi Stefan,
das sind aber genau die Vorurteile, die vielleicht auch dazu führen daß so viele Jugendliche für ungeeignet gehalten werden. Es kann ja sein daß ein Schulabgänger von heute schlicht andere Prioritäten setzt als jemand, der 20, 30 Jahre älter ist und über Einstellungen entscheidet. Das muß aber nicht automatisch bedeuten daß jemand für eine ausgeschriebene Position ungeeignet und völlig unmotiviert ist.
Keinen großen Wert auf seine Klamotten zu legen finde ich z. B. nicht weiter schlimm für jemanden, der keinen Kundenkontakt hat oder in einer Werkstatt tätig ist.
Wenn, wie in einem anfänglichen Beispiel beschrieben, von 70 Bewerbern angeblich keiner paßt ist das IMHO, wie auch schon andere gesagt haben, auch ein "Versagen" desjenigen, der das Anforderungsprofil für die Bewerber erstellt.
Entscheidend ist doch daß der Azubi die Anforderungen, die sein jeweiliger Job erfordert, erfüllen kann. Das ist in einem Fall vor allem technisches Verständnis, in einem anderen gute Rechtschreibkenntnisse, wieder anderswo soziale Kompetenz, etc. Zusätzlich erwartet jeder potentielle Arbeitgeber zu Recht Engagement und Einsatzbereitschaft.
Zum IT-Systemkaufmann kann ich nichts sagen, da kenne ich mich zu wenig aus. Ich verstehe auch vollkommen daß, wenn für diesen Job Rechtschreibung wichtig ist, dementsprechende Fehler in der Bewerbungsmappe eine "no go" darstellen.
Indem man aber generell unterstellt daß jemand, der auf dem Papier oder in der Kleiderwahl keinen perfekten Auftritt hinlegt, zugleich auch ungeeignet für eine Arbeit sein müsse beraubt man sich als Unternehmer selber der Chance jemanden zu finden, der vielleicht prima in den Betrieb paßt und die für den jeweiligen Job wichtigen Eigenschaften durchaus mitbringt.
Ich würde z. B. als Bankdirektor auf gepflegtes und freundliches Auftreten des Bewerbers achten, bei einer Sekretärin auf korrekte Rechtschreibung und sie sollte mir mal am PC ein Word-Dokument erstellen, als Restaurantleiter würde ich den Koch an den Herd stellen und ein paar Standardgerichte kochen lassen. Da sehe ich praktisch was ein Bewerber drauf hat. Als Inhaber einer kleinen Firma würde ich mir überlegen wie ich die Motivation des Bewerbers und seinen Einsatz für meinen kleinen Betrieb prüfen kann, als Großunternehmer interessiert mich die Identifikation mit dem Konzern etc. Wenn dann noch "die Chemie" stimmt interessiert es mich herzlich wenig wie qualifiziert jemand in Bereichen, die für seine Tätigkeit unwichtig sind, ist.
Was ich einfach sagen will: Bewerbungsunterlagen und Klamotten sagen ein wenig, aber nicht alles über einen Menschen aus. Oft werden hier aber schon Auswahlkriterien angesetzt, die für die zu besetzende Stelle minderwichtig sind. Daß man jemanden, dessen Profil insgesamt nicht zu der Stelle paßt oder der durch Lustlosigkeit und mangelndes Engagement auffällt aussortiert ist klar...
Was soll ein Bewerber denn in der 100. Bewerbung schreiben wieso er sich gerade für dieses Unternehmen interessiert? Es ist doch klar daß er einfach dringend einen Job sucht und dieses Unternehmen war eben "Nummer 100" auf der Liste. Natürlich hat ein Unternehmen manchmal wirklich konkrete Vorzüge, weshalb man sich dort und nicht anderswo bewirbt. Aber in den seltensten Fällen kann oder wird ein Bewerber ehrlich sagen was seine Motivation ist - denn das wollen die meisten Personalverantwortlichen nicht hören.
Insofern würden mich viel mehr das praktische Auftreten, die soziale Kompetenz und konkrete, vorzeigbare und für die Stelle wichtige Attribute interessieren als die Einhaltung irgendwelcher gängigen Vorgaben.