Ich kenne mich mit volkswirtschaftlichen Gegebenheiten nicht wirklich gut aus, erinnere mich aber an einen Bericht im Fernsehen, in dem es genau um dieses Unternehmen Siemens ging.
Siemens und Co. kassieren vom Staat sehr hohe Subventionen und Fördergelder, deswegen gehen viele Unternehmer auch nicht komplett aus D weg sondern lassen zumindest ihre Entwicklungsabteilungen hier. So kann man Geld, welches zur Förderung des Wirtschafts- und Technologiestandorts Deutschland gedacht ist, bekommen. Dabei subventioniert D weit mehr als alle anderen Länder rundum.
Die Produktion wird dann aber ins Ausland verlagert, denn da profitiert man von niedrigen Lohnkosten und Steuervorteilen.
Das System "Deutschland: hohe Abgaben - hohe Subventionen" und "Ausland: niedrige/keine Subventionen - niedrige Betriebskosten" wird also nicht allein aus wirtschaftlichen Zwängen, sondern vor allem aus Gründen der Gewinnoptimierung ausgehebelt und ausgespielt; man nimmt überall die Sahnestücke mit.
Wie kann es sein daß ein Unternehmen, welches schwarze Zahlen schreibt und gute Zukunftsaussichten hat, trotzdem ins Ausland abwandert? Doch nur deswegen weil irgendwelche verblendeten, völlig überbezahlten und der "normalen Welt" entrückten Manager und Vorstände Gewinnoptimierung um jeden Preis wollen.
Es interessiert oft nicht daß Gewinn gemacht wird, sondern im nächsten Jahr muß mehr Gewinn her, egal wie. Auch wenn dadurch Arbeitsplätze verloren gehen.
Was ich allerdings verstehen kann: Deutschland ist generell zu verknöchert, zu lahmarschig, zu bürokratisch. Wenn ich sehe wieviel Geld in meinem Unternehmen in ein albernes Qualitätssicherungssystem gesteckt wird - da wird mir schwindelig. Ich bin nicht generell gegen Qualitätssicherung, aber das verkommt wie vieles andere auch in diesem Land zu einem riesigen Bürokratismus. "Stimmt der Papierkrieg - stimmt die Qualität", aber ob die Qualität wirklich gut ist interessiert kaum.
Würde man sich hierzulande nicht mit so vielen Auflagen herumschlagen wäre es viel einfacher für Unternehmen, ich bin aber trotzdem davon überzeugt daß viele Mißstände keineswegs an der schlechten Wirtschaftslage oder den hohen deutschen Kosten scheitern, sondern allein an den Hohlköpfen in den Chefetagen. Man muß sich doch nur mal ansehen welche Pleiten viele nahmhafte Manager in den letzten Jahren ungestraft gebracht haben. Ich denke spontan an Toll Collect und andere "Glanzleistungen". Wenn solche Pleiten nicht passieren würden - und die verursachen nicht die "kleinen Mitarbeiter" - dann wäre D keineswegs ein so unattraktiver Standort. Hier trägt die Chefetage meist die wesentlich größere Schuld als die Bedingungen in Deutschland.
Ich bin sowieso davon überzeugt daß im Grunde jeder mittelmäßig intelligente Mensch in der Lage wäre eine Firma zu führen. Jeder trifft in seinem Leben ständig Entscheidungen, muß sich selbst verwalten und seine Finanzen bewirtschaften.
Allein mit Menschenverstand, davon bin ich überzeugt, könnte man auch einen großen Konzern genauso leiten wie jeder angeblich toll qualifizierte Manager.
Man muß nicht unbedingt BWL studiert haben um interpretieren zu können wo Zukunftsmärkte liegen und wo nicht. Man muß auch nicht BWL studiert haben um zu merken was dem Unternehmen gut tut und was nicht.
Und allein die Tatsache daß man nicht auf einem hohen Roß sitzt und vielleicht einfach mal in die Werkhalle geht und die Leute dort fragt was sie denken wie man ihren Arbeitsbereich optimieren kann - weil das im jeweiligen Bereich die wirklichen Fachleute sind - optimiert ein Unternehmen sicher weit mehr als wenn der Chef vom Schreibtisch aus meint entscheiden zu können was richtig und was falsch ist für eine Abteilung.