Zitat
Original geschrieben von Jimmythebob
Mich würde auch mal interessieren, wie du auf solche apokalyptischen Szenarien kommst. Die deutsche Geschichte hat gezeigt, dass selbst in Zeiten größter Not und dem praktischen Zusammenbruch von staatlichen Strukturen kein Chaos ausbricht, sondern sich die Leute ganz gesittet benehmen. Als Beispiele sei z.B. der 2. Weltkrieg genannt, als selbst bei Hunger und Zerstörung der meisten Städte keine plündernden Horden durch die Dörfer zogen, sondern sich die Leute ganz brav mit ihrer Essensmarke angestellt haben. Selbiges gilt in der Zeit zwischen '45 und '48. Ich sehe keine Anzeichen, dass sich diese Verhaltensweisen erheblich geändert haben sollten. Neustes Beispiel ist die Flut Mitte des Jahres gewesen: Anstatt in Chaos zu versinken, weil ganze Landstriche von der Außenwelt abgeschnitten waren, hat man, anstatt den nächsten Edeka auszuplündern, gemeinsam Sandsäcke gepackt und Abends bei Kerzenschein ein Bier getrunken. 
Ich habe mit Katastrophenprävention zu tun und kenne entsprechende Pläne und Vorbereitungen... Das wird öffentlich nicht großflächig diskutiert und das ist auch okay, man muss die Bevölkerung nicht jeck machen mit Dingen, die nicht gegenwärtig sind und vielleicht nicht passieren. Vorbereiten und denken muss sie aber jemand.
Dabei wird - allein aus finanziellen und logistischen Gründen - immer eher noch an der unteren Grenze agiert weil man keine parallele Schattenwelt zur Versorgung eines Millionenvolkes schaffen kann.
Der 2. Weltkrieg und die paar Tage Flut sind schlechte Beispiele: da kam es nicht zum Erliegen öffentlicher Strukturen. Es gab immer staatliche Strukturen, die für Ordnung gesorgt haben. Du kannst aber in jedem Szenarium, in dem die bürgerliche Ordnung zum Erliegen kommt, davon ausgehen, dass Anarchie eintritt.
Ein Crash des weltweiten Finanzssystems wird zwar nicht die demokratischen Strukturen zerstören und deswegen wird das auch nicht in die totale staatliche Anrchie führen, aber denke nur mal nach welche Folgen der Ausfall von Wasser, Strom und Einkaufsmöglichkeiten hat. Wie lange könntest du weitermachen ohne Probleme? Mit Glück ein paar Stunden. Wie lange können Krankenhäuser, Altenheime, Kindergärten etc. weitermachen?
Als junger, erwachsener Mensch ohne Verantwortung für Dritte nimmst du es ein paar Tage lang sportlich. Wenn du aber ein Kind hast, zum Beispiel, oder einen geliebten Menschen im Krankenhaus, wartest du dann auch einfach ab wann die Infrastruktur wieder funktioniert? Oder wirst du eher relativ schnell aktiv um die Versorgung sicherzustellen?
Mal ganz abgesehen von moralisch weniger gefestigten Leuten, die ihre Chance sehen, interessante Läden auszuräumen...
Wir haben bei Stromausfällen in New York oder der Überflutung von new Orleans gesehen, wie schnell Zivilisation kippt wenn es dicke kommt. Da bricht unsere, von vielen für unstürzbar gehaltene, zivile Ordnung schnell in sich zusammen.
Niemand sagt, dass das so passiert oder kurz bevorsteht. Wahrscheinlich kommt es nie, oder nicht in dieser Schärfe. Aber so zu tun als sei alles locker-flockig, als sei unsere Zivilisation unangreifbar geworden, das ist ein gewaltiger Irrtum.