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Original geschrieben von 7650w
Dennoch müssen wir uns aber bei den Lohnstückkosten mit den Chinesen messen. Thema Globalisierung.
Was wir müssen ist, im Hinblick auf Technologie, Forschung und Entwicklung besser zu sein als die Chinesen. Der Wettbewerb kann nicht darüber ausgefochten werden, wer am billigsten irgendeinen Schrott produziert.
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Original geschrieben von 7650w
Da bin ich grundsätzlich bei Dir.
Allerdings vereinfachst Du das Ganze ala Linke ("Genug gelabert...")
Weil es so einfach ist. Das Lohngefüge in diesem Land passt nicht mehr, die Schere zwischen arm und reich geht zu weit auseinander. Das bezieht sich sowohl auf Arbeitseinkommen als auch - noch viel mehr - Vermögensgewinne.
Es ist nicht nachvollziehbar, dass ein Konzernboss um den Faktor 3000 mehr verdient als das Durchschnitts(!)einkommen der anderen Mitarbeiter. So viel Leistung und Verantwortung kann er nicht erbracht haben im Vergleich zu anderen Mitarbeitern in dem Unternehmen, die ebenso Verantwortung tragen, täglich ihren Arbeitstag dort verbringen und genauso für den Unternehmenserfolg arbeiten.
Zugleich gehen immer mehr Menschen Vollzeit arbeiten, schuften dabei in aller Regel sogar in unangenehmen, schweren Jobs, und verdienen nicht mal das Existenzminimum. Das geht einfach nicht weil es das ganze Gefüge durcheinanderbringt. Der Lohn für die Arbeit steht hier nicht mehr im Zusammenhang mit der Leistung, die jemand erbringt.
Wenn man das nicht als grundsätzliches Problem erkennt, versteht man eine Gefahr nicht, die unsere Gesellschaft zerreißen wird, wenn es so weitergeht.
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Original geschrieben von 7650w
Es gibt aber eben Branchen und Tätigkeiten, die nicht genug Ertrag abwerfen bei einfachen Tätigkeiten. Um diese Jobs geht es und diese Jobs würden dann abwandern in andere Länder.
Beim Dienstleistungssektor sind eher wir Kunden das Problem, da wir nicht bereit sind mehr zu zahlen.
Wir leben in im Kapitalismus und in einer Marktwirtschaft. Damit gilt, dass diejenigen, die nicht konkurrenzfähig sind, vom Markt verschwinden. Das mag an der einen oder anderen Stelle Jobs kosten, aber das Prinzip muss gewahrt bleiben um den Markt nicht zu verzerren. Das passiert im Augenblick nämlich nur immer ausgerechnet dort, wo es zugunsten gewisser Profiteure geht.
Ein Aufstocker braucht seinen Job nicht, der bekommt das gleiche Geld auch als Grundsicherung ohne dafür einen überflüssigen Job zu machen. Wieso soll der Job erhalten werden und warum soll die Gesellschaft ein Unternehmen alimentieren, dass offenbar nicht marktfähig ist? Deswegen ist das immer Schwachsinn, mit den wegfallenden Jobs zu argumentieren.
Und du wirst sehen: die Leute zahlen problemlos mehr für den Friseur. Oder sie lassen es und laufen zukünftig als Zottel durch die Welt - was aber vermutlich nicht passieren wird. Wer selber genug verdient hat auch genügend Geld in der Tasche um den Friseur angemessen zu bezahlen, auch legal mit Steuern und nicht schwarz.
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Original geschrieben von 7650w
Es ist leider so, dass die paar Manager mit ihren überhöhten unanständigen Gehältern nicht ins Gewicht fallen, die Masse sehr wohl.
Bei den Steuereinsammlern ist es ja ähnlich. Oder warum glaubst Du, wollen die so weit in die Mittelschicht abgreifen?
Viele x wenig ist halt mehr als sehr wenige x viel.
Finanziell betrachtet ist das so, aber es geht auch um Gerechtigkeit und ein nachvollziehbares Gefüge. Wenn Leute in immer stärkerem Umfang nur noch prekäre Arbeitsverhältnisse bekommen - und das Wachstum des Niedriglohnsektors wurde schon oft beschrieben und ist der Grund für die ach so tollen Beschäftigungszahlen - dann steckt keine Substanz hinter den Erfolgsmeldungen. Die Leute sind demotiviert, identifizieren sich nicht mit dem Arbeitgeber, es ist ihnen egal wenn etwas schief geht, denn sie haben wenig zu verlieren.
So kann eine Gesellschaft nicht bestehen. Die Leute müssen für die Demokratie und den Staat eintreten, dahinterstehen. Alles andere ist gefährlich. Da braucht nur ein neuer starker Mann auftauchen, predigt Wohlstand für alle, und schwups, haben wir den nächsten Radikalen am Start, der ins Verderben führt.
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Original geschrieben von 7650w
Nur zur Definition: Wo beginnt bei Dir das obere Ende mit zu viel Bezahlung in Relation zur Leistung?
Wie definierst Du Existenzminimum?
Ich kann (und will) das nicht in konkrete Zahlen pressen. Aber die Menschen müssen sich mehr leisten können als täglich Nudeln mit Tomatensoße, womit sie rein physisch überleben. Wer arbeitet muss sich davon auch belohnen können, so dass Arbeit und Anstrengung dem Wohle des Unternehmens, dem Gemeinwohl (Steuereinnahmen) und auch dem eigenen Wohl dienen. Der eine mag in Urlaub fahren, der andere ein Gartenhaus kaufen, der nächste macht nen Segelschein... Jeder wie er mag.
Das Prinzip ist, dass man "leben" kann und nicht nur "existiert". Dann sind Menschen zufrieden und empfinden unsere Demokratie als lebens- und schützenswert. Das empfinden inzwischen aber leider immer weniger Leute so und es ist verständlich, denn es wird immer schwieriger, zufrieden zu sein. Wie du ja richtig schriebst, es ist nur ein kleiner Teil der Bevölkerung, der nutznießt, die große Masse zahlt die Zeche.