Beiträge von Printus


    Danke für diese Aufstellung!


    Man erkennt daran, dass das Diskutieren einzelner Probleme wenig bringt, es geht um "das große Ganze".


    Wenn die Lohnentwicklung in diesem Land immer mehr Leute in den Niedriglohn-Sektor verschiebt bleibt es nicht ohne Folgen für die Binnenkonjunktur, die vor die Hunde geht. Es wird nur kaschiert durch einen relativ guten Export, aber der ist fragil, denn im Euro-Land sieht es wirtschaftlich nicht gut aus, die USA straucheln und viele andere Teile der Welt sind politisch und wirtschaftlich instabil.


    Zugleich erfahren wir seit ein paar Monaten, das Grundwerte wie die persönliche Freiheit, Datenschutz, usw. usw. selbst von unseren "demokratischen Freunden" missachtet werden. Wenn man Leserkommentare zu politischen Themen liest, schreiben viele Leute inzwischen Dinge wie "mehr äußere ich besser nicht, sonst kriege ich später vielleicht Probleme bei der Einreise in die USA" / "... haut man mir den Kommentar in 10 Jahren womöglich um die Ohren". Viele Leute haben schon eine Gedankenpolizei im Kopf, die sie in freier Meinungsäußerung bremst.


    Die Bundesregierung erfüllt selber die Gesetze nicht: Sei es bei den Kitas, sei es das verfassungswidrige Bundestagswahlrecht, sei es das Bonn-Berlin-Gesetz.


    Solche Sachen sind keine Bagatellen im politischen Diskurs, sondern No-Go's. Eine Bevölkerung verliert rasend schnell ihre Befürwortung zur Demokratie und ihren Frieden wenn selbst die Regierung die maßgeblichen Gesetze und Strukturen nicht mehr beachtet.


    Da liegt IMHO eine ganz große Gefahr der heutigen Zeit, und Merkel ist ein besonderes Symbol dafür: man schaut einfach zu und kämpft nicht mehr gegen inakzeptable Zustände, man moderiert nur noch oder sitzt es einfach aus, man akzeptiert Dinge, gegen die aus Prinzip vorgegangen werden muss um nicht das Gesicht zu verlieren. In der Spähaffaire z. B. gibt sich die Bundesregierung gar nicht mehr die Mühe, aufzuklären, was man wirklich weiß oder wusste. Eine politische und ggf. juristische Bewertung findet gar nicht mehr statt, sondern im Vertrauen darauf, dass die Opposition ebenso Dreck am Stecken und kein Interesse an Aufklärung hat, bleibt's einfach bei den Unklarheiten. Der Bürger lernt dabei: Ehrlichkeit und demokratische Werte sind der politischen Klasse nicht mehr wichtig. Ich halte das für extrem gefährlich.


    Das gleiche gilt für die marode Infrastruktur im Land, die niedrigen Löhne, jeder 10. Erwerbstätige braucht inzwischen einen Nebenjob, das Armutsrisiko ist immens für den Normalbürger, Inflation bei Lebensmittelpreisen usw usw. Dem gegenüber stehen Unsummen für die EUR-Rettung, das BER-Debakel oder S21. Wenn solche Dinge nicht in einen Zusammenhang gebracht und erklärt werden verlieren die Menschen den Glauben an Gerechtigkeit und Fairness. Die Leute lernen: jeder ist sich selbst der Nächste, man muss nehmen, was man kriegen kann, der Ehrliche ist der Dumme. Wie will man denn Rücksichtnahme, Toleranz, Empathie und solche Sachen in der Bevölkerung, der jungen Generation, etablieren, wenn die Leute im realen Leben - selbst von staatlichen Organen - permanent das Gegenteil vor Augen geführt bekommen?


    Mir scheint, dass viele Politiker und auch viele Menschen nicht erkannt haben, dass es inzwischen nicht mehr nur um einzelne Sachfragen geht, sondern es müssten dringend Grundsatzfragen geklärt und Werte betont werden. Leider passiert nichts und die politische Klasse aller Coloeur kämpft nur noch für das eigene Wohlergehen.


    Was die Grundsicherung angeht: man kann die Zusammensetzung irgendwelcher Leistungen und ihre Aufschlüsselung nennen wie man will oder organisieren wie man will. Am Ende läuft es sowieso darauf hinaus, dass in diesem Land niemand leben kann wenn er nicht, grob geschätzt, 1000+ EUR pro Monat hat. Man kann die Kosten für Wohnung und Heizung vom Lebensunterhalt trennen oder nicht, es läuft doch sowieso darauf hinaus. Insofern sprechen die Linken nur aus, was Realität ist.

    Und er redet bemerkenswerten Unsinn. Solange die SPD nicht kapiert, dass Verrat an den eigenen Wählern - so geschehen mit der Agenda 2010 - einen Todsünde ist, sind Hopfen und Malz für diese Partei verloren.


    Dazu kommt die fehlende personelle Erneuerung (Steinbrück, Steinmeyer und Konsorten waren schon Mitstreiter in der Schröder-Politik) und ein persönlich unglaubwürdiger Spitzenkandidat: wer 25.000 EUR Gage für einen einzigen Vortrag kassiert und vor der Kanzlerkandidatur Spitzenverdiener bei den Nebeneinkünften war, ist als Vertreter eines sozialen Kurses für kleine Angestellte und Arbeiter unglaubwürdig.


    Die SPD muss wohl erst unter 20% fallen bis die ersten Genossen wach werden.


    Wer heute Themen des kleinen Mannes in den Fokus rücken will, ist bei der SPD nicht mehr aufgehoben, sondern wählt Linkspartei. Deren Wahlwerbung ist klar und nachvollziehbar:
    - bezahlbare Mieten und Energiekosten
    - 2-Klassen-Medizin abschaffen
    - Mindestlohn 10 EUR flächendeckend
    - Mindestsicherung anstatt Hartz 4
    - keine Waffenexporte mehr
    - Auslandseinsätze der Bundeswehr beenden


    Von der FDP sah ich heute ein Wahlplakat mit Genscher, Westerwelle und Lindner, dazu der Text "Große Liberale". Also kein Inhalt, kein Programm, dafür Genscher, der nicht mehr aktiv in der Politik ist. Aber es passt, die FDP hat inhaltlich nix zu bieten und ruht sich auf Personen der Vergangenheit aus.

    Und auch da ist das letzte Wort noch lange nicht gesprochen. Schon bei einem simplen Hausbau-Projekt ist es schwer genug Termine zu halten, obwohl man es mit Dingen aus einem überschaubaren Problemkreis zu tun hat.
    Bei Großprojekten tauchen immer Schwierigkeiten auf, die nicht planbar sind und oft nicht nach anderswo erprobten Mustern gelöst werden können.


    Mammutprojekte wie S21 laufen - auch ohne politische Pannen - immer hochgradig Gefahr, unbeherrschbar zu werden: egal ob man den BER nimmt, die Elbphilarmonie, den Tunnelbau in Köln, den Airbus A380 oder den Boeing Dreamliner, immer werden in der Theorie Pläne gemacht, die in der Realität aufgrund ihrer Komplexizität früher oder später an eine Grenze stoßen.


    Ob S21 nun ein halbes Jahr früher oder später fertig ist, ist ziemlich egal. Es wäre schon gut, wenn es nicht 5-10 Jahre werden oder ein so dermaßen peinliches Chaos wie am BER passiert. Die Wahrscheinlichkeit dafür halte ich allerdings für ziemlich hoch. Solche Projekte gehen immer in die Hose.

    Man kann sich auch absichtlich dumm stellen.


    Wenn selbst ein relativ kleiner Popel-Bahnhof wie Mainz 15 Fahrdienstleiter hat und 18 braucht, wieviele gibt es dann am Frankfurter Flughafen Fernbahnhof, Regionalbahnhof und vor allem am Frankfurter Hauptbahnhof?
    In Mainz einmal schnell über den Rhein rüber und man ist in Wiesbaden. Darmstadt und Hanau sind auch in Reichweite.


    Die Bahn muss im Rhein-Main-Gebiet hunderte Fahrdienstleiter konzentriert haben und in einem solchen Ballungsraum gibt es garantiert zahlreiche administrative Aufgaben unterschiedlicher Art (muss ja nicht zwingend Büro sein).


    Jetzt kommt doch bitte nicht mit albernen Aussagen, als könnte man im Rhein-Main-Gebiet die Personaldecke nicht unproblematisch aufstocken wenn man es wollte...

    Ich hatte das gestern schon erwähnt: dann arbeiten die Leute täglich 6 Stunden als Fahrdienstleiter und 2 Stunden etwas anderes. Oder an 4 Tagen Fahrdienstleiter und am 5. Tag mit einer anderen Aufgabe. Es kann kein Problem sein, sich hier ein praktikables Modell auszudenken, was die Erfordernisse vor Ort erfüllt.

    7650w,


    die Bahn ist beileibe groß genug um auch ein paar Mitarbeiter mehr sinnvoll beschäftigen zu können. Wir reden doch nicht von einem 3-Mann-Unternehmen, das nur Arbeit für 2 hat und wo der Dritte dann meistens völlig sinnlos rumsitzt.
    Hätte man einfach nur anstatt 15 Fahrdienstleitern in Mainz 17 oder 18, dann müssten alle anderen nicht so massiv Überstunden vor sich herschieben. Dazu noch ein paar Springer, die 2 Fahrdienstleitungen beherrschen und bei Engpässen aushelfen. Sie können bei Zeitüberhang Innendienst und Bürokram erledigen, Fortbildungen halten oder für die anderen organisieren, oder sonstwie sinnvoll eingesetzt werden.
    Unter dem Strich wären das problemlos 4-5 Leute mehr und es gäbe das aktuelle Problem nicht.


    Du musst mal von diesem statischen Denken wegkommen, als wäre bei einer großen Anzahl von Mitarbeitern ein Problem, ein paar Angestellte mehr zu haben. Das ist bei einer 3-Mann-Firma ein Thema, aber doch nicht in der Größenordnung der Bahn. Da verteilt es sich so problemlos, dass es überhaupt kein Thema ist.
    Man muss dafür aber eine Denkweise haben, die die Effizienz und Sicherheit des Systems in den Vorgergrund stellt. Wenn man nur auf Kosteneinsparungen schielt und alles andere gnadenlos zurückstellt, solange es nur noch irgendwie funktioniert, muss es zwangsläufig in die Hose gehen wenn mal etwas Ungewöhnliches dazwischenkommt.

    Zitat

    Original geschrieben von mumpel
    Das ist aber IMHO ein gesellschaftliches Problem. Jeder (oder sehr viele) denkt nurnoch an seinen Arbeitsplatz. In einigen Firmen wird spioniert und intrigiert. Es soll sogar Arbeitgeber geben, die ihre Mitarbeiter auffordern (ja beinahe zwingen), Beurteilungen über die Kollegen abzugeben (das ist mehr als schäbig). Und die früher übliche gemeinsame Freizeitgestaltung ist längst vorbei. In Zeiten, in denen jeder nur an sein Wohl denkt, bleibt das Betriebsklima ganz von allein von allein auf der Strecke.


    Das ist aber kein Fehler der Menschen, sondern es sind die Umgangsformen, die Unternehmen gegenüber ihren Mitarbeitern an den Tag legen.


    Wir hatten gestern schon das Thema, das Überstunden inzwischen oft ein fester Bestandteil der Arbeit sind und keine Ausnahme mehr darstellen. Mitarbeiter haben durch befristete Verträge oder Leiharbeit keine langfristige Perspektive. Just gestern hörten wird, dass fast 10% aller Beschäftigten in Deutschland einen Zweitjob haben - und keiner erzählt mir, dass die das nur machen um sich Luxusgüter kaufen zu können (für deren Nutzung sie dann keine Zeit haben...). Die Gehälter sind gnadenlos im Keller und die Wirtschaftsdaten zeigen, wie schlecht die deutsche Binnenkonjunktur trotz aller Jubelmeldungen der Regierung in Wirklichkeit ist.
    Noch nie war die Anzahl an psychisch bedingten Krankheits- und Erschöpfungsausfällen so groß wie heute.


    All das sind doch keine Zufälle, sondern es offenbart ein Klima und Umgangsformen, die allerorten um sich greifen, die sich kein Mitarbeiter wünscht und wo Unternehmen die Menschen ausbeuten. Kleine Handwerksbetriebe oder Dienstleister machen es oft weil sie auch nicht anders können, aber im Gesamtbild ist das doch eine gesellschaftliche Entwicklung, die man erkennen muss und wo man sich fragt, wie das eigentlich weitergehen soll.


    Geschützt wird das System nur dadurch, dass der deutsche Michel in preussischer Pflichterfüllung bis zum bitteren Ende mitspielt, wie man leider auch vor 70 Jahren gesehen hat. Griechen, Spanier, Türken und Ägypter, überhaupt weite Teile der arabischen Welt, gehen auf die Barrikaden gegen Zustände, die inakzeptabel sind. Das würde ich mir hier auch wünschen.


    Die dummen Arbeitsbienen schuften sich hier kaputt um Reiche noch reicher zu machen oder Fehlentscheider in Führungspositionen zu schützen - anstatt solche Nullen aus dem Amt zu jagen und für die Zukunft klar zu machen, dass gute Arbeit honoriert, aber schlechte auch mit Konsequenzen bedacht wird.


    Inzwischen ist oft zu beobachten, dass Mitarbeiter in eine Art Stockholm-Syndrom verefallen: anstatt sich wenigstens über die schlechten Zustände im Klaren zu sein und es zu verurteilen, haben sie noch Verständnis und entschuldigen die Ausbeuter weil sie glauben, dass die auch nicht anders könnten...

    Zitat

    Original geschrieben von 7650w
    Die Personallücke jetzt ist und bleibt ein punktueller sehr hoher Krankenstand, der jeden Teilbetrieb vor Probleme stellen würde.


    Keineswegs. Wie die aktuelle Berichterstattung zeigt, fährt die Bahn personell allerorten am unteren Limit. Dass ein - immer und überall möglicher - hoher Krankenstand dann zu Ausfällen führen MUSS ist naheliegend.


    Es gibt Grippe- und Magen-Darm-Erkrankungswellen, es gibt verunreinigtes Essen in Restaurationsbetrieben, es gibt Feiertage, Urlaubszeit, Stromausfälle und Schneechaos, es gibt den Ausfall von Verkehrsmitteln. All das muss an Stellen, an denen ein Dauerbetrieb sichergestellt werden muss, zu einer ausreichenden Personaldecke führen.


    Wenn ein hoher Krankenstand in der Urlaubszeit stattfindet ist das blöd, wenn aber deswegen das System zusammenbricht hat die Bahn zu wenig Personal oder falsche Strukturen um das aufzufangen. Gibt sie ja sogar selber zu. Nur ist das Problem länger bekannt und es wurde nix dagegen getan! Wir reden hier auch nicht von den paar Monaten Einarbeitungszeit für Fahrdienstleiter, derartige Probleme offenbaren ein langfristiges Organisationsverschulden der Verantwortlichen.


    Auch das hohe Durchschnittsalter der Fahrdienstleiter ist nichts, was jetzt plötzlich aufkommt weil im letzten Monat auf einen Schlag 3000 junge Mitarbeiter gekündigt haben. Nein, das sind Managementfehler, die seit langer Zeit entwickelt und in Kauf genommen werden.


    Jetzt quirlen alle Medien kräftig in der Scheiße und auf einmal entfalten alle Bahnmanager operative Hektik, auch wenn es überhaupt keinen Sinn hat. Weil wenn die Leute in Mainz und anderswo fehlen kann Grube aus dem Urlaub kommen oder es lassen, deswegen sind nicht 1 Tag später genügend Leute da.


    Ich finde es immer zum kotzen wie auf dem Rücken der Mitarbeiter die Personalknappheit ausgetragen wird und wenn dann etwas schief geht und die Presse macht ein Fass auf - siehe ein ARD Brennpunkt gestern Abend - reden alle Manager, die ihren Job bisher nicht erledigt haben, ganz geflissentlich so, als wären es nicht sie gewesen, die die Probleme geschaffen haben.

    Zitat

    Original geschrieben von 7650w
    Das ist und bleibt eine Oppositionspartei.


    In dieser Funktion aber gut.


    Zitat

    Original geschrieben von 7650w
    Kein Wunder, wenn ich mir die Vita der Vorsitzenden ansehe:


    Dann guck' dir ihr Aussehen an, da bietet sie um Welten mehr als alle anderen Parteivorsitzenden. :D



    Aber im Ernst: das CV einer/s Parteivorsitzenden entscheidet bei mir nicht darüber ob ich die politischen Richtung einer Partei präferiere oder nicht.

    Das "Linkspartei-Bashing" wird allmählich auch lächerlich. Wir sind im Jahre 24 nach der Maueröffnung und die heutige Linke ist ein Zusammenschluss aus der PDS (die in der Tat aus der SED hervorging) und der WASG - westdeutschen SPD-Abtrünnigen, die den Schröder-Agenda-Kurs nicht mittragen wollten.


    Wenn man heute noch mit der Vergangenheit der Linken kommt ist das eher ein Eigentor als förderlich um eine andere Partei-Präferenz nach vorne zu bringen, vor allem da die Linkspartei in sozialen Themen und zu Bundeswehreinsätzen im Ausland als einzige alternative Ansichten präsentiert.


    Dass nicht jeder Vorschlag der Linken realisierbar ist, okay. Aber für Protestwähler und solche, die angesichts der sozialen Gemengelage im Land ein Zeichen setzen wollen, ist sie eine gute Wahl. Ein gutes Ergebnis für diese Partei würde den anderen zeigen, in welchen Verhältnissen viele Menschen leben und wohin der Kurs gehen sollte.