Beiträge von Printus

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    Original geschrieben von bernbayer
    So eine wesentliche Kehrtwende gab es ja auch bei der Union beim Atomaustieg und der Energiepolitik. So sehr geschadet wie die Agenda 2010 die SPD hat, hat dies der Union überraschenderweise eigentlich nicht.


    Weil es auch so drastisch nicht war. Für oder gegen Atomstrom zu sein, tangiert nicht zwangsläufig CDU-Basis-Positionen. Der Knackpunkt war dabei eher, dass eine Partei und ihre Kanzlerin ihre Meinungen innerhalb weniger Monate um 180° veränderten. Das war aber in der Folge des Fokushima-Unfalls eine "Vernunftwende" und konnte den Wählern somit vermittelt werden. Es war keine Geisterfahrt gegen die eigenen Wähler.


    Die SPD hingegen hat ihre politische Grundlinie verlassen. Das wird von Wählern natürlich bestraft und zu Recht, denn wer so blöde ist, kapiert es nicht anders als durch entsprechende Wahlergebnisse.

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    Original geschrieben von Martin Reicher
    Betriebseisenbahner sind spezielle Fachleute die nicht so einfach andere Tätigkeiten ausüben können.
    Bei Fahrdienstleitern ist es ziemlich extrem, sie brauchen nicht nur eine Ausbildung je Stellwerkstyp (mechanisch, elektromechanisch, Spurplan, ESTW, jede mit verschiedenen Bauformen) und eine örtliche Einweisung mit Prüfung. Jedes Stellwerk und jeder Bahnhof hat eine Eigenheiten die auch sicherheitsrelevant sind. Einfach irgendjemanden aus der Ferne, oder wie du gar vorschlägst aus anderen Unternehmensbereichen, holen geht da nicht.


    Ich meine damit auch nicht, dass man Gelegenheits-Fahrdienstleiter erfindet, die im Jahr 30 Stunden in command sind und ansonsten keine Erfahrung haben. Die Leute müssen ausgebildet und immer im Training sein. Aber wer sagt, dass man dazu täglich 10 Stunden als Fahrdienstleiter arbeiten muss, an 6 Tagen in der Woche?


    Man könnte das auch auf täglich 6 Stunden an 5 Arbeitstagen reduzieren (und die restliche Arbeitszeit mit anderen Aufgaben füllen: es gibt im Stellwerk sicher auch Aktenordner, die mal entstaubt und sortiert werden müssen...), oder den jeweils 5. Tag der Woche für eine andere Aufgabe einplanen.
    Ich kann jetzt kein angemesseneres Beispiel als "Aktenordner entstauben" nennen weil ich zu wenig von der Aufgabe weiß - aber es geht um das Prinzip. Man kann jeden Mitarbeiter nach persönlicher Eignung und Präferenzen auch mit weiteren Aufgaben rund um den eigentlichen Job beschäftigen. So kann man ein paar Fachleute mehr vorhalten und Spitzen abdecken, wenn dann wirklich mal Krankheiten, Urlaube, Fortbildungen etc. zusammen kommen. Und ein Weiteres: wenn die Aufgabe für den jeweiligen Mitarbeiter "passt" ist das eine Motivation und hilfreich für alle.

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    Original geschrieben von mumpel
    Das Problem ist das keiner zur Bahn möchte. Wie in anderen deutschen Firmen auch setzt man schon "Kopfgeld" aus, damit auch Mitarbeiter für die Bahn werben und neues Personal bringen.


    Kannste dir verdienen. Wo muss ich mich bewerben???


    Im Allgemeinen bieten große deutsche Konzerne immer noch relativ gute Arbeitsbedingungen. Wer nicht gerade im öffentlichen Dienst oder gar Beamter ist, hat dort meistens gepflegtere Bedingungen als in vielen kleinen Klitschen, in denen unprofessionelle Führungskräfte schalten und walten wie sie wollen, ohne klare Strukturen eines Konzerns, und meistens zu Lasten der untergebenen Mitarbeiter.


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    Original geschrieben von mumpel
    die 55-Stunde-Regel kommt uns da zu Gute.


    Die besagt was?

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    Original geschrieben von Timba69
    Grundsätzlich gebe ich dir Recht, aber die SPD-Wähler (Arbeiter, Gewerkschaftmitglieder, Sozial interessierte Menschen, etc...) haben es der SPD bzw. genauer Gerhard Schröder nie verziehen, die Agenda-Politik eingeleitet und durchgesetzt zu haben.


    Sozialdemokratische Wähler vergessen nicht so leicht.


    Die SPD hat einen unverzeihlichen Fehler gemacht, nämlich Politik gegen das eigene Wählerklientel. Da die Agenda 2010 nach wie vor Bestand hat und sich die Partei auch weder personell noch inhaltlich klar davon distanziert, werden sie dafür auch weiter - und zu Recht - abgestraft.


    Dass keine Partei ihre frühere Politik als "völlig verfehlt" hinstellt, ist klar. Aber man könnte/müsste jetzt eine neue Richtung einschlagen und erkennen, dass die damaligen Rezepte nicht mehr in die Zeit passen.


    Solange aber von der SPD keine Abkehr von der Schröder-Clement-Steinmeyer-Steinbrück-Politik erfolgt und man sogar weiterhin mit den damaligen Architekten der Agenda-Politik arbeitet, kann die SPD gute Wahlergebnisse vergessen.


    Ich sehe es allerdings auch auf eine große Koalition herauslaufen.


    Welche Partei hat denn noch die uneingeschränkte Zustimmung einer Wählergruppe? Längst ist es doch so, dass sich eine riesengroße Masse an Wählern nicht mehr fragt "Wer vertritt meine Interessen am Besten?", sondern die Frage der Bürger ist "Wer ist für mich als kleinstes Übel überhaupt noch wählbar?"


    Kritische Auseinandersetzung, bei der SPD mit Schröders Politik, bei der CDU mit Merkels reiner Aussitz-Politik ohne Vision und Ziele, findet nicht statt. Die FDP spaßt weiter mit vielen nicht ernstzunehmenden Themen herum, die Grünen verblassen hinter fleischfreien Kantinentagen. Früher hatten die mal ernstzunehmende ökologische Themen und ein klares Profil.


    Wen soll man denn noch wählen, der glaubwürdig klare Ziele vertritt?


    Am Ehesten noch die Linken, die sind mit einer Ausrichtung auf soziale Themen positioniert. Sie lehnen Auslandseinsätze der Bundeswehr ab (Hat hier jemand wirklich verstanden, welchen handfesten Grund der Bundeswehreinsatz in Afghanistan hatte?) und stehen für eine Politikrichtung.
    Deren Haken ist aber, dass Manches im Parteiprogramm kaum realisierbar ist und man mitr deren Wahl keine ernsthafte Politikwende bezwecken, sondern nur die Wichtigkeit sozialer Themen unterstreichen kann. Das ist ja schon mal was... Wird aber vielen Leuten auch nicht unbedingt reichen.


    Insofern: Kreuzchen bei Splitterparteien machen? Kann man, aber wem nützt das...?


    Das Verblassen klarer politischer Ausrichtungen bei den großen Volksparteien wird vor allem die Anzahl der Nichtwähler in neue Höhen bringen.

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    Original geschrieben von mumpel
    Jetzt kann man aber nicht einfach so beliebige Leute vom Arbeitsmarkt holen und zwecks Überstundenabbau auf eine Betriebszentrale setzen.


    Das Problem ist ja auch kein kurzfristiges, sondern ein generelles: zur Gewinnmaximierung setzt man die Verkehrsinfrastruktur eines ganzen Landes auf's Spiel. Das, was da zur kurzfristigen Einsparung verbockt wurde, kostet die Bahn jetzt Unsummen durch die ausfallenden Fahrgäste und den erneuten Imageschaden.


    Investitionen in motiviertes Personal, positives Betriebsklima und gute Bezahlung rechnen sich nie kurzfristig, das sind Langzeit-Investitionen. Man muss aber ein wenig über den Tellerrand schauen um das zu kapieren. Über den Tellerrand schauen muss ein Bahnmanager auch um zu verstehen, dass sein Unternehmen einen der drei wesentlichen Verkehrsträger im Land stellt und einen infrastrukturellen Auftag erfüllt. Es ist eben keine austauschbare Würstchenbude.
    Aus diesem Grund finde ich auch die Privatisierung solcher Betriebe falsch, weil man damit eben genau solche Probleme provoziert.


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    Original geschrieben von mumpel
    Und irgendwann sind die Überstunden abgebaut. Dann muss man die, die man zwecks Überstundenabbau eingestellt hat, wieder entlassen oder man hat sie dauerhaft an der Backe. Aus wirtschaftlicher Sicht wäre das unsinnig.


    Man soll die Leute ja nicht nur heuern und feuern um kurzfristige Spitzen abzudecken, sondern langfristig einstellen um ein funktionierendes System mit ausreichend Personal zu schaffen. Gerade ein so riesiges Unternehmen wie die Bahn kann Mitarbeiter doch problemlos so koordinieren, dass sie notfalls als Springer in anderen Unternehmensbereichen aushelfen.


    Bei der Feuerwehr oder der Polizei klappt das auch, da schieben auch Leute Innendienst, haben immer welche Urlaub oder sind auf Fortbildung oder krank. Ab und zu sind mal alle da und ein paar Leute werden als z.b.V. zu Aufgaben abgeordnet, die sonst immer liegen bleiben. Ein gewisser Überhang muss eben sein.


    Dieses Überstunden-vor-sich-herschieben, inzwischen zum Normalfall geworden, ist doch längst ein Symptom für das Auspressen von Mitarbeitern. Ich hörte zuletzt von jemandem, der jeden Tag 30 Minuten Überstunde machen MUSS, das ist in der Arbeitszeitenregelung fest vorgesehen. Zwar wird ihm diese Zeit im Arbeitszeitkonto gutgeschrieben um sie "irgendwann" abzufeiern. Nur ist es doch schon systemisch darauf ausgelegt, einen Mangel an Mitarbeitern respektive entsprechende Einsparungen auf dem Rücken der Mitarbeiter auszutragen. Es ist doch schlichtweg Verarsche, wenn jemand laut Vertrag eine 40-Stunden-Woche hat und täglich Tag 30 Minuten Überstunden vorgesehen sind, dann ist es tatsächlich eine 42,5-Stunden-Woche und nichts anderes. Die Wahrscheinlichkeit ist dann auch hoch, dass sich dieses Konstrukt durch einen Motivationsmangel oder einen erhöhten Krankenstand rächt. Nur kapieren viele Kasper in Unternehmensführungen das nicht.


    Eigentlich sollten Überstunden eine Ausnahme sein, die bei unvorhergesehener Mehrarbeit MAL anfallen kann. Aber es ist in diesem Drecksland inzwischen fester Bestandteil beinahe aller abhängig Beschäftigten geworden.

    Es wäre womöglich interessant, der Umfrage noch die Positionen "desinteressierter Nichtwähler" und "bewusster Nichtwähler/Wahlzettel-Ungültigmacher" hinzuzufügen.


    Schon vor der NSA-Affaire, aber seitdem erst Recht, stehen viele Wähler vor dem Dilemma, außer den Linken keine große Volkspartei wählen zu können, die keinen "Dreck am Stecken" hat, denn sowohl CDU/CSU/FDP als auch SPD/Grüne waren in Regierungsverantwortung und haben das Treiben der ausländischen Nachrichtendienste mitgetragen.


    Obwohl (oder gerade weil) ich zum aufgeklärten Teil der Bevölkerung gehöre spiele ich ernsthaft mit dem Gedanken, die Wahl dieses Mal aus Protest zu verweigern. Dabei könnte ein Ungültig-Machen des Wahlzettels eine Option sein um als Wähler gezählt zu werden, aber eben keiner Partei die nicht verdiente Zustimmung zu geben.


    Gar nicht zu wählen ist eine traurige Idee, immerhin haben die jüngeren Generationen allesamt in der Schule eingeflößt bekommen, dass Wahlen ein wichtiges demokratisches Grundrecht sind. Nur treten die politischen Parteien die demokratischen Spielregeln, wie wir in den letzten Wochen erfahren müssen, seit Langem mit Füßen und ich komme ins Grübeln, ob eine Teilnahme am Wahl-Theater unter diesen Umständen noch Sinn macht.


    Einzig eine Wahl der Linken ist für mich eine Option, denn da werden wenigstens soziale Aspekte und eine Ablehnung der Kriegseinsätze der Bundeswehr befürwortet. Es wäre eine sinnvolle Protestwahl um seine Meinung, dass dringend etwas gegen die immer weiter aufgehende Einkommensschere und Ausbeutung einfacher Mitarbeiter zugunsten von Eliten, getan werden muss.


    Dass die Piraten die NSA-Entwicklungen nicht nutzen können liegt IMHO an zwei Gründen:
    1. Die Piraten sind nach wie vor eine 1-Themen-Partei. So wichtig Urheberrechts-Diskussionen im Netz sind, in der Landes- und Bundespolitik muss man auch zu vielen anderen Themen Positionen entwickeln.
    Die NSA-Affaire hat nicht nur mit Datenschutz zu tun, hier stellen sich Grundfragen zu Bürgerrechten, der Demokratie, zur inneren Sicherheit und der Außenpolitik. Die Piraten haben bisher nicht das Format und die Köpfe, die auf diesen Ebenen kompetent mitreden können - und deswegen kommt von denen auch nicht viel zur NSA-Affaire, obwohl es vordergründig DAS Thema für sie sein könnte.
    2. Basisdemokratische Strukturen funktionieren einfach nicht wenn man tausende Mitglieder hat. Wenn alle Parteimitglieder in gleicher Weise mitreden können und keine Hierarchiestruktur gebaut wird, ist das einfach nur ein unkoordinierter Hühnerhaufen, der sich in Personal- und anderen Debatten ergeht und keine strukturierte politische Arbeit leisten kann.


    "Mutti" fährt eine Politik und einen Wahlkampf des Aussitzens. Eigentlich himmelschreiend, aber zu viele Leute sind inzwischen so eingelullt und bequem, dass es ihnen egal geworden ist. Die immer wieder lancierten Erfolgsmeldungen, wie toll Deutschland dastehe und wie gut es uns angeblich doch geht, vermitteln weniger kritischen und leichtgläubigen Bürgern auch, dass die CDU einen guten Kurs lenke. Dass wir uns auf Kosten ganz Europas unbeliebt machen, bei katastrophaler Binnenkonjunktur nur sehr gebrechliche Exportgewinne erzielen und das angebliche Jobwunder hauptsächlich durch Leiharbeits-Versklavung und Minijobs erzielt wird, kapieren die meisten Leute nicht.


    Steinbrück wurde ab einem gewissen Punkt zu Unrecht von der Presse zerrissen, bis dahin hatte er sich das aber redlich erarbeitet indem er kein Fettnäpfchen ausließ und sich angreifbar machte.
    Die SPD ist bei vergangenen Wahlen schon mehrfach übelst angewatscht worden wegen der unsäglichen Agenda-Unreformen, aber sie emanipieren sich nach wie vor nicht davon. Steinbrück und Steinmeyer waren damals stark daran beteiligt, also auch keine personelle Erneuerung.
    Steinbrück macht auf sozial und ist zugleich Vortrags- und sonstiger Polit-Spitzenverdiener, der einfach unglaubwürdig ist als Vertreter eines sozialen Kurses.
    Die Genossen müssen wohl noch ein paarmal auf die Fresse kriegen und unter 20% rutschen um ihre Lektion zu lernen.

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    Original geschrieben von 7650w
    Ich weiß nicht, in welcher Branche Du arbeitest, aber es ist extrem schwierig im Schichtbetrieb mit einer Besetzung eines Spezialisten solche Ausfälle aufzufangen.


    Und gerade deswegen gehört dem Bahn-Vorstand und Flachpfeifen wie Döring der Hintern aufgerissen. Wir reden nicht über eine Würstchenbude, deren Schließung der nebenliegende Kiosk auffängt, sondern von der Verkehrsinfrastruktur des Landes.


    Wenn ich dort Spezialisten benötige muss ich genügend vorhalten um auch bei gehäuften Krankheitsfällen, z. B. einer Grippewelle etc., ausreichend Personal zu haben. Dass und wann Urlaubszeit ist, weiß man auf Jahre im Voraus! Urlaub wird vom Arbeitgeber genehmigt, also kann man nicht später kommen und Mitarbeiter dafür in die Pflicht nehmen, dass sie zu einer möglicherweise ungünstigen Zeit nicht anwesend sind.


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    Original geschrieben von 7650w
    Ich bin mir immer noch sicher, dass da mehr dahintersteckt. In Betrieben, die ich kenne, würde so etwas geräuschlos und fair geklärt.


    Der Versager Mehdorn hat die Bahn seinerzeit mit Biegen und Brechen an die Börse bringen wollen und Personal abgebaut um Kosten zu sparen. Damit hat sich die Bahn schon bei der Berliner S-Bahn bis auf die Knochen blamiert: über ein halbes Jahr lang war in der Hauptstadt Verkehrschaos, weil man zu viele Wartungsbetriebe geschlossen hatte um Geld zu sparen.


    Rüdiger Grube ist seit 4+ Jahren Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn und hatte damit mehr als genug Zeit, Fehler des Vorgängers bzw. generell Fehlentwicklungen zu korrigieren. Aber da Mehdorn nicht nur der Vorgänger auf dem Posten, sondern auch sein Trauzeuge ist, kann man wohl kaum erwarten, dass Grube sich kritisch zu Mehdorn positioniert.


    12000 Fahrdienstleiter schieben über eine Million Überstunden vor sich her. Das ist ein Systemversagen bzw. politisch gewollt, da kann nicht von einem punktuellen Problem in Mainz die Rede sein.


    Jeder, der nur ein bisschen Ahnung von Personalführung hat weiß auch, dass der Krankenstand ein direktes Abbild vom Betriebsklima in einem Unternehmen gibt. Insofern geht dieses ganze lächerliche Problem in Mainz komplett zu Lasten und auf das Konto der Bahnverantwortlichen, und nicht irgendeines Mitarbeiters!


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    Original geschrieben von 7650w
    Mich würde mal interessieren, ob wir hier von Langzeitkranken reden oder sich das Problem evtl. nächste Woche löst?
    Bei Langzeitkranken sehe ich die Bahn eher mehr in der Pflicht, da man sowas dann auf jeden Fall mit zusätzlichem Personal und nicht mit Überstunden etc. regeln muss.


    Das Chaos in Mainz soll bis Ende August weitergehen. Wann wurden die Probleme bekannt, vor 4 oder 5 Tagen? Es ist kaum anzunehmen, dass reihenweise Personal wegen einem Schnupfen 3-4 Wochen krankgeschrieben wurde und es ist auch nicht so wahrscheinlich, dass gleich 3 Mitarbeiter zur gleichen Zeit so lange Urlaub haben. Falls doch: dann hatten sie massiv Überstunden und es stellt sich die Frage, warum.


    In jedem Fall ist das hier kein zufälliger, punktueller Engpass, sondern irgendwelche Vollpfosten, Controller und Optimierer haben die Personaldecke bis zum Minimum gefahren und jetzt bekommt die Bahn die Quittung dafür.


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    Original geschrieben von 7650w
    Dieser akute Fall ist aber ein Exempel und wird nun gnadenlos durch Gewerkschaft etc. als Druckmittel genutzt.


    Nein, die Bahn bekommt die peinliche Presse, die ihr gebührt! Wenn man sein Personal schlecht behandelt und aus Kostengründen abbaut fehlt im Zweifel die Elastizität um Krankheitsausfälle oder die Urlaubszeit zu kompensieren. Dass man dieses an die große Glocke hängt und die Bahn dafür mit schlechter Presse straft ist mehr als angemessen und nötig.

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    Original geschrieben von bernbayer
    Wo sind da die Rechtsbrüche? Das ZDF spricht von "offizell erlaubt" und zielt dabei auf eine Vereinbarung der Amerikaner mit der deutschen Regierung von damals ab, die für 200 US-Firmen eine Ausnahmegenehmigung zum Abgreifen von Daten vorsieht. Immer vorausgesetzt der Bericht von ZDF-Frontal 21 stimmt so überhaupt. Ich habe da erhebliche Zweifel.


    Sollte es eine Vereinbarung der damaligen Regierung gegeben haben verstieß diese gegen das deutsche Grundgesetz und Datenschutzrechte. Dazu ist auch die Regierung nicht autorisiert. Sie wird sich kaum auf irgendeinen Ausnahmetatbestand (falls es den überhaupt gibt) herausreden können.


    Insofern müssen die Verantwortlichen jetzt, nach Bekanntwerden der Verstöße, aktiv werden und Ermittlungen dazu initiieren.

    Wenn du nicht weißt, was die angenommenen Vereinbarungen enthalten, kannst du sie auch nicht als Argument anführen. Und es ist ja eh nur eine vage Vermutung, denn noch ist der Inhalt der Absprachen nicht klar.


    Alle Volksparteien - damit meine ich CDU/CSU, SPD, FDP und die Grünen - waren in den letzten Jahren in Regierungsverantwortung und niemand braucht dem anderen Versagen vorwerfen, das er nicht selber auch gezeigt hat. Hier also parteipolitisch zu diskutieren ist obsolet.


    Es ist, pragmatisch betrachtet, auch egal, was in der Vergangenheit schiefgelaufen ist. Wenn der Rechtsbruch jetzt öffentlich wird muss jetzt ermittelt werden. Es gibt jetzt keine Ausreden mehr.


    Ich vermute, dass die Aussitzen-und-schweigen-Taktik der Regierung weitergehen wird. Ist ja auch in der Tat eine ziemlich schwierige Situation. Nur es muss gehandelt werden weil mit jeder neuen Enthüllung, jedem Bekanntwerden weiterer Rechtsbrüche und jedem weiteren Tag, an dem dagegen nicht vorgegangen wird, rücken die Verantwortlichen noch näher an eine Rechtsbeugung heran, als sie es schon seit Wochen tun.


    Offensichtlicher kann doch nicht mehr werden, dass auf deutschem Boden eben kein deutsches Recht beachtet wird. Was braucht die Kanzlerin denn noch an Snowden-Enthüllungen um den Verstoß gegen unser Recht auf unserem Boden zu erkennen?


    Und was den Innenminister betrifft, jetzt erfolgte der Beweis, dass er a) bei seiner Reise nicht die Wahrheit erfahren hat oder b) sie der Öffentlichkeit nicht gesagt hat. Ich tendiere zu a), aber dagegen muss man sich als deutsche Regierung doch wehren! Wie weit wollen die denn noch das Gesicht verlieren indem sie von den Amis verarscht werden?


    Und das Schlimme ist: fast überraschen einen die neuen Erkenntnisse gar nicht mehr, denn das hat doch jeder, der in den letzten Wochen kritisch war, erwartet.