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Original geschrieben von bernbayer
Nach der Wahl wird dieses Thema sowieso in der Versenkung verschwunden sein. Auch die Medien stürzen sich dann auf andere neue Themen. Ist das Thema nicht mehr in den Medien präsent verschwindet es auch aus den Gedanken der meisten Bürger. Die Geheimdienste der Amis und auch anderer Staaten machen im wesentlichen weiter wie bisher und es wird kaum jemand mehr interessieren. So ist das kalt in einer schnelllebigen und medialen Zeit. Das kann man zwar beklagen, nützen wird es kaum was.
Das glaube ich nicht. Der NS-A-Skandal hat eine andere Qualität als Pseudo-Aufreger wie ein Preis von fast 10 EUR für eine Maß auf dem Oktoberfest, was wirklich keinen interessiert.
Wenn immer wieder neue Details ans Licht kommen und in der Industrie und der Bevölkerung verstanden wird, was gerade passiert, geht ein großes Faß auf. Ich stelle fest, dass viele Leute entweder bisher nicht verstanden haben, was hier vor sich geht, oder sie haben es verstanden, wissen sich dagegen aber nicht zu wehren.
So wie bei vielen anderen Themen auch. 9 von 10 Leuten kotzt es inzwischen an, unter welchen Bedingungen sie tagtäglich arbeiten müssen, Schufterei und mieses Betriebsklima bei geringsten Löhnen, permanentem Druck und der Gefahr des Burnouts.
Oder die EUR-Krise. Auch da haben die meisten Menschen verstanden, dass sie verarscht werden, egal ob sie in Griechenland oder Deutschland leben. Dass gegen normalen Menschenverstand verstoßen wird und die Geldblase irgendwann explodieren wird.
All diese Dinge sind Zeitbomben. Keiner kann sich alleine dagegen wehren, die Bevölkerung lässt es sich notgedrungen gefallen. Sollte aber irgendeine - wie auch immer geartete - Protestbewegung entstehen, wird es kippen. Wir haben das 1989 auf friedliche Weise im Osten erlebt. Es passiert in Ägypten auf dem Tahrir-Platz und in Istanbul auf dem Taksim-Platz. Wer sagt, dass es nicht - bei weiteren Verschlechterungen - irgendwann in Berlin am Großen Stern oder dem Potsdamer Platz zur Sache geht?
Nachdem es 1989 gelang, den kommunistischen Osten in die Knie zu zwingen ist es jetzt offenbar an der Zeit, eine inzwischen ebenso feindliche westliche Schutzmacht in die Schranken zu weisen. Der Kalte Krieg ist nun mal vorbei und damit auch der amerikanische Führungsanspruch als Schutzmacht oder das britische und französische Verständnis von Führerschaft in der EU. Inzwischen haben sich in Europa so viele Staaten emanzipiert, dass ein paar einzelne nicht weiterhin die Vorturner spielen können und die anderen abhorchen können weil man angeblich Terroristen jagt und dabei eine Milliardenbevölkerung unfrei macht.
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Original geschrieben von Robert Beloe
Erstaunlich finde ich nämlich wirklich, dass die Piraten aus der gegenwärtigen Debatte bisher so gut wie kein Kapital zu schlagen vermögen. Sind sie vorher tatsächlich nur von denen gewählt worden, die kostenlos Urheberrechte verletzen möchten?
Ich denke es mir so:
1) Die Piraten wurden von einer gewissen Klientel netzaffiner Nerds gewählt. Diese Leute verschlüsseln vermutlich seit jeher und sind von Snowdens Enthüllungen weder besonders überrascht noch müssen sie viel ändern, denn die sind hinsichtlich elektronischer Medien eh schon vorne dran und fühlen sich von den Enthüllungen bestenfalls bestätigt, aber da fällt kaum einer aus allen Wolken.
2) Die Piraten haben sich mit ihrem basisdemokratischen Getue bei vielen Menschen um den Ruf einer ernstzunehmenden Partei gebracht. Die Idee ist zwar ganz nett, funktioniert in der Realität aber nicht. Auf irgendeine Weise müssen Hierarchie-/Führungsstrukturen vorhanden sein, es kann nicht 1000 Häuptlinge und keinen einzigen Indianer geben. So kann man zwar auf Parteitagen nett beieinander sitzen und in Netzwerken herumspielen, aber das führt nicht zu zugkräftigen Themen, klaren Personalentscheidungen und eindeutigen Positionen zu möglichst vielen aktuellen politischen Fragestellungen.
3) Die Piraten erleben da, wo sie tatsächlich im realpolitischen Betrieb mitmischen, dass die Fokussierung auf ein einziges Thema nicht reicht. Erstens müssen auch die Themen 2-500 behandelt werden, zweitens kann man auch das Grundthema der Partei nicht auf die Datensicherheit beschränken. Es zeigt sich im Rahmen der aktuellen Entwicklungen, dass hier vielfältige Facetten zu bedenken sind: Grundsatzfragen nach unserer Rolle in Staaten-Bündnissen, nach Rechtsgrundlagen im internationalen Raum, es muss eine Vision geben, wie man sich internationale Zusammenarbeit, innere und äußere Sicherheit vorstellt. Wie sehen sich die Piraten in diesen Zusammenhängen?
Die Piraten haben ein einziges Thema, dieses ist jetzt wieder weit nach vorne gerückt, war aber lange auch erst "Thema 71" in der Prioritätenliste, und wenn man zu den primären 70 Themen nix beitragen kann, reicht das eben nicht für eine wichtige Rolle im Parteienspektrum. Die Piraten positionieren sich damit eher in der Phalanx anderer, eher belächelter Spartenparteien.
Wobei durchaus zu wünschen ist, dass sie sich stärker in die aktuelle Diskussion einbringen, wenn der NS-A-Skandal ist ihr Thema und da müssen sie sich nun auch Gehör verschaffen und punkten. In 2 Monaten ist Bundestagswahl...