Beiträge von Printus


    Es ist schon klar, dass Regierungen technische Entwicklungen nicht direkt lenken und das auch nicht sollen, und natürlich können sie illegales Verhalten auch nicht immer verhindern. Sie können aber definieren, was illegal ist und Fehlverhalten mit Strafe belegen indem entsprechende Gesetze gemacht und ihre Einhaltung sichergestellt wird.


    Was wir im Augenblick erleben ist eine Zäsur. Da liest nicht ein neugieriger Nachbar eine Postkarte, wobei sich sowohl der Schreiber wie auch der Empfänger über diese Möglichkeit im Klaren sind. Es bewegt sich keiner auf dem Hauptbahnhof, während er weiß, dass es dort Kameraüberwachung gibt.


    Wir erfahren jetzt, dass die heute unumgängliche elektronische Datenkommunikation von ausländischen Diensten flächendeckend ausgespäht wird - ohne dass wir wissen, wer da welche Daten erfasst. Wir haben keine Klarheit, wie und wozu diese Daten genutzt werden. Es gibt keine klare gesetzliche Regelung weil deutsches Recht im Ausland keine Anwendung findet. Wir müssen davon ausgehen, dass auch sensible persönliche oder geschäftliche Daten von Dritten erhoben und ausgewertet werden. Was geschieht geht weit über die Grenzen des Grundgesetzes hinaus.


    An dieser Stelle erwarte ich von meiner Regierung, dass sie nicht nur Allgemeinplätze zur nicht vorhandenen Datensicherheit abgibt, um Verständnis für solche Vorgänge wirbt, sondern sich deutlich zur (Un)vereinbarkeit mit unseren Gesetzen positioniert. Dass sie eine Meinung hat oder entwickelt, wie wir damit zukünftig umgehen. Dass sie sich um Aufklärung bemüht damit wir überhaupt mal erfahren, wer da eigentlich was abgreift in unser aller Privatsphäre.


    Es kommt aber nichts. Bis auf die lächerliche Reise des Innenministers nach Washington (die absolut nichts eingebracht hat, und wenn dann nur mehr Durcheinander und Verwirrung) und ein paar unbeholfene Statements von Hinterbänklern und dem Regierungssprecher, erleben wir überhaupt keine Reaktion der Regierung.
    Die Opposition ist ebenfalls merkwürdig still.


    Wenn Daten in dem zu erahnenden Maß erfasst werden und man nicht weiß, aber erahnt, was man mit diesen Daten alles anstellen kann, dann muss es eine breite Debatte darüber geben. Dann muss die Politik sich überlegen in welchem rechtlichem Rahmen das alles spielt und welche kulturellen und gesellschaftlichen Veränderungen es bedeuten kann/bedeutet.


    Die Politik hat die Aufgabe, die Gesellschaft zu gestalten. Dass sie weder den neugierigen Nachbarn, der eine nicht an ihn gerichtete Postkarte liest noch die NSA so ohne weiteres stoppen kann ist jedem klar. Aber immerhin hat sie bzgl. des Nachbarn eine eindeutige rechtliche Regelung geschaffen und damit die rechtlichen und moralischen Spielregeln definiert. Das muss sie auch im Hinblick auf Prism und die Folgen daraus machen.


    Die Politik, weite Teile der Presse und viele Bürger scheinen noch nicht mal verstanden zu haben, dass der postkartenlesende Nachbar relativ harmlos ist, weil was weiß der schon über das komplette Leben nur weil er diese Postkarte gelesen hat? Was weiß er schon, wenn er immer am Fenster steht und schaut wann man kommt und geht? Er weiß ein bisschen was, aber nichts wirklich Intimes, Privates. Er weiß nur das, was öffentlich sichtbar ist - und ich bin mir darüber im Klaren, dass er meine Postkarten lesen und mich im Hausflur sehen kann.


    Die NSA erfasst und verknüpft aber auf eine Weise, die wir nicht mal kennen, Daten und wenn da Kommunikationsdaten, Bewegungsprofile, (Internet)gewohnheiten usw. usw. vorliegen ergeben sich erschreckende Profile, ein Alter Ego eines Menschen. Es erfolgen in einem nächsten Schritt Vorraussagen des zukünftigen Verhaltens, der weiteren Gewohnheiten und Interessen anhand von Algorithmen, und am Ende bewerten dich Behörden, Firmen und Institutionen gar nicht mehr anhand deiner realen Persönlichkeit, sondern nach den berechneten Daten. Computer und Algorithmen entscheiden dann über dich und du beginnst, dich unnatürlich zu verhalten weil dein elektronisches Alter Ego "sauber" sein muss wenn du keine Probleme bekommen willst.


    Nachdem dieses jetzt nicht nur Science fiction ist sondern dank Snowden klar ist, dass das seitens der NSA bereits so läuft, muss unsere Politik dringend Stellung dazu nehmen welche Vereinbarkeit das mit unseren Gesetzen hat und wie wir uns dazu zukünftig stellen wollen. Das Schweigen der Kanzlerin und der Opposition sind in diesem Zusammenhang absolut unzureichend.

    Zitat

    Original geschrieben von bernbayer
    PS.Merkel kann die ganze Affäre relativ gelassen sehen, meint die SZ:
    http://www.sueddeutsche.de/pol…rkels-geschmack-1.1722676


    Da kann ich der SZ absolut gar nicht zustimmen.


    Wie Timba bereits schrieb, man muss die Zeit vor den Snowden-Enthüllungen von der Zeit danach trennen.


    Vorher waren es ein paar Verschwörungstheoretiker, die von der Überwachung schwadronierten, aber der durchschnittliche Bundesbürger ging davon aus, dass es zwar Überwachungsmöglichkeiten gibt, dass diese aber nur bei Verdächtigen benutzt werden: bevor man Telefone abhört und Rechner anzapft muss ein Richter zustimmen, und das wird der nur tun wenn Verdachtsmomente gegen jemanden vorliegen. Wer kein Dreck am Stecken hat, wer "nichts zu verbergen hat", der kann seine geschützte Privatsphäre genießen.


    Seit Snowdens Enthüllungen ist klar: nein, es wird von ausländischen Mächten, außerhalb unserer rechtsstaatlichen und territorialen Kontrolle, ALLES überwacht. Jede 85jährige Oma, jeder Priester, jeder Journalist, jeder Politiker, auch sensible Firmendaten, komplett alles und jeder. Es gilt weder der Richtervorbehalt noch bedarf es einen konkreten Verdachts, noch greifen unsere Rechte und Gesetze.


    Dieses ist ein politischer und gesellschaftlicher Super-GAU. Zivilisiertes Leben im Jahre 2013 funktioniert nicht ohne elektronische Medien und Telefon, jeder Besuch in der Innenstadt erfasst einen durch Kameras und Mautbrücken. Die totale Überwachung ist keine Story aus der Science-fiction-Literatur mehr, sondern sie findet statt.


    Gegen diese Möglichkeiten der Überwachung sahen Stasi und Gestapo mit ihren ungetümen Spitzelapparaten aus wie dumme Jungen und uns unterscheidet von totalitären Verhältnissen nur noch, dass wir in einer anderen Staatsform leben und kritische Äußerungen nicht, wie bei den Nazis und in der DDR, zu direkten Repressalien führen und Leute verschwinden.


    Diese nie dagewesene und beängstigende Form der Überwachung und die Gefahr, dass die ganzen sensiblen Daten missbraucht werden können, würde erfordern, dass unsere Politik auf den Plan tritt und sich kümmert. Dass man diese Dinge nicht mit einem Fingerschnipp ändern kann ist klar, aber es müsste jetzt Flagge gezeigt werden und der Wille, diese Verhältnisse nicht zu akzeptieren, demonstriert werden.


    Was gerade läuft ist eine immense gesellschaftliche Veränderung, ein Umbruch, bei dem Politiker - die Kanzlerin vorneweg - da sein und führen müssten. Aber anstatt angesichts dieser datenmäßigen Kernschmelze Präsenz zu zeigen taucht die Kanzlerin ab. Keine persönliche Aussage, keine Deutung, der Regierungssprecher und der Innenminister mit der Reise nach Washington werden alibimäßig vorgeschickt. Die Kanzlerin verabschiedet sich in den Urlaub.


    Schlechter kann man nicht führen, schlimmer kann man die ungeheuerlichen Vorgänge nicht ignorieren und die Bürger allein lassen.


    Auch die Medien starten keinen Aufschrei. Der SZ-Artikel ist ein gutes Beispiel dafür, wie Systemmedien die Kanzlerin freisprechen indem sie Verständnis zeigen. Keine Spur von einer 4. Macht, die aufdeckt und Aufklärung fordert.


    Das ist die Crux an der ganzen unseeligen Geschichte: die Bundesregierung erkennt nicht, was es in den Köpfen der Menschen auslöst, wie es die Gesellschaft und die Freiheit verändert, wenn die Leute sich angesichts der Totalüberwachung nicht mehr frei fühlen und sich selbst zensieren weil sie fürchten, irgendwann mal Probleme aufgrund ihrer Meinungsäußerung bekommen zu können.


    Hier wandeln sich Kulturen und die Gesellschaft und die Kanzlerin fährt in Urlaub, begleitet von wohlwollenden SZ-Artikeln. Unerträglich.

    Die Vorstellung, die USA seien ein übermächtiger Wirtschaftsmagnat, stimmt so einfach nicht. Die USA schwimmen, genauso wie Europa, Russland und China, in den gleichen globalen Gewässern. Mit im Meer schwimmen auch gewisse Einzelstaaten, die riesengroßes Potential haben oder bekommen - Indien und Brasilien beispielsweise.


    Die USA hängen finanziell an einem eher dünnen Faden. Wäre da nicht Geld aus China und würden die internationalen Finanzmärkte sich aufgrund der politischen US-Dominanz gegen dieses Land wenden, die Amis wären rasend schnell so dermaßen handzahm...


    Zwar wird es so nicht laufen, keiner wird dem anderen Mitschwimmer massiv das Wasser abgraben, die Bundesregierung wird es sich nicht mit den Amis verscherzen. Das ist auch okay, aber der Abhörskandal muss dennoch eine Konsequenz haben und es muss klar gemacht werden, dass es so nicht geht, wie das im Moment läuft.


    Ob man da nun eher diplomatisch vorgeht und das Gespräch sucht oder symbolisch Fakten schafft, das ist halt zu überlegen. Man sollte einen gemeinsamen Weg finden, radikale Forderungen nutzen wenig.


    Was aber ein verheerendes Signal in der Bevölkerung setzt ist, wenn angebliche Freunde unseren kompletten Datenverkehr scannen, bis hin zu höchsten politischen Ebenen (also ob man EU-Institutionen im Kampf gegen den Terror abhören müsste - das ist lächerlich), und unsere Politik unternimmt faktisch nichts dagegen. Man äußert sich ja auch schon seit Jahren nicht dazu, dass der angebliche Verteidiger der Freiheit und der Menschenrechte in Guantanamo gegen Grundprinzipien der eigenen rechtsstaatlichen Philosophie verstößt und mit der Anwendung der Todesstrafe auf einer Eben mit allerdunkelsten Schurkenstaaten steht. Es ist mehr als peinlich zu sehen, welche Bananenrepubliken inzwischen keine Todesstrafe mehr haben und dann zu realisieren, dass die USA hier moralisch noch hintendran stehen.


    Warum kommt dazu nicht zumindest eine klare Positionierung unserer Politik um deutlich zu zeigen, dass wir es missbilligen? Selbst wenn wir es nicht ändern können oder nicht so weit gehen wollen es mit "Gewalt" durchzusetzen, aber allein das Signal der Gegenrede ist immens wichtig um zu demonstrieren, dass sehr wohl moralische Maßstäbe gelten und wir uns nicht nehmen lassen, die einzufordern - und zwar von jedem Dritte-Welt-Despoten genauso wie von amerikanischen Freunden - weil klar sein muss, dass moralische Maßstäbe nicht geopfert werden, bei niemandem.


    Es kommt aber nichts, eher wirbt man noch um Verständnis für die rechtsbrechende Nation, nichts passiert um dem Volk zu zeigen, dass man diese flächendeckende Abhörtaktik missbilligt und gewillt ist, etwas dagegen zu tun. Man hat z. B. nicht den amerikanischen Botschafter einbestellt und Aufklärung gefordert. Es wird nicht mal wirklich Stellung bezogen, von Mutti kommt nichts.


    Beim Bürger entsteht der Eindruck, die Bundesregierung bleibt untätig, sie schaut dem Rechtsbruch einfach zu, sie schaut zu wie unsere Freiheit untergraben wird, sie schaut zu, wie Wirtschaftsdaten ausgespäht werden, sie schaut zu wie das Recht und damit die Demokratie in Gefahr geraten.


    Es ist ja nicht nur die Spionage an sich, sondern auch das verheerende Signal, was hier ausgesendet wird. Wenn die Mehrheit der Bundesbürger schon eingeschläfert ist und kaum auf die ungeheuerlichen Vorgänge reagiert, die Medien berichten ein bisschen, aber längst nicht angemessen zu der Bedeutung, die es hat, und die aufgeklärten Bürger betreiben Selbstzensur weil sie Sorge haben, kritische Äußerungen und Stichworte könnten zu ihrem Nachteil gelangen, dann steht diese Demokratie und die Rechte, die in JAhrzehnten erkämpft wurden, vor dem Ende.


    In meinen Augen ist es eine über Jahre schleichende Entwicklung: die seit Jahren schwelende Finanzkrise, die immer schwierigeren Lebensbedingungen mit erschreckender Arbeitslosigkeit in südlichen Euroländern, massenweise Niedriglohnsektor bei uns, jetzt die flächendeckende Überwachung aller Bürger. Über die Jahre hinweg entwickelt sich da etwas, was früher oder später schief gehen wird und in Anarchie, Bürgerkrieg oder Zusammenbruch endet. Wieder mal hat sich der geschichtliche Turnus erfüllt, dass Friedenzeiten immer nur für eine gewisse Weile existieren, irgendwann geht es den Leuten "zu gut" weil manche den Hals nicht vollkriegen, und dann muss alles resettet werden. In einigen Jahren krame ich dieses Posting hervor und werde feststellen, dass der Trend absehbar war.

    Zitat

    Original geschrieben von bernbayer
    Mal ganz unabhängig davon wie schlimm man das Ganze findet, leider ist es Realtät daß wir daran nichts werden ändern können. Die Amis spielen da einfach nicht mit, denen ist es schnuppe egal, was wir in Deutschland davon halten. Die machen in dieser Hinsicht einfach was sie wollen.


    Auch wenn wir es praktisch nicht sofort ändern können, aber die amerikanische Komplettüberwachung ohne Widerspruch hinzunehmen und sogar zu entschuldigen ist ein ebenso großer Skandal.


    Politiker haben einen Amtseid geschworen und wenn ein solch flächendeckender Rechtsbruch offenbar wird erwarte ich von der politischen Führung, dass sie das missbilligen und zu stoppen versuchen.


    Mag ja sein, dass das nicht so einfach umzusetzen ist, aber dem Bruch des Grundgesetzes zuzuschauen ist inakzeptabel.


    Stattdessen übt sich Mutti wieder in Debattenverweigerung, außer ein paar butterweichen Allgemeinplätzen kommt nichts. Ihr Innenminister macht eine Alibireise und biedert sich bei den Tätern an, Quintessenz des Besuchs ist, dass er nicht mehr weiß als vorher: vielleicht wurden 5 Anschläge in Deutschland verhindert, aber vielleicht waren es keine 5.
    Der versuchte Bombenanschlag im Dezember im Bonner Hauptbahnhof beispielsweise wurde nicht verhindert - der ist nur durch puren Zufall gescheitert weil irgendein Konstruktionsfehler die Explosion verhindert hat.

    Zitat

    Original geschrieben von Timba69
    Zum Thema Piraten: Nicht präsent. Warum wohl? Weil die geballte IT-Intelligenz da zwar was zur TEchnik sagen kann, aber nicht zur Moral, zum Recht, zur politischen Einordnung.


    Und selbst wenn: DAS Thema alleine reicht nicht. Datensicherheit ist zwar wichtig und ein globales Thema, aber da schneidet man alle anderen Themenbereiche mit an.


    Ich denke schon, dass das Thema tragen würde. Die Piraten müssten thematisieren, dass durch diese Überwachung unsere Freiheit gefährdet wird und ein permanenter Rechtsverstoß gegen das Grundgesetz stattfindet und jeder Bürger permanent überwacht wird. Man muss nicht bei Facebook auspacken, es betrifft auch jede 90jährige Oma, die eine andere Oma anruft.


    Wenn Mutti Merkel von "#Neuland" redet obwohl das Internet seit locker 10 Jahren tagtägliches Standardmedium für jeden Bürger unter 50 ist, wenn Banken-Peer den Bagger aufreißt obwohl die SPD mindestens in Regierungsverantwortung auch schon Kenntnis von der Spionage gehabt haben muss, dann müssen die Piraten ran.


    Gerade weil sie auf anderen Politikfeldern (noch) keine tragfähige Position vorweisen können müssen sie doch bei ihrem ureigenen Thema aufdrehen und die vorhandenen Kenntnisse ausspielen! Wenn die Piraten verbummeln das Thema NSA-Spionage für sich zu nutzen, ist ihnen nicht zu helfen. Eine noch bessere Steilvorlage kann es nicht geben.


    Dieser Abhörskandal ist mehr als irgendein missliebiges politisches Thema. Hier geht es um die Demokratie, um grundlegende Bürgerrechte. Viele Leute haben jetzt eine Schere im Kopf und artikulieren sich nicht mehr so, wie sie es früher taten, schließlich wird es überwacht. Auch diejenigen, die es offensiv angehen und bewusst gewisse Schlüsselwörter in ihren Postings unterbringen, sind sich ja darübner im Klaren, dass das womöglich Aufmerksamkeit auf sich zieht. Es geht in Richtung einer Maulsperre, wie in einer Diktatur überlegen sich Leute, was sie schreiben oder lieber nicht schreiben. Godwins Law hin oder her, es erinnert einen in Grundzügen an die beiden deutschen Überwachungsstaaten der jüngeren Geschichte. Gutes Beispiel: http://www.spiegel.de/netzwelt…die-polizei-a-911215.html


    Diese beunruhigenden Gedanken könnten viele - mit den Parteien sowieso hadernden, unzufriedenen - Wähler durchaus zur Piraten-Wählerschaft machen, wenn die sich des Themas nur annehmen und es mit ihrem Wissen besetzen würden. Man würde es ihnen sogar abnehmen, weil die Piraten nicht aus früherer Regierungsbeteiligung vorbelastet sind und das Schweigen der anderen für sich nutzen könnten.


    Aber so richtig kommt nichts. Dabei wäre es ihre Chance...

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    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    Ohne künstlich produziertes Feinbild lassen sich staatliche Repressionen gegenüber der Gesamtheit aller Bürger einfach nicht begründen. Und gerade solche Repressionen führen dann zur Bildung genau dessen, was man zu verfolgen vorgibt: Terrorismus von innen. Und der ist weitaus gefährlicher als der, der nur von "Männern mit Bärten" ausgeübt wird - innerer Terrorismus ist immer und überall. Ich hoffe inständigst, dass Abhörskandale wie der gegenwärtige nicht wieder Terror hervorruft, der von Sympatisanten unterstützt von und einem nennenswerten Teil der Bevölkerung akzeptiert wird. Dagegen sind die gegenwärtigen Verhältnisse, die es angeblich zu "bekämpfen" gilt, einfach nur paradiesisch.


    Wer den "Deutschen Herbst" noch erlebt hat, weiß genau, was ich meine. Und genau das ist es, was momentan eher gefördert, denn sinnvoll bekämpft wird. Die momentan (in den Medien) omnipräsente Polizeigewalt war es im übrigen, die den Trrorismus der 1970er Jahre ausgelöst hatte. Ohne die seinerzeitigen polizeilichen Übergriffe auf unbescholtene Bürger hätte der damalige Terror überhaupt keinen Nährboden gehabt.


    Dem kann ich nur zustimmen.


    Damals wehrten sich junge Leute, insbesondere Studenten, gegen die ihrer Meinung nach mangelnde Auseinandersetzung ihrer Elterngeneration mit dem 2. Weltkrieg und dagegen, dass viele Schlüsselpositionen von Leuten mit zweifelhaftem Lebenslauf besetzt würden. An den Unis gab es den Spruch "... unter den Talaren der Muff von 1000 Jahren".
    Es gab dann Auslöser für Unruhen und die Polizei reagierte über, es schaukelte sich hoch, einige Leute gingen in den Untergrund um im bewaffneten Kampf - wir würden es eher Terrorismus nennen - gegen die Verhältnisse zu kämpfen. Die RAF war geboren.


    Heute erleben wir wieder, dass Eliten in Politik und Gesellschaft in einer Manier, die die Mehrheit der Menschen missbilligt, umspringen und sich nicht ernsthaft der Kritik stellen, sich nicht ordentlich erklären. Kampf gegen den Terror oder die systemrelevante Bankenrettung werden als alternativlos bezeichnet und es wird auf eine Weise hantiert, die bei den allermeisten Bürgern nicht auf Zustimmung stößt.


    "Die Politik" verbrennt in Projekten wie Stuttgart 21, der Elbphilarmonie und dem neuen Berliner Pannenflughafen Unsummen, so richtig verantworten tut es aber keiner. Bürgerprotest wird, Beispiel S21, niedergeknüppelt - und das waren durchaus keine linken Chaoten, sondern bürgerliche Schwaben. Das Gleiche passierte in Frankfurt bei der Occupy-Demo, auch da gab es massive polizeiliche Übergriffe gegen Bankenkritiker.


    Obwohl die NSA flächendeckend abhört und damit permanent gegen das Grundgesetz verstößt kommt von Mutti keine klare Ansage dazu. Selbst wenn sie den Vorgang nicht unterbinden kann und internationales Recht im Internet noch eine ungeklärte Sache ist, aber da müsste eine klare Positionierung pro Grundgesetz kommen; "Wir wussten von gar nichts und haben aber Verständnis für die amerikanische Praxis" ist das schlechtestmögliche Statement deutscher Politik gegenüber den Vorgängen.


    Mutti tat sich schon im letzten Wahlkampf dadurch hervor, dass es ein Nicht-Wahlkampf war.


    Systemkritiker wie Mollath, der sich mit bayerischen Eliten anlegte, werden in die Psychiatrie weggesperrt oder wie Mannings, Assange und Snowden um die ganze Welt gejagt und eingekerkert.


    Wenn es dumm läuft ziehen ein paar Verblendete als Quintessenz aus diesen Umständen, dass die neue Weltordnung installiert wird und man sich dagegen nunmehr nur noch mit Gewalt gegen Politiker oder Wirtschaftseliten wehren könne. Dann wiederholt sich eine Entwicklung wie bei der RAF. Ich bin relativ sicher, dass weite Teile der Bevölkerung Gewalt zwar nicht gutheißen, insgeheim aber eine gewisse Sympathie für die grundsätzliche Zielrichtung haben würden. Ich hoffe, dass es nicht so kommt. Aber die Weichen sind passend gestellt.

    Eine vollkommen lächerliche Aktion.


    Viele Bürger wünschen, dass brutalstmöglich aufgeklärt wird, in welchem Maße abgehört wird und die deutsche Regierung nachhaltig unsere Gesetze schützt, also das Ausspionieren der USA verhindert.


    Glaubt irgendwer, dass die United Stasi of Amerika dem Bundesinnenminister überhaupt nur korrekte Antworten gibt, geschweige denn die gewünschten Konsequenzen aus der butterweichen Protestnote gezogen werden?


    Im Leben nicht!


    Diese ganze Abhöraktion ist einer der größten Skandale seit dem 2. Weltkrieg, aber Mutti schweigt. Kein Wort zu den ungeheuerlichen Vorgängen und dem Bedrohungspotential für die Freiheit der Bürger, für die Wirtschaft usw. Dass die Kanzlerin den Friedrich, der aber ja schon im Vorfeld Verständnis für die USA hatte, hinschickt, ist nur eine Alibi-Aktion ohne jeden praktischen Nutzwert.


    Leider ist die Mehheit im Volk schon so eingelullt und träge, dass auch nicht massiv protestiert wird. Aber das hat in Deutschland Tradition, vor ein paar Jahrzehnten hat auch niemand aufgemuckt als der Führer eine neue Weltordnung einführte.

    Zitat

    Original geschrieben von autares
      Printus:


    Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich denken, du bist selbst Politiker. "Wir müssen eine gesellschaftliche Diskussion anstoßen". "Der Brüger muss aufwachen" .


    Woher weißt du das denn? Wir haben meines Wissens nach auch noch keine Schorle zusammen getrunken... ;)


    Zitat

    Original geschrieben von autares
    Ganz viel heiße Luft. Aber okay, vllt passt du dich ja nur den Temperaturen draußen an. Dann frage ich dich mal direkt: ab welchen Punkt würdest du denn auf die Strasse gehen? Und zwar nicht als Mitläufer (Spontandemos machen ja deiner Meinung nach eh keinen Sinn), sondern als Initiator? So wie du dich hier aufplusterst, wundert es mich, dass dieser Punkt anscheinend noch immer nicht erreicht ist.


    Nochmal: woher weißt du das?


    Ich steige sehr bewusst nicht auf deine wiederholten Fragen nach meinem persönlichen Engagement ein weil du Totschlagsargumente vorbereiten willst und die Diskussion sowohl mit mir als auch Frank auf eine persönliche Ebene ziehen willst, auf der du uns abwertend behandelst, als unglaubwürdig und kleingeistig hinstellen willst. Egal was ich praktisch tue, du würdest sowieso behaupten, dass es inkongruent ist und nicht meiner Meinung in der Diskussion gerecht wird.


    Das ist aber nicht das Niveau, auf dem ich mich hier verlieren möchte, sondern ich diskutiere lieber in der Sache - so wie du es ja auch anmahnst ohne es dann aber konsequent durchzuhalten.


    Insofern: beim Thema bleiben, fair bleiben und andere nicht persönlich angreifen. Davon haben wir alle am Meisten.

    Zitat

    Original geschrieben von Timba69
    Oder Nordkorea, aber das will S. wohl nicht.,.:-)


    Aber witzig wäre es.


    Ich stelle mir gerade vor wie der Kim mit Snowdens Hilfe in Pjöngjang ein Internet einrichtet, was von den Amis natürlich nicht unbemerkt bleibt. Das Netz wird aber mit Hilfe entsprechender Experten gesichert und man lässt verlauten, dass der Snowden beim Kim brühwarm ausplaudert, was bei den Amis so geht... Die nordkoreanische Propaganda verherrlicht Snowden dann in regelmäßigen Abständen als den geliebten Chefinformatiker des großen Führers, der die glorreiche Nation zum Sieg über die Feinde führen wird.


    Die sparsamen Mienen der amerikanischen Offiziellen zu sehen wäre ein Vermögen wert. :D