Beiträge von Printus

    Erdogan und verschiedene hochrangige Vertreter der Türkei meinten in der Vergangenheit, sie müssten sich sofort einschalten wenn in Deutschland durch einen Hausbrand Menschen türkischer Herkunft ums Leben kamen. Es ging teilweise soweit, dass er persönlich angereist ist um den Unfallort zu inspizieren oder eine Massenkundgebung in der Kölnarena abgehalten hat.
    Es gab in mehreren Fällen keinerlei Hinweise auf einen Brandanschlag. Das hielt Erdogan und Konsorten nicht davon ab, so zu sprechen, als wäre es eben doch ein Angriff auf Türken gewesen. In türkischen Medien klang durch, dass man den deutschen Ermittlungsbehörden womöglich auch nicht trauen könne und dass es dort eine gewisse Tendenz zur Vertuschung gebe.


    Wenn es irgendwen gibt, der schnellstmöglich die Klappe halten sollte wenn es um Einmischung in innere Angelegenheiten geht, dann ist es Herr Erdogan.


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    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    Aus praktischer Sicht dürfte es jedenfalls bei der Erkenntnis bleiben, dass man sich als Durchschnittsbürger (leider) nicht dagegen wehren kann.


    Zum Glück kommt der Durchschnittsbürger aber auch nicht unbedingt in die Situation Mollaths.


    Bei mir ist über Mollath das Bild eines Menschen entstanden, der sich "nicht an soziale Spielregeln" hält. Das wird ihm jetzt in der Öffentlichkeit positiv angerechnet weil er auf Ungereimtheiten und krumme Dinger der Oberschicht hinweist und sein ganzer Fall - wieder einmal - das Versagen von Eliten in der Finanzbranche, Politik, Medizin und der Rechtsprechung dokumentiert.
    Er dürfte von seinen damaligen/jetzigen Gegnern aber als Querulant und Bedrohung eingestuft worden sein - sowas wie ein unbequemer Nachbar, den man anfangs nur nervig findet aber nicht wirklich ernst nimmt. Dann gibt der aber keine Ruhe, provoziert immer weiter - und die Meinung ändert sich, man betrachtet ihn schließlich doch als Gefährdung, denn er ignoriert alle Warnungen, seine Nase nicht weiter in Dinge zu stecken, die ihn nichts angehen.


    Diejenigen, die Mollath konsequent in die Enge trieb weil ihre Mauscheleien hätten auffliegen können, waren irgendwann mit dem Rücken an der Wand und es blieb ihnen nur noch Flucht nach vorn: "Der Typ muss aus dem Verkehr gezogen werden, sonst wird er uns wirklich gefährlich!". Die Mafia hätte Mollath an diesem Punkt Betonschuhe verpasst, seine Frau hätte im etwas ins Essen mischen können, aber die mangelnde Brutalität führte dann halt in die Psychiatrie.


    Hier entwickelte sich eine Eigendynamik: Finanzbranche, Politik, Medizin und Rechtsprechung wehren sich gegen einen notorischen Querulanten, der "etwas gestutzt gehört". Jede Instanz handelt im Grunde nur für sich und empfindet ihr Verhalten als okay, selbst wenn es im Detail nicht ganz lupenrein ablief. Im Zusammenspiel entsteht daraus aber der "Fall Mollath", wo die Rädchen ineinander greifen. Nun hängen auch alle in der Sache drin. Medien und die Öffentlichkeit sowie ein Untersuchungsausschuss beginnen unangenehme Fragen zu stellen. Die Beteiligten kommen nicht mehr aus der Sache heraus.


    Ich bin ziemlich sicher, dass die beteiligten Psychiater, der Richter oder auch die bayerische Justizministerin sich inzwischen verdammt unwohl fühlen in der Sackgasse, in die sie da geraten sind. Nur: sie kommen da nicht wirklich heraus - es sei denn, Mollath bleibt weggesperrt. Dann können sie nämlich sagen, sie hätten es ja von Anfang an gewusst und seien immer im Recht gewesen. Dieses erklärt IMHO, dass gewisse Kreise ein großes Interesse daran haben, dass Mollath weiter als gefährlicher Verrückter, und nicht als glaubwürdiger Aufklärer von Missständen betrachtet wird.


    Konfrontiert mit der Justiz hat Mollath wieder das gleiche ungeschickte (Sozial)Verhalten an den Tag gelegt und sich im Recht gewähnt weil er das (scheinbar) moralisch Richtige vertritt. Auch hier stieß er wieder auf Gegenüber, die es nicht schätzen wenn ihnen einer ihren Job erklären will bzw. meint, die Authoritäten funktionieren so, wie es der moralisch im Recht Befindliche von ihnen erwartet.


    Justizia ist aber nicht blind, sondern sie hat die Sichtweise der handelnden Juristen. Das Leben ist nicht immer gerecht und manchmal wird auch einer, der etwas Richtiges sagt, mundtot gemacht. Die meisten Leute haben ein mehr oder weniger gutes Gespür dafür, wann man lieber die Klappe hält und kuscht - egal ob man im Recht ist oder nicht. Mollath scheint da anders zu ticken, der hat in der Vergangenheit - und auch jetzt noch, wenn man ihn in Interviews reden hört - nach dem leider nicht vorteilhaften Prinzip "Wenn ich im Recht bin darf/kann/muss ich mich entsprechend artikulieren!" agiert.


    Stößt man dann auf jemanden, der "am längeren Hebel sitzt", wird derjenige den Hebel umlegen um dem Unterlegenen zu zeigen wo der Fisch die Locken hat. Und das scheint im Falle Mollath mehrfach passiert zu sein.


    Der Otto Normalverbraucher legt sich eher selten mit Authoritäten an und wenn doch versteht er schnell, wann es besser ist den Mund zu halten. Insofern manövrieren sich die meisten Leute in solchen Situationen auch nicht in Probleme.

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    Original geschrieben von Jimmythebob
    Ich würde mir wünschen, das du Recht hast. Auf dem Papier mag das stimmen, in den Köpfen der Menschen sieht es aber ganz anders aus, da muss man sich nur diese Diskussion, in der z.B. Menschen als "Abschaum" bezeichnet werde, anschauen. Auch empfehle ich dir mal einen Ausflug nach Asien, die Menschen dort sind zig mal aufgeschlossener, interessierter und fremdenfreundlicher als hier.


    Eine Grundangst vor Fremden/m wohnt Menschen immer inne. Was man kennt und was einem ähnlich ist, sagt allen Menschen mehr zu als etwas Fremdes, das als potentiell bedrohlich wahrgenommen wird. Das ist weniger eine Frage der Nationalität oder Kultur als vielmehr eine Frage der Psychologie und der Sozialisation.


    In einer internationalen Großstadt ist die Akzeptanz gegenüber Fremden auch größer als in der Provinz, da unterscheidet sich ein bayerisches Kuhdorf nicht von einsamen Landstrichen in den USA oder dem Amazonas-Urwald.


    Abschaum ist nicht meine Wortwahl und ich finde das Wort komplett daneben.


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    Original geschrieben von Jimmythebob
    Seltsamerweise scheint es selbst in den USA besser zu funktionieren als hier. Dort werden Viertel wie Chinatown oder Koreatown als Bereicherung und gerne gezeigte Touristenattraktion wahrgenommen. In Deutschland hingegen werden Gegenden wie Berlin-Kreuzberg mit hohem Ausländeranteil als Parallelgesellschaft und Beispiel für nicht vorhandenen Integrationswillen gesehen. Eine Schande.


    Die USA fordern von Zuwanderern ein erhebliches Maß an amerikanischem Patriotismus im Sinne von amerikanischen Werten. Das findet sich auch in Chinatown wieder. Rein äußerlich mag es Klein-China sein, aber es funktioniert im Inneren nach amerikanischen Tugenden.


    Obendrein sind die von dir genannten Viertel kein Beispiel für Integration. Es ist ein - wenn auch funktionierendes - Ghetto. Das Konzept ist aber nicht universell übertragbar. Würde man in Berlin-Neukölln die türkischen Mitbürger kasernieren würde es zu einem "Staat im Staat" mutieren, die sozialen Probleme würden auf einen Brennpunkt konzentriert - und das war's. Es würde sich aber keine lebendige, problemlose Szene wie Chinatown entwickeln.


    Die USA sind in ihrer konserativen Grundhaltung sicher kein Beispiel für Weltoffenheit. Sie haben noch die Todesstrafe wie ansonsten nur finstere Schurkenstaaten und die anachronistischen Amish people leben auch "zufällig" in den USA und nicht anderswo auf der Welt. Außerdem sei an das völlig überholte Waffengesetz erinnert. Schlagworte und -themen, aber die sagen ja etwas aus...


    Die USA haben im Gegensatz zu uns allerdings auch eine ganz andere Zuwanderungssituation: es kamen immer die, die leistungsbereit waren und dort als Neuanfang ranklotzen wollten. Und auch die Gesetzeslage lässt primär nur die rein, die etwas leisten können und wollen. Aus diesem Klientel hat sich das ganze Land entwickelt.
    Unsere Situation ist, dass seinerzeit ein unterprivilegiertes Arbeiterklientel kam, entgegen der ursprünglichen Idee eines zeitlich begrenzten Arbeitseinsatzes geblieben ist und sich selbst die 2. und 3. Generation nicht flächendeckend integriert hat, nicht die hiesigen Möglichkeiten nutzt.


    Darüber hinaus ecken die USA immer wieder mit ihrer arroganten Außenpolitik an. New York als Schmelztiegel vieler Kulturen steht sicher nicht beispielhaft für das Klima im ganzen Land.


    Was die Niederlande angeht: die hatten lange keine durchdachte Integrationspolitik und Zuwanderer aus ehemaligen Kolonialgebieten oder anderen fremden Kulturen wurden ghettoisiert. Freundlicher Umgang findet gegenüber diesen Gruppen auch heute nicht wirklich statt, erst recht nicht seit dem Mord an einem islamkritischen Regisseur 2004. Man muss schon aus einem nahen Kulturkreis stammen um den freundlichen Niederländer zu erleben.


    Probleme gibt es immer wieder mit Migranten aus islamischen Gesellschaften und solchen, die trotz Säkularisierung aus diesem Einflussbereich geprägt sind. Das ist in den Niederlanden nicht anders als in Deutschland, den USA oder Australien.

    Deutschland ist, als Folge der Nazizeit, sicherlich fremdenfreundlicher als 90% aller anderen Nationen auf der Welt. Nationalismus ist den Menschen hier fremd und auch unsere Kultur ist von Werten wie Solidarität, Toleranz, Freiheit und Respekt vor anderen geprägt.


    Versuche mal in arabischen Ländern Toleranz für eine westliche Lebensweise zu finden, die von der örtlichen Mentalität abweicht. Da wirst du aber ganz anders ausgegrenzt und weggemobbt als wenn du in Deutschland deine fremdländische Kultur lebst (Beachtung der Gesetze vorausgesetzt).
    In vielen Kulturen hast du Glück, wenn du selbst als jemand, der sich integriert, akzeptiert wirst.


    In Teilen der Türkei, über die wir hier diskutieren, werden noch "Ehrenmorde" praktiziert. Ich kann nicht erkennen wie ein Land, in dem teilweise noch solche Denkweisen herrschen, Teil der EU werden kann.
    Zur Erinnerung: die EU soll nicht nur ein Wirtschaftsbündnis sein, sondern wurde von ihren Vätern, nach den schlimmen Erfahrungen des Krieges, auch als Zusammenschluss von europäischen Staaten geplant, die gemeinsame Werte vertreten möchten.

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    Original geschrieben von Vodafone602
    Denk man an die Gastarbeiter, die im Wirtschaftsboom der 60er Jahr aus Italien etc. hergekommen sind.


    Vergleiche mit den Gastarbeitern, die in den 1960er Jahren nach Deutschland kamen, werden gerne benutzt. Das ist aber 50 Jahre (!!) her und kann keine Argumentationsgrundlage mehr für heute herrschende Zustände sein.


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    Original geschrieben von Vodafone602
    Und genau deswegen kann das mit einer gerechten Integration aller nichts werden.


    Integration ist weltweit eine Bringschuld derjenigen, die sich in der Fremde niederlassen - und nicht anders herum.

    Re: Re: Re: Re: Ist die Türkei ein Teil Europas und/oder soll sie irgendwann in die EU?


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    Original geschrieben von Nokiahandyfan
    Ich bin nicht der Meinung, dass die EU keine islamischen Staaten aufnehmen sollte.


    Ich schon.


    Die EU war seinerzeit nicht nur als Wirtschaftsunion gedacht, sondern sollte auch ein Bündnis von Gleichgesinnten sein, die Werte teilen. Letzteres funktioniert mit den meisten zuletzt hinzugestoßenen Mitgliedsstaaten nicht und es wird auch mit der Türkei nicht funktionieren weil die Menschen eine ganz andere Mentalität, andere Werte und Prioritäten, haben.


    Wir erleben doch an Migranten, die sogar hier leben und deswegen eine besondere Toleranz gegenüber europäischer/deutscher Kultur entwickeln sollten, dass genau dieses aber nicht der Fall ist und die Integration nicht klappt. Wie soll das erst funktionieren wenn man nicht mal eine gewisse Akzeptanz europäischer Werte einfordern kann, so wie es von Migranten eigentlich zu verlangen wäre (auch wenn's nicht gemacht wird)?


    Die Mentalitäten in Frankreich, den Benelux-Staaten, Österreich und Deutschland sind tatsächlich sehr ähnlich. Italien und Spanien kann man auch noch mit unter den Hut kriegen, das gleiche gilt für Polen und Tschechien, alles christlich-abendländisch geprägte Kulturen. Danach hört es aber schnell auf.
    Menschen in Rumänien oder Anatolien leben in ganz anderen Verhältnissen und Welten, da ist wirklich nicht mehr nachvollziehbar, welche gemeinsame Kultur da gegeben sein soll.


    Auch wirtschaftlich spielen die zuletzt hinzugestßenen Länder in einer ganz anderen Liga. Mal abgesehen von der Verschuldung haben die oben genannten Länder zumindest eine vergleichbare Wirtschaftskraft. Da können die neuen EU-Länder überhaupt nicht mithalten.


    Ein islamisch geprägtes Land spiegelt eine vollends andere Kultur als das christliche Abendland und da passen die jeweiligen Werte überhaupt nicht zusammen. Das will nur auf politischer Ebene niemand aussprechen weil sowas in Deutschland als rassistisch verschrien ist. Dabei macht es keine Aussage über die Wertigkeit, es soll nur besagen, dass die Mentalitäten nicht zusammenpassen und es deswegen kein EU-Beitrittland sein sollte.


    Das ungehemmte Wachstum der EU mit Ländern, die überhaupt nicht reinpassen, ist neben der bürokratischen Überregulierung durch Brüssel ein Hauptärgernis vieler Menschen wenn es um die EU geht.

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    Original geschrieben von TM1
    Das ist aber die grundsätzlich falsche Denkweise - weil der Radfahrer gegen eine Verkehrsregel verstösst, hat er nicht sozusagen alle seine anderen Rechte verspielt.


    Aber darum geht es doch gar nicht. Wer bei einem Unfall schuld gewesen wäre oder welchen Schuldanteil bekommen hätte, war nicht die Frage im Ursprungsposting.


    Der simple Sachverhalt war, dass ein Radfahrer unwirsch reagiert und diskutiert obwohl er selber ein Fehlverhalten zeigte. Er war auf der falschen Seite unterwegs und damit nicht in der Situation, sich im Recht zu wähnen.


    DASS er auf der falschen Seite war, steht so im Ursprungsposting - das müssen wir jetzt mal als Grundlage nehmen, denn keiner von uns kennt die Kreuzung und weiß ob es vielleicht doch anders sein könnte.


    Also ist Diskussionsgrundlage, dass der Radfahrer auf der falschen Seite fuhr. Unter dieser Voraussetzung steht es dem Radfahrer nicht zu, sich so aufzuführen. Wer Mist baut sollte den Ball flach halten anstatt einem anderen sein - eventuelles - Fehlverhalten vorzuwerfen.


    Ich wundere mich immer wieder über das gedankenlose und gefährliche Selbstverständnis und Verhalten von Radfahrern. Sie fahren ohne Rücksicht auf Verluste als wären sie unverletzbar, halten sich nicht an Verkehrsregeln und ignorieren völlig, dass sie die Schwächeren sind, die im Zweifel überfahren werden. Das alles mit einem Selbstbewusstsein, als wären sie rechtlich wie physisch unverletzbar.
    Wer nachher welche Schuld bekommt ist egal wenn man alle Knochen gebrochen hat, denn dann hat man immer den größten Schaden. Mir ist manches Mal unbegreiflich wie sich einige Radfahrer benehmen. Denn die müssen doch auch mit den Fehlverhalten anderer Verkehrsteilnehmer rechnen - und dann bist du als Radfahrer IMMER derjenige, der verliert, der mit deinem Leben spielt...

    Re: Linksabbieger - Radfahrer von hinten


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    Original geschrieben von LordExcalibur
    Es handelt sich um eine 2 spurige Straße mit zus. Abbiegerspur für Linksabbieger. Auf beiden Straßenseiten befindet sich ein Radweg. Wenn nun ein Auto links abbiegt, wem muss der Fahrer dann vorfahrt gewähren?


    Ich hatte dazu gestern eine hitzige Diskussion mit einem Radfahrer der meinte auf der falschen Straßenseite fahren zu müssen aber trotzdem Vorfahrt vor dem linksabbiegenden Auto zu haben.


    Viele hier scheinen das Ursprungsposting nicht genau gelesen zu haben.


    Dass man IMMER vorsichtig sein muss und mit dem Fehlverhalten anderer rechnen muss, bei Radfahrern oft mit anomischem Verhalten im Straßenverkehr - geschenkt. Die Frage hier war aber, ob der Radfahrer im Recht ist oder nicht.


    Und da teile ich durchaus die Meinung von LordExcalibur. Er schreibt, dass der Radfahrer auf der falschen Seite unterwegs war, auf dem linken anstatt dem rechten Radweg, also als Radweg-Geisterfahrer. Der Radfahrer sollte daher lieber etwas kleinere Brötchen backen, denn ER zeigt Fehlverhalten. Dem Autofahrer hier in einer hitzigen Diskussion Vorhaltungen zu machen war ziemlich unverschämt von diesem Pedalritter.