Zitat
Original geschrieben von frank_aus_wedau
Aus praktischer Sicht dürfte es jedenfalls bei der Erkenntnis bleiben, dass man sich als Durchschnittsbürger (leider) nicht dagegen wehren kann.
Zum Glück kommt der Durchschnittsbürger aber auch nicht unbedingt in die Situation Mollaths.
Bei mir ist über Mollath das Bild eines Menschen entstanden, der sich "nicht an soziale Spielregeln" hält. Das wird ihm jetzt in der Öffentlichkeit positiv angerechnet weil er auf Ungereimtheiten und krumme Dinger der Oberschicht hinweist und sein ganzer Fall - wieder einmal - das Versagen von Eliten in der Finanzbranche, Politik, Medizin und der Rechtsprechung dokumentiert.
Er dürfte von seinen damaligen/jetzigen Gegnern aber als Querulant und Bedrohung eingestuft worden sein - sowas wie ein unbequemer Nachbar, den man anfangs nur nervig findet aber nicht wirklich ernst nimmt. Dann gibt der aber keine Ruhe, provoziert immer weiter - und die Meinung ändert sich, man betrachtet ihn schließlich doch als Gefährdung, denn er ignoriert alle Warnungen, seine Nase nicht weiter in Dinge zu stecken, die ihn nichts angehen.
Diejenigen, die Mollath konsequent in die Enge trieb weil ihre Mauscheleien hätten auffliegen können, waren irgendwann mit dem Rücken an der Wand und es blieb ihnen nur noch Flucht nach vorn: "Der Typ muss aus dem Verkehr gezogen werden, sonst wird er uns wirklich gefährlich!". Die Mafia hätte Mollath an diesem Punkt Betonschuhe verpasst, seine Frau hätte im etwas ins Essen mischen können, aber die mangelnde Brutalität führte dann halt in die Psychiatrie.
Hier entwickelte sich eine Eigendynamik: Finanzbranche, Politik, Medizin und Rechtsprechung wehren sich gegen einen notorischen Querulanten, der "etwas gestutzt gehört". Jede Instanz handelt im Grunde nur für sich und empfindet ihr Verhalten als okay, selbst wenn es im Detail nicht ganz lupenrein ablief. Im Zusammenspiel entsteht daraus aber der "Fall Mollath", wo die Rädchen ineinander greifen. Nun hängen auch alle in der Sache drin. Medien und die Öffentlichkeit sowie ein Untersuchungsausschuss beginnen unangenehme Fragen zu stellen. Die Beteiligten kommen nicht mehr aus der Sache heraus.
Ich bin ziemlich sicher, dass die beteiligten Psychiater, der Richter oder auch die bayerische Justizministerin sich inzwischen verdammt unwohl fühlen in der Sackgasse, in die sie da geraten sind. Nur: sie kommen da nicht wirklich heraus - es sei denn, Mollath bleibt weggesperrt. Dann können sie nämlich sagen, sie hätten es ja von Anfang an gewusst und seien immer im Recht gewesen. Dieses erklärt IMHO, dass gewisse Kreise ein großes Interesse daran haben, dass Mollath weiter als gefährlicher Verrückter, und nicht als glaubwürdiger Aufklärer von Missständen betrachtet wird.
Konfrontiert mit der Justiz hat Mollath wieder das gleiche ungeschickte (Sozial)Verhalten an den Tag gelegt und sich im Recht gewähnt weil er das (scheinbar) moralisch Richtige vertritt. Auch hier stieß er wieder auf Gegenüber, die es nicht schätzen wenn ihnen einer ihren Job erklären will bzw. meint, die Authoritäten funktionieren so, wie es der moralisch im Recht Befindliche von ihnen erwartet.
Justizia ist aber nicht blind, sondern sie hat die Sichtweise der handelnden Juristen. Das Leben ist nicht immer gerecht und manchmal wird auch einer, der etwas Richtiges sagt, mundtot gemacht. Die meisten Leute haben ein mehr oder weniger gutes Gespür dafür, wann man lieber die Klappe hält und kuscht - egal ob man im Recht ist oder nicht. Mollath scheint da anders zu ticken, der hat in der Vergangenheit - und auch jetzt noch, wenn man ihn in Interviews reden hört - nach dem leider nicht vorteilhaften Prinzip "Wenn ich im Recht bin darf/kann/muss ich mich entsprechend artikulieren!" agiert.
Stößt man dann auf jemanden, der "am längeren Hebel sitzt", wird derjenige den Hebel umlegen um dem Unterlegenen zu zeigen wo der Fisch die Locken hat. Und das scheint im Falle Mollath mehrfach passiert zu sein.
Der Otto Normalverbraucher legt sich eher selten mit Authoritäten an und wenn doch versteht er schnell, wann es besser ist den Mund zu halten. Insofern manövrieren sich die meisten Leute in solchen Situationen auch nicht in Probleme.