Beiträge von Printus

    Das ist aber ein rein akademischer Unterschied. Wer gegen seinen Willen und möglicherweise zu Unrecht weggesperrt wird, für den macht der äußere Rahmen nur einen zweitrangigen Unterschied.

    Zitat

    Original geschrieben von saintsimon
    Bei jedem Rechtsfall ist jemand persönlich betroffen, sofern sich nicht gerade auschließlich Firmen, Institutionen oder Staaten untereinander kloppen.


    Es ist für den Betroffenen aber ein gewaltiger Unterschied, ob es ein Rechtsstreit um den Maschendrahtzaun des Nachbarn geht oder darum, dass man hinter Gittern sitzt und um seine Freilassung kämpft.


    Zitat

    Original geschrieben von saintsimon
    Aber Du hast meinen Text nicht verstanden. Ich schrieb, daß Mollath eine höhere Prio verdient, aber ob er sie bekommt ist eine andere Sache. Die Überlastung der Justiz läßt sich nicht wegempören, sondern nur durch die Einstellung von mehr Richtern (mit Mehrkosten für die Steuerzahler) lindern.


    Ich habe es durchaus verstanden, mag es aber nicht schulterzuckend dabei belassen, dass es aufgrund der Überlastung der Justiz halt so ist. Öffentlichkeit und Empörung sind hier durchaus angebracht und notwendig, denn jeder Tag, den Herr Mollath sich länger in der Psychiatrie befindet, ist fortgesetztes Unrecht, sollte er unrechtmäßig eingesperrt sein.
    Es kommt nicht von ungefähr, dass z. B. Festgenommene spätestens zum Ablauf des nächsten Tages dem Haftrichter vorgeführt werden müssen. Es ist dann unbefriedigend, wenn in in Fällen wie dem des Herrn Mollath Wochen verstreichen können bevor etwas passiert, wenn die zuständigen Organe es entsprechend verzögern wollen.

    Zitat

    Original geschrieben von saintsimon
    Die Richter haben ja sonst nichts zu tun, bzw. lassen alle anderen Fälle liegen. Ja, Herr Mollath verdient "eigentlich" eine höhere Prio, aber wer möchte gerne dafür in der Warteschlange der Justiz zurückstehen? Du z.B.?


    Würdest du genauso reden/schreiben wenn du in der Psychiatrie einsitzen würdest? Würdest du dann auch verständnisvoll sagen, dass sich die Richter ja auch um Kleinkram kümmern müssen bevor sie sich damit beschäftigen, dich aus der Psychiatrie zu holen, in der du zu Unrecht sitzt?


    Hier geht's nicht um einen relativ unspektakulären Rechtsfall, bei dem niemand persönlich betroffen ist. Da sitzt einer möglicherweise zu Unrecht hinter Gittern. Freiheitsentzug ist in der deutschen Rechtsprechung eine der massivsten Einschränkungen, die normalerweise mit allerhöchster Priorität behandelt und an höchsten Ansprüchen gemessen wird.


    Wenn man in diesem Fall ein Bearbeitungstempo an den Tag legt, das dem in irgendwelchen Bagatellfällen entspricht, passt das perfekt zu allen bisher schon skandalösen Umständen dieses Falls.

    Ich verstehe dein Problem nicht. Man kann es auch absichtlich verkomplizieren.


    Was spricht dagegen, dem Zeitarbeiter in den Vertrag zu schreiben, dass er nach IGZ / BZA (den Zeitarbeits-Taifverträgen) bezahlt wird und der Lohn bei einem Einsatz auf die Höhe der Stammbelegschaft aufgestockt wird?


    Es geht einfach nur darum, Leute für die geleistete Arbeit, nicht für theoretischen Faktoren, zu bezahlen. Du zahlst an der Frittenbude auch nur die Pommes, nicht die Qualifikation des Imbissbudenbetreibers, der früher mal Sternekoch war. Oder bei einer Taxifahrt, du zahlst für die Fahrtstrecke und nicht dafür, dass der Fahrer arbeitssuchender Akademiker anstatt ungelernter Handlanger ist.


    Weiter unten schreibst du es ja auch selber, bei dem Beispiel mit dem Hof-fegenden Arzt. Der bekommt natürlich nur das Straßenfeger-Gehalt. Soweit okay, aber dann muss man z. B. jemandem, der bei Daimler am Band die gleiche Arbeit wie die Stammbelegschaft ausübt, auch das gleiche Gehalt wie der Stammbelegschaft zahlen. Hier kommt die Zeitarbeits-Ausbeuterbande dann aber mit dem Argument, man könne solche Leute ja nur als minderqualifizierte Hilfsarbeiter einstufen und bezahlen.

    Aber genau so wird es trotzdem sein.


    Ganz allgemein fällt auf, dass derartige Konstrukte massiv um sich greifen. Regelmäßige, mitunter mehrfach in der Woche anfallende Überstunden scheinen inzwischen in vielen Betrieben die Regel und nicht mehr die Ausnahme zu sein.


    Im Bekanntenkreis haben zuletzt 2 Personen den Arbeitgeber gewechselt. In einem Arbeitsvertrag steht, dass Überstunden mit dem Grundgehalt abgegolten wären - nicht haltbar, aber die meisten Mitarbeiter wissen nicht, dass diese Klausel bei normalen Angestellten nichtig ist. Und selbst wenn sie es wüssten, man hält lieber den Mund anstatt sich angreifbar zu machen.
    In dem anderen Vertrag ist geregelt, dass erst ab der 11. Überstunde ein finanzieller oder Freizeitausgleich stattfindet - was 2 Möglichkeiten vermuten lässt: entweder zockt der Arbeitgeber die Mitarbeiter immer schön mit maximal 10 Überstunden ab, oder aber es fallen derart viele Überstunden an, dass es einer Regelung für die Zeit nach der 10. Stunde bedarf. Beides Abzocke.


    Selbstverständlich nutzen Zeitarbeitsklitschen das Stundenkonto dazu, Mitarbeiter in einsatzfreien Phasen über die Zeit zu bringen. Der Zeitarbeiter wird das immer mittragen weil die Alternative, wenn er nicht diese Überstunden oder Urlaub opfert, wäre, dass er ruckzuck "draußen" ist.

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    Original geschrieben von 7650w
    Fakt ist, dass der Reporter eben nicht diese Tätigkeit ausgeführt hat und das auch nicht seine Aufgabe war.


    Die Szenen der Dokumentation zeigen nur beispielhafte Szenen und wer da wann wie lange was gemacht hat kann man aus den paar Bildern nicht entnehmen. Insgesamt besagte die Dokumentation, dass alle Werktätigen an dieser Position nahezu gleiche Aufgaben erfüllen.


    Zitat

    Original geschrieben von 7650w
    Ich bin sogar bei Dir und glaube auch, dass der das evtl. könnte. Als Folge ist aber die Arbeiterin vollkommen überbezahlt.
    Genauso kann man natürlich darüber sinnieren, ob der Reporter für die körperliche Arbeit nicht mehr bekommen sollte.


    Die Gehälter der Daimler-Frau und des Reporters passen untereinander nicht und beide liegen auch nicht in einem akzeptablen Bereich, den man als "angemessen" empfindet für jemanden, der im Automobilwerk am Band steht und eine simple, aber körperlich anspruchsvolle Arbeit verrichtet. Sie ist über- und er unterbezahlt.


    Zitat

    Original geschrieben von 7650w
    Noch eine ernsthafte Frage: Wieso muss ein Leih-Arbeiter, der einen Tag in einem Unternehmen arbeitet einen ähnlichen Lohn bekommen wie ein eigener Arbeiter, der z.B. 20 Jahre im Unternehmen ist?


    Gegenfrage: wieso sollen denn Leute, die die gleiche Arbeit leisten, unterschiedlich bezahlt werden?


    Der größeren Erfahrung der Stammbelegschaft steht die Flexibilität des Leiharbeiters entgegen. Dass jemand bereits lange als Mitarbeiter irgendwo arbeitet ist per se noch keine eigene Leistung, sondern eine Zwangsläufigkeit wenn man einen sicheren Arbeitsplatz hat.


    Man kann die Dauer der Betriebszugehörigkeit oder Verantwortung honorieren, man kann auch Flexibilität und Erfahrungen aus unterschiedlichen Unternehmen honorieren. Es ist nur eine Frage der Gewichtung, welche Werte man finanziell mehr wertschätzt. Valide Argumente, warum diese oder jene Eigenschaft besser wäre, gibt es aber nicht.


    Zitat

    Original geschrieben von 7650w
    Werkvertrag und Leiharbeit sind zwei paar Schuhe.
    Daimler, bzw. der Werkvertragsinhaber mit Wissen von Daimler, hat hier einen Fehler begangen aber die Forderung nach gleichem Lohn für Werkverträge ist absurd.


    Es interessiert nicht ob das vertragliche Konstrukt eine Arbeitnehmerüberlassung, ein Werkvertrag oder eine Festanstellung in einem Betrieb ist. Damit ist keine Wertigkeit verbunden. Vergleichbar ist nur die Leistung, die Mitarbeiter verbringen - und die ist gleich einzustufen wenn Leute am gleichen Platz gleiche Arbeit verrichten.

    Dann gebe ich mal die Frage zurück ob du den ARD-Beitrag verstanden hast.


    Daimler stellt in diesen Tagen die neue S-Klasse vor und zelebriert sich, das Fahrzeug und das Ereignis in der Öffentlichkeit als neuerlichen Meilenstein eines guten Unternehmens: tolle Firma, tolles Auto, und wie immer bei einer neuen S-Klasse allen anderen Voraus.


    Kratzt man allerdings an der Oberfläche, so wie diese Dokumentation es macht, entpuppt sich der angeblich saubere Konzern als Ausbeuter, der nach außen hin das Luxusimage pflegt und stolz ist auf seine soliden Tugenden, während tatsächlich zahlreiche schlechtestmöglich bezahlte Menschen ausgebeutet werden. Das ist die Realität hinter der angeblich so reinen Kulisse des Daimer-Konzerns.


    Welcher Lohn für welche Arbeit angemessen ist, ist eine immerwährende und nie endgültig zu klärende Frage. Wenn aber Leute, die die gleiche Arbeit verrichten, so unterschiedlich entlohnt werden, dass der eine das Dreifache des anderen bekommt, verstößt das gegen jedes Gerechtigkeitsempfinden. Hier ist ein Konzern, der sich seiner ethischen Verantwortung rühmt, in der Pflicht zu handeln. Daimler macht einen riesigen Wirbel um sein Compliance-Programm und erlaubt sich zugleich am Stammsitz derartige Ungerechtigkeiten. Das ist unsäglich.


    Die Daimler-Mitarbeiter im Film haben keine andere Arbeit geleistet als der Reporter, nicht mehr Verantwortung getragen, und das, was die Dame als Qualitätssicherung leistet, hätte der Reporter genauso erledigen können. Kratzer auf Aluminiumteilen zu erkennen ist wohl keine Kunst, die den dreifachen Lohn rechtfertigt. Wobei ich den Daimler-Leuten ihre guten Gehälter gönne. Die Bezüge der Leiharbeiter und Werkvertrags-Mitarbeiter müssen aber eine ähnliche Höhe haben.

    :top: :top: :top: Absolute Zustimmung.


    Das Problem ist, dass man in manchen Branchen gar nicht mehr an den Zeitarbeitsausbeutern vorbeikommt. Schaut man in die Jobbörse vom Arbeitsamt oder vergleichbare Portale, dann sind die Stellenangebote für Bürokaufleute und vergleichbare kaufmännische Mitarbeiter zu 80% Zeitarbeit. Weitere 15% sind Minijobs oder Teilzeitstellen. Es bleiben geschätzt 5% Stellenangebote, bei denen "Endkunden" Mitarbeiter suchen.


    Es ist zum Kotzen und die Seuche Zeitarbeit gehört eigentlich massiv eingeschränkt. Das wird aber leider mit einer schwarz-gelben Regierung Merkel genauso wenig umgesetzt wie mit Steinbrück.

    @ khaos


    Angesichts deiner Jahresfahrleistung, der Vmax deines Wagens und der Ansicht, im Zweifel auch rechts überholen zu "dürfen", halte ich dich für einen Verkehrsteilnehmer, der von der Richtigkeit und Sicherheit des eigenen Fahrverhaltens überzeugt ist und dem die Wahrnehmung, dass auf der Straße eine große Bandbreite an unterschiedlichen Charakteren unterwegs ist, fehlt.


    Zitat

    Original geschrieben von khaos Wenn einer auf offener freier Strecke meint den Oberlehrer zu machen und ganz links zu fahren obwohl rechts und mitte frei ist dann fahr ich auch rechts drann vorbei ..


    Wir müssen wohl nicht ernsthaft diskutieren, dass Fehlverhalten anderer keine Rechtfertigung ist, sich selber auch in den rechtsfreien Raum zu begeben. Zumal die von dir beschriebenen Leute meist in der Mitte hängen und nicht ganz links, auf dreispurigen Autobahnen. Du kannst dann links vorbei sobald dort Platz ist.
    Im Übrigen fahren viele dieser Leute nicht links weil sie Oberlehrer sind, sondern weil sie träumen oder nicht den besten Überblick haben, z. B. Rentner, die es nicht böse meinen, aber schlicht nicht mitkriegen, dass sie auf der falschen Spur den nachfolgenden Verkehr behindern. Da könntest du die Toleranz zeigen, die du von anderen erwartest.


    Zitat

    Original geschrieben von khaos Sicher ist es gefährlich wenn andere zu dicht auffahren, aber bedrängt fühl ich mich nicht, auch wenn ich versuche den Sicherheitsabstand sp gut es geht einzuhalten, was auf der Autobahn allerdings nicht so einfach ist, da immer einer meint das noch genug Platz in der kleinsten Lücke für ihn ist. Das ist was was mich wirklich nervt.


    Das widerspricht sich mehrfach und ist auch sachlich unrichtig. Beschäftige dich nochmal mit dem Fahrschulstoff Bremsweg und Reaktionszeit.
    Bei den Geschwindigkeiten, die du teilweise fährst, brauchst du bis zu 120 m Sicherheitsabstand (halber Tacho) zum Vordermann und du kommst so schnell angeprescht, dass Leute, die vor dir zum Überholen ansetzen, dich und dein Tempo in 150 Meter Entfernung im Rückspiegel erkennen müssten. Gelingt ihnen das nicht - und es wird selbst guten Autofahrern regelmäßig nicht gelingen - fährst du zwangsläufig in eine Gefahrenzone hinein, in der der Sicherheitsabstand nicht mehr da ist.


    Und ein Weiteres: du schiebst unweigerlich eine "blinde Zone" vor dir her, wo du nichts tun kannst wenn dort etwas passiert. Denn während deiner Reaktionszeit bewegt sich das Auto ungebremst fort.
    Diese Zone ist um so größer je schneller du bist. Und genau da entsteht das von dir beschriebene Problem, wenn irgendetwas Unvorhergesehenes passiert, ein Tier rennt vor das Auto, jemand schert aus, vor dir platzt einem der Reifen, verrutscht Ladung oder andere Dinge, dann hast du keine Chance darauf zu reagieren weil es knallt bevor du etwas machen konntest. Wenn jemand "meint das noch genug Platz in der kleinsten Lücke" ist", ist das vielleicht sein Fahrfehler - aber zugleich dein Problem.


    Natürlich ist diese Problematik auch bei geringeren Geschwindigkeiten vorhanden, aber es spitzt sich bei hohem Tempo viel mehr zu.