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Original geschrieben von HappyDay989
Bitte definiere "Ausbeutung". Bei wie viel Euro / Dollar / Yen pro Stunde / Tag /Woche / Monat hört "Ausbeutung" auf, eben genau das zu sein?
Das ist nicht in Zahlen auszudrücken. Es ist das Phänomen Ressourcen zu verbrauchen, die nur deswegen verbraucht werden können, weil es eine Minderheit macht - und die einem nicht zustehen bzw. nicht genutzt werden könnten wenn das alle Menschen für sich beanspruchen würden.
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Original geschrieben von HappyDay989
Im konkreten Sinne aber nicht, und darum geht es hier wohl! Für "Staatsschulden" kann Dich niemand persönlich haftbar machen. Da kann kein Gericht beschließen, dass Du jetzt mal eben Deinen persönlichen Anteil der "Pro-Kopf-Verschuldung" zurückzahlen musst.
Die Bürger zahlen über ihre Steuern oder auch dadurch, dass staatliche Leistungen gekürzt werden und notwendige Investitionen ausbleiben. Auch wenn das indirekt ist - die Bürger baden es aus.
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Original geschrieben von HappyDay989
Das ist schlicht und einfach falsch. Ich habe weder Schulden bei einer Bank noch bei sonst wem und ich überziehe auch mein Konto nicht. Ich kaufe mir nur etwas, wenn ich das Geld dafür (gespart!) habe, und ich verstehe Leute nicht, die meinen, ständig "auf Pump" leben zu müssen.
Man kauft Dinge, die man nicht braucht, bezahlt sie mit Geld, das man nicht hat, und das alles, um Leuten zu imponieren, die man nicht leiden kann! Das fand ich schon immer schwachsinnig und das hat sich bisher nicht geändert. Übrigens war es in den 1950er und 1960er Jahren in der BRD völlig normal, Dinge nur mit dem Geld zu kaufen, das man tatsächlich bereits verdient hatte. Wahrscheinlich ist es nur Zufall, dass diese beiden Jahrzehnte genau die mit dem größten und gesündesten Wirtschaftswachstum der deutschen Geschichte waren, nicht wahr?
Das mag für dich persönlich anhand deiner Lebensumstände zutreffen, das mag auch vor 50-60 Jahren für die Masse funktioniert haben. Heute ist es für viele Menschen so nicht mehr machbar. Wir können hier weder mit persönlichen Einzelbeispielen, den Lebensumständen von vor einem halben Jahrhundert oder Extrembeispielen hantieren. Die Bevölkerungsmehrheit der Gering- und Mittelverdiener kann ein Leben mit normaler gesellschaftlicher Teilnahme nicht mehr stemmen ohne irgendwann einen Kredit zu benötigen. Darauf ist auch das gesamte System ausgerichtet. Da kann sich der Einzelne mal mehr, mal weniger gut ausklinken, aber das ist als flächendeckendes Konzept für die Bevölkerungsmehrheit heute unrealistisch geworden.
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Original geschrieben von HappyDay989
Doch, merkwürdigerweise klappt das bei mir ganz gut.
Und wenn sich jemand nicht nur einen 10 Jahre alten Gebrauchtwagen, sondern mal ein aktuelles Auto kaufen möchte? Oder wenn jemand den Traum vom Eigenheim träumt? Dann muss man Spitzenverdiener oder reicher Erbe sein? Mal ganz abgesehen davon, dass unsere Wirtschaft dann zusammenbrechen und unendlich viele Jobs wegfallen würden weil der Konsum so wegbrechen würde, dass über kurz oder lang alles zusammenbräche.
Das Tempo heute ist unendlich rasanter als vor 60 Jahren, dazu die Möglichkeiten weit umfangreicher, zugleich werden Arbeitsverhältnisse prekärer und Verdienste im Verhältnis zu den Kosten gesellschaftlicher Teilhabe immer geringer. Dein Konzept funktioniert für dich als Einzelnen, es ist aber kein Konzept für die ganze Gesellschaft.
Das Problem ist nicht das Konsumverhalten der Menschen, die im großen und ganzen durchaus wissen, dass sie nicht völlig maßlos kaufen und konsumieren können. Das Problem liegt in der Geldverteilung. Die muss nicht kommunistisch gleichmäßig sein, aber wenn eine große Mehrheit trotz Vollzeitarbeit nicht mehr teilhaben kann während Spitzeneinkommen in keinem Zusammenhang mehr zur Wertschöpfung eines Menschen stehen, dann ergibt es eine Schieflage.
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Original geschrieben von HappyDay989
bei den meisten "Hartzern" stehen teurere Fernseher in der Bude als bei mir.
Woher weißt du das? Solche Aussagen sind Plattitüden, die immer wieder auftauchen weil man in Deutschland ganz gezielt dieses Bild vom generell immer schmarotzenden, saufenden, rauchenden und trinkenden Transferleistungsbezieher etabliert und die Mittelschicht so gegen die Ärmsten der Gesellschaft aufhetzt. Es gibt etwa 10% Missbrauch, aber auch 90% absolut berechtigte Bezieher von Leistungen, die weder das immer wieder bemühte Asi-Klischee erfüllen noch zu Unrecht irgendwelche Leistungen bekommen. Und mich ärgert es, dass selbst intelligente und sozial eingestellte Menschen doch immer wieder unreflektiert das Bild der schmarotzenden Hartzer bemühen. Wie kommt es, dass dieses Zerrbild nicht auszurotten ist?
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Original geschrieben von HappyDay989
Und wenn man das tut, und sich vor jedem Kauf wirklich ernsthaft prüft, ob man das "Objekt seiner Begierde" wirklich benötigt oder ob man es einfach nur aus irgendwelchen irrationalen Gründen "haben will", dann stellt man fest, dass der Bedarf an Geld sinkt und der Bedarf an "Kredit" gegen Null geht.
Aber wer definiert die Untergrenze? Es leben Aussteiger von nahezu keinem Geld, andere vom Wohlstandsmüll der Gesellschaft... Aber das sind keine mehrheitsfähigen Modelle für moderne Gesellschaften und auch diese Aussteiger greifen letztlich auf Infrastrukturen und Produktionen anspruchsvollerer Zeitgenossen zurück.
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Original geschrieben von HappyDay989
Allerdings trage ich mein Geld auch nur äußerst selten in die Gastronomie; wenn ich mir anschaue, wie viel Kohle meine Kollegen da jedes Wochenende "verbraten", wundert es mich auch nicht, dass die ständig ihr Dispolimit ausloten müssen...
Wie schon mal geschrieben, das mag für dich okay sein, andere gehen gerne mal essen. Und auch das ist eine Branche, die Menschen ernährt und die somit im Wirtschaftskreislauf nötig ist. Deswegen funktionieren "radikale" Lösungen immer nur für einzelne Individuen, aber wenn alle Bürger nur noch so konsequent agieren würden, würde das gar nicht funktionieren.
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Original geschrieben von HappyDay989
Also, wie gesagt: objektiv kann man sich dem Kreditbedarf durchaus entziehen. Wer natürlich nicht die Disziplin aufbringen kann oder will, seinen Lebensstandard nach dem auszurichten, was das selbst verdiente Geld zulässt und statt dessen ständig auf Pump lebt und auf "Ratata" kauft, der empfindet das Schuldenmachen und Schuldenhaben wohl irgendwann als etwas völlig Normales und sucht die Verantwortung dafür nicht mehr bei sich selbst und seinem eigenen Mangel an Disziplin, sondern schiebt "dem bösen System" die Schuld zu. Na klar, das ist ja auch soviel einfacher und bequemer, wenn man für alles einen Sündenbock hat. "Systeme" sind für diese Rolle übrigens ganz besonders gut geeignet, denn die geben nicht einmal Widerworte, wenn man sagt: "Das System ist schuld."
Das ist mir zu simpel. Menschen sind individuell und so einfach ist das nicht, den Konsumfreudigeren unter ihnen einfach nur mangelnde Ausgabendisziplin zu attestieren. Es geht auch gesellschaftlich nicht weil manche Projekte nur mit geliehenem Geld funktionieren, es hat nicht jeder die finanzielle Potenz Projekte erst dann zu verwirklichen wenn das Geld bereit liegt - oder die Bereitschaft, ansonsten auf die Umsetzung einer großen Idee zu verzichten. Und nochmal: es brächte die Gesellschaft auch nicht vorwärts. Das heißt nun aber im Gegenteil nicht, dass ich einer Überschuldung das Wort rede, denn dieses Extrem ist natürlich auch nicht die Lösung.
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Original geschrieben von HappyDay989
Ich leiste mir halt das, was ich mir leisten kann, ohne mich dabei zu verausgaben oder zu verschulden. Was innerhalb dieser Grenzen geht, das mache ich, wenn ich der Ansicht bin, dass es mich weiterbringt, und was nicht geht, das unterbleibt eben. Ich weiß, dass ich mir nicht alle paar Jahre ein neues Auto, neue Möbel, zwei oder drei Mal im Jahr in den Fernurlaub usw. leisten kann. Aber ganz ehrlich: damit kann ich leben, und zwar sehr gut.
Aber wenn dir im selben Monat erst der Fernseher, dann der PC und anschließend Herd und Waschmaschine verrecken? Dann hast du den Fernseher ersetzt um anschließend festzustellen, dass das Geld für den PC nicht mehr reicht (dann klinkst du dich für das nächste halbe Jahr aus dem Internet aus?) und gewaschen oder gekocht wird in den nächsten 5 Jahren nicht mehr? Oder mit dem Waschbrett am Fluss und über dem Lagerfeuer?
Oder greift man dann doch zum Kredit um notwendige Investitionen tätigen zu können?