Beiträge von Printus

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    Original geschrieben von autares
    Ich nehme mal an, dass du die Banken nicht gerettet hättest?


    Zumindest kann man nicht einerseits Banken mit Milliardenbeträgen retten, dieses wird im Bezug auf Griechenland fortgesetzt weil das Geld ja auch nur zur Bedienung der griechischen Verbindlichkeiten bei Banken gebraucht wird, die Entscheidungen über die Milliarden fallen in wenigen Tagen. Zugleich speist man Hartz 4-Bezieher nach endlosen Diskussionen mit beleidigenden 5 EUR ab. Ein flächendeckender Mindestlohn wird seit Jahren nicht durchgebracht.


    Eine - wie auch immer geartete Regulierung - der Spekulationen findet nicht statt. Banken gelten als "systemrelevant", es fallen Worte wie "alternativlos" und damit wird das Prinzip, dass ein Spekulant auch verlieren kann und somit sein Risiko tragen muss, außer Kraft gesetzt.


    Bezahlen muss all das der Steuerzahler, der vorher schon der Dumme des Systems war. Der längst begriffen hat, dass das ganze Eurorettungs- und Börsentheater früher oder später in einem ganz großen Knall auseinanderfliegen wird und der Anfang vom Ende begonnen hat, wo man nur noch nicht weiß wann das Finale kommt - eines Tages wird man morgens wach und die Meldungen überschlagen sich, dass alles zusammengebrochen ist. Und der Steuerzahler weiß auch, dass er wahrscheinlich später wieder der Dumme sein wird weil es laufen wird wie nach dem WWII, wo viele Ausbeuter später auch wieder obenauf waren.


    Gegenfrage: Wie könnte man die Schieflagen deiner Meinung nach zu begradigen versuchen?

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    Original geschrieben von CK-187
    In den Geschichtsbüchern nennt man sowas AFAIK Revolution ;)
    Und wenn es sonst keine (Demokratischen ?) Mittel gibt führt irgendwann mal kein Weg mehr dran vorbei. Wenn die Gewalt vom Volk gegen ihre Pseudovertreter geht kann man sich wenigstens damit trösten das es zur Abwechslung mal die Richtigen trifft.


    Es trifft jetzt absolut die Falschen, Laden- und Hausbesitzer sind nicht die Verursacher der sozialen Probleme. Würde sich der Frust gegen Bankster und Politiker richten, die milliardenschwere Bankenrettungspakete schnüren und zugleich die Situation des Prekariats immer mehr verschärfen, wäre der Zusammenhang sichtbar. "Blöderweise" wird nur ungezielt draufgehauen, geplündert und gebrandschatzt, so dass die Ursachen nicht so deutlich sichtbar werden.

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    Original geschrieben von Matchacom
    Meine Lebenserfahrung sagt zb. man kann bestimmte extreme Formen von Kapitalisten nur dadurch langfristig zum stagnieren bringen, wenn man sie "erlöst", ja ist wie mit Alten Hunden die vor Schmerzen nicht mehr vernünftig leben können.


    Schaut man sich die Entwicklungen in Nordafrika, Syrien, Athen, jetzt London und auch die Eurokrise und das Geschehen an den Börsen an kommt man zu dem Schluss, dass die Erlösung begonnen hat. Manche Hunde wirken sogar kräftig an der eigenen Einschläferung mit - und viele raffen es nicht mal.


    Es gibt zwar keine Rechtfertigung für Gewalt und Kriminalität, wohl aber Ursachen. Und die liegen an allen Brennpunkten an der Unterdrückung des einfachen Volks, sei es durch rigide politische oder finanzielle Systeme.

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    Original geschrieben von HappyDay989
    Warum es allerdings altmodisch sein soll, sich nicht für Konsumgüter zu verschulden, kann mir vielleicht auch mal jemand erklären.


    Es ist nicht altmodisch, es ist absolut sinnvoll. Wir reden aber nicht über Konsumgüter, sondern "lebensnotwendige" Anschaffungen. Wie von Anja schon erklärt wurde, in bestimmten Einkommensregionen funktioniert die Theorie des "nie mehr ausgeben als an Barschaft vorhanden ist" an bestimmten Stellen nicht mehr. Das kannst du so handhaben wenn das Einkommen prinzipiell reicht um über die Runden zu kommen. Wer arm ist rutscht aber früher oder später in Notsituationen, in denen "geschicktes Wirtschaften" nicht ausreicht. Wenn 2 oder 3 unglückliche Zufälle zusammen kommen mangelt es sofort an Rücklagen oder finanzieller Elastizität. Sofort steckt der Betroffene im Schlamassel.


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    Original geschrieben von HappyDay989
    Ich kenne einige "Hartzer" und weiß daher, dass viele von denen (mehr als ein Viertel!) gar nicht die Absicht haben, sich durch eigene Arbeit zu ernähren, sondern sich sehr bequem eingerichtet haben, mit den regelmäßigen Transferleistungen vom Amt, ein bisschen Schwarzarbeit nebenbei und dem Schnorren bei Freunden, Familie usw.


    Deine persönliche Erfahrung ist trotzdem nicht die flächendeckende Realität. Ich kenne einen ehemaligen Sozialfahnder aus Duisburg - also nicht gerade eine Gegend blühender sozialer Landschaften. Er spricht aus seiner Erfahrung und in den offiziellen Erhebungen von max. 10% Missbrauch. Das ist zwar auch nicht wenig, aber eben auch nicht so viel, dass es die Vorurteile rechtfertigt, die in Deutschland flächendeckend vorherrschen. Besonders mies ist, dass man hier gerade die Ärmsten noch zusätzlich prügelt.
    Missbrauch muss abgestellt und vermieden werden, aber erstmal alle unter Generalverdacht zu stellen und als Schmarotzer hinzustellen ist unter aller Sau. Es offenbart aber auch die Bigotterie selbstgerechter kleinbürgerlicher Millieus. Sozialbetrug ist kriminell und kein valides Argument gegen faire Behandlung regulärer Transferleistungsbezieher.


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    Original geschrieben von HappyDay989
    Wie gesagt: wenn man das Geld hat, kann man es auch ausgeben. Wer sich Geld leiht, um es für schnelllebige Konsumgüter zu verbraten, für den gilt, was ich oben schon über Leute geschrieben habe, die sich für ein neues Auto verschulden.


    Wer kann denn heute noch ein Auto bar zahlen? 60% aller Neuzulassungen in Deutschland sind Firmenwagen, viele der restlichen 40% finanziert. Wenn es nicht so wäre und nur Autos gekauft würden, die sofort bezahlt werden könnten, könnte die deutsche Autoindustrie einpacken. Und damit jeder 4. Arbeitsplatz, der direkt oder indirekt mit der Autoindustrie verbunden ist.


    Ich halte auch nichts vom Kauf überteuerter Neuwagen und von Wertverlusten, die gar nicht dem realen Wertverfall entsprechen. Dass 10 Jahre alte Autos von Vertragshändlern schon schief angeschaut und nur noch an "Händler oder Export" verkauft werden ist natürlich eine unerhörte Arroganz und Dekadenz.
    Würde man das vorhandene System aber von heute auf morgen umstellen können/wollen, würden auch viele davon abhängige Systeme zusammenbrechen. Man kann nicht so einfach simple Lösungen finden, die funktionieren. Dafür stecken viele Karren zu tief im Dreck.


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    Original geschrieben von HappyDay989
    Ob Du es glaubst oder nicht: wenn ich zu wenig Geld habe, um alles gleichzeitig neu zu kaufen, dann kaufe ich mir gebrauchte Weißware oder Weißware zweiter Wahl - damit spart man schon mal richtig viel. So, einen PC kann man sich ebenfalls billig gebraucht besorgen, ist ja nicht so, dass man fürs Internet die supermodernste Highpower-Rechnerkiste mit allem Schnick und Schnack benötigt. Und ein Fernseher ist in so einer Situation Luxus, also spare ich mir die Anschaffung (ich würde so'ne Flimmerkiste nicht einmal wirklich vermissen) und spare durch die entsprechende Abmeldung bei der GEZ sogar noch einmal Geld. :D


    Neue oder gebrauchte Ware. Es kostet Geld, das man haben muss.


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    Original geschrieben von HappyDay989
    Wie gesagt: wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.


    Das ist eine Plattitüde. Du hast für dich alles so einrichten können, dass es funktioniert. Andere Menschen in anderen Lebensumständen können nicht immer eine preiswerte Lösung aus dem Hut zaubern.


    Ich bin einige Jahre jünger als du, aber auch keine 20 oder 25 mehr. Es ist nicht persönlich gemeint, aber manchmal stimmt der Spruch "Auf jede Frage eine Antwort wissen nur Dummköpfe."


    Um mal wieder den Bogen zum Thema des Threads zu finden: wer hat vor 1 Jahr etwas auf Ratingagenturen gegeben? Der Normalverbraucher kannte nicht mal deren Existenz. Jetzt auf einmal bestimmen sie die Weltwirtschaft. Eine Farce.

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    Original geschrieben von HappyDay989
    Bitte definiere "Ausbeutung". Bei wie viel Euro / Dollar / Yen pro Stunde / Tag /Woche / Monat hört "Ausbeutung" auf, eben genau das zu sein?


    Das ist nicht in Zahlen auszudrücken. Es ist das Phänomen Ressourcen zu verbrauchen, die nur deswegen verbraucht werden können, weil es eine Minderheit macht - und die einem nicht zustehen bzw. nicht genutzt werden könnten wenn das alle Menschen für sich beanspruchen würden.


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    Original geschrieben von HappyDay989
    Im konkreten Sinne aber nicht, und darum geht es hier wohl! Für "Staatsschulden" kann Dich niemand persönlich haftbar machen. Da kann kein Gericht beschließen, dass Du jetzt mal eben Deinen persönlichen Anteil der "Pro-Kopf-Verschuldung" zurückzahlen musst.


    Die Bürger zahlen über ihre Steuern oder auch dadurch, dass staatliche Leistungen gekürzt werden und notwendige Investitionen ausbleiben. Auch wenn das indirekt ist - die Bürger baden es aus.


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    Original geschrieben von HappyDay989
    Das ist schlicht und einfach falsch. Ich habe weder Schulden bei einer Bank noch bei sonst wem und ich überziehe auch mein Konto nicht. Ich kaufe mir nur etwas, wenn ich das Geld dafür (gespart!) habe, und ich verstehe Leute nicht, die meinen, ständig "auf Pump" leben zu müssen.
    Man kauft Dinge, die man nicht braucht, bezahlt sie mit Geld, das man nicht hat, und das alles, um Leuten zu imponieren, die man nicht leiden kann! Das fand ich schon immer schwachsinnig und das hat sich bisher nicht geändert. Übrigens war es in den 1950er und 1960er Jahren in der BRD völlig normal, Dinge nur mit dem Geld zu kaufen, das man tatsächlich bereits verdient hatte. Wahrscheinlich ist es nur Zufall, dass diese beiden Jahrzehnte genau die mit dem größten und gesündesten Wirtschaftswachstum der deutschen Geschichte waren, nicht wahr?


    Das mag für dich persönlich anhand deiner Lebensumstände zutreffen, das mag auch vor 50-60 Jahren für die Masse funktioniert haben. Heute ist es für viele Menschen so nicht mehr machbar. Wir können hier weder mit persönlichen Einzelbeispielen, den Lebensumständen von vor einem halben Jahrhundert oder Extrembeispielen hantieren. Die Bevölkerungsmehrheit der Gering- und Mittelverdiener kann ein Leben mit normaler gesellschaftlicher Teilnahme nicht mehr stemmen ohne irgendwann einen Kredit zu benötigen. Darauf ist auch das gesamte System ausgerichtet. Da kann sich der Einzelne mal mehr, mal weniger gut ausklinken, aber das ist als flächendeckendes Konzept für die Bevölkerungsmehrheit heute unrealistisch geworden.


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    Original geschrieben von HappyDay989
    Doch, merkwürdigerweise klappt das bei mir ganz gut.


    Und wenn sich jemand nicht nur einen 10 Jahre alten Gebrauchtwagen, sondern mal ein aktuelles Auto kaufen möchte? Oder wenn jemand den Traum vom Eigenheim träumt? Dann muss man Spitzenverdiener oder reicher Erbe sein? Mal ganz abgesehen davon, dass unsere Wirtschaft dann zusammenbrechen und unendlich viele Jobs wegfallen würden weil der Konsum so wegbrechen würde, dass über kurz oder lang alles zusammenbräche.


    Das Tempo heute ist unendlich rasanter als vor 60 Jahren, dazu die Möglichkeiten weit umfangreicher, zugleich werden Arbeitsverhältnisse prekärer und Verdienste im Verhältnis zu den Kosten gesellschaftlicher Teilhabe immer geringer. Dein Konzept funktioniert für dich als Einzelnen, es ist aber kein Konzept für die ganze Gesellschaft.


    Das Problem ist nicht das Konsumverhalten der Menschen, die im großen und ganzen durchaus wissen, dass sie nicht völlig maßlos kaufen und konsumieren können. Das Problem liegt in der Geldverteilung. Die muss nicht kommunistisch gleichmäßig sein, aber wenn eine große Mehrheit trotz Vollzeitarbeit nicht mehr teilhaben kann während Spitzeneinkommen in keinem Zusammenhang mehr zur Wertschöpfung eines Menschen stehen, dann ergibt es eine Schieflage.


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    Original geschrieben von HappyDay989
    bei den meisten "Hartzern" stehen teurere Fernseher in der Bude als bei mir.


    Woher weißt du das? Solche Aussagen sind Plattitüden, die immer wieder auftauchen weil man in Deutschland ganz gezielt dieses Bild vom generell immer schmarotzenden, saufenden, rauchenden und trinkenden Transferleistungsbezieher etabliert und die Mittelschicht so gegen die Ärmsten der Gesellschaft aufhetzt. Es gibt etwa 10% Missbrauch, aber auch 90% absolut berechtigte Bezieher von Leistungen, die weder das immer wieder bemühte Asi-Klischee erfüllen noch zu Unrecht irgendwelche Leistungen bekommen. Und mich ärgert es, dass selbst intelligente und sozial eingestellte Menschen doch immer wieder unreflektiert das Bild der schmarotzenden Hartzer bemühen. Wie kommt es, dass dieses Zerrbild nicht auszurotten ist?


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    Original geschrieben von HappyDay989
    Und wenn man das tut, und sich vor jedem Kauf wirklich ernsthaft prüft, ob man das "Objekt seiner Begierde" wirklich benötigt oder ob man es einfach nur aus irgendwelchen irrationalen Gründen "haben will", dann stellt man fest, dass der Bedarf an Geld sinkt und der Bedarf an "Kredit" gegen Null geht.


    Aber wer definiert die Untergrenze? Es leben Aussteiger von nahezu keinem Geld, andere vom Wohlstandsmüll der Gesellschaft... Aber das sind keine mehrheitsfähigen Modelle für moderne Gesellschaften und auch diese Aussteiger greifen letztlich auf Infrastrukturen und Produktionen anspruchsvollerer Zeitgenossen zurück.


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    Original geschrieben von HappyDay989
    Allerdings trage ich mein Geld auch nur äußerst selten in die Gastronomie; wenn ich mir anschaue, wie viel Kohle meine Kollegen da jedes Wochenende "verbraten", wundert es mich auch nicht, dass die ständig ihr Dispolimit ausloten müssen...


    Wie schon mal geschrieben, das mag für dich okay sein, andere gehen gerne mal essen. Und auch das ist eine Branche, die Menschen ernährt und die somit im Wirtschaftskreislauf nötig ist. Deswegen funktionieren "radikale" Lösungen immer nur für einzelne Individuen, aber wenn alle Bürger nur noch so konsequent agieren würden, würde das gar nicht funktionieren.


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    Original geschrieben von HappyDay989
    Also, wie gesagt: objektiv kann man sich dem Kreditbedarf durchaus entziehen. Wer natürlich nicht die Disziplin aufbringen kann oder will, seinen Lebensstandard nach dem auszurichten, was das selbst verdiente Geld zulässt und statt dessen ständig auf Pump lebt und auf "Ratata" kauft, der empfindet das Schuldenmachen und Schuldenhaben wohl irgendwann als etwas völlig Normales und sucht die Verantwortung dafür nicht mehr bei sich selbst und seinem eigenen Mangel an Disziplin, sondern schiebt "dem bösen System" die Schuld zu. Na klar, das ist ja auch soviel einfacher und bequemer, wenn man für alles einen Sündenbock hat. "Systeme" sind für diese Rolle übrigens ganz besonders gut geeignet, denn die geben nicht einmal Widerworte, wenn man sagt: "Das System ist schuld."


    Das ist mir zu simpel. Menschen sind individuell und so einfach ist das nicht, den Konsumfreudigeren unter ihnen einfach nur mangelnde Ausgabendisziplin zu attestieren. Es geht auch gesellschaftlich nicht weil manche Projekte nur mit geliehenem Geld funktionieren, es hat nicht jeder die finanzielle Potenz Projekte erst dann zu verwirklichen wenn das Geld bereit liegt - oder die Bereitschaft, ansonsten auf die Umsetzung einer großen Idee zu verzichten. Und nochmal: es brächte die Gesellschaft auch nicht vorwärts. Das heißt nun aber im Gegenteil nicht, dass ich einer Überschuldung das Wort rede, denn dieses Extrem ist natürlich auch nicht die Lösung.


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    Original geschrieben von HappyDay989
    Ich leiste mir halt das, was ich mir leisten kann, ohne mich dabei zu verausgaben oder zu verschulden. Was innerhalb dieser Grenzen geht, das mache ich, wenn ich der Ansicht bin, dass es mich weiterbringt, und was nicht geht, das unterbleibt eben. Ich weiß, dass ich mir nicht alle paar Jahre ein neues Auto, neue Möbel, zwei oder drei Mal im Jahr in den Fernurlaub usw. leisten kann. Aber ganz ehrlich: damit kann ich leben, und zwar sehr gut.


    Aber wenn dir im selben Monat erst der Fernseher, dann der PC und anschließend Herd und Waschmaschine verrecken? Dann hast du den Fernseher ersetzt um anschließend festzustellen, dass das Geld für den PC nicht mehr reicht (dann klinkst du dich für das nächste halbe Jahr aus dem Internet aus?) und gewaschen oder gekocht wird in den nächsten 5 Jahren nicht mehr? Oder mit dem Waschbrett am Fluss und über dem Lagerfeuer?


    Oder greift man dann doch zum Kredit um notwendige Investitionen tätigen zu können?

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    Original geschrieben von stanglwirt
    das nenn ich mal ne gesunde einstellung. die vorteile dieses systems mitnehmen und die nachteile nicht mittragen wollen. ja so gehört es sich für einen zivilisierten menschen.


    Ökonomisch eine absolut richtige Verhaltensweise.


    Solange Deutschland z. B. in die Ausbildung eines Arztes 1 Million EUR steckt (Grundschule, Gymnasium, Studium) und die Leute danach so dermaßen miserabel ausnutzt, dass sie in Österreich, der Schweiz oder Norwegen das doppelte Geld bei halber Arbeitszeit und einem Viertel an Stress verdienen, hat es verdient, dass die Leute mit den Füßen abstimmen und auswandern. Man kann es in vielen Branchen beobachten und die Auswandererzahlen beweisen ja sehr deutlich, wie groß die Unzufriedenheit der gut Qualifizierten in Deutschland ist. Man darf sich hier nicht von den Knallfröschen blenden lassen, die RTL bei ihrer Auswanderung begleitet. Die Mehrzahl der Leute weiß genau, was sie tut und worauf sie sich einlässt.


    Wer hierzulande gelernt hat, dass "selber essen dick macht" und nicht soziales Verhalten, handelt folgerichtig wenn er das selber auch so umsetzt. Politik, Wirtschaft und der Finanzsektor zeigen den Menschen doch permanent, dass "raffen was das Zeug hält", auch zu Lasten der Gesellschaft, erstmal erfolgreich ist.


    Das, was du schreibst - "vorteile dieses systems mitnehmen und die nachteile nicht mittragen wollen. ja so gehört es sich für einen zivilisierten menschen" - ist doch genau das Verhalten der Banker und Politiker, die den ganzen aktuellen Schlamassel angerichtet haben und fröhlich weitermachen.

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    Original geschrieben von HappyDay989
    Aber es ist wohl eine Tatsache, dass es zu keinem Zeitpunkt in der menschlichen Geschichte so vielen Menschen materiell derartig gut gegangen ist wie heute.


    Es ist auch Tatsache, dass materieller Reichtum nichts über die Zufriedenheit der Menschen aussagt und der finanzielle Reichtum "des Westens" insgesamt, insbesondere aber der obersten paar % dort, für Armut in weiten Teilen der Welt sorgt. Zufriedene Profiteure des Systems sind eine ganz kleine Minderheit der Weltbevölkerung. Die große Mehrheit wird ausgebeutet.


    Wenn du also große Töne über die Verhältnisse in der Welt spukst solltest du nicht vergessen, dass es der großen Mehrheit der Menschen keineswegs gut geht und deine eingeschränkte Sicht auf die dekadente Lebensweise einer ganz kleinen Oberschicht nicht repräsentativ für den Rest der Welt ist.


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    Original geschrieben von HappyDay989
    Es zwingt Dich übrigens m. E. niemand, irgendetwas auf Pump zu kaufen, weder hier noch in Kroatien. Ich weiß ja nicht, wie es Dir in Deinem bisherigen Leben ergangen ist, aber mir hat noch kein Bankier eine Waffe an den Kopf gehalten und gesagt: "Sie nehmen jetzt sofort einen Kredit auf und machen ordentlich Schulden, sonst blase ich Ihnen das Gehirn aus dem Schädel. Und wenn Sie die Ihnen von uns aufgezwungene Kreditkarte nicht jeden Monat bis zum Limit ausschöpfen, dann werden wir Ihrer Familie etwas so Schlimmes antun, wie Sie es sich gar nicht vorstellen können."


    Im übertragenen Sinne schon. Die Staatsverschuldung und die Rettungspakete für Banken, für Griechenland (das Geld landet auch nur bei den Banken, nicht bei den Griechen) bedingen, dass es eine Pro-Kopf-Verschuldung von mehreren tausend Euro pro Einwohner gibt.


    Vokabular und Worte wie "alternativlos" und "systemrelevant" sind virtuelle Pistolen.


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    Original geschrieben von HappyDay989
    Will sagen: die Entscheidung, Kredite (besonders Verbraucherkredite!) aufzunehmen, ist doch keine erzwungene, sondern immer eine freiwillige! Und es ist doch nichts grundsätzlich Schlechtes, dass man auch als normaler Arbeitnehmer einen Kredit aufnehmen kann, wenn man dies möchte. Dass manche Leute offenbar den Hals nicht voll kriegen, keine Ausgabendisziplin halten und sich in Punkto "Konsumrausch" nicht zurückhalten können, liegt doch nicht "am System", das liegt an den Menschen selbst und ihrer unersättlichen Gier.


    Wer kann sich denn heute den Lebensrealitäten so entziehen? Was du hier skizzierst ist eine Utopie, die für kaum jemanden real umsetzbar ist. Unser ganzes System ist auf Krediten und Zinsen, auf ständigem Wachstum und Konsum aufgebaut. Theoretisch kann man sich dem zwar versuchen zu verweigern. Nur schließt man sich damit auch aus der Gesellschaft aus weil ein normales Leben in der Praxis gar nicht mehr anders funktioniert.
    Wir reden hier nicht über iPhones und neue Autos alle drei Jahre, sondern defekte Waschmaschinen, Mietkautionen, Bafög etc. Auch "Konsumverweigerer" haben regelmäßig nicht so viel Geld unter dem Kopfkissen, dass sie sich jedweder Kreditbedürftigkeit komplett entziehen können.


    Ich will damit nicht sagen, dass ein Systemcrash "gut" wäre. Er wird aber kommen wie das Amen in der Kirche. Bisher haben wir nur die Warnzeichen gesehen, ändern tut sich trotzdem nichts. Also wird es irgendwann knallen, und zwar richtig.

    Vielen Dank!


    Kann man formulieren "Ihr ist sowohl die Fakturierung geläufig wie auch der Umgang mit einer Warenwirtschaftssoftware."? Oder benutze ich den Begriff Fakturierung dabei falsch?


    Und müsste es nicht auch heißen "sowohl die Fakturierung als auch der Umgang..."? Klingt dann aber im Gesamtsatz komisch.


    Ich stehe gerade auf dem Schlauch...