Beiträge von Printus

    Mir geht es erstmal nur um die moralische Dimension. Rechtlich ist kaum verbindlich aufzuschlüsseln inwiefern Wikileaks für das Verhalten von Individuen verantwortlich ist und Gesetze welches Landes überhaupt als Entscheidungsgrundlage herangezogen werden sollen. Im globalen Internet wird das der Sache sowieso nie gerecht.


    Allerdings finde ich schon, dass man moralische Standards definieren kann und dieses keiner rein individuellen Bewertung unterliegt. Wenn z. B. klar wäre, dass Wikileaks sich auf die Aufklärung von Verstößen gegen Menschenrechte oder Korruption (um nur 2 Beispiele zu nennen) konzentriert könnte man dafür auf klare Standards zurückgreifen. Human Rights Watch, Amnesty International, Transparency International und andere haben bestimmt klare Vorstellungen, die man heranziehen könnte. Oder man schaut sich einfach mal das Völkerrecht an.


    Wenn dieses der Fall wäre würden sich auch die rechtlichen Probleme weit weniger stellen, denn dann wären veröffentliche Wikileaks-Quellen immer tatsächliche Aufklärungen über skandalöse Verfehlungen - und dann wäre die Untat nicht die Veröffentlichung von Dokumenten, sondern das zugrunde liegende Geschehen. Damit würden sich auch die Datenbeschaffer deutlich seltener zur Zielscheibe machen als bei Daten, deren Darstellung keinem nachvollziehbaren Sinn folgt außer "aus Prinzip" Geheimnisse zu offenbaren.
    Gerade wegen diesem ungeprüften "Einfach drauflos-Veröffentlichen" spreche ich Wikileaks auch die Pressefreiheit ab, denn da findet doch überhaupt keine journalistische Arbeit statt. Man publiziert einfach nur Geheimes, eine Einordnung der Unterlagen, redaktionelle Bearbeitung, gibt es gar nicht.


    Weiterhin gäbe es bei einer klaren Aussage zu den Werten, denen man sich verpflichtet fühlt, auch nicht das Problem, dass Geschäftspartner wie Amazon, VISA, Mastercard oder Paypal sich von einer zwielichtigen Plattform separieren wollen oder müssen. Ein Netzwerk, dass "der guten Sache" dient, dürfte problemlos unterstützt werden. Es zieht auch nicht das Nachfolgeproblem hinterher, dass Unterstützer irgendwelche Webseiten lahmlegen und sich damit - je nach Gesetzeslage im eigenen Land - ihrerseits in die Illegalität begeben.


    Insofern fehlt IMHO eine klare Definition seitens Wikileaks für welche Werte man steht, was man will und was man nicht will. Im Augenblick ist nur wahrnehmbar, dass sich unter tatsächlich aufzuklärende Inhalte auch schlicht hirnloser Geheimnisverrat mischt. Da darf man sich doch nicht wirklich wundern wenn es kräftig Gegenwind gibt...

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    Original geschrieben von archie83
    Es ist kein Argument für eine Veröffentlichung, aber ein Argument, dass mit den Sicherheitsrichtlinien der USA was nicht in Ordnung war, und der aktuelle Vorgang vermeidbar gewesen wäre, wenn man mit Zugriffsrechten nicht derart leichtfertig umgegangen wäre.


    Klar, aber das macht die Aktion trotzdem nicht besser. Man kann eigenes Fehlverhalten nicht mit dem Fehlverhalten anderer legitimieren.


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    Original geschrieben von archie83
    So belanglos finde ich es jetzt nicht, dass viele Regierungen den USA in den Allerwertesten kriechen und die USA im Gegenzug ihren Einfluss geltend macht, um Konkurrenz beispielsweise im Bereich von Waffenlieferungen auszuschalten


    Bewiesen ist da nichts, es sind immer noch nur Annahmen. Und wenn es aber so ist, dann hätte es gereicht die relevanten Daten zu publizieren, nicht aber mit der Gießkanne alles auszuschütten.


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    Original geschrieben von archie83
    Und wo ist das Problem? Es ist doch Aufgabe von Journalisten, Quellen zu filtern und für den Normalbürger aufzubereiten, also für Spiegel, Guardian usw. Wikileaks stellt nur das Quellmaterial bereit.


    So einfach ist das aber nicht. Indem man die Daten öffentlich zur Verfügung stellt sind sie unkontrolliert in der Welt. Jeder, den es betrifft, ordnet die Dinge damit für sich ein und die Journalisten kommen zu spät. Die ordnen es vielleicht für den interessierten Bürger ein. Aber da, wo die Daten Einfluss nehmen, entfalten sie unkontrollierbare Folgen.


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    Original geschrieben von archie83
    Das heißt, wenn jemand - überspitzt formuliert - sagt "entweder wir treiben es ohne Kondom oder es es gibt gar keinen Sex", sollte derjenige für mehrere Jahre ins Gefängnis? Von Gewaltanwendung ist nämlich nicht die Rede. Also hätte sie sich einfach weigern können.
    Sollte er sich den ungeschützten Sex aber mit Gewalt erzwungen haben, ist er natürlich dafür zu verurteilen. Das wäre dann aber Vergewaltigung und keine sexuelle Nötigung. Letzteres lässt kein Eindringen in den Körper des Partners zu. Dort wäre die Kondomfrage also völlig irrelevant.


    Das sind Haarspaltereien. Indem überhaupt solche Probleme auftauchen gerät eine exponierte Person ins Zwielicht und wird angreifbar. Insbesondere umstrittene Leute liefern hier eine riesige Angriffsfläche, die ihr Ansehen und ihre Glaubwürdigkeit schwer beschädigen.


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    Original geschrieben von MarcH
    Für mich zeigt WL einfach einen Teil von (inter-)staatlichen Handeln, inden man sonst keinen Einblick erhält.


    Woher kommt der fehlerhafte Eindruck, dass staatliches Handeln zu 100% öffentlich sein muss? Auch in besten Demokratien gibt es immer Themen, die nicht öffentlich verhandelt werden können und wo nur durch diskretes Handeln Ergebnisse möglich sind. Dagegen ist nichts zu sagen solange es sich nicht komplett jedweder (parlamentarischen) Kontrolle entzieht. Alles, was der Geheimhaltung unterliegt, hat in der Öffentlichkeit nichts zu suchen.



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    Original geschrieben von MarcH
    Allerdings ist es schon ganz schön naiv, extrem vielen Menschen (die Zeitungen schwanken hier von 250.000 bis 2,5 mio!) Zugriff zu gewähren und sich dann zu wundern, wenn Sachen davon öffentlich werden. Das macht es natürlich nicht besser, aber es ist - mit Verlaub gesagt - ziemlich dämlich. Gerade wenn angeblich wirklich geheime Sachen enthalten sind.


    Natürlich ist die Geheimhaltung hier löchrig wie ein Käse. Das ändert aber nichts daran, dass die Papiere diesen Status haben. Die einzelnen hätten die Dokumente auch kaum so weit verbreiten können. WikiLeaks springt in diese Bresche und muss das verantworten. Ich nehme aber nirgendwo Aussagen zu diesem Thema wahr. WL kann sich dieser Verantwortung nicht entziehen indem sie einfach behaupten, dass es nicht ihr Thema wäre, denn das ist eines der zentralen Themen.



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    Original geschrieben von MarcH
    Moralisch wäre es natürlich trotzdem verwerflich.


    Eben, und damit wird es dubios. Es geht hier gar nicht um die Rechtslage in Deutschland, nicht um Assange, Schweden oder die Zeitabläufe.
    WL greift in massiver Weise in die Weltpolitik ein und definiert sich aber selber nirgends. Sie erzählen nicht was es soll und der Gründer steht wegen irgendwelcher Verfehlungen im Rampenlicht. Das ist alles komisch und die wahren Ziele sind sehr verschleiert.


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    Original geschrieben von Mach007
    Dehnen die auf den letzten Seiten sich negativ über Wikileaks geäußert haben möchte ich ans Herz legen sich doch mal genauer zu informieren:


    Was und wieso Wikileaks veröffentlicht.


    Ja, das würde ich gerne mal von WL definiert sehen. Einfach nur "wir wollen generelle Öffentlichkeit herstellen" ist mir viel zu dünn wenn dabei massiv in weltpolitische Zusammenhänge eingegriffen wird.


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    Original geschrieben von Mach007
    Seitens Wikileaks kommt nichts, kein Aufruf nicht mal eine Meinung ob zb. Paypal böse ist.


    Das ist wieder dieselbe Geschichte. WL muss Verantwortung für die FOLGEN übernehmen und sich deswegen positionieren. Es geht nicht, dass man nur den Akt der Öffentlich-Stellung der Unterlagen isoliert und dieses als harmlos bezeichnet. Es hängt viel mehr dran und dafür ist WL verantwortlich. Wenn WL-Fans jetzt irgendwelche Cyber-Wars anzetteln ist auch das innerhalb der Verantwortung von WL.


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    Original geschrieben von Mach007
    Fakt ist, Wikileaks bekommt Dokumente diese werden von internen und externen Experten geprüft und dann ohne Wertung veröffentlicht.


    Allein die Menge der letzten Veröffentlichungen macht es extrem unwahrscheinlich, dass das vorher geprüft werden konnte. Wenn es geprüft wurde frage ich mich, welchen Sinn die Veröffentlichung irgendwelchen Schwachsinns (was interessiert die Welt, wie Amis über Dirk Niebel denken?) haben soll. Und nochmal, wenn man Dinge veröffentlich muss man sich die Folgen einer solchen Aktion klar machen. Einfach publizieren und sich für alles Weitere nicht verantwortlich fühlen geht nicht.

    Es geht weniger um rein rechtliche Aspekte, sondern vor allem die moralische Dimension.


    WL tritt mit der - geäußerten oder stillschweigend angenommenen - Absicht an, unrechtmäßige Machenschaften aufzudecken. Ob das dem Selbstverständnis von Assange entspricht weiß ich zwar nicht, aber dieses ist das Image, das von den Befürwortern dargestellt wird.


    Anstatt aber mehr Transparenz in zwielichtige Vorgänge zu bringen geschieht jetzt eher das Gegenteil. In Zukunft werden heikle Informationen um so weniger aufklärbar, auch in Fällen, wo es nötig wäre die Öffentlichkeit zu informieren, weil sich demnächst jeder, der etwas zu verbergen hat, besonders gut absichern wird. Anstatt also mehr Aufklärung zu bringen bewirkt WL jetzt genau das Gegenteil.


    Wie viele Leute schon vorher legal Zugriff auf die Dokumente hatten ist kein valides Argument. Wenn diese Daten unter Verschluss sind, sind sie nicht für die Veröffentlichung bestimmt und sollen nur von einem bestimmten Personenkreis eingesehen werden.


    Nach wie vor waren die zuletzt angebotenen Dateien fast nur belangloser Mist. Dass sich in der schieren Anzahl der Unterlagen hie und da auch mal etwas Brisantes findet ist einfach nur statistische Wahrscheinlichkeit, aber kein von WL bewusst herbeigeführtes Szenario. Sie haben einfach mit der Gießkanne Informationen veröffentlicht und dabei zwangsläufig mehr oder weniger Brisantes erwischt.


    Was Assange persönlich angeht: der Vergewaltigungsvorwurf war schon lange vor dieser letzten Veröffentlichung in der Welt. Es mag natürlich sein, dass man dieses jetzt aufgreift weil man ihn "aus dem Verkehr ziehen will". Was aber nicht stimmt ist, dass da irgendwas völlig frei konstruiert wird um ihn mundtot zu machen.


    Sex ohne Kondom gegen den Willen des Partners ist durch nichts zu rechtfertigen. Ich kann das nicht runterspielen nur weil andererseits der Verdacht besteht, dass man Assange mit diesem Vorwurf mundtot machen will. Das eine ist genauso daneben wie das andere und Beweise fehlen in beiden Fällen...

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    Original geschrieben von Macgerhard
    Das kommt eben dabei heraus wenn man lügt.
    Diplomatie ist Lüge.
    Und Lügen ist schlecht.


    Geheimdiplomatie ist ein wichtiger Bestandteil vieler heikler Verhandlungen. Sie schützt manchmal Menschenleben und Freiheit. Manches humanitäre Ergebnis wäre unmöglich wenn Verhandlungsdetails öffentlich wären.


    Solange Verstöße gegen Menschenrechte und Gesetze offenbar werden hat Wikileaks alle Sympathien auf seiner Seite. Aber wenn da Dokumente in riesiger Anzahl veröffentlicht werden ohne dass das irgendeinen tieferen Sinn hat - außer die amerikanische Diplomatie blöd aussehen zu lassen - ist das kaum noch gut zu heißen.


    Mit jedem Tag, der vergeht, verspielt WL mehr Sympathien. Es ist offensichtlich daneben wenn Visa, Mastercard oder Paypal die WL-Konten und Amazon den Server sperren. Darauf aber mit Cyberwar und Stilllegen von Webseiten zu reagieren, sich also mit auch nicht gerade sauberen Mitteln zu wehren, ist kaum weniger zimperlich.


    Wenn das so weiter geht wird der Punkt kommen, an dem die öffentliche Meinung gegen WL umschlägt, denn die Menschen werden zu der Meinung gelangen, dass das WL-Anarcho-Verhalten allmählich wirklich gestoppt gehört.

    Natürlich wird der Unfall auch medial ausgeschlachtet.


    Die Tatsache, dass viele Menschen das Geschehen live gesehen und "miterlebt" haben macht aber eben einen sehr großen Unterschied. Es ist NICHT dasselbe ob man einen Dreizeiler in der Zeitung liest oder es mit angesehen hat.


    Insofern stimmen solche Vergleiche / Aussagen wie "das passiert jeden Tag hundertfach, so what?" nicht.

    Anrufen bringt auch nix weil man nach 80 Minuten Dudelei in einem Callcenter in Bulgarien landet - über eine Internetleitung, die alleine schon so schlecht ist, dass man kein Wort versteht. Dazu kommen nur radebrechend Deutsch beherrschende Mitarbeiter, die freundlich und bemüht sind, einem aber in 90% der Fälle doch nicht wirklich helfen.


    Insofern ist der Mailverkehr lästig, aber immer noch zielführender.


    Man kann sich dagegen nur wehren indem man z. B. ein Samsung-Gerät kauft, wo man nach 1 Minute einen fähigen und geschulten Servicemitarbeiter am Draht hat, der tatsächlich daraus ausgerichtet ist, einem weiterzuhelfen.


    Die Daten sind leider weg, Auftraggeber von UPS war HP, da kommste also auch nicht wirklich weiter...


    Ist eine dumme Geschichte. Am Ende hilft nur, sich trotz allem nicht zu ärgern und demnächst bei Kaufentscheidungen auch den Service zu berücksichtigen.

    Vor dem 1. Geltungstag kann man das Ticket für 15 EUR Bearbeitungsgebühr rückabwickeln, das ist kein Komplettverlust. Spartickets gibt es - Verfügbarkeit vorausgesetzt - bis 3 Tage vor Abreise.


    Ich will das Lidl-Ticket nicht komplett schlecht machen, das ist natürlich schon eines der besseren Angebote. Nur enttäuscht mich, dass es nicht mehr der wirkliche Schnapper wie vor ein paar Jahren ist, wo man blind zugeschlagen hat weil man nur gewinnen konnte. Inzwischen ist das Lidl-Ticket nur noch irgendein Angebot, bei dem man genau überlegen muss weil es sich in vielen Fällen eben nicht mehr rechnet.


    Es ist schade, dass die Bahn hier ein unschlagbares Angebot aufgegeben hat. Es ist halt nicht mehr das, was es mal war. Außer dem Namen ist nichts geblieben.

    Unter 22 EUR, insofern vereinfachte Abfertigung, kein Zoll, keine Einfuhrumsatzsteuer. Wenn eine ordentliche Dokumentation am Paket ist wird der Zoll auch gar keine Rücksprache halten sondern die Sendung wird einfach angeliefert und fertig.


    Blöd wäre, wenn die Ware nicht echt ist. Bei Fälschungen greift der Zoll ein und kassiert die gefälschte Ware zur Vernichtung.