Ich finde den Lidl/Telekom-Vergleich nicht ganz passend weil das nationale Konzerne sind. Natürlich offenbaren die Datenskandale bei Lidl, Telekom, der Bahn, Penny und zahlreichen anderen, dass etwas gewaltig schief läuft in diesem Land.
Die Wikileaks-Sache hat aber ein anderes Problem: bzgl. unserer Politiker ist es nur peinlich, wenn rauskommt, wie man sie einschätzt. In den arabischen Ländern kann es aber ungeahnte Folgen haben wenn z. B. offenbar wird, wie die - offiziell solidarischen - Nachbaarstaaten tatsächlich über den Iran denken. Da geht es dann, überspitzt formuliert, um Krieg und Frieden, um Menschenleben.
Wenn Wikileaks Dinge veröffentlicht, die ansonsten unter den Teppich gekehrt würden und wo Aufklärung erforderlich ist - beispielsweise bei amerikanischen Übergriffen im Irak - finde ich das durchaus in Ordnung. So können sie meinetwegen auch Mauscheleien in den Banken oder bei Stuttgart 21 aufdecken. Oder meinetwegen den Kennedy-Mord aufklären oder andere Dinge, die wirklich von Interesse sind.
Was im Falle der Depeschen geschah hat aber keinen notwendigen aufklärerischen Charakter. Es gibt keinen positiven Grund, warum diese Informationen in die Öffentlichkeit gebracht werden müssen. Es hat also nichts mit investigativem Journalismus zu tun und bringt keine vertuschten Wahrheiten ans Licht. Unter dem Strich schadet diese Veröffentlichung mehr als sie nutzt. Man will vermeintliche Offenheit schaffen und bewirkt das Gegenteil, denn in Zukunft werden sich Geheimnisträger dreimal überlegen ob sie ihr - vielleicht auch notwendiges - Wissen mit jemandem teilen.
Anstatt mehr Offenheit zu bringen erzwingt Wikileaks hier für die Zukunft mehr Schweigen und Vertuschen.