Nur mal ein paar kleine Dinge zum sachlichen Nachdenken...
Hallo zusammen!
Es ist ja immer wieder nett, wenn über Äußerungen der kath. Kirche abgelästert wird, aber man sollte vielleicht sich dann doch mal ein wenig mit den Hintergründen beschäftigen, ehe man dem Papst kleine Löcher unterstellt... 
1. Finde ich es zuallererst sehr interessant, dass wir hier in Europa bzw. Deutschland noch immer mit Fragestellungen beschäftigen und Äußerungen der kath. Kirche kritisieren, die diese seit 40 Jahren und länger durchkaut und sich -dem Stand der dortigen Entwicklung entsprechend- an andere Kontinente richten. Das ist ungefähr so, also würde im afrikanischen Busch eine angeregte Diskussion stattfinden, wie sich die dortige Stammesregierung in biomedizinischen Fragen oder im UN-Sicherheitsrat verhalten soll.;)
2. Ist Afrika mit Sicherheit nicht die "letzte Bastion" der katholischen Kirche. Sicherlich gibt es dort einige Länder mit sehr hohem Katholikenanteil, die gibt es aber z.B. in Europa auch. Was es in Europa nicht gibt, ist der überwältigende Anteil an Moslems (praktisch Gesamt-Nordafrika) und Naturreligionen (Mittelafrika).
3. Ist es wohl war, dass die afrikanische Kirche, d.h. die dortigen Bischöfe, eine sehr konservative Theologie befürworten. Der achso moderne "schwarze Papst", den sich so viele Wünschen (inkl. Kardinal Ratzinger - warum wohl?), wäre ein theologischer Rückschritt um mindestens 100 Jahre. Insofern ist natürlich die dortige katholische Sexuallehre auch keine Verwunderung. :flop:
4. Kann doch wirklich keiner so dämlich sein, zu denken, dass die das im Vatikan selber glauben. Deswegen sollte man sich mal Gedanken machen, was damit bezweckt werden soll, denn es ist ja offensichtlich, dass die Mehrheit der Bevölkerung (und da werden die Afrikaner wohl nicht anders denken), die vatikanischen Sexualvorschläge wohl nicht so toll findet und sich vielleicht eher von der Kirche ab als sich ihr zu wendet:
Und da ist dann auch die Lösung zu finden. Man muss sich schon mal in die jeweilige Situation hineinversetzen, in der die Äußerungen gemacht werden. So wie bei ökumenischen Äußerungen dies in Deutschland immer auf die Protestanten bezogen wird und zehnmal soviele Orthodoxe anscheinend keine Rolle spielen, gehen wir im Zerreißen von Stellungnahmen zur Sexualmoral immer von uns hier in Deutschland aus, nicht von den Problemen in Afrika.
Und dort sieht es einfach so aus, dass es vielen Frauen schlecht geht, sie unterdrückt, ausgebeutet, als Freiwild missbraucht und zur Prostitution gezwungen werden. Viele sagen jetzt vielleicht, dass ja die (katholische?) Kirche Frauen unterdrückt, ausbeutet, nicht für voll nimmt. Nun ja, wenn die Tatsache, dass Frauen nicht Priester werden können als Diskussionsgrundlage betrachtet, mag das ja stimmen. Ich emfehle solchen Leuten aber mal dringend, sich mit der Stellung der Frau in der Römerzeit und dazu im Vergleich im frühen Christentum und die Entwicklung im europäische Kulturkreis (denn dieser ist nunmal ein christlicher, auch wenn das in der EU-Verfassung "vergessen" wurde) zu beschäftigen. Wahlweise kann man dann diese 2000 Jahre dann auch mit der Stellung der Frau im Islam oder z.B. im traditionellen Japan mal vergleichen.
Um auf Afrika zurückzukommen: Hier möchte also die katholische Kirche den Frauen helfen, möchte zumindest die sexuelle Ausbeutung eindämmen. Die katholischen Lehren (Stichwort Monogamie) helfen dabei sicher nicht dem AIDS-Virus bei der Ausbreitung, da ja bei nicht wechselnden Geschlechtspartnern wohl schwer eine Übertragung möglich ist. Und eine halbwegs freiweillige Prostituierte wird wohl trotz katholischer Kirche weiter ein Kondom benutzen, AIDS hin oder her, allein um schon nicht schwanger zu werden.
Viele Frauen dort können nur nicht wählen, ob sie sich schützen wollen oder nicht, können nicht wählen, ob sie sich dem Mann verkaufen können oder nicht. Und hier setzt diese Stellungnahme des Vatikans an. Sie richtet sich wohl eher an die Freier, die schon aufgeklärt sind, die wissen, dass sie sich mit Kondomen vor AIDS schützen können, dass sie dann keine Angst mehr haben müssen und die Frau ausbeuten, vergewaltigen (denn das ist es ja, wenn eine Prostituierte das nicht freiwillig macht) kann. Hier macht der Vatikan Propaganda, will diesen Freiern Angst machen, dass sie sich eben nicht sicher sein können.
Der Effekt wäre dann, dass ein Markt zusammenbricht, weil einfach keine Nachfrage mehr besteht und deshalb auch der Markt des Zwanges, also der der Zuhälter, zusammenbricht, damit die Frauen in Afrika nicht mehr so sehr unterdrückt werden.
Ob man das Gewollte und die dazu eingesetzten Mittel bzw. Propaganda gut findet oder nicht, das kann man nun diskutieren. Aber sicherlich verzichtet keiner auf Kondome, der sie vorher benutzt hat (sprich schon über AIDS aufgeklärt war), sondern verzichtet wenn überhaupt dann auch auf "mit" Kondom. Und sicherlich hat der Papst kein Sieb im Kopf, wenn man mal darüber nachdenkt ehe man solche Kommentare von sich gibt...