Obacht, obacht, hier nicht Äpfel mit Birnen vergleichen.
Das Problem ist meiner Ansicht nach, daß das Bachelor/Master-System (haha, Sega) auf das amerikanische Bildungssystem zugeschnitten ist. - Hier gehen die Kids nach der Highschool erstmal 2 Jahre aufs College, und legen sich dann auf einen Fachrichtung fest, in der sie dann ihren General-Abschluß machen, den Bachelor.
Die ersten beiden Jahre des College sind in Deutschland aber in der Gymnasialen Oberstufe zu finden, und im Grunde genommen ist ein College-Abschluß (und das ist ein Bachelor) nix anderes als ein (etwas) aufgebohrtes Abitur oder ein Vordiplom / Zwischenprüfung.
Erst NACH dem Bachelor entscheiden sich (einige) dafür, noch ein darauf aufbauendes Studium zu betreiben: Also Law-School, Business-School, etc.
Rechnet man das alles zusammen, sind die Absolventen auch nicht grade viel jünger als die Deutschen Absolventen (Deutschland: Abi + 8 oder 9 Semester vs. Amerika: College + 4 Semester): In Deutschland kommen auch oft noch Späße wie der Zivildienst hinzu, die das Absolventenalter dann nochmal um ein Jahr hochtreiben.
Aus persönlicher Erfahrung: Ich bin hier an einer nicht gerade schlechten Amerikanischen Institution, und muß sehr deutlich feststellen, daß die generelle Ausbildung (in der Breite) nicht schlecht ist, aber die Ausbildung in die Tiefe mit einer deutschen Universität nicht mithalten kann - insbesondere nicht im Bereich der Geisteswissenschaften.
Das BA/MA-Getue in Deutschland betrachte ich sehr skeptisch: Meiner Meinung nach drängt die Industrie auf ein niedrigeres Einstiegsalter der Arbeitnehmer (kommt ja auch dem Staat gelegen: Weniger Ausbildungskosten und frühere Beitragszahlung ins Sozialsystem) und das Bildungssystem paßt sich notwendigerweise an, auch weil so mancher neidisch auf die tollen Titel im Ausland schielt.
Das "deutsche" Konzept der Fachhochschule als praxisorientierter Zweig (also "Zulieferer" der Industrie) und der Universitäten als theoriebezogener Teil des Bildungsapparates (also der Teil, der die Wissenschaft und damit die Gesellschaftsentwicklung vorantreibt) ist nicht so schlecht wie es viele gerne reden wollen.
Meine persönliche Meinung ist, daß man einen Einstieg in die Materie durchaus in etwa 6 Semestern vermitteln kann, vor allem in den angewandten Wissenschaften; Für eine profunde und vor allem nachhaltige Ausbildung sollte man schon ein wenig mehr Zeit zu investieren bereit sein.
Herzlichst, Tobsen