Hallo,
ich hatte meinen letzten Beitrag hier etwas in Eile und mit der Hoffnung auf Widerspruch erstellt, um dann weiter diskutieren zu können. Inzwischen habe ich mit einem anderen User per PN darüber gesprochen, daher werde ich einige Teilausschnitte meiner PNs jetzt hier dazu posten, sollten div. Personalpronomen nicht übereinstimmen, bitte ich das zu entschuldigen.;)
ZitatOriginal geschrieben von speakers
Zur Satire gehört selbstverständlich Abstraktionsvermögen. Ohne dieses dürfte es in der Tat sehr schwer fallen, den Film auch nur im Ansatz zu verstehen.
Danke, hab ich aber. Ich fand den Film recht interessant, allerdings hat er mir mehr über MMs Arbeitsweise erzählt als über Amerika. Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass ich ein Jahr in den USA gelebt habe. Natürlich habe ich deswegen nicht das absolute Urteilsvermögen, aber ich kann mir durchaus mein eigenes Bild von den Menschen und der Kultur machen.
ZitatDu bist keine 12 Jahre sondern ca. 45 Jahre alt und reich an Lebenserfahrung.
Hab ich ueberhoert - oder willst Du Dich auf dieses Niveau begeben? Dann ruf' mal Stefan..:D
Zitat
Ich vertrete im Gegensatz zu Dir die Auffassung, dass es moralische Grenzen und Werte gibt. Mr. Beinhart Xoduz, dem diese aus mir unerfindlichen Gründen scheinbar abhanden gekommen sind, würde sagen so what! Haben wir eben einen Kunden mehr, auch wenn er zukünftig nicht mit seinem Konto sondern mit einem Gewehr vor meinem Schalter stehen könnte.
Hier passt jetzt folgendes aus meiner PN:
"Worauf ich eigentlich hinauswollte, ist, dass es doch eine kulturelle Sache ist. Für uns Europäer ist das vollkommen undenkbar. Ungefähr so undenkbar und moralisch verwerflich, wie für einen Araber eine FHM aus dem nächsten Kiosk."
Natürlich besteht ein Unterschied zwischen FHM und einem Gewehr. Das Argument mit den moralischen Werten ist aber insofern keines, weil man die Diskussion auf der Basis der moralischen Werte in eben diesem Land diskutieren muss. Und die sind in den USA, bezogen auf Waffen, durchaus anders.
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Wäre ich dieser Bankkaufmann, würde ich meinem Cheffe vorschlagen, die Aktion zu überdenken und dafür den Neukunden evtl. bessere Konditionen o.ä. anzubieten.
Ich bin mir sicher, dass es nicht nur Gewehre gab, sondern auch andere Prämien. Wer nimmt dann ein Gewehr? Genau, der, der sowieso mal eines kaufen würde oder schon hat.
Zugegeben, es verleitet zum Besitz einer Waffe (For free? Cool, 'free' is my favorite word..;)) - das ist ein Schwachpunkt.
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Moore verdeutlicht meiner Meinung nach in sehr trivialen Beispielen das Bizarre und Irrwitzige in dieser Welt. Es sind z.T. auch Beispiele, die keinen besonders hohen IQ erfordern. Das ist Absicht. Das Bedenkliche an diesen Beispielen ist aber gerade das Gedankenlose und die Plumpheit der handelnden Personen. Diese kann man nicht dem Filmemacher Moore zuschreiben, er dokumentiert sie.
Das ist seine - durchaus wirksame - Arbeitsweise. Was ich daran stört, ist, dass sie sehr einseitig ist und viele sie als absolute Weisheit ansehen. MM hat nun mal leider das Image eines seriösen Dokumentarfilmers /- Autors, zumindest bei vielen Teilen der Bevölkerung, die sich nicht näher damit auseinander setzen, sondern nach dem "Guckmal was da abgeht" - Prinzip lesen & hören.
Aufgrund einer einzelnen Szene in einer Bank einen Staat als grotesk zu bezeichnen, geht mir gegen den Strich.
ZitatDie Einseitigkeit der Filme macht sie interessant. Sie konfrontieren. Man diskutiert über sie und bezieht Position. Dies ist mit Deiner "Na Und" Haltung natürlich nur bedingt möglich, weshalb Dich der Film offensichtlich ja auch nicht angesprochen hat. Positiv finde ich es dennoch, dass Du für Dich eine Erklärung suchst.
Ich habe eigentlich keine "Na Und?" Haltung - das ist eher das Gegenteil des Moorschen. Normalerweise ist es mit meinen Freunden so, dass sie auch gerne vieles Übernehmen oder darauf schimpfen. Ich nehme dann oft gerne einfach mal die extreme Gegenposition ein - auf der einen Seite, um zu einer Diskussion zu kommen, auf der anderen Seite, weil sie dann vielleicht eine Sekunde länger drüber nachdenken. Versteh' mich nicht falsch - ich bin niemandes Lehrer oder Vordenker, will ich auch nicht sein. Da ich aber Amerikaner 'richtig' kennen gelernt habe, hasse ich Verallgemeinerungen, insbesondere, wenn sie auf schlechten Reportagen beruhen.
ZitatGeschrieben von xoduz, PN:
Was mich aber richtig geärgert hat, war dieses "das zeigt die Groteskheit des ganzen Landes" von irgendjemand in dem Thread. Das stört mich einfach, weil es ein extra von MM herausgepicktes Detail ist, das genau diese Reaktion hervorrufen soll. Wer darauf jetzt so gläubig reagiert, dass er das ganze Land als grotesk bezeichnet, sollte nicht mitdiskutieren.
Damit hatte ich Dich gemeint, weil Dein Posting, auf das sich meine PN bezog, genauso einsilbig war wie mein vorheriges - da Du jetzt doch noch richtig argumentiert hast, ziehe ich diesen Vorwurf natürlich zurück.
Was mir dann noch einfiel: Man muss alles in Relation sehen. Und in Relation zu den in Amerika gültigen Waffengesetzen, kann ich an der Szene in der Bank nichts schlimmes erkennen. Woher weißt Du, ob der von Dir zitierte Bankangestellte nicht nach Feierabend Großkaliberschießen geht?
Was ich aber eigentlich meine: Das Übel sind die Waffengesetze, nicht deren Einfluss auf das taegl. Leben. Man darf nicht von der Fehlerquote eines Gesetzes sprechen, sondern muss über das Gesetz selbst nachdenken. Werden Geschwindigkeitslimits im Normalfall befolgt? Wenig. Machen sie Sinn? Oftmals. Ginge man jetzt davon aus, dass es Verfehlungen dabei gäbe, könnte man sie auch gleich abschaffen.
Will sagen: Waffen müssten an sich verboten werden, aber nicht Waffen legal bleiben und das Herausgeben von Waffen als Prämie geächtet werden.
Ich bin nicht Mr. Beinhart, und gegen Waffen in jedermanns Händen. Den größten Schock diesbezüglich habe ich erlebt, als ich vor einigen Monaten in Südafrika (ähnliche Waffengesetzgebung wie die USA, nur sehr viel laxer und allgemein gefährlicher) mit meinem Gastbruder im Wochenendurlaub im Holiday Inn nach Dienstschluss der Hotelbar einen netten Schwarzen um die 40 Jahre, der es offensichtlich zu einigem Wohlstand gebracht hatte, und dessen im Rollstuhl sitzenden besten Freund kennenlernte. Wir tranken ein paar Bier mit ihm, die wir uns hatten kommen lassen, er lud uns dann, da wir uns gut über Gott und die Welt unterhielten, in seine Suite auf ein paar Drinks ein (in Zeiten des MJ muss man anfügen: Schmutzige Gedanken absolut ausgeschlossen!). Dort saßen wir dann und kamen auch auf Kriminalität und wie uns der Wachmann des Hotels 'verboten' hatte, uns Bier kaufen zu gehen und selbst für uns gegangen war (gegen Trinkgeld natürlich). Also redeten wir so und sprachen darüber, dass er als Schwarzer ja eigentlich weniger Angst haben müsse - als er uns dann seine Pistole im Hosenbund zeigte und sein Freund im Rollstuhl seine beiden Halfter offenbarte.
Ich hab mich ehrlich erschrocken, mich über zwei Stunden mit zwei Menschen unterhalten zu haben, die scharfe Waffen in unmittelbarer Nähe hatten und auch meinen Gastbruder rund mich wahrscheinlich auf Gefährlichkeit hin taxiert hatten.
Das war das Naheste, dass ich jemals an eine (scharfe) Waffe gekommen bin und kann mir seitdem vorstellen, dass ein Wutanfall oder Angst mit Waffe in Greifnaehe anders endet als einer in Deutschland, wo (fast) niemand eine Waffe besitzt.
Kurzum: Basierend auf der amerik. Gesetzgebung und Moralwelt ist die Bankszene nicht weiter schlimm, das Übel liegt in der Wurzel.
Soo, hab ich jetzt Abstraktionsvermoegen bewiesen?;)
Kleiner Disclaimer noch: Im Zusammenhang mit der RSA ist es leider durchaus angebracht, Hautfarbe der Menschen zu erwaehnen und manche Sachen zu erwaehnen, die in D als Rassismus gelten wuerden. Die wirtschaftl. Loge dort ist noch immer so, dass "der" Weiße als reich gilt (und auch ist) und "der" Schwarze als arm - daher ergibt sich dann auch, dass man extra anfuegen muss, dass ein Schwarzer wohlhabend ist.
Viele Grueße
Oliver