Zitat
Original geschrieben von Rudi78
Nen Boom sollte vermutlich anders aussehen, auf der anderen Seite ist das mobile Internet ja auch gerade erst am erwachsen werden, und die wirklich zukunftsträchtigen Technologien kommen ja erst.
Es geht womöglich weniger um nochmal neue, noch zukunftsträchtigere Technologien, eher um ease-of-use und nahtlose Integration in unsere Kommunikations- oder allgemein Nutzungsgewohnheit. Offboard-Navigation zum Beispiel hätte das Zeug, den Daten-Traffic im Netz sprunghaft ansteigen zu lassen, wenn die Akzeptanz dieser Systeme höher wäre. Instant Messaging verursacht zwar wenig Traffic, könnte aber mehr Kunden dazu bringen, kleine und mittelgroße Datenpakete zu buchen, wenn sie über IM mehr ihrer Kontakte erreichen könnten. Schließlich: Mich nerven mittlerweile Handys und Smartphones, die ständig nachfragen zu müssen glauben, ob ich jetzt wirklich ganz ernsthaft und unbedingt eine womöglich sauteure Online-Verbindung aufbauen will - fällt das weg wie zum Beispiel beim Palm Pre, fallen aber halt immer noch viel zu viele Kunden aus allen Wolken, wenn sie ihre ersten Rechnungen sehen.
Zweite Anmerkung: Inwieweit der durchschnittliche Umsatz pro Kunde in Sachen Datennutzung ein aussagekräftiger Gradmesser ist, wäre auch zu diskutieren. Wer z.B. bei o2 ein Internetpack M oder L hat, zahlt fix und nutzt flat. Würde, hypothetisch gesprochen, jeder o2 Kunde mit einem Internetpack vor einem Jahr durchschnittlich 50 MB im Monat verbraten haben und heute durchschnittlich 500 MB, würde ich das durchaus als Boom bezeichnen. Auch wenn sich's im Umsatz nicht bemerkbar machen würde.
Abgesehen davon: 1,72 EUR im Monat durchschnittlicher Datenumsatz pro Kunde könnte man Pi mal Daumen natürlich auch interpretieren als "jeder fünfte Kunde bei o2 hat ein Internetpack M" - und bei 20% Marktdurchdringung der mobilen Datendienste wäre der Begriff "Nische" dann schon ein wenig fehl am Platz.
Interessant, wenn auch mit Vorsicht zu genießen, sind die Zahlen von AdMob zur mobilen Internetnutzung. AdMob zählt schlicht Requests auf ihre Server, die von mobilen Endgeräten über Mobilfunknetze weltweit kommen. Die absoluten Zahlen zu vergleichen über längere Zeiträume, wie AdMob das macht, hilft uns beim Klären der Frage gar nicht, ob nun ein Boom da ist oder nicht oder womöglich erst noch kommt. Dafür gibt's in dieser Request-Statistik zu viele Variablen. Und vor allem fehlen in diesem PDF die Zahlen aus Deutschland - die deutsche Mobilfunknutzer-Community hat's nämlich noch nicht mal in die Top10 der AdMob-Klicker geschafft.
Trotzdem finde ich die AdMob-Statistiken interessant. Deutlich ablesen läßt sich nämlich, wie massiv die jeweils verwendeten Endgeräte Einfluß haben auf mobile Datennutzung. In Großbritannien etwa kommen fast 40% aller AdMob-Requests allein vom iPhone, bezogen allein auf das Netz von o2 UK sogar fast 60%. In den USA bei AT&T sind es sogar über 60% aller AdMob-Requests. Im Netz von Sprint erreicht das Palm Pre einen Anteil von rund 40%, obwohl angeblich ja gar nicht so toll verkauft. Wenn man jetzt noch berücksichtigt, daß das Browsen im Web und damit das Requesten von AdMob-Werbebannern nur einen Teil des mobilen Daten-Traffics ausmacht, daß Zugriffe auf z.B. Google Maps Mobile oder ähnliche Dienste da gar nicht erfaßt sind... Spannend wäre in den nächsten Quartszahlen von o2, wie sehr sich das Palm Pre auswirkt. Umsatzmäßig sicher nicht so übermächtig, wie gesagt, viel interessanter wäre, wie sich die übertragenen Datenmengen ändern.