Kinder, dass das ein alter, gramgebeugter, mit Moos bewachsener Musikredakteur noch erleben darf! Ein Album, von dem kein einziges Fitzelchen jemals die Chance haben wird, in irgendeiner überdrehten Frühstücks- Radio-Show gespielt zu werden. Und das dennoch nicht derart verschroben ist, dass es nicht nur unter alten, gramgebeugten, moosbewachsenen Verschwörungstheoretikern kursiert. Tool ist ein Quartett aus Los Angeles, das auf ihrer vierten Platte, tja, was eigentlich macht? Sie spielen düsteren Rock, bombastisch arrangiert, hart und aggressiv die Gitarren, die mal an Pearl Jam und mal an Metallica erinnern. Oder hat jemand andere Genre-Vorschläge? Art-Rock? Progressive? Metal? Bitte sehr! Der kürzeste Song dauert etwas mehr als eine Minute, der längste ist länger als elf. Unvermutet wechseln die Rhythmen, die Stimmungen und Stimmen. Flackerndes Licht durchbricht die Düsternis. Wird's jetzt heller? Nö, es wird tiefschwarz. Immer, wenn man zu ahnen glaubt, was als Nächstes passiert, kommt das Gegenteil des Vermuteten. Musik, die überrascht - gibt es die wirklich noch? "Ach", raunen die Moosbewachsenen jetzt, "das hat es doch früher schon gegeben, bei Genesis, Yes und den anderen!" Ruhig, ihr Zauseln, das ist Lichtjahre her. Und vor Tools kreativer Härte würde Yes schreiend davonlaufen. -- Tobias Schmitz