Beiträge von qwasy

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    Original geschrieben von Sencer
    ...dürfte wohl eher darin gelegen haben, dass die Menschen gehofft haben, dass man mit der CDU sozialere Reformen bekommen könnte.
    Nachdem klar geworden ist, was "sozial" ist wie die "neue" Union es versteht, haben die Menschen verstanden, dass Schröders Reformkurs wohl doch nicht so unsozial ist.


    Nein, es ist der SPD lediglich bestens gelungen, das CDU-Programm als unsozial hinzustellen, den "Professor aus Heidelberg" als sozialen Sensemann zu profilieren, mit dem Schlagwort "neoliberal" die soziale Kälte zu verbinden. Selbst hier im Forum zeigt sich ja zuweilen, wie sehr manche sich von dieser Taktik haben ergreifen lassen. Dass dies aber keineswegs Schröderferne Postionen sind scheint diesen wohl entgangen zu sein. Allerdings war Schöder auch klug genug, im Wahlkampf sein Programm nicht weiter zu betonen, sondern beinahe ausschließlich Angst vor der sozialen Kälte zu schüren.


    Der CDU muss man vor allem zur Last legen, dass sie es nicht geschafft hat, entsprechende Konter gegen die Agitatoren zu platzieren und die Argumente zu entkräften. Die Verantwortung hierfür tragen die leitenden Wahlkämpfer, Merkel und ihr General Kauder. Und wahrscheinlich waren sie auch schlicht zu ehrlich - hätte sie Hartz4 instrumentailisert im Wahlkampf, dann wäre es sicher um einiges leichter gewesen, aber eben verlogen.

    Re: Linke Mehrheit in Deutschland!


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    Original geschrieben von dr zuzelbach
    Alle die vorlaut die Axt an die Wurzeln des Sozialstaates setzen wollten werden nun zunehmend "Kreide fressen", konkret heißt das dann auch, dass es sich (außer der FDP) niemand mehr erlauben kann, ohne jegliche Beisshemmung weitere Kürzungen (nur) für die Ärmsten vorzutragen u. voranzubringen!

    Ob die im Wahlkampf vorgetragene und von Dir nur zu gerne zitierte unbegründete Panik- und Angstmache, das Augenverschießen vor Realitäten, die vielen unhaltbaren Versprechungen, das bewusste Ignorieren von wirtschaftlichen Zusammenhängen zielführend sein und vor allem den Schwachen hierzulande helfen wird, sei mal unkommentiert in den Raum gestellt.
    Noch ist ja die Hoffnung auf Veränderungen nicht ganz begraben, wenn auch diese weitaus langsamer kommen werden als eigentlich erforderlich. Traurig ist dies für die Millionen Arbeitslosen, die darauf hoffen, dass in diesem Land wieder zahlreiche Arbeitsplätze entstehen - aber als Unternehmer weisst Du, Dr.Z., hoffentlich auch, dass dies nur dann geschieht, wenn die Zukunft berechenbar ist - und auch die dringend benötigten ausländischen Investitionen werden durch den unerwarteten Wahlausgang sicher nicht sofort in Angriff genommen. Nach einem knappen halben Jahr Stillstand wäre aber genau dies eines der Mittel, mit dem man vielen Leuten helfen kann. Linke verträumte Polemik beruhigt vielleicht das Gewissen oder die geschundene Seele, aber hilft doch keinem weiter.

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    Original geschrieben von Jochen
    Gerade im Bereich der Außenpolitik sehe ich bei CDU und Grünen die geringsten Schnittmengen. :confused:


    Sehe ich anders, die dt. Außenpolitik war eigentlich seit Beginn der Bundesrepublik immer relativ konstant, natürlich mit parteipolitischen Nuancen. Aber die Außenminister waren immer recht beliebt, sowohl im Inland als auch im Ausland.
    Alleingänge der letzten Zeit, die nicht so ganz in dieses Bild passen, gingen häufig auf Schröder zurück - wie etwa die Russland-Affinität zu Lasten der langjährigen und verlässlichen Partnerschaft mit den USA.


    Die Differenzen zwischen der Union und den Grünen mögen viele in den Wahlkampf hinein interpretieren, aber es ist keineswegs sicher, dass unter einer Bundeskanzlerin Merkel dt. Truppen im Irak stünden - das weiss auch Fischer.
    Auch im Hinblick auf den Iran sind die Positionen nicht wirklich unterschiedlich, im Gegenteil sehe ich sogar Vorteile darin, wenn es gelänge, dass Europa und die USA an einem Strang ziehen und nicht wie seinerzeit beim Irak-Konflikt sich USA und Europa streiten, was der Diktator erfreut zur Kenntnis nahm.


    Die Türkei ist natürlich ein offener Problemfall, aber letztlich ist doch tatsächlich die Frage erlaubt, was Verhandlungen bringen, wenn am Ende die sichere Zusage einer Aufnahme in die EU steht? Ist es nicht sinnvoller, mehrere Entwicklungsalternativen der Partnerschaft aufzuzeigen?

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    Original geschrieben von Jochen
    Das Schlimmste daran ist in meinen Augen, daß a) nun niemand genug Macht hat, um seine Vorstellungen durchzusetzen und es ein noch stärkerer Kompromiß werden muß, b) die Politikverdrossenheit noch mehr gestiegen ist und c) ich bei den verantwortlichen Personen der beiden großen Parteien keine Kooperationsbereitschaft erkennen kann, vor allem seitens der SPD. Jedenfalls nicht unter in dieser Demokratie üblichen Machtverhältnissen.


    Unabhängig von den momentanen Problemen der Koalitionsbildung ist aber wohl der schlimmste Rückschritt darin zu sehen, dass es innerhalb weniger Monate geschafft wurde, den von vielen erhofften und teilweise auch bestätigten Mut zu tiefgreifenden Reformen zugunsten parteipolitischer Egoismen kaputtzureden. Diesen Vorwurf müssen sich alle Parteien gefallen gelassen, manche mehr, manche weniger.


    Sicher geht's jetzt irgendwie weiter, die heutige Ausgangslange verspricht zumindest einige interessante Entwicklungen - vor Tagen hätte ein Treffen Stoibers mit Fischer noch für unmöglich gegolten.
    Aber den zwingend erorderlichen Schritt weg von reiner Konsenspolitik zu Politik, die vieles bewegen kann, rückt wieder aus dem Bereich des Machbaren.

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    Original geschrieben von Stefan
    Bleibt noch Schwarz-Gelb-Grün. Die Variante ist mir garnichtmal so unsympathisch, sicher eine "beweglichere" Koalition als Schwarz-Rot.


    Die Lösung hätte durchaus etwas - auch wenn auf beiden Seiten (grün & schwarz) schmerzliche Zugeständnisse nötig wären. Aber in diesem Fall wäre wenigstens die Führungsrolle in der Koalition eindeutig und bei den grünen Realos gibt's durchaus einige, die mit guten Argumenten erreichbar scheinen. Zumindest mit den momentanen Wortführern der Parteien scheint das wahrscheinlicher als eine große Koalition, selbst Fischer wirkte in der Elefantenrunde realistisch im Vergleich zum Ex-Kanzler.

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    Original geschrieben von Martyn
    Täusch dich da mal nicht ... Christian Wulf hätt der Union sicher der Union so 0,3 - 0,8 Prozent mehr durch Sympatiestimmen eingebracht, aber das hätte das Wahlergebnis auch nicht soviel geändert.


    Im Nachhinein kann man genauso falsch spekulieren wie vorher, aber in dem auf einzelne Personen fixierten Wahlkampf scheint weitaus mehr Potenzial mit einem Kandidaten Wulff möglich gewesen zu sein, eher wohl Faktor 10 der von Dir genannten Spanne.


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    Original geschrieben von Martyn
    Es ist einfach so, das die Wähler zwar mit Rot-Grün nicht wirklich zufrieden waren, aber viele Wähler die Union auch nicht als Kompetenter ansehen und ihr den Regierungsauftrag erteilen wollten.

    Traditionell lässt sich nicht von der Hand weisen, dass der SPD generell weniger Vertrauen in den momentan zentralen Fragen der Wirtschafts- und Arbeitsmarktkompetenz entgegengebracht wird als der Union.
    Die größten Fehler der CDU lagen meiner Meinung nach nicht in den Kandidaten, sondern eher darin, die teils schlichten Kampagnen der Gegner nicht als solche darzustellen und die einseitigen Darstellungen entsprechend zu parieren.

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    Original geschrieben von DJ Wisdom
    Was mich freut :


    In Guido's Heimatort (Bonn) ist er deutlich abgestraft worden :


    Als FDP-Außenseiter gegen Uli Kelber hat er aber auch einen denkbar schlechten Ausgangspunkt ;)

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    Original geschrieben von Laubi
    Meinst du wirklich?
    Die Union hatte ja noch den Niedersachsen-Joker aka Christian Wulff in Petto. Ein kompetenter Mann und zudem noch einer - wenn nicht DER - beliebteste deutsche Politiker.


    Ich schrieb "hatte", nicht "hätte" ein besseres Ergebnis ;) Da gibt's nicht viel zu meinen, das war tatsächlich besser :D Wulff wäre sicher auch ein guter Kandidat gewesen, aber er zog es vor, zunächst Niedersachsen wieder auf Kurs zu bringen, so wie er es den Wählern vor nicht allzu langer Zeit versprochen hat.
    Merkel mag ein Risiko gewesen sein, dennoch sprachen die Prognosen bis gestern noch eine ganz andere Sprache als heute abend. Von daher schien es nicht zwingend notwendig, den Joker zu spielen.

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    Original geschrieben von galahad13
    Tja Pech für die CDU - die hätten lieber mal einen richtigen Kanzlerkandidaten aufstellen sollen.


    Im Nachhinein natürlich leicht und gut gesagt - selbst der polarisierende Stoiber hatte ein besseres Ergebnis gebracht.
    Des Öfteren fiel ja in den vergangen Wochen die Aussage, Rot-Grün hätte den Weg erst soweit bereitet, dass eine Ostdeutsche geschiedene Frau und ein Schwuler für eine Regierungskoalition antreten können. Dies fand ich immer etwas merkwürdig - was soll man daraus entnehmen, umgemünzt auf das heutige Ergebnis? Ein Schwuler ist durchaus in Ordnung, aber wenn schon eine ostdeutsche geschiedene Frau kommt, dann soll sie gefälligst gut aussehen? Oder wäre eine hässliche westdeutsche Frau besser gewesen? Oder eine ostdeutsche Erstverheiratete? Oder ist das Land am Ende doch noch gar nicht so weit?
    Wie auch immer, der gewählte Weg war leider falsch, gereicht hat's nicht :flop:

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    Original geschrieben von autares
    Naja, auch die wundern sich über das doch etwas befremdliche Verhalten des Kanzlers in der Berliner Runde...


    Auch auf diversen Seiten im Internet gleiches Bild. Er hätte sich wirklich einen guten, um nicht zu sagen perfekten Abgang (Respekt!) geschaffen - sein äußert merkwürdiges, seltsam entrücktes Gehabe im Fernsehen spricht allerdings extrem dagegen.
    Will er etwa doch nicht die Chance nutzen, jetzt mit Anstand und sogar Teilerfolgen im Wahlkampf das politische Abstellgleis aufzusuchen?