ZitatOriginal geschrieben von FedEx
Mich würde brennend interessieren was du an Kirchhofs Modell so toll findest?
Ich nehme an, dass ich gemeint bin
Ein kurzer Satz triffts wahrscheinlich am besten: weil sich dann endlich mal etwas ändern würde.
Ich weiss nicht, wie alt Du bist, aber in der Zeit, in der ich die Politik verfolge, hat jede Regierung (natürlich auch unter Kohl) deutliche Änderungen und Erleichterungen bei der Steuergesetzgebung versprochen - passiert ist das Gegenteil, immer sind neue Paragrafen hinzugekommen, das Bild der Hydra trifft es tatsächlich ganz gut.
Neben den unbewussten Löchern führt dies unweigerlich zu Ungerechtigkeiten: Wie ich weiter oben bereits geschrieben habe, ist das momentane System so komplex, dass viele der unteren Einkommensschichten, die nunmal häufig eher Probleme mit komplizierten Texten und Formularen haben, auf eine Einkommenssteuererklärung verzichten. Ich habe keine aktuellen Statistiken zur Hand, jedoch liegt der Betrag, den Steuerzahler so verschenken, jährlich deutlich im Milliarden-Euro-Bereich.
Zum Thema Steuergerechtigkeit: Hohe Grenzsteuersätze sind leistungsfeindlich, ich denke soviel ist unbestritten (Zuzelbach mag dies eher als Vorteil sehen, aber im Bereich Wirtschaft hat er - wie auch in der Geographie - schon mehrfach unterstrichen, dass dies nicht sein Metier ist). Fraglich ist vielmehr, wo "hoch" anfängt, ob das bei 30%, 40%, 50% oder gar noch weiter darüber liegt. Die natürliche gefühlte Steuergerechtigkeit liegt bei der Zielgruppe der Betroffenen zwischen 30 und 45%. Außer acht lassen sollte man dies nicht, schließlich lohnt es sich bei empfundener Steuer-Ungerechtigeit, eher nach "Schlupflöchern" oder Wegen zu suchen, wie man die Steuern vermeiden kann, anstatt weiter Steuern zu zahlen (vgl. zu der Thematik auch die Laffer-Kurve). Am unteren Ende der Steuerzahler sehe ich im Kirchhof-Modell mit hohen Freibeträgen keine Nachteile, insbesondere wenn Kinder vorhanden sind. Gift für das Steuerklima und manche Leute sind natürlich Aussagen, wie "die Krankenschwester zahlt unter Kirchhof genauso viel Steuern wie der Top-Manager". Mit solchen Unwahrheiten kann man auch das Klima versauen.
Ob der Satz nun 25%, 27% oder 30% sein soll, der in einem Kirchhhof-Modell angestrebt wird, ist letztlich nachrangig, wichtig wäre vor allem, endlich mal mutig an die Steuergesetze zu gehen und kräftig auszumisten.
Wer ein bisschen mit der Materie vertraut ist (und sei es in Form einführender Vorlesungen zu Steuerlehre und Steuerrecht), kann wahrlich nicht behaupten, alles sei in bester Ordnung, und die Steuerpolitik sei lediglich "vermeintlich schamlos entufert".