Hi,
puuuuhh... langer Thread und ich überlege ob ich meinen qualifizierten* Senf dazu geben soll. Ich komme aber zu dem Schluss, dass das kein einfaches Thema für einen Thread in einem Telefon-Forum ist, wo einfach eine Unmenge an nötigem technischen Wissen fehlt, dass man sich auch nicht mal kurz über Webseiten zum Thema anlesen kann**. Sowohl die Solarkritik-Seite als auch so gut wie jede Pro-Seite zum Thema die mir bisher vor die Flinte gekommen ist beleuchten die Dinge meist einseitig und in grossen Teilen schlichtweg FALSCH!
Wenn ich nun also ausführlich, differenziert und umfassend antworten wollen würde, müsste ich mehrere hundert DIN A4 Seiten schreiben und selbst dann hätte ich nur einen Teil des grossen Ganzen abgedeckt. Da die Opportunitätskosten der Zeit meinerseits aber selbst um Mitternacht noch extrem hoch sind, möchte ich es bei einigen kleinen Denkanstößen belassen und antworte später gerne auf konkrete Fragen, jedoch immer unter der Voraussetzung, dass ich nicht das Rad (in diesem Fall die technischen Zusammenhänge) neu erfinden möchte und im Zweifelsfall halt einfach sagen muss: Ist halt so! Glaub' es oder nicht!
Darum nur in aller Kürze:
Erst einmal zu den Ausgangsfrage(n):
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Wenn ich das richtig sehe, gibt es Solarplatten sowohl für die Erzeugung von Warmwasser als auch für die Stromerzeugung (Photovoltaik).
Siehst du richtig.
Zitat
Was von beiden ist denn prinzipiell sinnvoller?
Prinzipiell kann man das nicht beantworten.
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Lohnt sich Solar auch wenn man kein Süddach (sondern nur Dächer auf der Ost-/Westseite hat)?
"Lohnen" ist ein ziemlich allgemeiner Begriff. "Solar" ist ein noch allgemeinerer Begriff ;).
Zitat
Stimmt es, dass zur Herstellung von Solarplatten mehr Energie benötigt wird als letztendlich durch diese gewonnen wird?
Dazu wurde schon etwas gesagt aber von mir auch nochmal kurz die Bestätigung: Allgemein kann man sagen: Nein, das stimmt nicht! Spezieller kann man sagen: Es hängt mit der Einstrahlung und dem Modulwirkungsgrad zusammen. Die Energie-Payback-Zeiten von kristallinem Silizium heutzutage liegt bei max. 10 Jahren (800kWh/qm pro Jahr Einstrahlung und n=10%) und bei rund 2.2 Jahren im Bestfall (2000kWh/qm pro Jahr und n=18%). In der Zukunft wird die Paybackzeit bei kristallinem Silizium im schlechtesten Falle auf unter 6 Jahre sinken im besten auf ca. 1.8 Jahre. Direkte Halbleiter also Dünnschichtsolarzellen (CIS) haben heute Paybackzeiten von 5.8 Jahren im worst-case (s.o.) und 1.5 Jahren im best-case. In der Zukunft werden diese Werte auf 2 Jahre und 0.8 Jahre absinken.
Zitat
Rechnet sich Solartechnik ohne staatliche Förderung?
Beim aktuellen Stand der Technik und den aktuellen Bezugspreisen rechnet sich eine PV-Anlage auf'm Dach (das meinst du, denke ich mal) ohne staatliche Förderung rein finanziell nicht!!! Wer natürlich als Idealist sagt, dass ihm sein Beitrag zu einer saubereren Umwelt X,- EUR wert ist, der kann bei grossem X sicherlich sagen: Das "rechnet" sich für mich, auch ohne staatliche Förderung.
Okay. Soviel zu den Ausgangsfragen. Dann tauchten noch ein paar Fragen im Text auf.
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Nehmen wir mal eine vierköpfige Familie in einem Einfamilienhaus hierzulande. Ist es in den schattigen Monaten Oktober - März wirklich möglich den kompletten Energiebedarf durch Solartechnik zu decken?
Ich beziehe mich jetzt auf PV-Anlagen: Ob du deinen Energiebedarf deckst oder nicht, spielt gar keine Rolle. Du haust dir die Anlage auf's Dach und speist dann die davon erzeugte Energie in das öffentliche Energieversorgungsnetz ein und erhälst dafür einen subventionierten Betrag pro kWh (atm noch ca. 50 Cent, jedoch sinkt die Vergütung in den nächsten Jahren). Kombiniert mit deiner nächsten Frage:
Zitat
Verzichten Besitzer von Solartechnik gänzlich auf herkömmlichen Strom oder ist die Solartechnik nur als Ergänzung gedacht?
...und meiner Antwort: "Weder noch", ergibt sich dann, dass Leute mit PV-Anlage auf dem Dach nicht im dunkeln sitzen müssen und das Eisfach auftaut, wenn der Himmel einmal gerade wolkenbehangen ist ;). Du beziehst deinen "Strom" (so es der Volksmund denn nennt) weiterhin vom Energieversorger deiner Wahl. Deine Einspeisung hat also erst einmal nichts mit deinem Verbrauch zu tun. Es ist also im Besonderen auch nicht so, dass du zuerst deinen "grünen" Strom nutzt und nur in Engpässen auf die öffentliche Versorgung zurückgreifst.
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Dann zum Hauptteil, indem ich ganz kurz auf die Solarkritik-Sache eingehen möchte, aber wirklich nur kurz:
Rainer, ich kann mich partiell in deinen Frust hineinversetzen und auch ohne tiefgehendes Studium deiner Webseite erahne ich, dass du mit deiner Solaranlage (wenn auch keine PV-Anlage?!) wohl einfach auf die Fresse gefallen bist, wie man so schön sagt. Welche Gründe da jetzt hinterstecken und wie dein Fall gelaufen ist, wer Schuld hat, usw interessiert mich gar nicht, da es sich in deinem Fall anscheinend nicht um eine PV-Anlage gehandelt hat sondern um eine thermische Solaranlage und das ein Fachgebiet ist, von dem ich wenig spezifisches Wissen habe.
Allerdings muss ich bei einigen Dingen die du nun in deinem (blinden?) Hass auch über PV-Anlagen sagst widersprechen.
Deine Solarkritik 14, befasst sich ja anscheinend mit der PV Stromerzeugung:
Zitat
"Wo ist SOLAR ??"
Auf keiner Energiestatistik taucht die Solartechnik als
relevanter und zukunftsweisender Energieträger auf !!
Nach 8 Jahren vehementer Förderungspolitik mit Hilfe
des EEG werden lediglich 0,2 % (!) des deutschen Strombedarfs durch
Photovoltaik gedeckt !!
Kein GRÜNER redet darüber, was diese "0,2 %" den deutschen Bürgern
gekostet haben !!
Einen interessanten und bestätigenden Presseartikel vom 24.11.2006 über die Effizienz der Photovoltaik an der weltweiten Stromproduktion finden man hier
Alles anzeigen
Also sollte ich diese Aussagen unter dem Gesichtspunkt wissenschaftlichen Arbeitens beurteilen würde ich sagen: Setzen, sechs!
Auf keiner Energiestatistik [...] zukunftsweisender [...] : Du präsentierst 3 (i.W. drei) Statistiken, die sich allesamt auf die Vergangenheit beziehen (bez. Ist-Werte darstellen) und redest davon, dass KEINE Energiestatistik die Solartechnik als zukunftsweisend ausweist? Eigentlich sollte ich hier schon jegliche Diskussion einstellen, weil das ein Niveau ist, was ich sonst eher von der Bild-Zeitung erwarten würde, aber da dir glaube ich ernsthaft etwas an der Sache liegt und ich auch irgendwo glaube, dass du dem Thema nicht grundsätzlich kritisch gegenüber stehst versuche ich es dennoch.
Ich hole zum besseren Verständnis etwas weiter aus, versuche mich aber so knapp wie möglich zu halten, darum entschuldigt wenn es ab und zu etwas holprig formuliert klingen mag.
Die Energieversorgung weltweit steht momentan und in den nächsten Dekaden vor einer grundlegenden Neustrukturierung. Hiess es vor ca. 40 Jahren noch, dass in 40 Jahren alle Reserven und Ressourcen an fossilen Brennstoffen erschöpft seien, sehen wir heute, dass diese Aussagen die Lage überschatzt haben (auch wenn der Peak-Point schon überschritten wurde geht man atm davon aus, dass wir wohl noch einmal 40 Jahre haben (nur auf's Erdöl bezogen)). Allerdings haben sich die Probleme die prognostiziert wurden nicht wirklich gelöst, da wir wenn wir die verbleibenden Reserven und Ressourcen nach dem heutigen Stand der Technik verbrennen würden gar nicht mehr in den Genuß kämen das rein materielle Ende des Fossilen-Zeitalters mitzuerleben, da wir vorher durch die direkten und indirekten Folgen der globalen Erwärmung gestorben wären. Machen wir so weiter wie bisher, wird die globale Erwärmung in all ihren Facetten noch bevor der letzte Tropfen Öl verbrannt ist Todesursache Nummer 1 weltweit sein. Die Tatsache, dass dann in 25 Jahren kein Schnee mehr in den Alpen liegt und weitere tausende Tierarten vom Erdboden verschwunden sind klingt im Vergleich dazu gerade lächerlich :).
Da aufgrund der Annahme, dass China, Indien und andere Schwellenländer auch etwas vom westlichen Wohlstand erfahren möchten und demnach ihr Primärenergiebedarf (der ja bekanntlich stark korreliert zum BIP) in den nächsten Jahren in's Unermessliche steigen wird davon auszugehen ist, dass der weltweite Energiebedarf eher steigt, als sinkt wird die Frage, WIE man den Energiehunger der Welt decken kann und gleichzeitig verhindert, dass es zum Super-Gau kommt noch ein wenig in ihrer Beantwortung erschwert.
Um wieder etwas näher an's eigentliche Thema zu kommen: Was ich damit sagen will ist, dass der Energiemix sowohl in Deutschland als auch weltweit, wie man ihn derzeit(!) vorfindet keinen Bestand haben wird. Plump formuliert: Machen wir so weiter wie bisher (Deutschland z.B. Braunkohle 25%, Kernenergie 25%, Steinkohle 25%, Gas 10%, Rest regenerative Quellen), sind wir tot, bevor uns die Brennstoffe ausgehen!
Da kommen dann die regenerativen Quellen in's Spiel. Und vor allem kommt da der Begriff "zukunftsweisend" in's Spiel. Es gibt massenweise Energiepfade für die Zeit bis 2050 oder auch 2100 und von keinem einzigen ist mir bekannt, dass der Solarstrom (PV und solarthermische Kraftwerke) weltweit in 2100 bedeutend weniger als 60% einnimmt? Gegenteiliges bitte belegen! 2050 reden wir immerhin schon von 20% weltweit. In Deutschland kann man 2050 von 5% ausgehen. Allerdings stehen und fallen die Energiemixszenarien ja mit der Politik die verfolgt wird. Ich persönlich denke, dass im Moment auch die Politiker aufwachen und sehen dass es 23:55h ist. Für die regenerativen Energien und damit auch die PV kann das nur gutes bedeuten ;). Nun kurz meine Frage: Was ist an Solarstrom (in diesem Falle eher solartherm. Kraftwerke, also Parabolrinnen, Solartürme, Dish-Sterling und Aufwindkraftwerke) nun also nicht zukunftsweisend?
Eine andere Sache: Mit über 2 Mrd. Menschen leben heute und in den nächsten zwei Dekaden ca. 1/3 aller Menschen weltweit ohne Netzanschluss. Dazu kommen 300.000 Haushalte europaweit ohne Netzanschluss (Inseln, Alpenraum,...) Im Rahmen einer netzfernen Stromversorgung gibt es kaum Alternativen zur Photovoltaik. Die Möglichkeiten u.a. für deutsche Unternehmen in diesem Bereich ihr Know-How (dass sie u.a. durch die PV Anlage auf Fritz Müller's Dach gesammelt haben) einzubringen spielen sich in monetären Größen in unvorstellbaren Regionen ab. Alleine der Ersatz von "nur" 100 Mio Petroleumlampen durch PV-versorge Beleuchtungssysteme erzeugt Umsätze von rund 3 Mrd Eur. Ich muss wohl nicht hochrechnen, wieviel Geld da gesamt drinsteckt. Erneut die Frage: Was ist an Solarstrom (hier jetzt ganz klar PV Anlagen) nun also nicht zukunftsweisend?
Dann zu deiner Solarkritik 8
Zitat
"Solarthermische Kraftwerke in Deutschland nicht geeignet"
Der deutsche Bundestag ist seit Jahren (1998-2002)
darüber informiert, dass thermische Kraftwerke in Deutschland
nicht geeignet sind.
Trotzdem sollen die Bürger in Deutschland auf ihre Dächer
Solarkollektoren installieren, die mit Zuschüssen aus Steuergeldern
gefördert werden.
Alles anzeigen
Erst einmal die Fakten auf den Tisch: Die Grafik in deiner PDF zeigt eine Weltkarte mit geeigneten und ungeeigneten Standorten für solarthermische Kraftwerke. Das hat im Prinzip erst einmal nichts mit PV Anlagen und erst Recht nichts mit thermischen Solaranlagen zu tun. Ich habe das Original-PDF aus dem die Karte stammt gelesen und konnte nichts über den Hintergrund der Karte herausfinden. Ich gehe davon aus, dass zum einen die mittlere jährliche Einstrahlung eine Rolle spielt, aber auch weitere geographische Gegebenheiten, die speziell für solarthermische Kraftwerke wichtig sind. Was die Einstrahlung angeht, auf die du wutschnaufend Bezug nimmst wenn du schreibst "obwohl der Bundestag darüber Kenntnis hat, dass solarthermische Anlagen in Deutschland von der Sonneneinstrahlung und Sonnenschein-Intensität her nichgeeignet sind." kann ich dich beruhigen. Schau dir die Karte einmal an: Siehst du Kanada? Kanada liegt auf einer reinen Einstrahlungskarte genauso bei 1100kWh/qm*a wie Deutschland. Siehst du Spanien? Spanien bietet auch nur 1400kWh/qm*a. Zu guter Letzt: Selbst in der Sahara, wo die grössten Werte vorherrschen, reden wir nur von doppelt soviel Einstrahlung wie in Deutschland, nämlich 2200kWh/qm*a. Was die Widerlegung deiner Aussage angeht würde ich sagen: q.e.d. :). Aber wie ich ja schon erwähnte, hat die Tatsache, dass solarthermische Kraftwerke besser in der Sahara als in Castrop-Rauxel stehen nichts damit zu tun, was unsereins sich an PV Anlagen oder thermischen Solaranlagen auf sein Dach bastelt...
Okay, soviel nur in aller Kürze zu deinen Aussagen bez. PV Anlagen. Deine Äusserungen hier im Thread lasse ich jetzt mal aussen vor, weil ich langsam müde werde, aber auch da zeigt sich in meinen Augen nur, dass du zwar interessiert, aber ohne Fachwissen an die Sache rangehst.
Also, das ist nicht böse gemeint und ich meine auch zwischen den Zeilen rauszulesen, dass du erneuerbaren Energien nicht kritisch gegenüber stehst. Ich glaube es ist einfach dein persönliches Schicksal und auch der finanzielle Verlust, der dich ein wenig "blind" werden lässt. Bitte behalte immer das grosse Ganze im Auge. Es hat schon Sinn, wenn die Regierung PV Anlagen fördert. Im Normalfall (!) kommt ein Investor da mit Gewinn raus und das Know-How, dass deutsche Firmen sich dabei aneignen kann noch Gold wert sein in den nächsten Jahren! Darüber hinaus macht eine weitere Forschung (auch meinerseits) nur Sinn, wenn von Anfang an auch praktische Ergebnisse zu sehen sind und etwas "verkauft" wird. Darum ist es gut und richtig, dass PV Anlagen subventioniert werden. Die Lernkurve zeigt, dass die Herstellungskosten drastisch sinken werden und auch die Wirkungsgrade (dazu gerne seperat mehr Infos) werden in Zukunft auch im kommerziellen Bereich die 30% als Ziel haben...
gruss
* - Ich studiere Wirtschaftsingenieurwesen Elektrische Energietechnik mit der Vertiefungsrichtung Umweltmanagement an Deutschlands Eliteuni der Herzen ;), der RWTH. Regenerative Energien und die Photovoltaik im Speziellen sind mein Steckenpferd, was aber bitte keinen Schluss auf meine Meinung zu einer Vorteilhaftigkeit dieser Quellen und/oder der Politik bez. dieser Quellen zulässt! Die reine Tatsache, dass ich mich mit dem Thema auseinandersetze hat mit allgemeinem Interesse und nicht mit Ideologie oder ähnlichem zu tun.
** - Ich studiere seit nun 7 Semestern und würde mein themenspezifisches Wissen trotzdem noch als bei weitem nicht allumfassend einschätzen. Wie soll da jemand der aus einer ganz anderen Branche stammt über ein Selbststudium von wenigen Stunden, Tagen, Wochen oder Monaten von sich behaupten können, dass er durchblickt? Eben. Gar nicht! Mehr als nachplappern, vereinfachen und oder verdrehen ist da nicht drin!