Beiträge von saintsimon

    Zitat

    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    ...
    Anders als in den USA herrscht hier aber die Kultur, sich auch bei unterschiedlichen Mehrheiten zu einem Konsens verpflichtet zu sehen, wenn existenzielle Probleme die staatliche Handlungsfähigkeit bedrohen. Dieser Gedanke scheint auf der anderen Seite des Teichs Niemandem zu Kopf zu steigen ... die Definition des Menschen als "vernunftbegabtes Wesen" sollte in Anbetracht außereuropäischer Verhältnisse dringend überdacht werden. :rolleyes:


    Ich frage mich allen Ernstes, wie abartig die Gedankenstruktur der in den USA Handelnden sein muss, um ein Ergebnis wie das Gegenwärtige herbeizuführen. ...


    Du siehst das zu ahistorisch und ohne die lokalen ideologischen Hintergründe. Die Konsensfähigkeit hat es dort früher gegeben, ist aber durch die um sich greifende Radikalisierung auf der politischen Rechten und bei deren Einpeitschern im Rundfunk und Fernsehen z.Z. verschüttet - Kompromiss gilt denen inzwischen als Verrat an der Ideologie, und in der Post-Reagan-Äre halten die Republikaner die Demokraten grundsätzlich nicht mehr für legitime Amtsinhaber, erst recht nicht wenn sie Schwarz sind. Obama ist Freiwild und Hassobjekt für die. Schon Clinton wurde einer Treibjagd unterzogen, aber seine Geburtsurkunde wurde noch nicht per se als ungültig angesehen.


    Desweiteren scheint Dir - wie vielen Europäern - der Name Ayn Rand nichts zu sagen (auf sie verweist mein Link weiter oben). Deren krude, kompromisslose Ideologie ("Objektivismus") ist dort einflussreich auf der politischen Bühne. Sie erklärte den Staat als die Ursache vielen Übels und zum Feind des individuellen Erfolgsstrebens. Der (Sozial-)Staat gehöre abgeschafft, weil er die Menschen bequem und sozial abhängig mache, der Staat könne grundsätzlich nicht richtig machen, jeder soll sich selbst der nächste sein und von niemandem Hilfe erwarten wollen. Der ungezügelte Individualismus und Kapitalismus hingegen sei das einzig wahre.


    Libertarier und Tea Party ist Ayn Rand berufen sich auf diesen Quatsch. Das ist eines der Gründe, warum der Bundesstaat geschwächt werden soll. Er stehe im Wege und rede überall rein, wo doch die freie Wirtschaft immer alles besser kann, und nur sie.


    Das ist die Ideologie, oder besser politische Religion, und die Teaheads fühlen sich im Recht. Die USA haben ein Taliban-Problem zuhause.

    Zitat

    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    Wer krank und nicht versicherbar ist, kann sich in den USA doch problemlos erschießen....


    Edit:
    Für Rentner (Medicare), Bedürftige (Medicaid) und Veteranen (VA) gibt es durchaus eine soziale Krankenversicherung, nur alle anderen hatten eben bisher das Problem, mit Vorerkrankungen eine Bezahlbare Versicherung zu finden.


    Der Witz an der Sache ist ja, daß selbst die ideologische Übermutter des amerikanischen Sozialdarwinismus und radikalen Individualismus, sowie Bezugsperson der Teabags und Libertarier selbst die von ihr so verhasste Sozialversicherung in Anspruch nahm, als sie Krank wurde.
    http://www.huffingtonpost.com/…he-vip-dipe_b_792184.html

    Zitat

    Original geschrieben von Felsen2000
    Ihr Wissen über das Gesundheitssystem der USA ist ausgesprochen dünn. Aber ich stimme Ihnen zu, dass Sie sich dort nicht wohl fühlen würden.


    Gehts auch Konkret, oder reicht es nicht mehr, als zu platten Unterstellungen? Wo ich mich wohlfühle, geht Dich übrigens nichts an.

    Zitat

    Original geschrieben von Felsen2000
    Genau hier habe ich aufgehört zu lesen. ...
    Erkenntnisgewinn dabei ist aber Null.


    Du liest es nicht, willst aber wissen und beurteilen was ich schrieben habe? Das ist ausgesprochen dumm von Dir, passt aber zu Deinesgleichen. (Das Siezen steht Dir nicht zu.)

    Zitat

    Original geschrieben von pithein
    ...
    Die Republikaner, und nicht nur die Tea Party, haben die Gesundheitsreform wegen zu hohen Kosten abgelehnt.
    Außer "Obamacare" würden die Republikaner dem Budget zustimmen.
    Wenns auch Erpressung ist, aber für einen möglichen Staatsbankrott hat nun Obama den Schwarzen Peter.


    Quatsch. Wenn es "Romneycare" wäre, würden sie sich damit brüsten. Romney konnte letztes Jahr nicht erklären, warum das seinem eigenen, etablierten Gesundheitspaket in Massachusetts nachempfundene Obamacare plötzlich ganz was schlechtes sei. Er musste irgendwie dagegensein, damit er den Teabags akzeptabel erschien.


    Und es ist nicht nur Erpressung sondern purer Schwachsinn, aus einem angeblich möglichen Nachteil für die Wirtschaft heraus diese dann gleich unmittelbar schwer zu Schädigen. Drohung mit Selbstmord aus Angst vor dem Tode.


    :rolleyes:



    Und nochwas: viele, die den ACA nicht gut finden, wünschten sich ein viel weitergehendes Modell (Single Payer), statt deren Abschaffung.


    Auch gehört es zu den humanen Selbstverständlichkeiten einer modernen Gesellschaft ausserhalb der USA, daß chronisch Kranke und Menschen mit Vorerkrankungen auch Krankenversichert sind. Die Kanadier z.B. lachen sich einen ab über das masslos überteuerte, ineffiziente und selektive Medizinsystem der USA. "Let them die!" ist ihnen zu barbarisch.


    Auch ich wäre in den USA nicht versicherbar, folglich ist es kein Land wohin ich ziehen würde.

    Zitat

    Original geschrieben von autares
    Eben. Manche Abgeordnete. Im Bundestag gibt es auch "manche" Abgeordnete, die mit einen in welcher Form auch immer gearteten Radikalismus auftreten. Und ich gebe dir ein ähnliches, aktuelles Beispiel, wie Meinungen sich ändern, wenn es zum showdown kommt: Die PDL in Italien.


    Was in den USA geschehen wird ist z.Z. unvorhersagbar. Und ich wüsste im Moment niemanden im Bundestag, der verbrannte Erde riskieren würde, um seinen Willen durchzusetzen. Unsere "Radikalen" sind im vergleich zu den Teaheads geradezu artig. Auch fehlen die Propaganda-Sender als Einpeitscher, die ein eigenes Paralleluniversum herbeilügen, wie Murdoch's Fox News.

    Zitat

    Original geschrieben von autares
    a) du sprichst nicht von den Abgeordneten der Party, sondern von den radikalsten Anhängern.
    b) die Abgeordneten sind sich mehr als bewusst, was sie anrichten können und wissen genau, was das auch für sie persönlich für Folgen haben könnte. Die sind nicht dumm.


    Du dramatisierst etwas zu sehr in meinen Augen...


    Edit:
    Dein Herr Norquist ist übrigens das perfekte Beispiel. Anhänger, aber nicht Abgeordneter.


    Herr Norquist ist derjenige, der die Abgeordneten mithilfe der Wahlkampfgeldzuteilung und der Propagandamaschine in der Hand hat. Er hat den republikanischen Abgeordneten in der letzten Legislaturperiode die Verpflichtung abgenommen, niemals Steuererhöhungen zuzustimmen. Er ist nicht gewählt, aber mächtiger als die Gewählten!


    Zu a): die radikalsten Anhänger der Party sind u.a. im Senat (z.B. Cruz) u. Repräsentantenhaus vertreten. Sie erpressen auch die eigenen Moderaten mit der Drohung von der Tea Party, in den nächsten Primaries für 2014 radikalere Gegenkandidaten zu unterstützen. Ausserdem mit der Hastert-Rule, keine republikanischen Eingaben zu machen, welche nicht von deren internen Mehrheit unterstützt werden.


    Zu b): schön wärs. Und manche Abgeordneten wollen es ganz deutlich darauf ankommen lassen Mit Vernunft darfst Du hier nicht rechnen.


    "... As a debate inside the party raged over whether it was politically wise to demand delay or defunding of the act, many Republicans argued that they should fight as hard as they could because that is what their constituents were expecting. “This is exactly what the public wants,” Representative Michele Bachmann of Minnesota said.
    ...
    Representative John Culberson of Texas said that as he and his colleagues were clamoring for a vote, he shouted out his own encouragement. “I said, like 9/11, ‘Let’s roll!' ” That the Senate would almost certainly reject the health care delay, he added, was not a concern. “Ulysses S. Grant used to say, ‘Boys, quit worrying about what Bobby Lee is doing. I want to know what we are doing.’ And that’s what the House is doing today, thank God.” ..."
    http://www.nytimes.com/2013/09…html?pagewanted=2&_r=0&hp




    Die Frage ist eben: lassen sich die Vernünftigen weiter erpressen, oder nicht. Die Fanatiker jedenfalls werden sich nicht umstimmen lassen.