Strelkow zu Syrien vom 23.9.2015
http://slavyangrad.de/2015/09/…kow-am-23-september-2015/
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In einen Krieg ohne Chance auf Sieg einzutreten,- und in Syrien gibt es keine Chance auf einen Sieg mehr, wie es sie vor 2-3 Jahren gab, aber jetzt gibt es sie nicht mehr,- das ist immer eine Idiotie. Tatsächlich geht es darum, dass Russland in einen langwierigen und aussichtslosen Krieg eintritt, der immer mehr Truppen und Ressourcen nur für die Erhaltung des Status quo fordern wird. Etwa so, wie es in Afghanistan war. Und mit den selben Folgen für die Wirtschaft.
Eine direkte militärische Intervention Russlands im Krieg in Syrien ist wahnsinnig und sogar rücksichtslos angesichts des unbeendeten und mit stark verräterischem Beigeschmack “eingefrorenen” Krieges im Donbass. Wahnsinnig, weil diesen Krieg zu gewinnen angesichts der bestehenden Realitäten objektiv unmöglich ist. Das heißt, theoretisch ist ein Sieg in Form völliger Friedenserzwingung durch massiven Einsatz aller Arten von Landstreitkräften erreichbar. Aber dies erfordert,
A) dass in Syrien in einer Kampfstärke von nicht weniger als ca. 100.000 Militärangehörigen eine Gruppierung der Streitkräfte konzentriert wird. Syrien ist nicht Tschetschenien. Weder vom territorialen Umfang her, noch von der Bevölkerung oder der Menge der Streitkräfte und der Qualität der gegnerischen Streitkräfte her.
B) konsequent Krieg zu führen ist. Was heißt, dass Städte und Ortschaften zu stürmen und einzunehmen und zu halten sind. Dies in einer umfassenden alle Waffengattungen kombinierenden militärischen Offensive und mit einem dementsprechenden Verlust an Truppenangehörigen und Kampftechnik, Munition, Verbrauchsgütern, usw.
C) Zur Beseitigung der Basis für die Weiterführung der religiösen Aufstandsbewegung im bereits eroberten Gebiet ist eine voll funktionierender Militär- und Polizeiapparat vor Ort und eine Massenaussiedlung des illoyalen Bevölkerungsteils von potentiell weniger als 60% der Gesamtbevölkerung an sunnitisch ländlicher und weitgehend Stadtbevölkerung zu organisieren, ein Netzes von Gefangenenlagern, Siedlungen, Versorgungspunkten usw. einzurichten sowie die Versorgung mit Lebensmittels, die medizinische Betreuung und weitere Leistungen für Millionen befreite Menschen zu gewährleisten.
Weder das erste noch das zweite oder dritte Element sind unter den derzeitigen Bedingungen für Russland machbar.
Punkt A) – Bodentruppen von 100.000 Mann an Kampfstärke 1000 Kilometer von unseren Grenzen entfernt können wir
1. nicht ausserhalb eines Rahmens einer allgemeinen Mobilmachung mit auch Maßnahmen in der Wirtschaft leisten;
2. ist die Hälfte aller “tabellarisch” verfügbaren Streitkräfte dadurch gebunden, von denen faktisch nur 3/4 kampffähig sind, worüber wir jetzt allgemein verfügen. Demzufolge gäbe es keine Reserve für den Fall des Entstehens neuer Fronten und würde einfach unsere äußere Sicherheit nicht mehr gewährleistet sein.
Punkt B) – Niemand wird uns die Führung eines solchen Kriegs erlauben. Abgesehen davon übersteigen rasch die Verluste aus so einem Krieg jene des einstigen Afghanistankriegs, welchen nicht die Russische Föderation ausfocht, sondern die militärisch, wirtschaftlich und industriell mächtige UdSSR.
Punkt C) – Dieselbe “internationale Gemeinschaft” würde den “Völkermord an der Zivilbevölkerung” nicht hinnehmen. Dementsprechend wird die Zerschlagung der sich selbst regenerierenden Partisaneneinheiten in einer angemessenen Zeit unmöglich werden. Eine Herstellung einer Balance für 15 Millionen Menschen in einem verwüsteten Land vor Ort ist keine Aufgabe für unsere “effektiven” Manager, die ihre Ablehnung zur Wiedervereinigung des Donbass mit Russland öffentlich damit rechtfertigten, dass dann “noch 4,5 Mio. weitere unnütze Esser durchzufüttern seien”.
Ganz zu schweigen davon, dass den “Anti-Terror-Bemühungen” Russlands Beifall gezollt werden würde. Die USA und der Westen würden diesbezüglich mit der anderen Hand die gleichen islamistischen Gruppen mit Waffen und allem Erforderlichen versorgen.
Assads Armee zog sich in den letzten Monaten weitgehend zurück und gab ein Objekt nach dem anderen auf. In den Händen des Feindes sind die Vororte der Hauptstadt. Der Krieg hat bereits Latakia und damit die “allerheiligsten” Siedlungsgebiete der Alawiten erreicht.
Für die militärische Intervention der Russischen Föderation in den syrischen Bürgerkrieg gibt es keine klaren Ziele. Die militärische Intervention würde die Agonie für das syrische Regime verlängern. Ein Sieg als solcher ist jetzt unmöglich. Vor 2-3 Jahren hätte die massive russische Hilfe die Waage zugunsten Assads kippen lassen können. Aber damals dachte niemand an einen massiven Einsatz, wenn auch an Hilfe nicht wenig gewährt wurde bei Munition, Ersatzteilen und sogar Beratern. Nun steht die Uhr bei 5 vor 12. Und plötzlich ist man aufgewacht. So plötzlich, dass begonnen worden ist, aus dem Donbass russische Söldner abzuziehen und nach Syrien zu entsenden.
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Jetzt schlittern wir auch noch ganz vorhersehbar in einen völlig unnötigen und verlorenen Krieg hinein. Sich selbst mit dem eigenen russischen Donbass verteidigen muss nicht sein, denn man hat ihn schon im Großen verkauft. Jetzt werden Landsknechte nach Syrien gefordert. Und die Angehörigen der Volksmiliz bieten sich an, dorthin zu fahren und dort zu sterben."