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Original geschrieben von phonefux
Das Problem ist nicht der Haircut, sondern die vorherige einseitige Kumulierung des Risikos auf Griechenland durch die zypriotischen Banken. Aber klar, die Troika ist an allem schuld.
Nein, letzteres habe ich nicht gesagt. Sie hat allerdings das falsche Instrument zur Hand genommen. Die Kollateralschäden sind erheblich.
Es ist ein Unterschied, dein Gläubiger plötzlich nachts bei dir Zuhause einbricht und einen Teil deiner Sachen mitgehen läßt, während du nur ohmächtig zuschauen kannst, oder ob du ihm tagsüber entgegentrittst und eventuell gemeinsam eine Teilzahlung oder Verpfändung oder was auch immer vereinbart wird.
Den Bürgern Zyperns muß es vorgekommen sein, wie ersteres.
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Original geschrieben von phonefux
Prima, dann denken wir jetzt alle nochmal nach und drucken einfach das Geld für die Zypern-Rettung. Hauptsache im betroffenen Land selber kann alles so weiterlaufen wie bisher.
Ich glaube nicht, daß die Zyprioten nicht wüssten, daß sich was ändern muß.
Ausserdem sind die zypr. Banken durch den Haircut in Griechenland übel erwischt worden.
Das Problem bei dem Deal sind die Mittel zum Zweck gewesen.
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Original geschrieben von phonefux
Wohl vor allem Kapital, das vor der Steuer geflohen ist, und weniger vor der Rechtsunsicherheit: Quelle: Handelsblatt
Danke, den Text kannte ich schon. Das Eine schließt das Andere nicht aus. Die reichen Chinesen machen es genauso. Ein Konto auf den Caymans gehört dort einfach dazu.
Steuern sind das Eine, aber fehlende Rechtssicherheit ist eben auch ein wichtiger Grund, Familienvermögen in vermeintlich sichere Häfen zu verlagern.
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Original geschrieben von happiestalive
abgelehnt
Das war auch richtig so.
Inzwischen ist man auch in Deutschland aufgewacht, weil man gemerkt hat, das so eine systemwidrige Aktion auch mal einen selber Treffen könnte.
Immerhin bringt das alle Beteiligten noch mal zum Nachdenken. Die EU ist keine Sado-Maso-Bestrafungsverein. Dem legalen Eigentum der Bürger gebührt gleichwertiger Schutz.
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Original geschrieben von thomasGr
Wie kommst du auf 0,75 zu 3 % ? Auf welche Anlageform beziehst du dich konkret? Quellen?
Hast Du in den letzten Jahren die Bankenthreads auf TT nicht verfolgt? Da wimmelte es nur so von divergierenden Angeboten bei Tagesgeldern.
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Original geschrieben von phonefux
Die Zyprer sind aber nicht wegen der Sorge um andere Sparer in der EU gegen die Abgabe und werden das entsprechende Gesetz nicht erlassen, sondern weil sie es als ungerecht empfinden, dass sie jetzt für ihre eigenen Banken zahlen sollen, mit denen sie jahrelang gutes Geld verdient haben...
Schmerzen tut es akut die Zyprioten und deswegen ist ihnen erstmal ihr eigenes Hemd näher, aber die konkrete Vorgehensweise hat EU-Weit gründlich Porzellan zerschlagen.
Was dort im Experimentierlabor Zypern ausprobiert wird, kann auch anderswo wie der Blitz einschlagen.
Nebenbei: Es waren ja auch dort stationierte britische Soldaten betroffen, dee dort für den Alltag eine Konto haben. Das wird bestimmt gut ankommen ...
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Original geschrieben von phonefux
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Die vorgesehene Zwangsabgabe von 6,75 % würde somit noch nicht einmal den Zinsvorteil gegenüber einem deutschen Konto aufzehren. So viel zum Thema "Enteignung".
Und damit soll dieser massive Vertrauensbruch gerechtfertigt werden? Die Zinsen wurden ihnen nun mal legal Gutgeschrieben. Bloß weil sie höher, als Anderswo waren muß man noch kein schlechtes Gewissen haben - sie galten ja nicht als Riskoanlagen. Siehe auch die Isländsiche Bankenkrise. Da wurden die Einlagen sogar vom britischen und niederländischen Staat abgesichert, statt den betroffenen Kunden die hohen Zinsen vorzuhalten.
Das Problem ist wie gesagt nicht die Prozentzahl der "Eigenbeteiligung", sondern die Nacht-Und Nebel-Aktion der Requirierung von Privat-Konten und Vermögen.
Das schafft einen fatalen Präzedenzfall für die gesamte EU. Niemand wird letztlich mehr wissen, wieviel Geld er am nächsten Morgen noch haben wird.
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Original geschrieben von rmol
na ja, soll ja auch Mafia-Gelder dort geben... oder ist das nur Propaganda?
Sicher auch Mafia, aber eben vor allem auch Fluchtkapital, denn aus Russland strömen seit Jahren hohe Milliardenbeträge ab. Man ging halt bisher gerne zu den orthodoxen Glaubensbrüdern fürs Business.
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Original geschrieben von phonefux
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Wenn es diese Forderung gab, war damit bestimmt nicht gemeint, sich das Geld von den (Klein-)Anlegern zu holen.
Woher soll eine desolate Bank denn die Beteiligung herholen, wenn nicht von den Einlagen?
Ich glaube nicht, daß das alles hinreichend durchdacht wurde, als diese pauschalen Forderungen ins Pflichtenheft geschrieben wurde.
Die Unterscheidung Kleinsparer vs. Großsparer ist auch sinnlos. Auch "großes" Geld liegt nicht einfach rum ( bei den Zinsen ..), sondern ist Gebunden oder Verplant.
Da hat z.B. jemand gerade sein Eigenanteil für sein Hausbaukredit mühsam zusammen, oder gerade einen Investitionsvertrag über einen bestimmten Betrag unterschrieben, oder hat das Geld als Sicherheit hinterlegt, und nun hat er über Nacht die erforderlichen Mittel nicht mehr.
Da platzen einige Geschäfte deswegen.
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Original geschrieben von thomasGr
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Und eben das gilt es zu verhindern! Wir müssen diesen Eurokraten klarmachen, dass man die Rechtsstaatlichkeit nicht aus den Angeln heben darf, um die Vision vom geeinten Europa gegen jegliche Widerstände durchzusetzen.
Eurokraten? Es war eine Forderung der Bundestagsparteien (Schäuble verweist auf SPD und Grüne), den Bankensektor zu beteiligen.
Dahinter steckt diese teutonische Oberlehrerhaftigkeit, die ungezogenen Zyprioten (Kollektivschuld?) abzustrafen und die Russen gleich dazu.
Die Russen haben unter anderem deswegen soviel Geld im Ausland, weil bei ihnen Zuhause es an Rechtssicherheit mangelt. Wenn man bei Putin in Ungnade fällt oder irgendwelche Konkurrenten die Staatsorgane höher besticht, dann ist das Vermögen schnell requiriert. Nun werden sie in der EU auch mit Rechtsunsicherheit konfrontiert.