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"Böse Nazis, gute Nazis
Der Kreml versucht seit einiger Zeit, Freunde in Westeuropa zu finden und stützt sich dabei vor allem auf rechtsextreme Parteien. An diesem Sonntag trifft sich das „Konservative Forum“ in St. Petersburg. Was aber soll die Konferenz?
Aus Sicht des Kreml gibt es böse Nazis und gute Nazis. Die bösen sind in der Ukraine, wo sich die besten Vertreter der „russischen Welt“ ihrer erwehren, heldenhaft und in der Freizeit. Die guten Nazis sind in Ländern der EU, wo sie gegen allgemeinen Werteverfall kämpfen - und an diesem Wochenende kommen sie nach Sankt Petersburg.
Dort, in Russlands „nördlicher Hauptstadt“, treffen sich am Sonntag rechtsextreme Parteien aus ganz Europa, Russland für dieses Mal mit eingeschlossen, zu einem „Internationalen Russischen Konservativen Forum“. Man versammelt sich im „Holiday Inn“. ...
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Denn ohne Billigung der Obrigkeit gäbe es die Konferenz nicht. Sie liegt auf der Linie des Kreml - auch wenn ihre Organisation formal ausgelagert ist. Das Forum wird von der Partei „Heimat“ organisiert, der unter anderem der stellvertretende Ministerpräsident Dmitrij Rogosin und Putins Berater Sergej Glasjew zugerechnet werden.
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Rund 300 Teilnehmer werden zu dem Forum erwartet. Es ist ein Fest des paneurasischen Rechtsextremismus. Aus Deutschland ist die NPD angekündigt, vertreten durch den ehemaligen Vorsitzenden Udo Voigt. Aus Italien kommt Roberto Fiore, Gründer der „Forza Nuova“, die schon die Annexion der Krim unterstützte. Griechenland wird von der „Goldenen Morgenröte“ vertreten, Großbritannien durch die British National Party, Bulgarien durch „Ataka“. Weitere Vertreter nationalistischer Parteien sollen aus Dänemark, Schweden und Spanien anreisen.
Sie treffen im „Holiday Inn“ auf Vertreter des großrussischen Expansionsgedankens. So soll Alexander Kofman, der „Außenminister“ der „Donezker Volksrepublik“, kommen und eine Reihe russischer Nationalisten. Etwa ein Vertreter der „Russischen Imperialen Bewegung“, die „russische Männer zum gemeinsamen Kampf für Neurussland unter imperialer Flagge“ aufruft. Die Konferenz soll ein Abgeordneter der Regierungspartei „Einiges Russland“ eröffnen, der als Autor von Gesetzesprojekten in Erscheinung getreten ist, etwa dem, Homosexuellen und Einwanderern, die keine Steuern zahlen, die Elternrechte abzuerkennen. ...
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Ziel sie die Schaffung einer neuen „Komintern“
In der Tat hört man innerhalb Russlands wenig über des Kremls Versuche, in der EU neue Partner am rechtsextremen Rand zu finden, etwa über einen Millionenkredit an den französischen Front National. Der „Antifaschismus“ des Kreml sei, so Wischnewskij weiter, „genau wie das Recht auf Selbstbestimmung“ nach dem Muster der Krim, „ausschließlich für den Export“.
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Der Vorsitzende von „Heimat“, Fjodor Birjukow, sagte, die echten Nazis seien die Kräfte, welche die Macht in Kiew erobert hätten und ihre Unterstützer in Europa und den Vereinigten Staaten. Seine Partei hingegen habe „gesunde, patriotische, konservative Kräfte“ eingeladen, „denen die amerikanische Einmischung in europäische Angelegenheiten nicht gefällt. Sie unterstützen die russische humanitäre Mission im Südosten der Ukraine.“"