Zitat
Original geschrieben von frank_aus_wedau
...es spricht aber alles dafür, dass die UA demnächst vor die Wand rast .... Es könnte wirklich hart kommen ...
http://discussion.theguardian.com/comment-permalink/45054774
" Carlossie
16 December 2014 3:43pm
Indeed dollar debt is a very serious problem for some other countries, including the Ukraine. In fact Ukraine is on the brink of default. However, this only adds to Russia's problems because MOST of the exposure to the Ukraine is by RUSSIAN banks, and they would be hit hardest. As long as Russian oil income held up, making economic trouble for Ukraine by militarily undermining it was affordable -- but now it is a horrible burden, though too late to reverse it. The damage is done. THat is the big deal about the whole crisis for Russia = by Putin's policies at all levels and in all arenas THE DAMAGE IS DONE.
Even though some countries have large dollar debt problems, they are large only in proportion to the scale of economic activity (size) of those countries. They are not a large part of the exposure of US or Western European banks."
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Ansonsten gibt es in der Druckausgabe (online frei zugänglich über ein Testaccount) der Sueddeutschen Zeitung einen ausführlichen Reisebericht aus den Separatistengebieten. Die Lage dort ist verheerend.
Glückwünsche an "Novorossia", wie der Kollaborateur aus Wedau hier vor einiger Zeit abgelassen hat, zeugen von politischer wie ökonomischer Inkompetenz (von juristischer oder logischer ganz zu Schweigen).
Hier ein paar Auszüge:
"Nr. 289, Dienstag, 16. Dezember 2014 DIE SEITE DREI
Niemandsland
Was braucht man für einen eigenen Staat?
Ein Volk, ein Gebiet, ein paar Gesetze, sagen die Separatisten.
Mehr haben sie im Osten der Ukraine auch nicht zu bieten.
Eine Winterreise durch die Anarchie
...
... 60 Prozent aller Bürger, wird sie
sagen, seien von Hilfslieferungen abhängig.
Komplett.
Tatsächlich fehlt es überall an allem.
Am Straßenrand in diesem Niemandsland,
irgendwo bei Krasnoarmijsk, stapft eine alte
Frau durch den Schnee, sie trägt schwer
an einer großen Tasche. „Wir leben von
Kartoffeln und Wasser“, sagt die Greisin.
Arbeit gebe es hier nicht mehr. „Warum die
hier kämpfen, die einen und die anderen?
Ich verstehe es nicht. Hier gibt es doch
nichts. Russische Erde, was soll mir das
geben? Die kann ich nicht essen.“
....
Nachts aber, wenn Sperrstunde ist und
sich Totenstille über die Stadt legt, wenn
die kartenspielenden Anführer der DNR
ihr heimliches Hauptquartier, die Bar eines
populären Hotels, verlassen und in ihre Wagen
steigen, und wenn die Shisha rauchenden
Söldner aus der Russischen Föderation
samt ihren vollbusigen Gefährtinnen
müde sind, dann geht man besser
nicht auf die Straße. Bewaffnete Trupps
greifen jeden auf, der sich draußen herumtreibt,
und wer Alkohol dabei hat, Widerworte
gibt, findet sich schnell in einem Keller
wieder, um dann am nächsten Tag
Zwangsarbeit zu leisten unter der Kontrolle
von Kalaschnikows; „gesellschaftliche
Arbeit“ nennen das die Separatisten.
....
.. Die Menschen des Donbass verfolgten,
schreibt Chef-Propagandist Pawel
Gubarew, deshalb den Traum der Wiederkehr
Neurusslands, das „aus der Tiefe der
Geschichte aufersteht wie Aphrodite aus
dem Meer“.
Zum Großprojekt Neurussland gehört,
theoretisch, auch die Autonome Volksrepublik
um Luhansk. Aber das Projekt krankt.
Oleg Popow, nom de guerre „Kommunist“,
ist zwar Luhansker Abgeordneter des gemeinsamen
Parlaments von Noworossija,
das im Sommer gegründet wurde, um die
Republiken zusammenzuführen. Aber
man habe sich leider seit drei Monaten
nicht mehr getroffen. „Wir kämpfen für
Russland“, sagt Popow, ein hagerer und
trotz des drohenden Scheiterns seines politischen
Traums äußerst zuversichtlicher
Gesprächspartner. „Und wir arbeiten an
neuen Gesetzen für eine spätere Zusammenarbeit;
beim Beitritt zur Russischen
Föderation solle ja Moskau nicht alles einzeln mit
seinen neuen Mitgliedern verhandeln
müssen. Synergie, sozusagen.
Aber derzeit kommen die Parlamentarier
nicht über Telefonkonferenzen hinaus.
Die Gründe: zu viele Widrigkeiten. Ideologische
Differenzen, Eitelkeiten. Und die so
ungeklärte wie strittige Frage, wie es weitergehen
soll mit den neuen Staaten und ihrer
Unabhängigkeit. Denn selbst die steht
auf der Kippe. Die russische Nowaja Gaseta
berichtet, im Kreml überlege man wegen
drohender Erfolglosigkeit der Projekte
LNR und DNR, diese quasi an die Ukraine
zurückzugeben – unter der Prämisse, dass
sie eine extrem weitreichende Autonomie
zugesichert bekommen. Die Idee von „Neurussland“
sei nicht mehr populär unter
Putinisten, heißt es, weil die Massen in anderen
ukrainischen Städten, in Charkiw,
Cherson oder Odessa, nicht zum Aufstand
zu bewegen gewesen seien.
...
... Vielerorts gibt es seit Monaten
weder Strom noch Gas, in der Gebietshauptstadt
immerhin funktionieren an
den meisten Tagen die Heizungen wieder.
Wenn nicht die Rohre eingefroren sind.
Der Ruf der LNR ist selbst in Donezk
schlecht: Ausnahmezustand herrscht überall,
aber hier gelten die Zustände als noch
anarchischer, noch gefährlicher. Die diplomatischen
Beziehungen der Schwesterrepubliken
sind nicht die besten. Denn für
die Donezker Führung sind die Nachbarn
in Luhansk nur bedingt eine befreundete
Nation, eher ein Konkurrent um die Zuwendungen
aus Moskau. Und von denen ist
man, das wird bereitwillig eingeräumt,
finanziell abhängig.
...
... Draußen vor
der Tür herrscht Kriegsrecht. Anstelle der
regulären Justiz urteilen Militärtribunale
jene ab, die von den Milizen aufgegriffen
werden. Gerichtsverfahren, Verteidiger –
gibt es nicht. Wer in Untersuchungshaft
landet, bleibt bis auf Weiteres dort. Im
Sommer gab es hier und da „Volksgerichte“,
Todesurteile wurden ausgesprochen.
Das Gerichtssystem sei „erst in der Entwicklung“,
bestätigt Minister Potapow.
Der Einfluss der Luhansker Führung,
das ist schnell zu sehen, reicht nur bis kurz
hinter der Stadtgrenze. Zahlreiche Ortschaften
werden von Kosaken beherrscht,
die ihre eigene Republik ausgerufen haben
...
Rückreise von Luhansk, ein paar Kilometer
entfernt von der russischen Grenze,
quer durch das Niemandsland, zurück
nach Dnipropetrowsk, Ukraine. Am Flughafen
wartet der Manager einer Stahlfirma
von Oligarch Rinat Achmetow. Der
Mann hat Donezk bis auf Weiteres verlassen
und möchte aus nachvollziehbaren
Gründen unerkannt bleiben. „Diese Republiken“,
sagt er, „gehen den Bach runter.“
Russland sei schon zufrieden, wenn DNR
und LNR als failing states, als scheiternde
Staaten, ein Stachel im Fleisch der Ukraine
blieben. Investieren, alimentieren, gar integrieren?
Zu teuer, riskant, zu viel Aufwand
für eine Gegend, die von Krieg und Hass
zerrissen sei und sich auf Jahre, vielleicht
Jahrzehnte nicht erholen werde.
In zwei, drei Jahren sehe es dort aus wie
in der Autonomen Volksrepublik Abchasien.
„Auch Abchasien war nie ein wohlhabendes
Land. Aber seit der Abspaltung von
Georgien unter der brutalen Patronage
Russlands ist es ein Armenhaus.“"