Meanwhile in Russia ... überstrahlt die neue Leitkultur des Herrenvolkes dasjenige vom dem Untergang geweihten Gayropa um längen ...
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Vorzüge der Leibeigenschaft
Wie Spitzenfunktionäre degenerieren, führte der eigentlich hochgebildete Vorsitzende des russischen Verfassungsgerichts, Waleri Sorkin, vor, als er jüngst öffentlich über die Vorzüge der Leibeigenschaft nachdachte. Kulturminister Medinski beklagt ein Übermaß an russischen Humanwissenschaftlern und sagte den Studenten des Konservatoriums eine Zukunft in Fußgängerunterführungen voraus. Die Bastionen des intelligenten Journalismus müssen büßen. Die „Nowaja Gaseta“ wurde wegen eines Artikels der Publizistin Julia Latynina verwarnt, in dem diese sich über das Gerede vieler Duma-Deputierten von der besonderen russischen Kultur lustig machte, die angeblich dem europäischen Ungeist widerstehe.
Latynina schrieb, dass auch Hitler einst die schroffe nordisch-germanische Kultur der westeuropäischen Dekadenz entgegenstellte, was die Überwachungsbehörde Roskomnadsor als extremistisch einstufte. Eine zweite Verwarnung bedeutet für die „Nowaja“ die Schließung. Der Radiosender „Echo Moskwy“ wagte es, ein Interview mit dem unter Hausarrest stehenden Korruptionsbekämpfer und Oppositionellen Alexej Nawalnyj zu bringen - obwohl die Behörden davon „abgeraten“ hatten -, und bekam prompt Besuch von Katastrophenministerialbeamten, die in den Redaktionsräumen nach Verstößen gegen die Feuersicherheit fahndeten.
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Jelena Kowalskaja glaubt sogar, dass die Theater ihr Publikum bald selbst ausbilden müssten. Der Unterricht in humanwissenschaftlichen Fächern, Literatur und Sprache an russischen Schulen entspreche heute dem, was die nationalsozialistischen Besatzer für die Slawen vorgesehen hätten. Empathiefähigkeit, ohne die man ein Theaterstück nicht verstehen könne, sei bei vielen Schülern gar nicht entwickelt. Zugleich sei die Sozialerziehung auch die einzige Leistung, für die die Machthaber noch bereit seien, die Gegenwartskultur zu finanzieren.
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Russland gehöre kulturell zu Europa, keine Politik könne das ändern, weiß der russische Wirtschaftssoziologe Wladislaw Inosemzew, der in Putins prochinesischem Kurs obendrein keinen ökonomischen Nutzen entdeckt. China investiere, anders als die Europäer, nie in Russland. Für Inosemzew handelt Putin vielmehr wie der russische Fürst und Nationalheilige Alexander Newski, der es im dreizehnten Jahrhundert vorzog, mit den Tataren zu paktieren, um gegen die christlichen Europäer zu kämpfen.
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Russland ähnele China auch darin, dass es sich als Mittelpunkt wahrnehme und nicht bereit sei, eine zweite Geige zu spielen, findet Inosemzew. Im Verhältnis zu China indes komme nur die Rolle des jüngeren Bruders in Frage. Wenn sein Land aber durch diese Allianz endlich lerne, Juniorpartner zu sein, auch für andere Länder, so müsse man, bekennt der Russe, dem chinesischen Nachbarn ewig dankbar sein."