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Original geschrieben von Merlin
Na, das ist aber auch mehr als hinkend ...
Vergleichen wir doch mal mit den Ferngesprächs-CbC ... nach deiner Auslegung müssten die Regionalen Anbieter doch da auch schon längst Pleite sein, da alle zur Telekom wechseln würden, um CbC nutzen zu können. Und genau *das* passiert ja eben nicht, da die regionalen Anbieter *deutlich* unter den Telekompreisen anbieten. Trotz allem.
So deutlich liegen die kleinen regionalen Anbieter nicht unter den Preisen der Deutschen Telekom. Nehmen wir doch z. B. mal NetCologne als eine der größten regionalen Gesellschaften. Hier kostet ein Ferngespräch immer noch 7,2 Cent (Hauptzeit) bzw. 3,1 Cent (Nebenzeit) pro Minute. Damit ist NetCologne gegenüber der Deutsche Telekom zwar konkurrenzfähig, nicht aber gegenüber den CbC-Anbietern. Dennoch schreibt NetCologne tief rote Zahlen. Nun frage ich mich, woran das liegen könnte? An überhöhten Preisen? Oder doch an einem teuren Netzausbau?
Und genau hier liegt meines Erachtens der Fehler. Wenn immer diejenigen bestraft werden, die in die Infrastruktur investieren, dann wird auf Dauer niemand mehr - außer der Deutschen Telekom, da durch die Regulierungsbehörde gezwungen - in einen Netzausbau investieren. Dies kann langfristig nicht gesund sein, da damit auf Dauer eine Abhängigkeit von der Deutschen Telekom geschaffen wird.
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Der "vernünftige" Kunde wird sich für das beste Preis-/Leistungsverhältnis entscheiden. Nicht mehr und nicht weniger. Dass dies für die Telekom vermutlich fatale Folgen haben wird, ist abzusehen - oder auch nicht ("ach was, wir telefonieren schon immer über die Telekom und dabei bleiben wir auch!").
Das vernünftigste Preis-Leistungsverhältnis wird so auf Dauer bei der Telekom verbleiben. Anschluss bei der Telekom und Telefonate ausschließlich über CbC, da dies günstiger ist. Ein regionales Unternehmen wird so niemals konkurrenzfähig. Kein Investor wäre bereit Geld in ein solch aussichtsloses preisdumping stecken.
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Der Kunde *muss* die Wahl haben. Wenn er künstlich keine Wahl hat, dann ist das eine nicht haltbare Bevormundung. Und genau *das* passiert hier.
Im Idealfall sollte der Kunde eine Wahl haben. Aber die sollte sich ja nicht nur auf die Gespräche, sondern möglichst auch auf den kompletten Anschluss beziehen. Daher wäre vielleicht eine komplette Abschaffung von CbC und statt dessen mehr Konkurrenten mit Komplettanschlüssen sinnvoller ähnlich wie Mobilfunk.
Müssen der der Kunde übrigens nichts. Immerhin haben wir in Deutschland über Jahrzehnte ohne Wettbewerb im Telekommunikationsmarkt gelebt. Geschadet hat es anscheinend auch keinem.
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Um bei deinem MM Beispiel zu bleiben - der MM darf in meinem Laden verkaufen und muss mir dafür den EK + einen kleinen Gewinn bezahlen (so stellt es sich ja realistisch gesehen auch bei der Telekom dar).
Wobei nicht du entscheidest, wie hoch dein Einkaufspreis ist, sondern der Staat tut dies durch seine Regulierungsbehörde.
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Da hätte ich nichts dagegen, da ich mir nicht mehr die Mühe des Verkaufens machen muss.
Doch musst du. Der Staat zwingt dich nämlich auch die Kunden zu beliefern, die der MediaMarkt selber nicht beliefern will, weil es sich für ihn nicht rechnet!
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Außerdem werden ja immer noch viele Kunden direkt bei mir kaufen, auch zu meinen Mondpreisen, ganz einfach, weil sie das Image des MM´s nicht mögen und schon immer bei mir gekauft haben.
Oder weil sie nicht drei Monate an der Kasse stehen möchten, bis der MediaMarkt abgerechnet hat. Übrigens bei vielen CbC-Anbietern leider ein ärgerliches Problem, dass eine zeitnahe Abrechnung der Gespräche nicht erfolgt. 
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*Das* ist eine unbewiesene Behauptung. Die Netzbetreiber könnten doch auch so günstige Preise, wie die Wiederverkäufer anbieten, da sie ja keine Miete zahlen müssen - aber sie *wollen* es einfach nicht. Warum kostet z.B. ein Ferngespräch bei der Telekom tagsüber 12.3 Cent (über Analog) und CbC nur durchschnittlich 3 ct? Weil 3ct nicht kostendeckend sind? Wohl kaum.
Die Deutsche Telekom darf doch gar nicht! Die Regulierungsbehörde sagt ihr, was sie von ihren Kunden zu nehmen hat, d. h. sie ist gezwungen diese 12 Cent in Rechnung zu stellen. Und warum? Weil die Regulierungsbehörde sagt, dass das Gespräch die Telekom so viel kostet und Preisdumping nicht erlaubt ist, da sie eine marktbeherrschende Stellung hat.
Bei den regionalen Anbietern redet die RegTP nicht dazwischen, d. h. diese dürfen ihre Preise selbst kalkulieren und kommen auf ähnliche Preise wie die Deutsche Telekom. Warum nur?
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Warum sinkt der Preis bereits bei ISDN (sind doch eigentlich die gleichen Leitungen) und warum sinkt der Preis nochmals, wenn ich meine Grundgebühr erhöhe?
Die Fixkosten des Netzes sind sehr hoch. Auch wenn der Kunde nicht telefoniert, muss gewartet werden. Die laufenden Kosten durch Gespräche - vor allem auf größeren Entfernungen - sind dagegen fast vernachlässigbar. Wenn der Kunde jetzt eine niedrige Grundgebühr bezahlt, muss der Minutenpreis logischerweise sehr hoch sein, um mein Netz finanzieren zu können. Steigt die Grundgebühr, kann der Minutenpreis fallen, da ein größerer teil der Fixkosten durch die Grundgebühr gedeckt wird.
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Nein, das ist alles sehr durchsichtig. Der/die Netzbetreiber *wollen* einfach nicht und klappern gehört ja zum Handwerk ...
Klappern gehört tatsächlich zum Handwerk. Ist aber auch legitim.
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Die Netzbetreiber auch nicht, da die Kosten auf jeden Fall reinkommen. Nur die "fetten" Gewinne sind halt nicht mehr möglich. Es sind also Krokodilstränen, die da vergossen werden.
Das ist eben die Frage. Kommen die Kosten wirklich rein? Bei einer sehr hohen Auslastung vielleicht schon. Aber mit steigender Auslastung geht auch das Risiko eines Gassenbesetzt exponentiell hoch. Dies mögen einige CbC-Kunden vielleicht in Kauf nehmen, die große Mehrheit aber wäre wohl zurecht böse, wenn die Telekom bei eigenen Verbindungen ähnlich verfahren würde.
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Bestreitet auch niemand. Aber die Vermietung dieser Hausanschlüsse wird ja bereits "verboten", bzw. verlangt die Telekom höhere Preise als von den eigenen Endkunden - das kann ja wohl nicht sein.
Das kann eigentlich wirklich nicht sein, zeigt aber wie verzweifelt die Telekom heute schon sein muss, um diese Preise bei der Regulierungsbehörde zur Genehmigung vorzulegen. Gleichzeitig führt dies aber auch für die Konkurrenten zu einer absolut untragbaren Situation. Ein Kunde, der nicht oder nur sehr wenig telefoniert, wird für die Komplettanbieter zu einem Zuschussgeschäft, da mehr Gebühren für die Miete an die Telekom abzuführen sind, als man selber vom Kunden bekommt. Zusätzlich kommen noch die eigenen Verwaltungskosten und die Rechnungsstellung. Alles Probleme mit denen reine CbC-Anbieter nicht zu kämpfen haben. Wie soll ein Komplettanbieter denn überleben, wenn er horrende Mieten an die Telekom abführen muss und gleichzeitig konkurrenzfähige Preise anbieten will. Dieser Spagat ist nicht zu schaffen. Die Margen bei 2 Cent - sofern man überhaupt noch von Margen sprechen kann - sind zu gering, um eine ähnliche Netzverfügbarkeit wie bei der Telekom zu haben.
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Ich persönlich würde sogar so weit gehen, dass die Telekom an Endkunden direkt überhaupt nicht mehr verkaufen dürfte, sondern alles über Wiederverkäufer abgewickelt werden müsste.
Das käme einer Enteignung gleich und dies will zum Glück auch niemand.
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Die Telekom stellt die Infrastruktur und kassiert dafür Miete. Die Endkunden werden von verschiedensten Wiederverkäufern bedient und können sich das beste Preis-Leistungsverhältnis raussuchen.
Dies funktioniert erfahrungsgemäß auch nicht. Bestes Beispiel sind hier Deutsche Bahn Netz und die Netzbetreiber der Briten. Die Netzbetreiber kassieren nur die Miete investieren aber nicht mehr ins Netz. Erforderliche Arbeiten werden aus Kostengründen nicht durchgeführt. grund ist einfach der, dass dem Netzbetreiber egal ist, wie defekt sein ist, d. h. dass z. B. die Sprachqualität schlecht ist, da er auf jeden Fall seine Miete kassiert und selber mit den unzufriedenen Endkunden nicht in Berührung kommt.
[Qupte]Mag sein - aber auch das ist halt das berühmte unternehmerische Risiko. Hat der regionale Anbieter gute Konditionen, so hat er nichts zu befürchten, hat er die nicht, dann muss er sich halt was einfallen lassen. So wie 99,9% der Unternehmen in Deutschland bzw. Weltweit.[/Quote]Wie oben bereits angeführt, kann der regionale Betreiber niemals so gute Konditionen bieten wie die CbC-Anbieter, da er erst einmal die Verluste aus den Mietpreisen hereinholen muss. Außerdem muss die Netzverfügbarkeit ähnlich hoch wie bei der Deutschen Telekom sein, d. h. er kann sein Netz nicht am oberen Limit oder sogar da drüber fahren. Daher wird sein Minutenpreis schon höher als bei den günstigsten CbC-Anbietern liegen müssen.
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Warum? Es hängt doch alles vom Preis ab. Ob ich nun eine Miele Waschmaschine kaufe oder eine, wo Miele drin ist und draußen "Universum" drauf steht aber deutlich billiger angeboten wird, das ist ja meine Entscheidung, aber die würde ich halt gerne selbst treffen und es nicht vorgeschrieben bekommen.
Was ist aber, wenn auf beiden Maschinen Miele draufsteht? Du entscheidest dich natürlich für den günstigsten Händler. Bei zwei unterschiedlichen Geräten (Miele und Universum) handelt es sich aber nicht mehr um ein homogenes Produkt wie im Telekommunikationsbereich. Hier fällst du deine Entscheidung nach den Leistungsmerkmalen der beiden Geräte. Im Telekommunikationsbereich ist dies aber nicht der Fall. Es ist immer die gleiche Leitung über die du telefonierst, nur der "Händler" ist ein anderer.
Dies führte ja auch in anderen Bereichen zu Konzentrationsprozessen. Ich sag' nur MediaMarkt, Saturn, ProMarkt. Viele kleinere Händler sind durch die Riesen in den Ruin getrieben worden.
Daher halte ich den Preisverfall im Telekommunikationsbereich für schädlich. Gegen gesunden Preiskampf habe ich nichts einzuwenden. Aber wenns nur darum geht, wer den längesten Atem hat, stimmt etwas nicht mehr. :flop:
Gute Nacht
Foxy