Zitat
Original geschrieben von schmidt3
Im Augenblick steht aber wohl eher zu vermuten, daß zwar Erdogan wegkommt, daß die Türkei aber weniger nach Atatürk, sondern eher nach Evren lebt. Daß in der Türkei die laizistisch-kemalistische Staatsform offenbar auf Dauer nur dadurch aufrechtzuerhalten ist, daß alle paar Jahre das Militär putscht, ist einer der Hauptpunkte, die in meinen Augen gegen ihre EU-Mitgliedschaft sprechen. Denn offenbar gibt es nur die beiden Alternativen, daß sich die Türkei langsam aber sicher in einen vergleichsweise sanften Gottesstaat umwandelt oder von Generalen mit eiserner Faust regiert wird. Beide Möglichkeiten wären in einem großen EU-Staat nicht sehr erfreulich.
Was vermutlich daran liegen könnte, dass die Türkei ein sehr junges Land ist und die "ältere" Bevölkerung noch die Überhand hat. In ein paar Jahren wird allerdings immer mehr die derzeit jüngere Bevölkerung dominieren, welche fast komplett westlich geprägt ist.
kleines Bsp: Demonstrationen gegen die Aufhebung des Kopftuchverbotes in türkischen Unis.
Ich selber bin ebenfalls ein deutsch-türke, doch ich sehe mich weiterhin als einen Türken.
Wieso?
Durch meine Erziehung bin ich einfach sowohl deutsch, als auch türkisch geprägt wurden doch bei den Türken ist der nationalstolz ein anderer als in Deutschland, wo -leider- wohl noch der geschichtliche Hintergrund eine kleine Rolle einnimmt.
Doch ich habe mich einbürgern lassen, weil ich nicht nur die Vorteile eines EU-Landes genießen möchte, sondern auch aktiv an der politischen Gestaltung des Landes mitwirken möchte.
Schließlich lebe ich hier und möchte auch weiterhin in einem politisch gesunden Staat leben.
Und zu mir sei im Gegensatz zu Kaan gesagt, dass ich nur sehr wenige türkische Freunde habe und (fast) nur im familiären Umkreis türkisch spreche.
Meiner Meinung nach muss man sich integrieren, allerdings sollte man nicht vergessen woher man kommt und ich denke, dieses würde man vergessen, wenn man irgendwann sagt, man sei z.B. Deutscher und gibt vielleicht seinen Kindern später Deutsche Namen.
Für eine multikulturelle Gesellschaft ist es meiner Ansicht nach unbedingt wichtig, dass die Leute sich auch weiterhin zu ihrem "Heimatland"* bekennen, solange man es nicht übertreibt.
* Diese Grenze, was man als Heimatland definiert, schwindet auch immer mehr...
Ich definiere es so: Mein Heimatland: Türkei --- Meine Heimat: Deutschland
So, ich war gerade paar Minuten weg, daher habe ich den Faden verloren und gebe das trotzdem zur Diskussion frei.
