Nachdem auf den letzten Seiten einige Fragen zur Mobilfunkversorgung in der Münchner U-Bahn aufgeworfenwurden, versuche ich mal, möglichst viel zu beantworten.
In der MVG-Pressemeldung vom 8. September sind ja schon einige Details genannt worden. Die Technik der Netzbetreiber befindet sich in einem Raum am U-Bahnhof Hauptbahnhof. Die Signale aller Netze werden dort zusammengemischt und mittels Glasfaserkabel zu den U-Bahnhöfen übertragen, wo sie wieder auf Koaxialkabel umgesetzt und an die Antennen gebracht werden.
Schlitzkabel scheinen nicht verwendet zu werden, sonst hätte man nicht Pegelschwankungen von mehr als 40 dB zwischen zwei Stationen. Größtenteils sind die Antennen an den Bahnsteigenden etwa 10 Meter im Tunnel befestigt und damit nur sehr schwer zu sehen. Eingesetzt werden nicht solche Antennen, die bei normalen Basisstationen verwendet werden, sondern logarithmisch-periodische (vermutlich Kathrein 742 192) und biderektionale (wahrscheinlich Kathrein 738 446) Antennen. Nur am Sendlinger Tor (U1/U2) kann man die Antennen gut erkennen, da sie am nordwestlichen Bahnsteigende an der Decke hängen.
Außerdem kommen noch drei Rundstrahler (vermutlich Kathrein 800 10249) als Ergänzung zum Einsatz:
- Marienplatz, in der Mitte zwischen den beiden Bahnsteigen beim Übergang zur S-Bahn
- Marienplatz, Ausgang Marienhof im Sperrengeschoß
- Hauptbahnhof, Sperrengeschoß unter der Kreuzung Bahnhofplatz/Bayerstraße
Ich habe heute mal mit einem Netzmonitor die vier GSM-Netze getestet. Zur UMTS-Versorgung kann ich leider nichts sagen.
Laut der Pressemeldung sagte der Vodafone-Regionalleiter Technik:
Zitat
Das zentrale Ziel war, ein Mobilfunknetz aufzubauen, das die gleiche Netzqualität hat, wie es die Kunden vom oberirdischen Netz kennen.
Da muß man leider sagen, daß das bisher nicht der Fall ist. Ich hoffe, daß es in den nächsten Wochen noch Optimierungen geben wird. An vielen Stellen kommt leider nicht mehr genug Pegel an. Besonders kritisch ist das bei Zellenwechseln, wo die Überlappungsbereiche sehr klein sind, aber auch mitten in Bahnhöfen ist der Empfang teilweise ziemlich schlecht, z. B. Odeonsplatz Richtung Stachus.
Daß eine gute Versorgung einer unterirdischen Bahnstrecke kein Problem ist, sieht man z. B. auch an der Münchner S-Bahn.
Auch wenn hier etwas anderes bahauptet wurde, E-Plus und o2 benutzen in der Münchner U-Bahn GSM1800, T-Mobile und Vodafone natürlich GSM900. Es findet also kein Roaming statt. Die Versorgung ist aber bei allen Netzen wegen der gemeinsam genutzenen Antennen gleich gut oder schlecht; die Frequenz spielt hier also kaum eine Rolle.
Zum Thema Kapazität:
T-Mobile, Vodafone und E-Plus nutzen jeweils drei Zellen:
1. Marienplatz, Odeonsplatz (U3/U6), Odeonsplatz (U4/U5)
2. Hauptbahnhof (U1/U2), Hauptbahnhof (U4/U5), Karlsplatz (Stachus), Theresienwiese
3. Sendlinger Tor (U1/U2), Sendlinger Tor (U3/U6)
o2 hat dagegen alle Bahnhöfe zu nur einer Zelle zusammengeschaltet.
Das wundert mich schon, daß man da nicht von Anfang an etwas mehr unterteilt hat. Zum Vergleich im S-Bahntunnel ist bei T-Mobile und Vodafone jede Station eine Zelle, der Marienplatz ist sogar in zwei unterteilt. Außerdem sind das Stachus- und Marienplatz-Untergeschoß auch jeweils eine eigene Zelle. Bei E-Plus und o2 gehen die Zellen teilweise über zwei Bahnhöfe, so daß man dort nur auf fünf statt acht Zellen kommt.
In diesem Thread wurde ja schon angesprochen, daß die o2-Versorgung in der U-Bahn besser als bei den anderen Netzen ist. Hier kommt wahrscheinlich der Vorteil zum tragen, daß alle Stationen eine Zelle sind. Denn wenn kein Kanalwechsel erfolgen muß, kann dieser auch nicht schiefgehen.
Zum Schluß noch das Thema o2-Koordinaten und Tunnelversorgung, was ja selbst in München nicht neu ist. Die Sender im S-Bahntunnel haben Koordinaten vom Marienplatz oder Stachus. Das könnten auch die Standorte für die Technik sein.
Die U-Bahn-Sender übermitteln eine Koordinate, die etwa den U4/U5-Bahnsteig am Hautpbahnhof entspricht. Damit dürfte man mit einer Homezone am Hauptbahnhof im gesamten U-Bahnnetz, wenn der Ausbau abgeschlossen ist, ein Häuschen sehen.