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Original geschrieben von Jimmythebob
Die USA vielleicht nicht, aber es gibt ja noch ein paar Atommächte in Europa.
Deshalb sprach ich auch vom Rhein und vom Ärmelkanal und nicht vom Atlantik. Das Territorium einer auch nur kleinen Nuklearmacht anzutasten und sie damit zum äußersten zu zwingen, würde sich Putin sicherlich tunlichst verkneifen. Der Mann ist kein Irrer. Daß sich Frankreich oder Großbritannien zum Schutz Polens oder Deutschlands auf einen nuklearen Waffengang mit Rußland einlassen würden, dürfte allerdings auch niemand ernsthaft annehmen.
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Original geschrieben von Jimmythebob
Im Übrigen bestätigt deine Argumentation meine persönliche These, warum es plötzlich so viele "Putin-Versteher" gibt.
Aus Angst vor einem Krieg in Europa, möchte man den vermeintlich starken Russen milde Stimmen und ja alles unterlassen, was ihn provozieren könnte (sogar dein O-Ton).
Bevor man es auch nur hypothetisch in Betracht zieht, sich auf eine militärische Auseinandersetzung einzulassen, ist man nun einmal gut beraten, die eigenen militärischen Potentiale realistisch zu analysieren. Und diese sind in Westeuropa im allgemeinen und in Deutschland im Speziellen eben nur noch in sehr geringem Maße vorhanden. Dabei ist der erbärmliche materielle Zustand der Bundeswehr sogar das kleinere Problem. Das ließe sich im Laufe einiger Jahre beheben. Deutschland befindet sich heute mental in einem noch traurigeren Zustand als die III. Republik am Vorabend des zweiten Weltkriegs. Jahrzehnte pazifistischer Indoktrination haben bei uns so tiefe Spuren hiinterlassen, daß es wohl mehrere Generationen dauern würde, diese wieder zu tilgen. Eine "niedliche Kriegsministerin", die der Ansicht zu sein scheint, daß Kitas, Flachbildschirme und mehr weibliche "Führungskräfte" das wichtigste für eine Armee sind, spricht da einfach Bände. Und wenn man nun einmal weder fähig noch willens ist, notfalls zu kämpfen, muß man sich eben daran gewöhnen von weniger weichgespülten Gesellschaften dominiert zu werden. Und genau das passiert uns eben gerade.
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Original geschrieben von Jimmythebob
Die Tatsache, dass Russland in höchstem Maße aggressiv vorgeht und zur Machterweiterung Mittel des finstersten 19 Jahrhunderts nutzt, wird entweder ignoriert oder schlicht so lange geleugnet, bis man es wahrscheinlich selber glaubt. Man fängt an mit zweierlei Maß zu messen, demokratische und selbstbestimmte Entscheidungen zu NATO-Mitgliedschaften von bestimmten Ländern als illegitim zu bezeichnen ("ist doch klar, dass Russland sich bedroht fühlt"), usw.
Genauso haben die USA, England und alle Mächte auch zwischen '33 und '39 reagiert, weil nicht wahr sein kann, was nicht wahr sein darf. Doch diese Appeasement-Politik ist gescheitert und sie würde auch bei Putin scheitern. Das wird von diesen Personen leider übersehen und so sind in deren Augen einfach alle Handlungen derer falsch, die aus der Geschichte gelernt haben. Das ist schade, aber psychologisch sicher zu erklären.
Wir können ganz im Gegenteil froh und dankbar sein, daß es sich bei Putin eim einen klassischen nationalistischen Machtpolitiker handelt, der ganz im Stile des durchaus nicht so finstern 19. Jahrhunderts agiert und nicht um einen totalitären Ideologen, wie sie für das weitaus dunklere 20. Jahrhundert prägend waren. Putin will ein möglichst mächtiges Rußland, aber er will keine bolschewistische Weltherrschaft. Mit einem Machtpolitiker kann man notfalls verhandeln, wenn man zu schwach oder zu feige zum kämpfen ist, einem Ideologen kann man sich nur unterwerfen. Insofern hinkt Dein Vergleich mit der Appeasement-Politik der 30er Jahre nicht nur, sondern er sitzt im Rollstuhl. Und wir können froh sein, es nur mit einem Putin und keinem Stalin oder Hitler zu tun zu haben.