Beiträge von Boogieman

    @ Chicken: Natürlich gelten die Tarife nicht nur für eine bestimmte Branche, sondern auch für die Region. Ein Redakteur in BaWü bekommt mehr als in Sachsen. Da sind die Lebenshaltungskosten eben mit einbezogen.
    Aber wenn man das berücksichtigt, dann kommt einer gerechten "Gewinnverteilung" schon sehr nahe. Außerdem sollte man auch berücksichtigen, was oft gemacht wird: Der GF oder Vorstandsvorsitzende bekommt einen Megabetrag und der kleine Angestellte viel zu wenig. Ich will gar nicht viele Zahlen nennen. Aber wenn man sich anschaut, was in der Telekom bei den Chefs für Kohle fließt und dann schmeißen sie wieder tausende Mitarbeiter raus, weil sie einsparen müssen / wollen, dann stimmt da was nicht.

    Der Mindestlohn hilft ja nur ein paar Leuten (ich schätze mal das ist eine Minderheit unter den AN), die noch schlimmer ausgebeutet werden als viele andere (das scheint mir die Mehrheit zu sein).
    Ich denke aber, daß man staatlich schon gewisse Regeln aufstellen kann, die eben nicht die Tarifautonomie aufheben. Wenn man z.B. Löhnen gewisser Berufsgruppen eine prozentuale Grenze setzt, die vom branchenüblichen Tarif maximal nur xy % abweichen darf. Kriegt man nämlich die Firmen dran, die nicht in irgendeinem Tarifverbund sind.

    Ich sag ja: "Eier, die NIE gelegt werden..." ;)
    Natürlich werden unsere Politiker niemals die erforderliche Mehrheit aufbringen, weil es in erster Linie darum geht, einfach gegen den anderen zu stimmen.


    Mit Demokratie hat unsere lustige Gesellschaft in meinen Augen eher wenig zu tun. Die Volksvertreter werden zwar noch vom Volk gewählt, aber sind wir doch mal ehrlich. Es ist doch immer nur die Wahl des kleineren Übels.
    Und bei uns bestimmt das Volk doch eher wenig...

    30 % mögen nicht realistisch sein, aber sie sind definitiv angemessen und gerecht.
    Der Lokführer, der freundlicherweise weiter oben ein paar Zahlen nannte, käme bei jetzigen 2050 € auf 2665 €. Nach 10 Jahren, mit so einer Verantwortung, bei den Schichten meiner Meinung nach immer noch zu wenig!


    @ Chicken: Auch das Grundgesetz läßt sich IMHO mit entsprechender Mehrheit ändern. Aber wir reden hier nicht nur über ungelegte Eier, sondern über Eier, die nie gelegt werden können, weil unsere Politiker ein lobbyistischer Haufen ist und es wahrscheinlich nicht mal zu solchen Vorschlägen kommen wird.
    Um noch eine kleine OT-Idee zu bringen: Gehälter sowohl der Angestellten, als auch der Chefs am Unternehmensumsatz / -gewinn orientieren. Oder einen Schlüssel ausarbeiten, der das Gehaltsgefüge zwischen Chef und Mitarbeiter in Abhängigkeit der Anzahl der Mitarbeiter reglementiert. Das klingt zwar sehr nach einem eher sozialistischen Plan, aber ich denke nur so kann man der Lage Herr werden.

    Die wichtigste und globalere Frage ist aber:


    5) Warum greift der Staat nicht endlich ein? Nicht nur im Bahnkonflikt, sondern generell in die Ausbeutung des Arbeitnehmers.


    Ach ich hab auch gleich die Antwort:
    Weil es alles Lobbyisten sind und keiner ein Volksvertreter im eigentlichen Sinne des Wortes...


    Die einzige Hoffnung für den kleinen Mann (oder auch Frau) sind Firmen, die ihre Mitarbeiter fair behandeln (siehe Porsche aus meinem obigen Posting) oder ne zündende Idee, mit der man sich selbständig machen kann und somit sein eigener Chef ist und sogar dem Staat noch ein bißchen "austricksen" kann.

    Zu der angeblichen Forderung einer 30 %igen Gehaltserhöhung:
    Überlegt doch mal ganz einfach, was das Geld heutzutage tatsächlich noch Wert ist!
    Kleines Beispiel gefällig? Als ich meine Ausbildung machte (lange ist es her), stand mir als Vergütung nach der Ausbildung (BTW. ein kaufmännischer Beruf) 3.500 DM brutto + Provisionen in Aussicht. Damals dachte ich, mit dem Grundgehalt kann ich sehr gut leben, die Prov. on top - alles bestens.
    Wenn man jetzt bedenkt, daß es nur noch 1750 sind und sich die Preise anschaut, dann wird man sehr schnell sehen, daß die Rechnung nicht mehr aufgeht.
    Natürlich sind nicht alle Preise gestiegen, aber wenn man einfach mal ein Extrembeispiel nimmt wie z.B. Autos. Vor 10-15 Jahren hat man bei einem normalen 3er BMW mit dem kleinsten Motor und in der Grundausstattung etwas über 30.000 DM hingelegt. Jetzt zahlt man das fast schon in Euro. Haben sich die Gehälter auch nur annähernd in die gleiche Richtung entwickelt? Nein.
    Gehaltserhöhungen haben in den letzten Jahren nicht mal den Inflationsausgleich eingeholt. Die Teuerungsrate der Konsumgüter schon gar nicht.
    Hinzu kommt, daß die gierigen Unternehmensführungen immer mehr einstreichen, der Firmenumsatz und Gewinn steigt und im Umkehrschluß wird dem kleinen Angestellten immer mehr in die Tasche gelangt. Durch die Arbeitsmarktsituation sind auch die meisten AN nicht mehr in der Lage einfach mal auf den Tisch zu hauen, sondern schlucken auch noch immer mehr.
    Ein paar größere Unternehmen behandeln ihre Mitarbeiter dagegen fair, aber das sind leider nur wenige Ausnahmen. (Bsp. Porsche - übertarifliche Bezahlung, 13,7 Gehälter und Bonuszahlungen, weil es der Firma gut geht --> ´05 3000 € / ´06 3500 € / ´07 5000 €).
    Andere verdienen weit unter Tarif (ich kenne Leute, die über 20 % unter Tarif bezahlt werden. Wenn man noch die Steigerung durch Arbeitsjahre einbezieht sind es sogar 30 %).


    Wenn ich mir die Gehälter der Lokführer anschaue, dann sind 30 % in meinen Augen absolut gerechtfertigt.


    Ein paar weitere Zahlen:
    Mehdorns Vorgänger verdiente angeblich 1 Mio. DM, Mehdorn selbst bekommt angeblich 3 Mio. . Das ist eine Steigerung um 600 %. Wie will dieser Mann einem Lokführer also eine 30 %ige Steigerung plausibel ausschlagen? Mit dem Gehalt leben die Menschen je nach Familiensituation und Standort (Mieten sind ja sehr unterschiedlich von Region zu Region) fast schon am Existenzminimum.
    Dann sollte man die Schichterei nicht außer Acht lassen. Ich arbeite seit Jahren in Wechselschichten (nein, nicht wöchentlich oder monatlich, sondern täglich wechselnd). So etwas schlaucht sehr und sollte besonders vergütet werden. Wird es aber nicht!


    Die Unternehmensumsätze (oder waren es sogar die Gewinne? Hab´s nicht mehr genau im Kopf, war in irgendeiner Diskussionrunde á la Berlin Mitte) sind in den letzten 10 oder 15 Jahren um 40 % gestiegen. Die Managergehälter sind im zweistelligen Prozentbereich gestiegen, die Gehälter der Arbeiter, die letztendlich den Löwenanteil der Umsatzsteigerung gebracht haben blieben im kleinen einstelligen Prozentbereich.
    Wo ist da die Gerechtigkeit.


    Und was die Tätigkeit oder Verantwortung als Lokführer angeht. Es läuft da im Allgemeinen einiges schief. Hat man eine Führungsposition wird ein höheres Gehalt nicht mit Mehrarbeit, sondern mit besonderer Verantwortung begründet. Hat ein normaler Angestellter eine besondere Verantwortung, dann wird da komischerweise nur die Arbeitsleistung bewertet. Das meist nicht sonderlich reell und das System stinkt einfach zu Himmel.


    Ich fahre Auto und mag ÖV nicht sonderlich und ich könnte täglich im Strahl k*****, wenn ich wieder im Stau stehe, weil die Bahn streikt. Trotzdem sage ich: Zieht´s durch und gebt nicht klein bei!
    Auch wenn ich davon direkt nur Nachteile habe, bin ich einfach für die - in meinen Augen - absolut gerechte Sache.


    Und die Äußerungen über Akademiker und deren Gehälter und die Diskussion was man vergleichen muß, Brutto oder Netto zeigen einfach eine gewisse Unreife des Users. Das Leben ist kein Wunschkonzert. Wenn es eines wäre, dann wäre ich gern ein gut gebuchter Selbständiger, der den Gott Steuerberater an seiner Seite hat.
    Aber es ist eben kein Wunschkonzert...