ZitatOriginal geschrieben von Seadart
Es kann nicht sein das auf Grund einer Religiösen kränkung Menschen verletzt werden oder auch sterben müssen. Diese Phase hatten die Christen im Mittealter auch, aber meine güte der Mensch entwickelt sich doch weiter und wir leben in einer Zivilisation. Ist diese denn völlig an euch vorüber gegangen.
Da genau ist ja der Knackpunkt - die Antwort auf Deine Frage ist: weitgehend ja!
Nicht an Moslems an sich natürlich, aber an einem Grossteil der Menschen der Gesellschaften, die von islamischen Geistlichen dominiert wird.
Prägende Phasen der Entwicklung des westlichen Welt-, Religions- und Wertebildes waren eben Reformation, Aufklärung, die Französische Revolution mit allem, was sie nach sich zog und auch die Formulierung des Kommunismus. All diese Entwicklungen haben - neben anderen, späteren Entwicklungen - nach meinem Verständnis sehr dazu beigetragen, dass es in unserem Teil der Welt eine Emazipation von geistigen wie weltlichen Authoritäten inzwischen selbstverständlich ist, die für die Gesellschaften hier derartigen Religionsfanatismus genauso unverständlich erscheinen lassen wie umgekehrt unsere laizistische, auf eiiner Trennung von Staat und Religion sowie Meinungsfreiheit Gesellschaftsordnung für die Menschen dort.
So, und was macht man aus dieser Erkenntnis (sofern man sie denn teilt)?
Aus meiner Sicht zumindest eines nicht - sich dem beugen und kuschen! Diese Gesellschaften müssen ihre Erfahrungen selbst machen, aus der Erfahrung anderer zu lernen war und ist für den Menschen schon immer schwer gewesen. Aber das heißt noch lange nicht, dass der Westen Schritte zurück auf dem eigenen Zivilisationsweg gehen sollte!
Es hat lang genug gedauert und verdammt viele Menschenleben gekostet, bis sich in unseren Gesellschaften die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass a) Gewalt nur die Ultima Ratio ist und b) wenn, dann das Gewaltmonopol beim Staat liegen muss. Und c), dass Meinungsfreiheit eine der allerwichtigsten Freiheiten überhaupt ist. Und zwar eine weitgehend schrankenlose Meinungsfreiheit - denn eine Meinungsfreiheit, die nur umfasst anderen das sagen zu dürfen, was diese ohnehin hören wollen, ist keine!
Religionsfreiheit ist eine schöne und wichtige Sache. Jeder ist frei, an den Gott zu glauben den er will - aber das heißt noch lange nicht, dass er deshalb jedem anderen aufzwingen darf, die Regeln seiner Religion zu befolgen!
Ich persönlich bin heilfroh, dass die Zeiten der Dominanz für extrem orthodoxe Auslegungen der katholischen Lehre (Stichwort: Inquisition) hier Geschichte sind. Wozu sicher auch Lehren beigetragen haben, die sonst - zumindest in der praktischen Umsetzung - nicht viele positive Aspekte gebracht hat:
ZitatSeinem Erkenntnisprinzip nach steht der religiöse Glaube somit in einem unüberbrückbaren Gegensatz zum Wissen, zur Wissenschaft, denn er ersetzt eine objektiv-wissenschaftliche Analyse der Stellung des Menschen inmitten seiner Beziehungen zur Natur und seiner sozialen Existenzweise und eine wissenschaftlich begründete Aussage über die tatsächlichen Möglichkeiten, Interessen, Bedürfnisse, Schöpferkräfte und notwendigen Aktionen des Menschen durch die Anerkennung eines Welt-, Gesellschafts- und Menschenbildes, das auf Verabsolutierung und Fetischisierung elementar wirkender, undurchschauter Kräfte im gesellschaftlichen Lebensprozess sowie menschlicher Eigenschaften beruht, die im religiösen Bewusstsein die Form überweltlicher Mächte annehmen und die wirkliche Welt des Menschen zu sich in Abhängigkeit zu setzen scheinen. Insofern der religiöse Glaube, seine Annahme, zugleich als Voraussetzung jeder Teilhaberschaft am religiös verkündeten «Heil», als Medium der «Heils»-Aneignung, begriffen wird, ist er zugleich eine Verhaltensweise, die uneingeschränktes Vertrauen in die Erfüllung dieser religiösen Erwartung setzt und jegliche Handlung (die «Werke») unter dem Gesichtspunkt des zu erwartenden «Heils» betrachtet, d.h., sie mit einer Sinngebung bedenkt, die der menschlichen, sinnlich-konkreten, überprüfbaren Praxis völlig entrückt ist. Hieraus leitet sich zwangsläufig eine Wertung des gesellschaftlichen Verhaltens unter dem besonderen Gesichtspunkt des Glaubens ab, die weniger das Verhalten, die Tat an sich, als vielmehr einseitig das subjektive Motiv, die Gesinnung, aus der sie folgt, in den Vordergrund der Betrachtung rückt. Der religiöse Glaube konstituiert also zwangsläufig eine Grundhaltung, die Subjektivismus, Kritiklosigkeit und Unterordnung unter einen fremden Willen fördert und damit vor allem einer religiösen Manipulierung durch reaktionäre Gesellschaftsklassen zu außerreligiösen egoistischen politischen Zwecken Ausgangspunkte schafft.