Zitat
Original geschrieben von fahrsfahrwerkaus
Könnte nicht auch ein Grund darin liegen, dass der moderne, 17jährige "krasse Checker", der zu blöd ist, seinen eigenen Namen zu schreiben, einfach keine Chance hat, irgendeinen ernsthaften Auftritt vor dem Personalmenschen/Ausbildungsleiter hinzulegen? Hier im Forum habe ich schon von einigen gelesen, die regelmässig Bewerbungen auf den Tisch bekommen, wie doof doch das Bewerbervolk geworden ist, insbesondere das junge.
Das ist nicht ganz von der Hand zu weisen, wenngleich ich nicht behaupten will, dass das erst eine Entwicklung der letzten Jahre ist. Mein Vater ist vor ca. 10 Jahren in Rente gegangen, war zuvor Ausbildungsleiter in einem größeren Unternehmen. Wenn Bewerbungszeit für Ausbildungsstellen war, saß er oft daheim und hat die Bewerbungen abends durchgesehen. Was ich da damals schon in den Bewerbungsunterlagen gesehen habe, war nicht selten haarsträubend bis ungewollt komisch.
Heute bin ich selbst im Personalbereich tätig, und man muß sich in der Tat erst darauf einstellen, dass die Anforderungen, die man selbst zu erfüllen gelernt hat bei Bewerbungen um eine Stelle nach dem Studium und das, was als Bewerbungen um eine Ausbildungsstelle ankommt, zwei völlig unterschiedliche Paar Schuhe sind. Gut, nicht wirklich verwunderlich, bedenkt man Alters- und Personengruppe die angesprochen wird - aber das ist anfangs schon haarsträubend, was da sowohl schriftlich als auch persönlich im Vorstellungsgespräch geboten wird.
Dass es wirklich nicht einfach ist, in jedem Fall Ausbildungsplatz und Azubi-in-spe zusammenzubringen ist schlicht richtig, und die immer geforderte Mobilität - naja, erstens erlauben ja selbst die vom Arbeitgeberverband als so wahnsinnig viel zu hoch eingeschätzten Azubi-Gehälter kaum, sich irgendwo fernab vom Hotel Mama eine Bleibe und vielleicht noch ein Auto zu leisten, und zum anderen erlebe ich selbst, dass es a) nicht einfach ist in einer neuen Gegend Fuß zu fassen und b) nicht mal viele der ach so flexiblen Studierten bereit und in der Lage sind, sich aus der gewohnten Umgebung zu verabschieden. Insofern verblüfft es mich nicht, dass viele Jugendliche sich damit überfordert fühlen und nicht bereit sind, ans andere Ende Deutschlands zu ziehen für eine Ausbildung.
Aber bedeutet das, dass die Arbeitgeber deshalb per Gesetz zu zwingen sind, jedem seinen Wunschausbildungsplatz vor Ort anzubieten? Kaum - wenn ich Fach X studieren will, muß ich ja auch schauen, wo ich das angeboten bekomme, und kann nicht schmollen wenn das halt gerade nur in Lüneburg läuft. Ich nehm´s, oder ich lass es bleiben. Ähnlich beim Ausbildungspakt - es macht Sinn, dass sich die Arbeitgeber verpflichten, eine ausreichend hohe Zahl von Ausbildungsplätzen bereitzustellen, damit keine zu große Zahl von auch qualifizierten Jugendlichen erst gar keine Chance auf einen Platz hat. Aber mehr kann nicht Aufgabe der Arbeitgeber sein.
Dass es auf den ersten Anschein so aussieht, dass der Ausbildungspakt nicht eingehalten wird, ist meines Wissens der etwas wirren Berechnungsformel geschuldet - 30.000 neue Ausbildungsplätze (d.h. AP von Arbeitgebern, die bisher nicht oder nicht in dem Umfang ausgebildet haben) dürften durchaus erreicht werden. Allerdings werden wegfallende Plätze nicht auf diese Zahl angerechnet, so dass es sein kann dass 30.000 neue Plätze geschaffen werden und trotzdem in toto weniger Plätze da sind als im Vorjahr. Zumal die Zahl der "fehlenden" Plätze ja auch nichts aussagt, da ja auch die Zahl der Nachfrager schwankt...