Nachdem ich in den letzten gut 4 Jahren auf Grund von Studium, Referendariat, Zusatzstudium und DA jetzt Rhein-Main, Leipzig, das Ruhrgebiet und München selbst bewohnt habe und andererseits auf Grund vieler Besuche und Bekannter auch Köln/Bonn, Düsseldorf und Berlin ganz gut kenne, geb ich zu den Vorschlägen auch mal meinen ganz persönlichenSenf:
Ruhrgebiet: Nein danke. Aber das liegt vielleicht auch daran, dass ich da aufgewachsen bin. 20 Jahre sind für die Gegend mindestens 15 zu viel. Der nördliche Teil des Ruhrgebiets (Duisburg-Nord, Essen nördlich der A40, ebenso Bochum) ist für mich ein reiner Slum. Der Süden ist hübsch (Essen Süd z.B.) aber tot und lebt hauptsächlich davon und dafür, Schlafquartier für die besser situierten zu sein (die dann vornehmlich in D-Dorf arbeiten...). Die Bochumer Uni ist auf Dauer nur mit vielen Drogen zu ertragen, dass was BO für eine Innenstadt verkauft ist auch ein schlechter Scherz. Der Technologiepark in Dortmund bietet vielleicht ein Biotop an Zukunftstechnik und entsprechenden Job und Leuten - aber wo die alle wohnen und nach der Arbeit zu finden sind, hat sich mir noch nicht erschlossen. Wobei ich Dortmund zugegebenermaßen insgesamt als am oberen Ende der Lebensqualität vom Ruhrgebiet ansehen würde. Aber so ist das mit den Blinden und Einäugigen halt...
Lebenshaltungskosten sind sehr niedrig, aber damit auch der Qualität angepaßt, also im wahrsten Sinne des Wortes "preiswert" - es fragt sich halt immer nur auf welchem Niveau.
DeusExMachinas PERSÖNLICHE Bewertung der Lebensqualität: 2 von 10.
Rhein-Main: Hier wird´s schon sehr viel interessanter. Und verschiedener. Frankfurt ist tagsüber eine pulsierende Stadt, man trifft viele und auch viele interessante Menschen. Wo die sich abends aber alle verstecken ist, mir bis heute ein Rätsel, außer in Sachsenhausen werden da ja alle Bürgersteige hochgeklappt, und so eine einzige Enklave des Lebens... naja. Zum Arbeiten sehr interessant, zum wohnen - naja, da sollte man es den 90% der anderen nachmachen, und zum wohnen lieber rausziehen.
Zum Beispiel ins westliche Rhein-Main, sprich Mainz oder Wiesbaden. Nach 6 Jahren in Mainz hatte ich die Schnauze gestrichen voll und wollte raus, was anderes sehen. Gut, dass ich´s gemacht habe, jetzt kann ich guten Gewissens sagen, dass ich mich darauf freue, vielleicht irgendwann zurückkehren zu können.
Ein recht entspanntes Lebensgefühl (der Rhein strahlt´s wohl aus...), durch die Mainzer Uni undetwa 3 FHs ´ne Menge junge Leute, und wenn es einem dann doch mal etwas zu provinziell ist (ja, das ist MZ schon etwas...) dann gibt´s ja noch Frankfurt in Pendelreichweite von einer halben Stunde.
DeusExMachinas PERSÖNLICHE Bewertung der Lebensqualität: 8 von 10.
München: Uh, naja. Jetzt 8 Monate hier, und bisher hab ich mich mit der Stadt bisher nicht anfreunden können.
Arbeitsplätze hat´s hier sicher wie sonst kaum wo in Deutschland, Intelligenz auch, Frauen - naja, ziemlich aufgebrezelt in der Regel, aber jeder halt nach seinem Geschmack. Einkaufen kann man hier natürlich auch nach Herzenslust - wenn da nicht der heftige Kater im Geldbeutel danach wäre...
Die Stadt ist sehr teuer, hält sich für eine Großstadt und doch wirkt für mich alles verdammt aufgesetzt. Irgendwie halt doch nur ein Dorf, das sich für eine Großstadt ausgibt. Kann man mögen oder nicht, ich mag´s nicht. Wenn Geld kein Problem ist, d.h. man es selbst beruflich schon geschafft hat oder von daheim ordentliche Spritzen mitbringt, ist München sicher toll. Wenn nicht, eher das Gegenteil.
DeusExMachinas PERSÖNLICHE Bewertung der Lebensqualität: 6 von 10 (wenn Geld keine Rolle spielt: 10 von 10)
Leipzig/Halle: Ohje, dann doch lieber Ruhrgebiet. Die Stadt sieht für den Besucher wunderschön aus, sicher. Im Gegensatz zu Halle, das in der Häßlichkeit der Stadt verschiedenen Ruhrgebiets"Metropolen" nichts nachsteht. Aber dieses permanente, alles überlagernde selbstmitleidige Gejammer geht mir noch heute nach, und wenn man als Wessi mit dem Gedanken spielt sich da niederzulassen... well, think again. Extrem dickes Fell ist Grundvoraussetzung, man ist ja schließlich Vertreter derer, die an allem Übel schuld sind. Und die Offenheit Berlins gegenüber Neuem und Neuen erlebt hier ihr genaues Gegenteil. Vielleicht hat sich in den letzten 3 Jahren ja was geändert (nicht, dass ich´s glaube), aber auch in den nächsten mindestens 15 Jahren ohne mich. Ich bin mit viel Interesse und Neugier hingekommen - und mit nichts als Frust wieder gefahren. Da helfen alle Industrie- und New Economy Ansiedlungen nichts.
DeusExMachinas PERSÖNLICHE Bewertung der Lebensqualität: 0 von 10
Düsseldorf: Hat was. Jedenfalls all das, was der Thread-Ersteller sucht. Aber ähnlich wie München kann man sagen, die Stadt ist schön - leider weiß sie´s auch. Wie bei Frauen kommen damit die Probleme...
Die Fassade ist schön, manchmal ist auch was dahinter, oft aber auch nicht. Wie in Muc sind Geld und beruflicher Erfolg essentiell, um das Leben hier genießen zu können, wenn auch vielleicht nicht ganz so extrem. Liegt vielleicht daran, dass man hier nicht ganz so isoliert liegt wie in München. Für mich schon ansprechend.
DeusExMachinas PERSÖNLICHE Bewertung der Lebensqualität: 7 von 10
Köln/Bonn: Nicht ganz so glamourös wie Düsseldorf - und das ist auch gut so. Für mich eine Gegend, die die richtige Mischung hat. Plus die Rheinische Mentalität, die man abkann oder nicht. Ob jetzt in der Großstadt Köln selbst oder eine (zwei?) Nummer(n) kleiner in Bonn ist Geschmackssache. Für mich eine Stadt, in der es sich absolut lohnen würde zu leben!
DeusExMachinas PERSÖNLICHE Bewertung der Lebensqualität: 9 von 10
Berlin: Mit den anderen Städten hier nicht zu vergleichen. Punkt. Die anderen sind Städte oder Stadtansammlungen. Berlin ist eine Metropole, obwohl die einzelnen Kieze eben doch autark sind. Aber das macht es halt aus - hier findet man alles - großstädtisches wie provinzielles, Aufbruchstimmung und Defaitismus, Glamour und Slum - take your pick for this night. Berlin hat (zu Spottpreisen) alles - außer Arbeitsplätzen. Womit wir natürlich bei einem Problem wären... Und, wenn man nach Berlin kommen will, sollte man es machen wenn man jung ist - ich glaube, wenn man erst jenseits der 35 ist, wird es schwer, noch Gefallen an der Stadt zu finden. Dann ist sie wahrscheinlich einfach zu groß und hektisch.
DeusExMachinas PERSÖNLICHE Bewertung der Lebensqualität: Außer Konkurrenz. Aber lasst es mich so sagen: wenn man mir einen interessanten Job
für ein gutes Gehalt irgendwo in Deuschland anbietet, und für 20% weniger den gleichen Job in Berlin - ich bräuchte ungefähr 2 Sekunden Bedenkzeit, bevor ich nach Berlin komme...
Zu den anderen Regionen und Städten kann ich nicht genug sagenAus der Ferne betrachtet sieht Hamburg interessant aus, mit Abstrichen auch Bremen und Stuttgart, während mich Hannover und Mannheim weniger reizen. Aber bei dem Tempo, mit dem ich in den letzten Jahren durch Dutschland gezogen bin, werde ich das sicher auch noch irgendwann beurteilen könen... 
