ZitatOriginal geschrieben von andi2511
Viele Beiträge hier verdeutlichen aus meiner Sicht ein Dilemma: Politik und politische Sachfragen sind zu kompliziert und komplex für "normale" Bürger und müssen dann auf verständliche Formeln heruntergebrochen werden. Das ist einerseits nötig, da das Volk ja auch an politischen Sachfragen beteiligt werden muß, beinhaltet aber auch die Gefahr, hochkomplexe Sachverhalte zu simplifizieren.
Andi, Du sprichst mir aus dem Herzen. Das große Dilemma, wenn wir hier eine grundsätzliche Demokratie-Diskussion führen wollten - aber ich denke, ´s ist besser wenn wir das bleiben lassen.
Was die Neuwahl angeht - ich halte das für eine sehr sinnige Entscheidung - sowohl aus den Augen der SPD gesehen als auch für das Wohl der gesamten Republik gesehen. Entweder, Rot-Grün wird bestätigt - dann ist die Opposition im Bundesrat faktisch gezwungen, deutlich kompromißbereiter zu sein als derzeit. Oder es kommt zu einem Regierungswechsel, dann ist die Periode der Kohabitation endlich - zumindest vorerst - vorbei, und es kommt wenigstens wieder zu einer konsequenten Regierung. Unabhängig davon, zu welcher Seite man politisch neigt, eine imho begrüßenswerte Entwicklung. Und nein - eine große Koalition wäre nun wirklich die größte Katastrophe, die uns ereilen könnte! Man darf sich wohl keiner Illusion hingeben, dass eine ähnlich kooperative Zusammenarbeit wie in den Sechziger Jahren geben würde. Es würde vielmehr ein ständiges Tauziehen darum geben, alle möglichen Interessengruppen nicht zu sehr vor den Kopf zu stoßen - was nur zu völlig verwässerten Kompromissen fürhren würde, ganz das Gegenteil von dem was gebraucht wird.
Es wurde oben schon der Vergleich zu Margret Thatcher gezogen - es wäre in der Tat zu hoffen, dass es zu so einer Phase kommt. Das war für England und wäre für Deutschland mächtig hartes Brot - aber dass es UK auf die lange Sicht geschadet hat, kann man wohl nicht behaupten. Ob die farblose Frau Merkel das allerdings hinbekommt? Naja, die Eiserne wurde am Anfang ja auch belächelt...
In den nächsten Jahren an der Regierung zu sein, wird für keine Partei oder Koalition einfach sein - die Macht des faktischen ist stark, wer immer regiert wird sehr unpopuläre Entscheidungen treffen müssen, die daher natürlich Wahlniederlagen nach sich ziehen wird. Das Gras auf der anderen Seite des Zauns ist halt immer grüner, und die Wähler haben bekanntermaßen ein sehr kurzes Gedächtnis - dass es auf die wirklichen Inhalte nur zweit- bis drittrangig ankommt, hat ANdi ja schon richtigerweise angeführt. Deshalb auch bloß mehr Elemente direkter Demokratie - damit die Bilzeitungs-Demokratie fröhliche Urständ feiert... ![]()
Aber dass Rot-Grün jetzt die Waffen streckt, sehe ich mehr als Chance - es käme möglicherweise mit Schwarz-Gelb eine Regierung an die Macht, die aus einer Position der Stärke heraus versuchen kann, etwas zu verändern. Vielleicht macht sie ja was draus. Nicht, dass ich ernsthaft damit rechne...