Ich halt's nicht mehr aus!
@BigBlue007:
Deine Argumentation ist auch nicht besser als die, welche Du kritisierst. Der Kampf gegen das nationalsozialistische Deutschland, auf den Du Dich ja beziehst, ist als Argument insofern unangebracht, da dies noch am ehesten eine Aktion mit Weitblick war. Dies wird vor allem dadurch klar, wie man den Deutschen "Demokratie" beibrachte.
Sicher, man brauchte damals mittelfristig ein robustes, westlich-orientiertes "Gebilde" in Mitteleuropa, um die sich bereits andeutenden sowjetischen Machtgelüste abzublocken. Dennoch kann das "Experiment Deutschland" als gelungen angesehen werden. Und, das geht jetzt an alle, ich finde, daß Deutschland seine Lektion gut gelernt hat. Ja, ich meine sogar, daß sich die allermeisten Länder durchaus eine Scheibe abschneiden könnten vom deutschen Understatement. Mir wird ob dieser Ansicht oft vorgeworfen, ich hätte Komplexe. Aber ist es nciht so, daß eher diejenigen, die sich immer über die "Bevormundung Deutschlands" beschweren, an Komplexen zu leiden scheinen? Damals waren die USA Deutschland haushoch überlegen (und ich meine das nicht militärisch!), und man kann sie zurecht vielleicht nicht als Vater, zumindest aber als federführenden Geburtshelfer der Bundesrepublik bezeichnen. Und es handelte sich schon um eine "Risikogeburt" (Gewissermaßen in Steißlage und mit Nabelschnur um den Hals). In diesem Sinn: Danke!
Aber zurück zur aktuellen US-Außenpolitik: Leider ist diese anscheinend von Palm-Ingenieuren entwickelt worden, da sie leider nur 1 Bit Farbtiefe aufweist ... Vor allem aber mangelt es ihr an langfrisitgen Perspektiven: Daß Saddam Hussein immer noch an der Macht ist und seine Spielchen spielt, ist nicht nur das Verschulden der Iraker oder der irakischen Baath-Partei, sondern vor allem auch das von George Bush sr. Es rächte sich damals, daß man sich eben immer nur so durchlaviert(e). Immerhin war es ja noch nicht so lange her, daß man Herrn Saddam H. aus B. als Bollwerk gegen die Mullahs aus dem Iran brauchte ... Daß man seinerzeit mit dem Stop des Vormarsches in den Irak die Schiiten im Süden des Landes, vorsichtig gesagt, düpierte (besser wäre wohl opferte - im Wortsinn!), hat sicher auch nicht zu vermehrter Sympathie beigetragen.
Vielleicht aber erkennt man doch irgendwann, daß die Maximen "Der Feind meines Feindes ist mein Freund" und "Of course, he's a bastard, but he's our bastard" keine Grundlage einer verläßlichen und zukunftsorientierten Außenpolitik sind. Vielleicht erkennt man in Washington sogar eines (fernen?) Tages, daß die Vereinten Nationen noch größer sind als die Vereinigten Staaten. Optimisten aller Länder, vereinigt Euch!
Es geht mir nicht darum, hier Antiamrikanismus als solchen "salonfähig" zu machen. Du hast geschrieben, Du seist "amerikafreundlich" -- Das ist Deine Sache. Es gibt aber auch Leute die amerikakritisch sind (glücklicherweise gibt es auch so etwas wie kriitsche Loyalität!). Diese Menschen haben eine andere Ansicht, aber nicht automatisch eine falsche. BigBlue007, ich finde diese gewisse Arroganz, die Du -- als sicher gut informierter, politischer Mensch -- an den Tag legst, etwas schade, da sie sicher nicht geeignet ist, andere von Deiner Meinung zu überzeugen.
Schließen möchte ich mit einem (sinngemäßen) Ausspruch des Kabarettisten Volker Pispers: "Es heißt, man solle jetzt nicht in einen oberflächlichen Antiamerikanismus verfallen. -- Dabei ist mein Antiamerikanismus gar nicht oberflächlich!"
Barrie
P.S.: Ich sehe in der Vorschau, daß ich für eine direkte Antwort wieder zu lange an meinem Posting umeinandergebastelt habe ... 