Zitat
Original geschrieben von CK-187
bin ich der einzige dem diese ganze "blogger-szene" irgendwie auf die ei*r geht :confused:
Weiß nicht. Mir geht zwar alles mögliche auf die Eierstöcke. Aber wenn ich gerade lese, dass Blogs z.B. mit Karl Kraus' (von dem ich ein großer Fan bin) "Fackel" verglichen werden, dann muss da 'was Interessantes d'ran sein!
"Kraus und die 'Internet-Generation'
Zweifelsohne wird zu Kraus in Österreich wissenschaftlich intensiv gearbeitet (das Wörterbuch der "Fackel" an der Akademie der Wissenschaften, Vorträge, Aufsätze etc.).
Was aber fehlt, sind Arbeiten, die einer heute jungen Generation die Bedeutung von Kraus erläutern. Dabei wäre gerade für die "Internet-Generation" Kraus einer der Autoren, die es zu entdecken gälte.
In einer Zeit, da Weblogger zeigen, dass man zur Bildung publizistischer Öffentlichkeiten nicht mehr etablierte Medienhäuser braucht, erhält auch die "Fackel" von Kraus neue Aktualität.
Die "Fackel" und die Blogs
Vieles, was die "Fackel" gerade in ihren ersten Jahrzehnten auszeichnete, macht deutlich, wie eng das Projekt von Kraus mit dem eines Weblogs verwandt ist. Kraus startete die "Fackel" 1899 als Gegenprojekt zum etablierten Zeitungsdiskurs. Das Wort sollte wieder frei sein und nicht von Geldgebern abhängen, Werbung und Berichterstattung nicht vermischt werden.
Ähnlich den Weblogs war es im Fall der "Fackel" eine Person, die eigenverantwortlich ein ganzes Medium produzierte. Kraus focht seine Kämpfe persönlich aus, er benutzte das Zitat, um die Schwächen seiner Gegner bloßzustellen.
Blickt man heute auf mächtige Weblogs, etwa jenes des US-Journalisten Andrew Sullivan, so findet man zahlreiche Ähnlichkeiten zwischen Kraus und einem "bloggenden" Journalisten. Was bei Kraus die Montage an Zitaten, das ist im Zeitalter des Internets das Verlinken.
Poetik der Polemik
Eine Poetik der Polemik prägte die "Fackel" und kennzeichnet heute mächtige Blogger: Die Texte entstehen aus der direkten Auseinandersetzung mit dem publizistischen Gegenüber.
Angriffe werden immer ad personam geführt, die Schwächen des Gegenübers ausführlich vorgeführt. Der fremde Text wird über das Zitat bloßgestellt, Zitat und Kommentar fügen sich zu einer neuen Textur."
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PS: Was verstehst Du unter "blogger-szene"?
Meinst Du damit die Leute, die privat ihre Memoiren verfassen, oder was?